Prolog
„Hi.“
Die gedimmten Lichter der Bar flackerten, gerade als ein Typ ans Mikrofon trat. Der Raum wurde plötzlich ganz still und erwartungsvoll. Seine bloße Anwesenheit zog alle Blicke auf sich, noch bevor er ein Wort sagte. Er war groß, strahlte eine mühelose Selbstsicherheit aus und hatte goldenes, zerzaustes Haar, das perfekt unperfekt wirkte.
„Es ist schon eine Weile her, nicht wahr?“
Er stellte das Mikrofon ein, während er sprach. Seine tiefe, männliche Stimme durchschnitt die Stille. Der Raum explodierte in tosendem Jubel und Applaus, als hätten sie den ganzen Abend nur auf ihn gewartet. Sein Grinsen war lässig, aber es zog jeden in seinen Bann. Und als seine Augen durch die Menge wanderten, verharrte der Moment lange genug, um die Herzen der Leute höherschlagen zu lassen.
„Ich stand hier früher oft oben und habe das alte Zeug gesungen. Aber heute Abend –“ Er kicherte leise, seine Stimme klang voll und tief, während er sich auf dem Barhocker zurechtrückte. „Heute Abend geht es nicht um die Vergangenheit.“
Seine Worte hingen wie ein Geheimnis in der Luft, während er seinen Tonfall senkte und noch sanfter wurde. „Normalerweise steht hier noch jemand mit mir oben“, verriet er. Seine Stimme war ruhig und melodisch und zog alle noch tiefer in seinen Bann.
Er beugte sich zum Mikrofon vor, und sein Lächeln wich etwas Nostalgischem. Der Applaus verklang und hinterließ ein leises Raunen der Vorfreude. Schließlich, mit einem sanften Seufzer ins Mikrofon, begann das Lied, wie leise Wellen, die an die Oberfläche drängten: „Das hier... ist für jemanden...“
„Für jemanden... der mein Leben verändert hat.“
Plain black AC DC tee and a brown Birkenstock. Ein Mädchen rannte zum Ende des Flurs, als hinge der Sieg bei einem Staffellauf von ihr ab. Ihre Augen starr nach vorne gerichtet, der Blick verengt, die Lippen zusammengepresst. Nur einmal sah sie weg, als sie hastig auf ihre Armbanduhr blickte, um nach der Zeit zu sehen. Und die Dringlichkeit in ihrem Gesicht? Es wirkte, als hinge ihr Leben von dem ab, wofür auch immer sie zu spät dran war.
Währenddessen war der Rest einfach nur... da. Alle unterhielten sich in total bescheuerten Kostümen. Einige redeten, einige lachten – die meisten... genossen die beste Zeit ihres Lebens. Sandsteinsäulen säumten den endlosen Flur. Sie stieß einen frustrierten Laut aus, während ihre kleinen Füße weiter über den nummerierten Boden hämmerten. Plötzlich, völlig aus dem Nichts, packte sie eine Kraft von vorne und zerrte sie aus der Haupthalle... in einen viel schmaleren Gang.
Ihr Rücken knallte gegen die kalte Wand, ihr Herz raste, als Panik in ihr aufstieg. Mit weit aufgerissenen Augen blickte sie hektisch nach links und rechts und scannte die Büsche in der Nähe ab. Es war gespenstisch still, ein krasser Gegensatz zu dem Chaos nur ein paar Meter entfernt. Ihr Atem stockte, und als ihr Blick nach vorne schnellte, öffnete sie den Mund, um zu schreien –
Doch eine Hand legte sich über ihren Mund und erstickte jeden Laut.
„Hör zu – ich brauche deine Hilfe, okay – ich mache das wieder gut, versprochen –“
Sie erstarrte. In diesem Moment trafen sich ihre Augen mit seinen – dunkel, stechend blau, wild vor Panik – genau wie ihre. Der Unterschied war nur, dass er noch dringlicher wirkte. Ihr Kopf versuchte fieberhaft zu begreifen, was passierte, und die Züge seines Gesichts zu erfassen – doch die Schatten machten ihn beinahe unkenntlich. Aber sie konnte fast hören, wie hektische Stimmen lauter wurden, näher kamen.
