Biss der Wildnis: MxM

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Zusammenfassung

Nasir Butler hat sich noch nie maskulin genug gefühlt – besonders im Schatten seines distanzierten Vaters. In der Hoffnung, sich neu zu erfinden, schreibt er sich an der rauen, von Sportlern dominierten Vanderbilt University in den Bergen ein. Dort ist er sofort fasziniert von dem magnetischen Walid und seinem einschüchternden Freundeskreis – die jedoch etwas Dunkles verbergen. Nach einer einzigen, gewaltsamen Begegnung im Wald wird Nasir gebissen. Und alles verändert sich. Sein Körper wird stärker. Seine Sinne schärfen sich. Sein Temperament brennt heißer als je zuvor. Während die Grenze zwischen Mensch und Bestie zu verschwimmen beginnt, muss Nasir sich der erschreckenden Wahrheit stellen, was aus ihm wird ... und was Walids Rudel in ihm geweckt hat.

Genre:
Horror
Autor:
Doll
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
15
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Der Biss

Es ist schwer zu atmen, während wir durch die Berge fahren. Wir sind fast 20 Stunden unterwegs. Ich hasse Roadtrips. Das Einzige, was ich noch mehr hasse als Roadtrips, ist die Kälte. Und heute bekomme ich die volle Breitseite von beidem zu spüren.

Dad ist schon immer wie ein Wahnsinniger gefahren, aber er muss diese Hügel wohl kennen. Er rast, als hätte er keinen Verstand.

„Kannst du langsamer fahren?“

„Verdammt, Nasir, kannst du nicht einmal deinen Mann stehen?“

So redet Dad nun mal. Er sagt solche Dinge mit Absicht zu mir. Die Sache ist die: Ich war für ihn nie Manns genug. Während ich aufwuchs, sagten alle, ich sähe aus wie meine Mutter. Ich hatte ihre Gesichtszüge. Mein Körper war schlank und zierlich wie ihrer. Mein langes, glattes, dunkelbraunes Haar fiel mir auf eine sehr feminine Weise den Rücken hinunter. Mein Dad hasst meine Haare am meisten von allem. Als ich jung war, wollte er sie mir abschneiden. Kurz bevor er anfing, wachte ich auf und schrie so laut, dass die Nachbarn die Bullen riefen. Mein Mund, meine Lippen, die Art, wie ich rede, und verdammt, sogar mein Gang war viel weiblicher als der der Typen um mich herum.

Ich habe immer versucht, meinen Vater zu beeindrucken. Ich versuchte mich im Sport, obwohl ich schrecklich darin war. Ich ging mit Mädchen aus, obwohl ich sie nie bevorzugte.

Sogar jetzt war ich auf dem Weg zum College meines Vaters… nur damit er stolz auf mich sein kann.

Nur damit er mich als seinen Sohn ansieht.

„Es tut mir leid, dass ich nicht hart bin. Es tut mir leid, dass ich nicht wie Qadir bin.“

Er dreht den Kopf zu mir. „Erwähne Qadir nicht.“

„Oh stimmt, er ist viel zu kostbar, um ihn zu erwähnen.“

Mein Vater dreht sich in diesem Moment zu mir und wendet mir seinen ganzen Körper zu. Ich kann die Wut in seinen Augen sehen. Diesen Blick kenne ich. Mein Vater, Travis Butler, war für seine Aggressivität bekannt. Es kam oft vor, dass mir eine Widerrede ein blaues Auge einbrachte. Er dreht sich zu mir und schreit mir fast ins Gesicht.

Ich weiche zurück.

„Lass dir eins gesagt sein. Als dein Bruder starb, ist meine verdammte Welt untergegangen. Das heißt nicht, dass du mir egal bist. Aber du musst ein Mann werden. Du bist jetzt 18. Du bist kein verdammtes kleines Kind mehr. Hörst du mich! Nasir, hörst du mir überhaupt zu?“

„DADDY!“

Mein Vater sieht es nicht. Das Auto schlingert. Da ist etwas auf der Straße. Es steht einfach nur da. Mein Herz rast, während sich das Auto dreht! Ich sehe, wie wir von der Straße abkommen. Mein Herz hämmert. Was zum Teufel war das mitten auf der Fahrbahn?

