Kapitel 1
Delilah
Aiden schließt die Haustür auf und tritt zur Seite, damit ich eintreten kann. Ich gehe langsam hinein, meinen Gehstock in der Hand und die Tasche über der Schulter. Im Flur trete ich meine Schuhe ab, bevor ich ins Esszimmer gehe, um mich irgendwo hinzusetzen. Aiden kommt nach, seine Aufmerksamkeit gilt seinem Handy.
„Willst du was zu trinken?“, fragt er. Ich nicke, aber als ich merke, dass er es nicht gesehen hat, antworte ich ihm auch verbal. Er lässt mich daraufhin allein und geht in die Küche.
Als er zurückkommt, hat er sein Handy nicht mehr in der Hand.
„Also, wollen wir einen Film schauen?“, fragt er.
„Würde ich gerne, aber wir hatten ausgemacht, dass du mir bei Koreanisch hilfst, weißt du noch?“, antworte ich. Aiden hat gemischte Wurzeln, eine amerikanische Mutter und einen asiatischen Vater. Deshalb ist er zweisprachig aufgewachsen.
Im Moment kann ich aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Schule gehen, was die Jobsuche noch schwieriger macht. Ich dachte, es wäre gut, sich ein paar Fähigkeiten anzueignen, während die Ärzte nur blöd rumhocken und Däumchen drehen: eine Möglichkeit, zumindest ein kleines Einkommen zu erzielen. Ich habe keine finanziellen Probleme, aber es ist deprimierend, den ganzen Tag nur zu Hause zu sitzen. Was könnte es schaden, sich die Zeit zu vertreiben? Ich dachte mir: Warum eigentlich kein Koreanisch lernen, wenn mein Freund halb Koreaner ist?
Er hat eingewilligt, es mir beizubringen, aber ich bin mir nicht sicher, ob er der beste Lehrer ist. Natürlich habe ich mir zur Unterstützung noch andere Lernmethoden gesucht, aber ich hatte mich darauf verlassen, dass er den Hauptteil übernimmt. Sich mit jemandem zu unterhalten, der die Sprache beherrscht, ist besser als jedes Arbeits- oder Lehrbuch – zumindest habe ich das so gelesen.
„Stimmt. Wo fangen wir an?“, fragt Aiden. Er verschränkt die Arme vor der Brust und lehnt sich über den Tisch. Ich beobachte seine attraktiven Züge: weiche blaue Augen, blondes Haar, porzellanfarbene Haut und ein durchtrainierter Körper. Er sieht aus wie ein Engel – wenn dieser Engel zwanzigmal die Woche trainieren würde.
„Äh. Ich weiß nicht. Welche Wörter und Sätze benutzt du am häufigsten?“, frage ich.
„Ehrlich gesagt spricht mein Dad fast nur Koreanisch mit mir, also geht es meistens um Haushaltspflichten und so was.“
Ich habe Aidens Vater vielleicht ein oder zwei Mal flüchtig gesehen. Soweit ich das beurteilen kann, sieht er genauso aus wie seine Mutter. Natürlich ist seine Mutter nicht Teil des großen Familienbildes. Tatsächlich gehört sie schon seit einer Weile nicht mehr dazu. Sie kümmert sich immer noch um ihr Kind; sie ruft an, schickt ihm Geld, erkundigt sich nach ihm und unterhält sich zwanglos mit ihm, aber als Paar haben seine Eltern wohl einfach nicht zusammengepasst.
„Fangen wir mit Begrüßungen an“, sagt Aiden und fängt an, in einer anderen Sprache loszuplappern. Er ist viel zu schnell, als dass ich mitkommen oder mitschreiben könnte, also starre ich ihn nur an. „Du schreibst ja gar nicht mit.“
„Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Was sind das für Wörter? Wie buchstabiert man die?“ Aiden hält inne.
„Daran habe ich nie gedacht. Zuerst musst du das Alphabet lernen. Es heißt Hangul.“ Ich nicke. Sein Handy klingelt und zieht seine ganze Aufmerksamkeit auf sich.
Gerade in diesem Moment öffnet sich die Haustür und ein stämmiger asiatischer Mann in einem dunklen Anzug tritt ein. Er hat etwas längeres Haar und einen Bart. Eine Zigarette hängt ihm im Mundwinkel.
