Das Rührei-Märchen

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Zusammenfassung

Wei Wei hat einen Vertrag unterschrieben, der ihr vier Jahre ihres Lebens geraubt hat. Überarbeitet. Unterbezahlt. Unsichtbar. Bis zu jener Nacht, in der sie ihren Boss zu einem Live-Stream-Kochduell herausfordert und mit Rührei gegen Hummer gewinnt. Jetzt ist sie frei. Oder zumindest glaubt sie das. Ein legendärer Drei-Sterne-Koch bietet ihr einen Job an. Ein mächtiger CEO, der sonst nie isst, verlangt persönlich nach ihr. Ein Familienimperium am Rande des Abgrunds hängt plötzlich von ihren Kochkünsten ab. Doch im Hause Pei halten es Köche nicht lange aus. Fünf sind in vier Jahren spurlos verschwunden. Der junge Erbe nimmt nur einen Bissen. Dann schiebt er den Teller beiseite. Wei Wei fürchtet die Hitze nicht. Sie fürchtet das Scheitern. Denn dieses Mal bedeutet eine Niederlage keine Demütigung. Sie bedeutet das Verschwinden. Mit einem Löffel Reis kann sie einen Mann an seine Kindheit erinnern. Mit Chili-Wasser kann sie einen Krieg im Vorstand beenden. Doch als jemand beginnt, ihre Küche zu sabotieren und die einzige Person bedroht, die ihr etwas bedeutet, erkennt sie, dass es hier nicht mehr nur um Essen geht. Es geht um das Überleben. Und der CEO, der sie beobachtet, als wäre sie das Einzige, was er nicht kontrollieren kann? Er ist hungriger, als er aussieht.

Genre:
Romance
Autor:
TangXu
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
35
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Das Öl roch alt. Verbrannt. Wie Erinnerungen, die einfach nicht verblassen wollten.

Es klebte mit einer bitteren Hartnäckigkeit im hinteren Teil von Wei Weis Hals – ein Geschmack, den sie seit vier Jahren jeden Abend hinuntergeschluckt hatte.

Sie schrubbte den Wok aus Stahl. Der Schwamm schabte im Rhythmus des Regens, der auf das Dach hämmerte, gegen das Metall. Durch das verschmierte Fenster summte die Stadt unter einer Decke aus Abgasen und statischer Elektrizität.

Drinnen war die Luft schwer vor Hitze und Groll.

Deng Kai saß auf einem rissigen Vinylhocker und zählte Geldscheine. Seine Finger rochen nach Zigarettenrauch und billigem Rasierwasser.

Wei Wei schluckte schwer, als ihr die Galle hochkam. Sie schrubbte fester.

Er sah nicht auf, als er sprach. Seine Stimme war flach und gelangweilt, als würde er über das Wetter reden und nicht über ihren Lebensunterhalt. „Achtundzwanzig Dollar Trinkgeld. Erbärmlich wenig für einen Freitagabend.“ Er stapelte die zerknitterten Scheine zu einem ordentlichen Haufen. „Meine Großmutter konnte besser kochen als du. Und die ist seit zwölf Jahren tot.“

Wei Wei schrubbte weiter und rieb ihre Handflächen gegen die raue Baumwolle, wobei sie Fettstreifen wie Kriegsbemalung hinterließ.

„Klausel 14 gilt nur, wenn ich kündige.“

Deng Kai hörte auf zu zählen. Die Scheine erstarrten unter seinem Daumen.

Er blickte auf, seine Augen kalt vor Belustigung. Er lehnte sich zurück, das Vinyl knarrte, und er wartete auf das Zusammenzucken, das ausblieb. „Widersprich mir nicht.“ Er tippte auf den Vertrag auf dem Tresen – vergilbtes Papier, fleckig von verschütteten Dingen und der Zeit, ein Gefängnisurteil, getarnt als Anstellung. „Du bleibst noch neun Jahre hier, denk dran. Klausel 14. Wenn du sie brichst, schuldest du mir fünfzigtausend.“

Wei Wei stellte die Pfanne ab. Metall schlug gegen das Spülbecken, scharf und endgültig. Sie drehte sich zu ihm um und hinterließ Ölflecken auf ihrer dunklen Kleidung. Ihre Hände zitterten, also presste sie sie flach auf ihre Oberschenkel, bis sie ruhig waren.

„Klausel 14 gilt nur, wenn ich kündige. Da steht nichts darüber, was passiert, wenn du verlierst.“

Deng Kai lachte – kurz und schroff. Das Geräusch prallte von den Metallwänden ab, bis es sich anfühlte, als würden mehrere Leute sie verspotten. Er lehnte sich vor, die Ellbogen auf den Knien, und sah sie an wie einen Käfer, den er noch nicht zertreten hatte. „Was verlieren?“

„Morgen. Live stream.“ Die Worte sprudelten aus ihr heraus, geplant und geprobt in den stillen Stunden, wenn der Truck kalt und leer war. „Du gegen mich. Ein Gericht für jeden. Wenn ich gewinne, wird der Vertrag verbrannt. Wenn du gewinnst, arbeite ich zwei Jahre zusätzlich umsonst.“

Er starrte sie an. Sein Mund öffnete sich und schloss sich wieder. Die Stille legte sich wie Staub über den Raum.

