Im Schatten geboren- Band 2 verstoßen

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Zusammenfassung

Seit dem Blutmondball ist nichts mehr, wie es war. Auf der Flucht und getrennt von Aiden schlägt sich Amara gemeinsam mit Olivia durch Europa – rastlos, verfolgt und ohne sicheren Zufluchtsort. Doch während sie versucht, der Vergangenheit zu entkommen, holt ihr eigener Körper sie langsam ein: Ihre Kräfte schwinden, ihre Gesundheit zerfällt, und mit jedem Tag wächst die Angst, dass sie nicht mehr lange durchhalten wird. Als ein brutaler Angriff alles verändert, wird klar, dass Amaras größte Furcht Realität geworden ist. Die Dunkelheit, vor der sie geflohen ist, hat ihre Spur nie verloren. Und diesmal gibt es kein Entkommen mehr…

Genre:
Fantasy
Autor:
alisa.es
Status:
In Arbeit
Kapitel:
8
Rating
5.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Prolog

Am Anbeginn der Zeit, als die großen Götter noch schützend ihre Hand über das Land des ewigen Lichts der Sonne und des Mondes hielten, da wandelten mächtige Gestalten über den heiligen Boden Mutter Erdes. Gestalten, die dem Licht näher waren als dem Leben und trotzdem im festen Einklang mit beidem lebten. Es waren Wesen gütigem Gemüts, und ihre Liebe kannte keine Grenzen. Die Götter selbst hatten ihnen die Macht geschenkt, um über die Kinder des Lichtes zu herrschen: Menschen, Tierwesen und all jene Kreaturen, die dazwischen geboren waren. Doch die Lichtwesen, jeher als Volk der skynjar bekannt, die, die das Licht sehen, setzten ihre Macht nicht ein um zu herrschen, sondern jene zu schützen, die blind waren und es auch immer bleiben würden. Blind genug, um zu leben, aber zu blind, um die Welt zu sehen, wie sie wirklich war.

Und so kam es, dass die ersten Menschen lebten und dankbar waren, für die Geschenke die die skynjar ihnen darboten und sich erkenntlich zeigten. Zweimal im Jahr veranstalteten sie die Sonnenwendsfeier und ehrten und huldigen das Licht. Doch so dankbar die Menschen gegenüber den skynjar auch waren, die Angst, die sich in den Herzen auszusähen begann, wucherte bald schon um sich und verbreitete sich über die Ländereien wie eine Seuche, die niemand würde aufhalten können.Und so kam es, dass aus Angst ein Hass entstand, der nie mehr zu bändigen war.

Eines Tages, da lief an einem reißenden Strom ein junges Mädchen entlang. Es hatte langes, schneeweißes Haar und war von so zarter Gestalt, das man meinen könnte, sie würde aus Leichtigkeit davonfliegen. Jenes Mädchen, mit den saphirblauen Augen, hatte noch keine siebzehn Sommer gesehen. Da fiel es in den Fluß und wurde hinfort gerissen von den Wellen, die sie zu ersticken drohten. Und während sie um ihr Leben rang, meinte das Schicksal es gut mit ihr. Denn an diesem Tage, an diesem Ort, so trug es sich zu, berührten vier schwarze Pfoten das gegenüberliegende Ufer.

Ein Gestaltwandler im nachtschwarzen Mantel näherte sich dem sterbenden Kind und wurde noch im Todeskampf von dessen Schönheit übermannt. Er packte es und zog es aus den Fluten und als sich ihre Augen trafen, erzitterte die Welt um sie herum und die Zeit selbst schien aus ihren Ankern zu fallen. Es war, als würde ihre erste Berührung eine Urgewalt aus dem Schlaf erwecken und während sie sich die Hände hielten, ergoßen sich Sonnenstrahlen über sie, als hätte die Sonne selbst sie gesegnet. In Liebe und im Leben vereint, knieten sie voreinander, miteinanden, und knüpften das zarte Band.

Fortan jeden Tag und jede Nacht stahlen sich die Kinder davon, um einander nah zu sein. Des Nachts, unter dem Himmel der tausend Sterne, schliefen sie eng umschlungen und begrüßten die Segnung des Mondes. Wo immer die beiden zueinander fanden, hielt die Natur den Atem an und senkte ihr majestätisches Haupt. Das Gras zu ihren Füßen wiegte sich sanft und der Wind in den Bäumen flüsterte ihre Namen, trug sie hinaus in die Kälte dieser Welt. Langezeit glaubten sie, ihre Liebe war ein Zufall des Himmels und der Erde, der Sonne und des Mondes. Doch immer, wenn das Mädchen lachte, flackerte ein Licht um sie herum auf. Und immer, wenn der Gestaltwandler sein wahres Sein erkannte, da spiegelte sich etwas in seinen Augen, dass nicht gänzlich ihm gehörte. Sie hatten es geschaffen, ein Bund, so unantastbar, so verzerrend, dass sie es sich teilten, um zu leben. In ihrer Liebe vereint, vom Leben für immer aneinander gebunden.