Aiden begrüßt seinen Vater, als er an uns vorbeiläuft, und sein Vater grüßt zurück, aber sie sprechen kein Englisch. Ich ziehe meine Augenbrauen zusammen. Während Aiden immer noch mit seinem Handy beschäftigt ist, erwische ich mich dabei, wie ich seinen Vater anstarre.
Er wirft seinen Trenchcoat ab und macht seine Zigarette aus, bevor er die Küche nach Essbarem durchsucht. Ich kann nicht anders, er ist in der perfekten Position, damit ich ihn beobachten kann, ohne meinen Hals verrenken zu müssen. Als er nicht findet, wonach er sucht, stößt er einen Seufzer aus und ruft Aiden zu. Seine Stimme ist tief und rau: ein beängstigender Klang. Aiden gibt eine kurze Antwort und nickt. Ich bleibe still, während das Gespräch stattfindet. Sein Vater spricht noch einmal, aber diesmal bekommt er keine Antwort. Er schnaubt genervt, kommt dann zu uns und blickt mir direkt in die Augen.
„Hallo“, sagt er. „Ich entschuldige mich für die mangelnden Manieren meines Sohnes. Ich scheine auf ihn abgefärbt zu haben.“ Bescheiden.
„Guten Tag“, antworte ich leise. Jetzt, wo er so nah ist, kleben meine Augen an seinem Bart und seinen dunklen Augen. Er ist attraktiv. So attraktiv, dass ich merke, wie meine Gedanken abschweifen, bevor ich sie wieder einfange. Dieser Mann ist alt genug, um dein Vater zu sein!
„Ich habe Aiden gefragt, ob Sie Pizza möchten, aber keine Antwort erhalten. Ich bestelle jetzt Essen. Ist Pizza okay für Sie? Oder hätten Sie lieber etwas anderes?“ Seine tiefe Stimme klingt so rau, dass ich meine Oberschenkel zusammenpresse. Seine Augen verweilen einen Moment auf mir, und ich erlaube mir zu glauben, dass er mich mustert, einfach nur, weil ich den Nervenkitzel genieße.
„Pizza ist in Ordnung, Sir“, antworte ich. Er nickt und geht zurück. Als er wieder in der Küche verschwindet, finden meine Augen endlich Aiden wieder.
Bis die Pizza kommt, sitze ich schweigend da, während Aiden auf seinem Handy scrollt. Sein Vater ist vor einer Weile verschwunden, und bis er mit anderer Kleidung wieder nach unten kommt, habe ich keine Ahnung, wo er war. Die Türklingel ruft ihn, er öffnet und kommt mit zwei Pizzakartons zurück.
Er stellt einen vor mich und den anderen vor Aiden, bevor er sie öffnet. Aiden greift nach dem Karton vor mir, und sein Vater gibt ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. Aiden schaut zurück. Er sagt etwas auf Koreanisch, bevor sein Vater ihn erneut schlägt.
„Manieren. Wenn sie kein Koreanisch spricht, solltest du dich nicht in ihrer Gegenwart allein auf Koreanisch unterhalten“, ermahnt ihn sein Vater. „Und der Karton da gehört ihr. Sie ist ein Gast.“
„Warum kriegt sie einen ganzen Karton für sich allein? Ist sie nicht groß genug?“, fragt er. Im Raum wird es still. Die Augen seines Vaters wandern zu mir, und ich weiche seinem Blick aus. Sein Vater sagt etwas auf Koreanisch zu ihm, und ich ziehe die Augenbrauen hoch. Was ist denn mit den schlechten Manieren passiert?
Aiden nimmt sich ein Stück Pizza und der Abend geht weiter, als wäre nichts gewesen. Nachdem das Abendessen vorbei ist, verschwindet Aiden einfach. Ich warte und warte, dass er zurückkommt, aber er tut es nicht.
„Was machen Sie noch hier? Übernachten Sie etwa?“, fragt Aidens Vater, Mister Ha. Ich schaue über die Schulter und sehe, wie er die Treppe herunterkommt. Ich senke den Blick.
„Äh, nein, Sir. Ich habe nur darauf gewartet, dass Aiden mich nach Hause bringt.“ Mister Ha schaut auf seine Uhr.