Wir schleudern. Mein Leben zieht an mir vorbei.

Ich sehe einen Baum, während mein Vater seinen Arm über meine Brust streckt, als ob das irgendetwas nützen würde. Er tritt voll in die Eisen! Wir schlingern. Immer schneller. Immer heftiger.

Dann bleiben wir plötzlich stehen – direkt vor einer Eiche.

„Was – zur – Hölle –“

„Wölfe. Davon gibt es hier viele. Nasir… Nasir… wehe, du hast dir gerade verdammt noch mal in die Hose gemacht…“

Ich schaue an mir herunter und werde rot. Er hat recht. Ich habe mir tatsächlich in die Hose gemacht. Als ich den Blick wieder zur Straße richte, sehe ich ihn. Den Wolf mitten auf der Straße. Er starrt zu uns herüber, immer noch mitten auf der Fahrbahn, ohne zu wissen oder sich darum zu scheren, dass er mich fast das Leben gekostet hätte. Es ist ein schwarzer Wolf mit wunderschönen blauen Augen… so blau, dass sie mich an Eis auf einem winterlichen Feld erinnern.

Er starrt mich an, als würde er genau sehen, dass ich mich eingepinkelt habe. Dann passiert das Seltsamste. Er knurrt. Er knurrt und geht dann einfach weg.

„Onkel Travis!“

Ich sehe mich um. Die Schule ist größer, als ich gedacht hätte. Wer baut eine Universität auf einem Berggipfel? Es schneit bereits. Dieser Scheiß ist absolut nicht süß. Das ist nicht mein Ding. Ich habe schon die Nase voll, bevor ich überhaupt aus dem Auto steige. Der Schnee bleibt bereits auf dem Boden liegen.

„India, wie geht’s dir, Kleines?“, fragt mein Dad.

Wir werden von meiner Cousine begrüßt. India Butler. Sie sieht mir sehr ähnlich. Sie hat dieses lange Butler-Haar. Es reicht ihr bis zum Arsch, genau wie bei mir. Ihr Haar ist allerdings nicht glatt wie meins. Es ist wuschelig und wild. Als sie auf mich zukommt, muss ich es einfach anstarren. Ich würde am liebsten einen Kamm nehmen und mich mal richtig daran austoben. India war aber schon immer so. Ein Wildfang. Sie würde mich wahrscheinlich verprügeln, wenn ich ihr die Haare kämmen wollte, und so zäh wie India ist, würde sie vermutlich gewinnen.

„Was geht, PUNK! Willkommen an der Vanderbilt University.“

India verpasst mir einen Schlag. Ja. Und das tut verdammt weh.

„Aua… was zum Teufel…“

„Immer noch so zerbrechlich, was, Cousinchen?“, fragt India mich.

Ich verdrehe die Augen. India und mein Bruder haben früher immer den verrücktesten Scheiß gemacht. Ich bin immer drin geblieben. Als mein Dad den Job in Los Angeles bekam, kam sie uns oft besuchen. Sie und mein Bruder haben mir das Leben zur Hölle gemacht. Wie ich sehe, hat sich nicht viel geändert.

„Hoffentlich macht Vanderbilt ihn ein bisschen härter“, sagt mein Vater zu meiner Cousine.

„Er ist in guten Händen, Sir“, sagt in diesem Moment ein Junge.

Der Junge steht neben India. Er ist weiß und hat blondes Haar. Er ist groß und auf seine Weise gut aussehend, sieht aber irgendwie nerdig aus. Er mustert mich von oben bis unten, als würde er mich abwiegen. Mein Dad stellt sich mir in den Weg. Er ist das komplette Gegenteil von mir. Er ist gebaut wie ein Profi-Wrestler. Tatsächlich verwechseln viele Leute meinen Vater mit The Rock. Er ist allerdings überhaupt nicht schwarz. Er ist reiner Native American. Er nennt nie seinen Stamm, aber er sagt, dass wir irgendwie mit den Shawnee verwandt sind. Meine Mutter war dagegen ganz schwarz, aber sie ist jetzt tot. Sie starb, als ich noch recht jung war.