„Du bist verrückt.“ Er stand auf, überragte sie und benutzte seine Körpergröße wie eine Waffe. „Ich habe dieses Geschäft aufgebaut.“

„Du hast es auf meinen Rezepten aufgebaut.“ Wei Wei wich nicht zurück, sie sah nicht zu Boden. Nicht heute Abend. Nicht, wenn der Mond endlich durch die Wolken brach.

Er trat näher. Der Geruch von Rauch drang in ihre Privatsphäre ein, bis sie den Tabak auf ihrer Zunge schmecken konnte. Er beugte sich vor, das Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt, auf der Suche nach der Angst, die er dort vermutete. „Und was für ein Zaubergericht wirst du kochen? Rührei?“

Sie lächelte – ein kleines, gefährliches Lächeln. „Du wärst überrascht, woran sich die Leute erinnern.“

Der Kühlschrank summte in der Stille, ein konstanter mechanischer Herzschlag.

Deng Kai stopfte das Geld in seine Tasche und wich nun ihrem Blick aus. „Na schön.“ Seine Stimme klang angespannt und in die Enge getrieben, wie ein Tier in seinem eigenen Bau. „Morgen Abend, acht Uhr. Ich werde es aus dem Truck streamen. Enttäusch mich bloß nicht.“

Wei Wei drehte sich zurück zum Spülbecken und nahm die Pfanne. Die Arbeit war nicht getan. Sie musste bereit sein, sie musste perfekt sein. „Acht Uhr. Sei pünktlich.“

Sie schrubbte fester, Stahlwolle biss sich in das Metall.

Deng Kai ging zur Tür und öffnete sie. Die kalte Nachtluft drang ein und schnitt wie ein Messer durch die Hitze der Küche. „Wenn du verlierst, Wei Wei“, sagte er, und seine Stimme senkte sich zu einem Flüstern, das schwerer wog als ein Schrei, „werde ich nicht nur den Vertrag behalten. Ich werde dafür sorgen, dass dich niemand sonst einstellt. Niemals.“

Sie hörte auf zu schrubben. Ihre Hände blieben im Seifenwasser – warm, glitschig, Seifenblasen zerplatzen auf ihrer Haut. Sie drehte sich nicht um.

„Wenn ich verliere, habe ich es verdient. Aber das werde ich nicht.“

Die Tür knallte zu. Der Truck bebte. Das Schloss klickte und schloss sie mit dem Geruch von Öl und dem Geräusch ihres eigenen Atems ein.

Wei Wei ließ den Schwamm in das Wasser fallen und sah zu, wie die Blasen zerplatzten und verschwanden – genau wie die Jahre, die sie an diesen Mann verloren hatte.

Die Hände ihrer Großmutter bewegten sich in ihrer Erinnerung – schnell und sicher, wie beim Dirigieren, und schufen Leben aus Mehl und Wasser. Dieselben Hände hatten sie gelehrt, dass es manche Feuer wert waren, entzündet zu werden.

Der Geruch von verbranntem Öl trug die Last von vier Jahren, schwerer als der Wok selbst.

Sie trocknete sich die Hände ab, schnappte sich ihre Tasche und hielt an der Tür inne, um noch einmal auf den Vertrag auf dem Tresen zurückzublicken. Vier Jahre ihres Lebens, geschrieben auf vergilbtem Papier, fleckig von Fett und Lügen, darauf wartend, verbrannt zu werden.

Sie zog eine Schachtel Streichhölzer aus ihrer Tasche. Ihr Daumen schwebte über der Reibefläche, einmal, zweimal.

Dann entfachte sie die Flamme und hielt sie an die Ecke des Papiers, bis sie Feuer fing.

Sie warf den brennenden Vertrag in das Metallwaschbecken und ließ ihn zu Asche zerfallen, bevor sie das Wasser aufdrehte. Brandgefahr durch Fett. Es war ihr egal. Lass es brennen.

Das Licht im Treppenhaus summte und flackerte wie ein sterbender Puls.

Sie wartete nicht auf den Aufzug. Sie nahm die Treppe, zwei Stufen auf einmal, die Lungen brannten, sie brauchte den Schmerz als Beweis, dass sie sich bewegte. Vier Stockwerke. Ihre Oberschenkel schrien. Sie hielt nicht an, bis der Schlüssel im Schloss gedreht wurde.

Drinnen war die Stille erdrückend. Sie schlief nicht.

Sie saß mit den Eiern am Tisch und beobachtete, wie das Sonnenlicht durch die Jalousien sickerte.

Der Morgenanbruch war kein Versprechen. Es war eine Drohung.

Ihr Handy vibrierte in ihrer Tasche.

Chen Mao: Alles okay bei dir? Brauchst du Hilfe?

Sie tippte zurück, ihre Finger waren steif vor Kälte, aber ihr Verstand war seit Jahren zum ersten Mal wieder klar.

Wei Wei: Alles gut. Der Morgen ändert alles.