„Es ist Mitternacht. Der Bastard schläft wahrscheinlich schon längst.“ Du nennst dein eigenes Kind einen Bastard?
Ich stehe langsam vom Stuhl auf.
„Okay. Dann rufe ich mir einen Uber. Danke für die Gastfreundschaft.“
„Auf gar keinen Fall. Es ist Mitternacht und Sie sind eine junge, behinderte, schwarze Frau. Das schreit förmlich nach Ärger.“
„Wirklich, es wird schon gehen.“
„Ich fahre Sie nach Hause.“ Meine Lippen werden schmal und ich spüre, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt. Er wartet keine Antwort ab, sondern geht einfach los.
Ich bleibe an der Tür stehen, bis er mit den Schlüsseln in der Hand zurückkommt. Er öffnet mir die Tür und führt mich mit meinem restlichen Pizza-Karton und meiner Tasche nach draußen. Er geht langsam, bis wir beim Auto sind, hilft mir hinein und geht dann um das Auto herum, um sich selbst ans Steuer zu setzen. Die Fahrt zu meiner Wohnung ist still, aber nicht unangenehm.
Mister Ha parkt vor meiner Tür und wartet auf eine Bestätigung, dass dies tatsächlich der richtige Ort ist. Ich öffne die Tür seines – sehr teuren – Autos und steige aus. Ich bin überrascht, als er ebenfalls aussteigt. Ich sehe mich über die Schulter um.
„Es ist in Ordnung, Mister Ha. Ich schaffe es von hier aus alleine.“
„Sind Sie allergisch gegen Hilfe?“, fragt er. Seine Stimme ist rau und sein Tonfall ist nicht ganz so freundlich wie seine Absichten. Mein Gesicht wird heiß. Ich wollte ihn nicht verärgern.
„Nein, Sir. Es tut mir leid.“ Ich bin still, während er mir meine Sachen abnimmt und mich zum Eingang meines Apartments geleitet. Als ich drinnen bin, schaue ich über die Schulter zurück, während er mit meinen Sachen das Haus betritt. Mein knapp 1,20 Meter großer Hund kommt auf mich zugelaufen.
Mister Ha beobachtet den Hund, bevor er an ihm vorbeiläuft. Als er mir meine Sachen wieder gibt, sieht er mich an, wie ich beschämt die Hände ineinander verschlungen habe. Ich habe selten Leute in meiner Wohnung. Es fühlt sich seltsam an, dass der Vater meines Freundes hier ist und mir hilft, nur weil mein Freund mich sitzen gelassen hat.
„Ist das ein Assistenzhund?“, fragt Mister Ha, als er sieht, wie Meg mir meinen Gehstock für zu Hause bringt. Ich lasse den für draußen an der Tür stehen und entfalte diesen hier.
„Ja“, nicke ich. „Er heißt Megumi. Ich nenne ihn Meg.“
„Wenn Sie einen Assistenzhund haben, warum waren Sie dann ohne ihn draußen?“, fragt er. Ich gehe in die Küche und Mister Ha folgt mir. Ich schenke ihm ein Glas Wasser ein.
„Nun ja, was wäre ich denn für eine Freundin, wenn ich einen Hund mit zu meinem Freund nehme, der allergisch ist?“, spotte ich. Mister Ha schweigt, also schaue ich zu ihm auf. Da er nichts sagt, reiche ich ihm das Glas, in der Hoffnung, die Situation weniger unangenehm zu machen.
„Danke.“ Er schweigt kurz.
Als er ausgetrunken hat, gibt er mir das Glas zurück. Ich stelle es neben die Spüle, bevor ich Mister Ha zur Tür zurückbringe.
„Danke für Ihre Großzügigkeit. Ich bin Ihnen sehr dankbar.“ Ich verbeuge mich vor ihm. Anstatt zu antworten, legt er mir nur die Hand auf den Kopf. Ich blicke wieder zu ihm auf, aber er ist schon dabei, das Haus zu verlassen. Ich bleibe stehen und sehe zu, wie er wegfährt, bevor Meg und ich uns schlafen legen.
„Kannst du bitte aufhören zu schreien?“, frage ich mit tränenden Augen. „Ich bitte dich nur darum, diese unsensiblen Kommentare zu lassen. Sie tun weh.“
„Warum fängst du immer Streit an und spielst dann die Behinderten-Karte?“, zischt Aiden.