Seit mein Bruder tot ist, gibt es nur noch mich und meinen Dad. Ich verstehe also, warum er mich so beschützt. Er stellt sich mir in den Weg und blockiert den Jungen, als wäre ich aus kostbarem Glas, das dieser neue Typ nicht einmal ansehen darf.

„Wer zur Hölle bist du?“, fragt mein Dad.

„Evan“, antwortet er mit fast wimmernder Stimme.

„Er ist mein Freund, Onkel Travis“, erwidert India. „Er arbeitet im Begrüßungskomitee. Er wird einer von Nasirs Mitbewohnern sein.“

Mein Vater schüttelt den Kopf und mustert den Typen mehrmals. „Hast du meinen anderen Sohn gekannt? Qadir.“

Evan lächelt ein wenig. „Nicht wirklich. Qadir war ein Frat Boy. Er hing mit diesen Typen rum.“

Mein Dad scheint von Evan nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Es braucht viel, um meinen Dad zu beeindrucken.

„Wenn meinem Sohn irgendetwas passiert, mache ich dich dafür verantwortlich. Hast du mich gehört? Dich auch, India…“

Ich spüre, wie mein Gesicht rot anläuft. Mein Dad sieht zu mir rüber. Er macht nicht diese rührselige Nummer, wenn Väter ihr Kind an der Schule absetzen. Er droht den Leuten, knurrt ein hartes „Tschüss“, wuschelt mir durchs Haar und springt ins Auto. Dann rast er davon, als wäre er in einem Rennen. So war mein Vater nun mal. Kurz angebunden. Direkt. Und verdammt männlich.

„Heilige Scheiße, ich hätte mir fast in die Hose gemacht“, stellte Evan fest. „Dein Vater ist verdammt gruselig.“

India sieht sich um und schnuppert ein bisschen. „Ich hätte schwören können, dass ich Pisse rieche…“

„Das hier sind die Wohnheime“, sagt Evan zu mir. „Wenn du dich eingerichtet hast, können wir deinen Stundenplan abholen. Die Orientierung für Erstsemester beginnt morgen.“

Ich merke, dass dieser Evan immer noch Angst vor meinem Dad hat, während er mich zu den Unterkünften führt. Die Wohnheime sind nicht wie an normalen Colleges. Ich hasse es, dass ich auf diese Schule gehen muss. Ich wollte an die UCLA. Es ist verdammt kalt hier. Es ist jenseits von verdammt kalt. India und Evan begleiten mich. Normalerweise bleiben Eltern etwas länger, aber ehrlich gesagt bin ich nicht allzu traurig, dass mein Dad abgehauen ist. So wie ich ihn kenne, würde er die halbe Schule bedrohen, wegen nichts einen Streit anfangen und am Ende oberkörperfrei bei einem Wettsaufen landen.

„Die Dinger sehen aus wie Blockhütten“, sage ich zu ihm.

„Es sind Blockhütten“, antwortet Evan lachend.

„Ich nehme an, es gibt keine Zentralheizung…“

Er lacht ein wenig. „Vanderbilt ist ein bisschen… altmodisch…“

Als er die Tür zur Hütte öffnet, verschlägt es mir fast den Atem. Das muss ein Witz sein. Es ist eine Blockhütte. Eine von vielen. Die Hütte riecht nach alten Leuten. Ich sehe mich um und bin einfach nur schockiert. Ich fühle mich, als wäre ich im Jahr 1887 gelandet. Als wir eintreten, sehen wir einen Gemeinschaftsraum und einen Kamin. Ja. Einen Kamin!

„Bitte sag mir nicht, dass ihr so eure Wärme bekommt?“, frage ich ihn.

Evan lacht und dreht sich dann zu India um. „Dein Cousin ist witzig…“

„Er wird es schon noch lernen“, lacht sie.

Ich weiß nicht, was sie damit meinen, aber es macht mir verdammt noch mal Angst. Ich kenne den Ruf von Vanderbilt. Es war eine Schule für harte Kerle. Sie war bekannt für ihre extremen Wintersportteams. Skifahren, Hockey und anderer schräger Kram. Die Hälfte der Leute hier stand auf Extremsport. Das war einfach nie mein Ding. Meine Vorstellung von Sport war es, über Laufstege zu laufen.