Doch bald schon erkannten die Menschen, dass das Mädchen, eine von ihnen, ihren Hass nicht teilen wollte. Sie erkannten, dass ihr Herz offen war, und dass sie sich dem Mächtigen beugte, anstatt es selbst zu beanspruchen und die Menschen sahen, welche Furcht es über sie alle brachte. Also nahmen sie das Mädchen hinfort und schworen den Gestaltwandlern, jedem einzelnen, Rache zu nehmen für das Kind, dessen Geist vernebelt und dessen Herz gebrochen. Und so zogen die Menschen hinaus, Tag um Tag, Jahr um Jahr und vergoßen das Blut all jener, die sich ihnen in den Weg stellten. Sie töteten die Tierwesen, sie töteten die Gestaltwandler und all jene, die dazwischen geboren waren. Eines Tages jedoch, als der, dessen Schwarz er trug wie einen Mantel, des Sterbens müde war, ging er zu den skynjar und flehte sie an, die Menschen aufzuhalten sodass der Frieden zurückkommen würde. Doch auch, wenn die Gestaltwandler bereit waren, nur noch in den Schatten zu leben, wollte der Frieden nie mehr Einzug halten. Bald darauf erhob das Menschengeschlecht die Hand und ihr heiliger Kriegsgott hielt Einzug in die Lande. Fortan verbarg der Himmel sein Gesicht hinter Rauch, und er glühte rot, als der Mensch den Wald, und alles was darin lebte, niederzubrennen ersuchte. Da entschieden die skynjar ihr Licht zu wandeln und die Menschen auf ewig zu blenden, auf dass sie nie mehr sehen konnten als sich selbst. Und so richtete sich ihr Hass bald schon gegen sie selbst. Und gegen alle, die ihr Gesicht trugen.

Und so teilten die skynjar die Welt zwischen Gestaltwandlern und Menschen.

Nur das Mädchen, dass man aus den Händen der Menschen gestohlen, blieb unter den Wölfen und die kältesten Winter, die dieses Land je gesehen, durchzogen die Erde, und die Luft und das Wasser und begruben alles unter sich, was nicht willig war zu leben.

Eines Nachts, als der Mond in voller Schönheit am Himmel stand, und sich der Wolf und das Mädchen zum letzten Mal sahen, brach das Schicksal über sie herein. Denn die Seuche des Hasses hatte um sich gegriffen und befiel nun ein nach dem anderen Gestaltwandel und je länger das Mädchen an falscher Stelle schlief, und aß und atmete, umso größer wurde der Hass. So beschlossen die Lichtwesen, dem Mädchen und dem Wolf das zu nehmen, was sie beide verband. Unter den Augen der blutenden Mondgötting sprach man einen Fluch.

Einen Fluch so mächtig, sie zu teilen.

Einen Fluch so grausam, sie zu blenden.

Einen Fluch so ewig, auf das jede Blutlinie ihn in sich tragen wird.

Denn der Gestaltwandler schenkte dem Mädchen die Freiheit und bezahlte diesen letzten Akt der Liebe mit seinem Leben. Durch Menschenhand entzweit brach sein Herz, durch Wolfesband geteilt sein Körper. Und als er dahinsiechte in jener Nacht, und die Tränen des Kindes nicht verfließen wollten, da erbarmte sich jene, die den Fluch zu etwas anderem webte. Zwei Teile eines Ganzen sollen sich finden, um dem Unrecht zu sühnen, dass dieser Welt zuteil wurde. Erst dann wird der Frieden wieder einkehren und die Glorreichen werden mächtig sein.

Das Mädchen aber floh, erfüllt von Schmerz, hinein ins Dunkle und trug ein Geschenk unter dem Herzen, dass dieser Welt wohl auf ewig verborgen bleiben wird. Nur wenn der Mond hoch am Himmel steht, da flüstern die Geister der Erde das Lied und unter seinem Licht leuchtet sein Haar, so weiß wie Schnee, und seine Augen glühen so rot wie Glut und sein Schmerz so dunkel wie die Nacht.


Auszug aus der ersten Auflage des Werkes 'Das Buch der Wunder und Wölfe' von Alaric von Winterfeld, 1902

Hinweis: Dieser Auszug stammt aus der ungekürzten Erstauflage und kann Übersetzungsfehler beinhalten.