„Ich spiele keine Karten“, schnaufe ich. „Ich habe dich gebeten, mein Gewicht nicht ständig zu erwähnen. Ich bin nicht so dick und ich kann keinen Sport machen, selbst wenn ich wollte. Es ist also eine sinnlose Bemerkung, die nur dazu dient, verletzend zu sein.“
„Scheiß drauf. Ich hab die Schnauze voll von dem Mist“, flucht Aiden. Er steht auf, und ich stehe mit ihm auf. Ich strecke meine Hand aus, um seine zu halten.
„Es tut mir leid. Können wir uns bitte einfach beruhigen und miteinander reden? Ich will nicht streiten.“ Aiden beobachtet mich ein paar Sekunden lang, und sein Gesicht wird weicher.
„Ja. Ja, es tut mir leid“, sagt er. „Du hast gesagt, dass du nicht willst, dass ich solche Kommentare mache, also werde ich damit aufhören. Es ist nicht deine Schuld, dass du zunimmst.“
Dieser Stich lässt meine Brust schmerzen. Ich sage kein Wort.
„Wir können zusammen an Diäten und sichereren Übungen arbeiten, damit du nicht unsicher sein musst.“ Seine beruhigende Hand auf meiner und sein sanfter Tonfall überzeugen mich tatsächlich davon, dass er recht hat und dass ihm etwas an mir liegt. Vielleicht bin ich so ausgehungert nach Berührung, dass ich diese Art von Missbrauch willkommen heiße.
Ich nicke langsam und blinzle die Tränen zurück.
„Können wir jetzt mit unseren Koreanisch-Lernstunden weitermachen? Ich habe das Alphabet und die Phonetik geübt, also sollte ich in der Lage sein, ein paar einfache Wörter zu lernen“, sage ich und wechsle das Thema. Aiden nickt und setzt sich vor mich. Ich setze mich ebenfalls und hole mein Buch und mein iPad aus meiner Handtasche.
Wir sitzen zusammen und unterhalten uns etwa eine Stunde lang über einfache Begrüßungen. Er ist gar nicht so schlecht darin, wie er getan hat. Es scheint ein recht einfaches Konzept zu sein, auch wenn das Auswendiglernen der Wörter eine ganz andere Sache ist. Gerade als wir in eine angenehme Unterhaltung vertieft sind, ertappe ich mich dabei, wie ich auf seine Lippen starre, während er spricht.
Seine rosigen Lippen – auf denen er so oft herumkaut – lassen mich die Konzentration verlieren. Für eine Sekunde höre ich nicht einmal mehr, was er zu mir sagt. Ich atme tief durch. Ich werde geil. Wann hatten wir das letzte Mal Sex? Ich ziehe meine Unterlippe zwischen meine Zähne. Meine Augen wandern zu seinem Bizeps, der sich unter seinem T-Shirt abzeichnet. Aiden ist ein Athlet, ein Footballspieler mit einer vielversprechenden Karriere, und er hat den Körper, um das zu beweisen. Er lebt praktisch im Fitnessstudio.
Ich lege meine Hand auf seinen Arm, ohne nachzudenken. Seine Augen wandern zu meiner Hand und dann hoch zu meinen Lippen. Er greift nach meiner Hand und hält sie fest.
„Jemand ist nicht bei der Sache“, sagt er.
„Tut mir leid“, murmele ich.
„Ich meine ja nur, wenn du das nach oben verlagern willst“, lächelt er. Ich runzle die Stirn. Treppensteigen ist eine Aufgabe, besonders in so einem großen Haus.
„Ich kann nicht die Treppe hochgehen, Aiden“, antworte ich.
„Na gut. Wir können einfach das Arbeitszimmer meines Vaters benutzen“, sagt er. Er steht auf und beginnt, mich mit sich zu ziehen, bevor ich ein Wort herausbringen kann.
„Das Arbeitszimmer deines Vaters? Aiden, das klingt nicht nach einer guten Idee.“
„Okay, okay. Wenn du es direkt hier machen willst. Ich werde mich nicht beschweren.“ Er beginnt, die Knöpfe seiner Hose zu öffnen. Ich beiße mir auf die Lippe. Es ist Samstag und wir sind alleine zu Hause.