Ich sehe mich um. Das Sofa ist alt und staubig. Abseits des Gemeinschaftsbereichs gibt es einen Ofen. Keine Mikrowellen oder so etwas. Ich komme mir vor wie bei einem Experiment.

„Was macht ihr eigentlich wegen Essen?“

„Jagen“, antwortet India.

„Du machst Witze…“

Mein Herz bleibt stehen. Was zum Teufel?

„Entspann dich, Prinzessin“, erwidert India. „Es gibt einen Markt. Wenn du nicht am Jagdkurs teilnehmen willst, kannst du dein Essen einfach kaufen. Dein Dad hat mir etwas Geld für dich dagelassen. Du wirst schon klar kommen. Eigentlich muss ich jetzt sowieso los, um Lebensmittel für dich zu kaufen. Bin gleich wieder da.“

„India, du lässt mich hier NICHT allein.“

Mein Herz rast. Egal wie nervig India ist, sie ist die Einzige, die ich hier kenne. Dieser Ort ist kein Zuhause für mich. Ich bin im Wald an der Flanke eines riesigen Berges. Es gibt meilenweit keine echte Zivilisation. Die Schule ist alles. Ich kann nicht glauben, dass ich mich von meinem Vater überreden ließ, in dieses Höllenloch zu kommen. Wenn Qadir nicht gestorben wäre, hätte er die Familientradition fortsetzen und Vanderbilt besuchen können. Es ärgert mich einfach, dass ich nun derjenige sein muss.

„Du schaffst das schon.“

Sie verdreht die Augen und schließt die Tür hinter sich.

Als die Tür ins Schloss fällt, ist Evan der Einzige, der mich anstarrt. Er lacht.

„Keine Sorge. Mir ging es genauso. Ich bin auch kein so harter Kerl wie der Rest der Typen hier in Vanderbilt“, antwortet Evan. „Es braucht Zeit, aber du wirst dich daran gewöhnen.“

Ich bin überrascht, dass Evan eigentlich ganz normal wirkt. Ich hatte wirklich etwas anderes erwartet. Er zeigt mir mein Zimmer. Es ist eine Hütte mit drei Schlafzimmern und einem Gemeinschaftsbereich in der Mitte. Das Zimmer ist nicht so kalt, wie ich dachte, aber das Bett ist unbequem. Ich hole meinen Laptop raus und merke, dass es in meinem Zimmer nur eine einzige Steckdose gibt. Es ist zum Verrücktwerden.

Evan ist im zweiten Jahr. Er kommt aus Wisconsin. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal, wo das liegt, aber ich lächle und tue so, als wüsste ich es. Ich versuche, so nett wie möglich zu sein. Ich brauche mehr Freunde. Er ist ein kleiner Nerd, und während er redet, merke ich, dass er abcheckt, ob ich auf Videospiele, Game of Thrones und solchen Nerd-Kram stehe. Ich versuche nicht so zu tun, als wäre ich der supercoole Typ. Ich meine, zu Hause hing ich mit Promis rum.

„Ist cool, dass du aus LA kommst, Alter. My Nigga…“, lächelt Evan.

„Was hast du gerade zu mir gesagt?“, frage ich ihn.

Er wird ein bisschen rot. „Sorry. Das muss ein riesiger Kulturschock für dich sein. Von LA hierher zu kommen.“

Ich seufze. „Ziemlich genau so ist es. Es ist nicht mein Ding, zum Studieren in die Berge von Montana zu ziehen. Hört dieser Schnee eigentlich jemals auf?“

„Es wird eigentlich nur noch schlimmer.“

„Großartig“, seufze ich.

„Hör zu“, sagt Evan mir. „Wir stehen das gemeinsam durch. Vertrau mir. Das erste Jahr ist immer das härteste, aber du hast einen Freund. Jeder aus Indias Familie gehört für mich dazu.“

Ich möchte fast lächeln. Es überrascht mich nicht, dass India mit einem weicheren Typen zusammen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie einen Macho datet. Meiner Meinung nach ist sie viel zu dominant. Um ehrlich zu sein, wundert es mich sogar, dass sie nicht komplett lesbisch ist. Sie ist manchmal so verdammt burschikos.