„Hier? Kommt dein Vater nicht nach Hause?“, frage ich ihn.
„Er? Nein. Er wird noch mindestens eine Stunde nicht da sein. Ich denke, das reicht völlig aus.“ Er zieht sein Hemd aus und enthüllt seine Muskeln darunter. Ich hole zittrig Luft. Ich weiß nicht, wie ich dazu Nein sagen soll, also nicke ich langsam.
„Gut. Lutsch dran. Mach ihn hart“, murmelt er und drückt seine Lippen auf meine. Wir knutschen eine anstrengende Minute lang, bevor er mich dazu drängt, auf die Knie zu gehen. Ich gehe runter und packe sein Stück mit meiner Hand. Ich sehe zu ihm auf, und er hat bereits sein Handy in der Hand. Er liebt es, mich aufzunehmen; er sagt, das liegt daran, dass ich so wunderschön bin.
Ich nehme ihn in den Mund und fange an, meinen Kopf vor und zurück zu bewegen. Er wird nach etwa einer Minute hart in meinem Mund. Ich mache weiter, selbst als er nach unten greift und meinen Hoodie auszieht, um meinen grauen Spitzen-BH zu enthüllen. Ich lutsche weiter an ihm, und ich merke, dass er kurz davor ist, als er seine Hand auf meinen Kopf legt.
Eine tiefe Stimme flucht in einer anderen Sprache, was mein Blut in den Adern gefrieren lässt. Ich halte inne – oder versuche es zumindest –, aber Aiden lässt mich nicht.
„Seid ihr zwei eigentlich komplett bescheuert? Ihr habt euer eigenes Schlafzimmer. Warum macht ihr das hier im verdammten Esszimmer?“, flucht Mister Ha. Ich zucke vor Angst zusammen. Aiden lässt mich nicht weg, also bin ich mir sicher, dass sein Vater dabei zuschaut, wie ich ihn einen runterhole.
Ich stöhne um Aiden herum, aber er lässt mich immer noch nicht weg. Er beginnt, seine Hüften in meinen Mund zu stoßen. Er sagt etwas zu seinem Vater auf Koreanisch, etwas, das ich nicht verstehe. Dann spült bittere Flüssigkeit meine Zunge. Endlich lässt er von mir ab, und ich ziehe meinen Kopf zurück, huste und würge. Ich spucke das Sperma meines Freundes in meine Handflächen. Aiden bringt seine Kleidung in Ordnung, bevor er sich abwendet und mir ein Taschentuch zuwirft. Ich sehe zu ihm auf und wische mir Hände und Mund ab. Ich werfe einen schnellen Blick zurück zu seinem Vater, der mich nackt sehen kann. Er sieht nicht glücklich aus. Ich beiße mir auf die Unterlippe und verschränke die Arme vor dem Körper. Aiden ist damit beschäftigt, sich anzuziehen. Ich suche nach meinem Hoodie. Als ich ihn endlich zu fassen bekomme, greife ich auch nach meinem Gehstock und fange an, stillschweigend zusammenzupacken.
„Wo gehst du hin?“, fragt Aiden.
„Nach Hause“, murmle ich.
„Du hast gesagt, du bleibst über Nacht.“ Ich blicke zurück zu seinem Vater, der nun von uns weggeht und in Richtung Treppe läuft.
„Das war, bevor du mich vor deinem Vater hast einen blasen lassen. Du erwartest doch nicht ernsthaft, dass ich ihm jetzt noch in die Augen sehen kann?“, zische ich.
„Warum kümmert es dich, ob er dich gesehen hat?“, Aiden runzelt die Stirn.
„Weil ich nicht dabei erwischt werden will, wie ich jemandem einen lutsche, Aiden.“
„Ich bin aber nicht irgendwer.“ Er scheint sauer zu werden. Mit seinem Vater im Haus ist das Letzte, was ich will, ihn zu verärgern. Ich atme tief durch, aus Angst vor dem, was passieren könnte, wenn ich ihm nicht gebe, was er will.
„Okay. Ich bleibe noch ein bisschen, aber ich bleibe nicht über Nacht. Ich habe keine Kleidung dabei und schaffe es heute nicht die Treppe hoch.“ Ich sehe ihn an und erwarte, dass er einen Streit anzettelt, aber das tut er nicht.