„Gibt es hier eine Dusche?“, frage ich.

„Ja. Eine gleich neben dem Gemeinschaftsraum. Wenn du fertig bist, gehen wir deinen Stundenplan holen.“

Ich nicke.

Ich bin irgendwie froh, dass ich jemanden getroffen habe, der auch nicht der typische Vanderbilt-Typ ist. Ich gehe ins Wohnzimmer, und als ich das tue, höre ich etwas, das wie Stöhnen klingt. Ich bilde mir das nicht ein. Da stöhnt GANZ sicher jemand im Wohnzimmer.

Es ist ein Mädchen. Sie stöhnt nicht nur. Es klingt, als hätte sie die Zeit ihres Lebens.

„OH FICK MICH! JA… gib mir diesen Riesenschwanz. VERDAMMT, der ist so groß!“

Ich bin schockiert und gleichzeitig irgendwie amüsiert. Ich kann hören, wie sie einen Orgasmus hat. Die Geräusche ziehen mich fast in ihren Bann. Wer auch immer sie gerade fickt, bringt sie völlig um den Verstand! So etwas habe ich noch nie gehört. Wenn sie nicht so gierig danach verlangen würde, hätte ich geschworen, sie sei in Gefahr. So laut schreit sie in diesem Moment.

In den nächsten Minuten sehe ich, wie die Tür aufgeht. Ich drehe mich um. Ein Mädchen kommt heraus. Sie ist hübsch. Hübscher, als ich es Mädchen in diesem Teil der USA zugetraut hätte. Ein blondes, weißes Mädchen.

In diesem Moment verstecke ich mich im Badezimmer vor ihnen. Ich lasse die Tür einen Spalt offen und starre vorsichtig hinaus.

„Warum kann ich nicht über Nacht bleiben?“, fragt sie jemanden.

Er schüttelt den Kopf. „Ich hab’s dir gesagt. Ich steh nicht auf dieses Romantik-Ding …“

Sie sieht so enttäuscht aus. Ich bin schockiert, wie eiskalt der Typ sie abserviert. Fast beschämt verlässt sie das Haus. Die Tür bleibt offen. Ich überlege, unter die Dusche zu gehen, aber ich bin einfach zu neugierig, wer sie da gerade flachgelegt hat.

Dann kommt er heraus.

Völlig nackt!

Er ist behaart, aber nicht zu extrem, hauptsächlich auf der Brust. Sein Körper sieht göttlich aus. Er ist groß, sicher eins neunzig. Die Muskeln passen perfekt zu ihm. Ich frage mich, ob er Football spielt. Er hat ein glattes Gesicht. Obwohl er nicht so wirkt, als würde er etwas Bestimmtes fokussieren, liegt ein gewisser Fokus in seinen Augen. Er geht rüber zur Küche. Er hat dunkelbraune Augen und leicht gebräunte Haut. Ich habe keinen Zweifel, dass er Native American sein muss. Ich beobachte ihn, immer noch wie verzaubert.

Sein Schwanz schwingt zwischen seinen Beinen hin und her. Jetzt verstehe ich, warum sie so gestöhnt hat. Sein Ding ist momentan nur halbsteif, muss aber trotzdem an die 25 Zentimeter lang sein. Ich bin völlig platt. Beim Anstarren klappt mir ein bisschen der Mund auf.

Dieser Mann ist buchstäblich der sexyste Kerl, den ich je gesehen habe.

Er geht zum Kühlschrank und trinkt Milch direkt aus der Packung. Etwas davon tropft ihm übers Gesicht und landet auf seinem sexy Körper. Er wischt es ab und stellt die Milch zurück. Das hat definitiv etwas Männliches und einfach Verrücktes an sich. Dann geht er zum Waschbecken.

Ich beobachte ihn dabei, wie er an seinen Augen herumspielt. Er nimmt etwas heraus, das wie eine Kontaktlinse aussieht. Und dann sehe ich das Merkwürdigste überhaupt.

Dahinter kommen grüne Augen zum Vorschein. Smaragdgrün. Das schönste Grün, das ich je gesehen habe.

Warum sollte er solche wunderschönen Augen verstecken?

Ich atme leise aus, völlig fassungslos wegen ihm.

„Wer ist da?“

Er hat es gehört. Unmöglich.

Er dreht sich zur Badezimmertür, hinter der ich stehe. Jetzt habe ich keine Wahl mehr. Er weiß, dass ich da bin. Ich versuche mich zusammenzureißen und streiche mir das Haar glatt, während ich aus dem Bad trete.

„Sorry …“, antworte ich im Herausgehen.

„Hast du genug gesehen?“, fragt er.

Ich sehe, wie er seine Linse wieder reinfummelt. Er starrt mich an. Seine Augen sind wieder braun. Er scheint seine Nacktheit nicht zu verstecken. Es ist ihm egal, dass ich ihn ansehe. Er ist selbstbewusst. Er weiß, dass er gut aussieht. Ich habe Mühe, nicht auf die Anakonda zwischen seinen Beinen zu starren. Es fällt mir verdammt schwer.

„Ich wollte nicht …“

Er unterbricht mich: „Freshman?“

„Äh … ja …“

„Tja, dann kennst du die Regeln hier noch nicht. Es wird gleich dunkel. Mädchen sind nach Einbruch der Dunkelheit im Jungenwohnheim nicht erlaubt.“

Scheiße. Nicht schon wieder. Das passiert mir ständig.

„Ich bin ein Typ.“

Er mustert mich von oben bis unten. Dann lacht er. Seine Brust bebt dabei. Wahrscheinlich schaut er auf meinen dünnen Körper und meine langen Haare. Er sieht wohl nur mein glattes Gesicht.

„Ach du Scheiße. Ernsthaft?“, fragt er.

Ich rolle mit den Augen, ein bisschen genervt, dass er mich auslacht. „Als ich das letzte Mal nachgesehen habe, waren meine Eier jedenfalls beide noch da.“

„Tut mir leid, es sind nur die Haare und das … sorry. Heilige Scheiße. Äm … ich bin Walid.“

Er kommt auf mich zu. Er ist immer noch splitternackt. Ich glaube nicht, dass er das überhaupt noch merkt. Als er näher kommt, riecht er nach Sex. Ich bin sicher, dass er sich nicht die Hände gewaschen hat. Aber ich will nicht unhöflich sein, also schüttle ich sie trotzdem.

„Äm … ich bin … …“

„Was?“

„Du bist irgendwie nackt“, sage ich ihm.

Er zuckt nur mit den Schultern. „Und?“

Dem Typen ist echt alles scheißegal. Ich kämpfe dagegen an, nicht allein vom Hinsehen einen Ständer zu bekommen. Ich konzentriere mich auf alles andere, nur nicht auf diese sexy Adonis-Statue vor mir. Die Hüttenwände. Das flackernde Kaminfeuer. Meine Hormone spielen verrückt.

„Nichts. Äh … nichts …“

„Tja …“

„Tja, was?“

„Verrätst du mir jetzt deinen Namen oder nicht, du Spinner?“, fragt er und lächelt.

„Nasir. Nasir Butler“, antworte ich.

Sein Lächeln erstirbt. In seinen Augen blitzt Erkennen auf. Ich weiß nicht, was das zu bedeuten hat, aber das Lächeln ist so schnell weg, wie es gekommen ist. Plötzlich wirkt er gar nicht mehr wie der übertrieben freundliche Typ, den ich gerade erst kennengelernt habe. An die Stelle des Lächelns tritt ein finsterer Blick.

Er dreht sich um und geht weg. Das ist so seltsam. Ich grüble noch warum, aber ich bin abgelenkt von seinem muskulösen Knackarsch, während er sich entfernt.

„Heute ist Vollmond“, sagt er mir. „Zieh Leine und erledige deinen Kram. Du willst da nicht mittenreingeraten.“

Das ist so ein schräger Satz. Er geht einfach weg, als hätte er gerade das Wichtigste der Welt gesagt.