„Danke, Baby.“ Er macht es zu und küsst mich auf die Stirn. Ich lächele ihn an. „Lass mich dir etwas zu essen machen. Ich wollte dir das nicht antun. Es hat sich nur so gut angefühlt, dass ich für eine Sekunde den Verstand verloren habe.“ Ich nicke glücklich.
Später am Abend sitze ich mit Aiden und Mister Ha am Tisch, erdrückt von einer Spannung, die so fest wie Stahl ist. Es ist still. Ich frage mich, ob das hier normalerweise so ist oder ob es mit unserem Vorfall von vorhin zu tun hat. Das Essen ist jedoch fantastisch, ganz im Gegensatz zur Atmosphäre. Ich war überrascht, wie gut ein alleinerziehender Vater mit haufenweise Geld kochen kann. Ich hatte erwartet, dass sie einen Koch oder so etwas haben.
„Mister Ha“, sage ich und durchbreche das Schweigen. Der ältere Mann sieht zu mir auf. Aidens Gesicht ist in seinem Handy vergraben. „Ich entschuldige mich für vorhin. Ihr hättet das nicht sehen sollen. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, so etwas Unangemessenes zu tun. Danke, dass ich zum Abendessen bleiben durfte. Das Essen ist großartig.“ Er gibt nur ein Grunzen von sich. Ich schätze, ich habe ihn wirklich wütend gemacht.
„Dad“, sagt Aiden schließlich zu seinem Vater. Sein Vater schaut dieses Mal nicht auf. Er grunzt nur wieder und schaufelt sich mehr Essen in den Mund. „Delilah möchte Koreanisch lernen. Sie hat sich gefragt, ob du es ihr beibringen würdest, da du es mir beigebracht hast.“
Meine Augenbrauen zogen sich zusammen. Ich hatte das vorher nie mit Aiden besprochen, und hätte er mich gefragt, hätte ich Nein gesagt. Ich hatte mein erstes Gespräch mit diesem Mann vor einer Woche, und heute hat er mich mit dem Schwanz seines Sohnes im Mund erwischt. Ich glaube nicht, dass ich stundenlang mit ihm in einem Raum sitzen will. Er sieht jetzt schon aus, als würde er mich am liebsten umbringen. Aber ich kann nichts sagen, weil das schlecht aussehen würde, also warte ich schweigend auf die Ablehnung.
„Wann hast du Zeit?“, Mister Has Augen sind wieder auf mich gerichtet. Mein Gesicht fühlt sich heiß an.
„Ich – ähm“, stammle ich.
„Antworte.“
„Ich habe eigentlich jeden Tag Zeit. Ich habe einen flexiblen Zeitplan, außer an… Tagen mit starken Schmerzen oder Müdigkeit, und ich könnte Ihnen immer Bescheid geben, wenn ich verhindert bin.“
„Ich habe dir schon gesagt, du sollst aufhören, andere mit deinen Problemen zu belästigen“, sagt Aiden zu mir. Dann sieht er seinen Vater an. „Sie hat jeden Tag Zeit und schläft immer, also hat sie viel Freizeit.“ Ich sage nichts. Ich möchte nicht, dass Mister Ha davon ablässt, es mir beizubringen, weil er denkt, ich sei eine Faulenzerin, die Ausreden sucht.
„Ich werde Ihnen meine Telefonnummer geben, und Sie können mir Bescheid sagen, wenn Sie aus irgendeinem Grund verhindert sind. Ich werde Ihnen einen Zeitplan schicken. Wenn ich den Eindruck habe, dass Sie meine Zeit verschwenden, werde ich nicht weiterhelfen.“
„Wie viel muss ich bezahlen?“, frage ich.
„Nichts. Sie werden in ein oder zwei Wochen von selbst aufhören“, sagt er kalt, bevor er den Tisch verlässt. Er ist genau der nette, aber mürrische Kerl, der mich vor einer Woche nach Hause gebracht hat. Ich fange an zu verstehen, warum er und Aidens Mutter sich damals getrennt haben.
„Trotzdem danke, Mister Ha“, antworte ich laut genug, damit er mich hören kann.