Was für ein seltsamer … Typ …

Später am Tag hole ich mit Evan meinen Stundenplan ab. Englisch und Mathe sind die einzigen normalen Fächer. Die anderen Kurse sind sehr auf „Vanderbilt“ getrimmt. Überlebenskunst 1.0. Jagen. Sport. Snowboarding. Ich schüttle den Kopf. Das ist genau der Scheiß, auf den mein Bruder abgefahren wäre, als er hierherkam. Vanderbilt ist eine größere Schule, als ich dachte. Der Freshman-Jahrgang besteht aus etwa 100 Schülern. Zum Glück habe ich Evan dabei, der mich durch das Chaos mit den Plänen lotst.

Ich laufe mit Evan zurück zum Wohnheim.

„Morgen ist Orientierungstag. Du schaffst das schon“, sagt er.

Ich merke, dass er meine Gedanken lesen kann. Ich fühle mich unwohl mit der ganzen Sache. Das ist schwer zu übersehen. Ich bin völlig überfordert.

„Ich gebe der Sache ein Semester. Dann wechsle ich die Uni.“

„Warum bist du überhaupt hierhergekommen?“, fragt er. „Dein Bruder ist hier gestorben. Ich hätte totale Schiss, hierherzukommen. Wurde er nicht angegriffen?“

Ich nicke. „Ja. Von einem wilden Tier getötet.“

Evan schüttelt den Kopf. „Davon wirst du hier viele sehen. Deshalb bleibe ich in meinem Zimmer. Tomb Raider ist der einzige Kontakt zur Wildnis, den ich brauche.“

Evan lacht und ich muss zugeben, dass ich mitlache. Wir kommen am Wohnheim an. Dort sehe ich Walid. Er ist nicht allein. Er trägt eine Jacke, die genau so aussieht wie die eines anderen Typen. Der andere ist fast genauso gutaussehend wie Walid. Beide tragen Jacken mit den gleichen griechischen Buchstaben darauf. Sie haben Mädchen dabei. Ich bemerke, dass Walids Begleitung nicht dieselbe von vorhin ist. Sie ist genauso hübsch, aber sie ist schwarz.

Walid und die anderen gehen an mir vorbei. Sie tun so, als würden sie Evan und mich gar nicht sehen. Sie gehen grußlos vorbei.

„Der Kerl ist ein verdammter Spinner …“

„Du hast Walid schon kennengelernt?“, fragt Evan.

„Ja. Vorhin ist er völlig nackt in der Hütte herumgelaufen“, erzähle ich Evan.

Evan lacht. „Ja, gewöhn dich dran. Das ist Walid. Da fühlt man sich als Mann gleich ein bisschen weniger wert, was? Dieses verdammte dritte Bein, das er hat. Er schwenkt es herum wie eine gottverdammte Flagge. Das ist extrem nervig.“

Die Wahrheit ist: Wenn er mein Mitbewohner wäre, hätte ich definitiv nichts dagegen …

Ich lächle Evan aber nur an und lüge: „Ja, total nervig.“

„Er und der Rest seiner Verbindung glauben, ihnen gehört Vanderbilt.“

„Er hat was Komisches gesagt … irgendwas wegen Vollmond.“

Evan schüttelt den Kopf. „Ach, Bullshit. Das sind moderne Legenden. Ich hätte nicht gedacht, dass Walid an so einen Kram glaubt.“

Ich will Evan fragen, was das für Legenden sind, aber ich lasse es. Vanderbilt scheint definitiv viel seltsamer zu sein, als ich dachte.

Der Tag vergeht und ich schlafe ein, nachdem ich stundenlang mit Evan geredet und mehr über ihn erfahren habe. Er ist cooler, als ich dachte. Ehrlich gesagt bin ich am Ende des Tages gar nicht so deprimiert, wie ich befürchtet hatte. Wenigstens habe ich einen Freund gefunden, auch wenn er fast nur über seine komischen Hobbys redet.

Immerhin bin ich nicht allein.

Er geht schlafen und verschwindet in seinem Zimmer. Ich liege im Bett, starre an die Decke und frage mich, in was zur Hölle ich da reingeraten bin. Wilde Tiere, Extremsport … es gibt hier Millionen Wege, sich zu verletzen. Das bin einfach nicht ich.

Ich höre ständig die Stimme meines Vaters in meinem Kopf.

„Du musst irgendwann mal ein Mann werden“, hat er immer gesagt.

Das brennt sich mir ein. Ich muss meine weibliche Art irgendwann ablegen. Ich muss männlicher werden. Mein Körper ist schmal … geformt wie bei einem verdammten Mädchen. Bei diesem Gedanken stehe ich auf und betrachte mich im Spiegel. Schmal … dünn … erbärmlich. Das ist alles, was mir dazu einfällt. Früher hat mein Bruder immer gewitzelt, dass ich eine super Transe abgeben würde. Er hatte wahrscheinlich recht.

Während ich in den Spiegel starre, höre ich ein seltsames Geräusch. Ein Winseln …

Fast wie von einem Tier.

Es ist mitten in der Nacht. Ich versuche, die Geräusche zu ignorieren, aber sie werden vor meiner Hüttentür immer lauter. Es ist ein merkwürdiger Klang … fast wie ein Rufen. Wie ein Hund, der Wasser braucht oder so etwas in der Art.

Ich stelle fest, dass ich aufstehe und hinaus in die Kälte gehe. Es schneit. Ich habe keine dicke Jacke, außer der alten meines Vaters. Sie ist mir viel zu groß. Es ist echt peinlich, sie zu tragen, selbst mitten in der Nacht. Ich kämpfe gegen die Kälte an. Schneeflocken wirbeln durch die Luft. Ich schaue hoch. Walid hatte recht … es ist Vollmond.

Winseln.

Ich drehe mich nach rechts. Tagsüber wimmelt es hier von Studenten, aber um diese Uhrzeit ist kaum jemand draußen.

„Hallo?“, rufe ich.

Das Winseln wird immer lauter.

Ich folge dem Geräusch zur Rückseite des Wohnheims. Die Wohnheime in Vanderbilt bestehen aus aneinandergereihten Hütten. Wenn man dem Weg bis zum Ende folgt, kommt man zu den Schulgebäuden aus altem Stein. Es sind ein paar große Gebäude, die eigentlich alle wie katholische Kirchen aussehen. In der Dunkelheit wirkt es wirklich so, als wäre ich in der Zeit zurückgereist.

Ich folge dem Winseln. Ganz langsam. Ich biege um die Ecke und dann sehe ich es.

Ein Wolf.

Es ist EXAKT derselbe schwarze Wolf mit den wunderschönen blauen Augen. Derselbe, der mitten auf der Straße stand, als ich mit meinem Vater nach Vanderbilt hochgefahren bin. Er starrt mich an. Ich bleibe wie angewurzelt stehen. Ich kann kaum atmen.

Ich sitze fest. Er bewegt sich nicht.

Mein Herz rast. Ich setze einen Fuß nach hinten. Das darf nicht wahr sein. Dieser Wolf gehört nicht auf den Campus! Das passiert mir jetzt nicht wirklich.

Ich will schreien, aber ich will den Wolf nicht aufscheuchen. Ich mache einen vorsichtigen Schritt zurück und beobachte, wie der Wolf ebenfalls einen Schritt auf mich zumacht.

Er beobachtet mich. Er fixiert mich. Zum zweiten Mal heute möchte ich mir fast in die Hose machen.

„Braver Hund …“, sage ich.

Ich weiß nicht, warum ich das sage, aber es scheint den Wolf ein wenig zu beruhigen. In dem Moment drehe ich mich um. Ich muss es tun. Ich muss rennen.

Ich wirbele herum und renne so schnell ich kann los.

Ich komme nicht weit. Ich höre den Wolf hinter mir! Er jagt mich. Er springt mich an!

Er beißt mich … direkt in den Arsch!

Ich weiß nicht, was danach passiert. Ich falle hin. Ich rechne damit, dass es mit mir vorbei ist. Ich erwarte, dass er mir das Gesicht zerfetzt. Dass ich ende wie mein Bruder Qadir.

Aber das passiert nicht.

Ich drehe mich um und der Wolf ist weg.

Der Biss in meinen Hintern brennt höllisch. Das Fleisch ist zerfetzt, aber ich lebe. Ich lebe und es ist vorbei!

Zumindest glaube ich das. Ich ahne noch nicht, dass dieser Moment mein Leben verändern wird … für immer …