Alarmiert blickte er Richtung Haupthalle. Sein Blick schnellte zurück zu ihrem: „Es tut mir so leid deswegen –“ Er nahm seine Hand weg –
Und seine Lippen lagen auf ihren.
Ihre Augen weiteten sich vor Schock. Für einen kurzen Moment versuchte sie, sich zurückzuziehen, aber sein Griff – fest, doch... nicht gewaltsam – hielt sie fest. Und seltsamerweise fühlte es sich nicht mehr bedrohlich an. Es fühlte sich...
Göttlich an.
Schließlich schloss sie die Augen und ergab sich dem Moment, während die Welt um sie herum verschwamm. Seine Küsse waren langsam – verdammt, es war kein Kuss, das wusste sie. Nur eine verzweifelte Tarnung, ein Trick. Sie wusste, dass seine Augen ab und zu offen waren – aber der Bann dieses Kusses war einfach. zu. berauschend.
Die stampfenden Schritte außerhalb des Flurs wurden ohrenbetäubend, Stimmen riefen Befehle und suchten. Sie suchten nach jemandem.
Sie suchten nach ihm.
Er schloss die Augen. Die Menge eilte an ihnen vorbei. Die Leute warfen kurze Blicke in ihre Richtung, wandten sich dann aber schnell ab und taten sie als weiteres Paar in einem Uni-Flur ab. Manche angewidert – aber niemand blieb stehen. Die Menschenmenge eilte vorbei, ahnungslos, warum sie so eng zusammenstanden – zu eng, mittlerweile. Ihr Atem stockte, als sein Körper sich irgendwie noch fester gegen ihren presste.
Seltsam, wie der Kuss dringlicher wurde als zuvor. Seltsam, wie er sich dabei so wohlfühlte mit jemandem, den er gerade erst im Flur getroffen hatte – nicht, dass er mit Fremden nicht schon Schlimmeres angestellt hätte, aber trotzdem. Seltsam, aber sie gaben sich dem Moment hin. Einander.
Vielleicht waren es die Lippen. Vielleicht das federnde... weiche lockige Haar. Vielleicht war es die Art, wie seine Finger sanft über ihre braune, glatte Haut glitten. Oder vielleicht war es ihr Duft. Dieser... hm, er kannte dieses Parfüm. Es war ein Männerparfüm. Und es erinnerte ihn an –
Er zuckte von ihr weg. Erschrocken packte sie seine muskulösen Arme und hielt sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt. Für einen kurzen Moment wurde alles um sie herum still. Ihr Atem stockte, als ihre Blicke sich trafen und sie ihn endlich sah.
Markante Züge, Schatten, die die starken Linien seines Kiefers nachzeichneten, und diese Augen – tief blau wie der Ozean in seinem dunkelsten Punkt. Für einen Herzschlag blieben sie so, verloren im Blick des anderen. Sein wilder Schreck wich einem kleinen, schiefen Grinsen in seinen Mundwinkeln. Sie verstand nicht, wie das Grinsen eines Fremden gefährlich an ihr zerren konnte. Sein Blick glitt langsam zu ihren vollen Lippen – bis die fernen Rufe erneut durch den Flur hallten.
„Ich muss los“, murmelte er mit tiefer, dringender Stimme. „Danke...?“
Sie schluckte, fühlte sich völlig nervös und hauchte: „R – Rena. Renata Paradis.“
Er zog die Augenbrauen zusammen, bevor sich ein Grinsen auf seinen Lippen bildete.
„Renata Paradis...“
Er leckte sich über die Lippen und lachte leise. Als würde er den Geschmack ihres Namens auf seiner Zunge wie Ekstase genießen. „Bedank dich später bei deinen Eltern“, zwinkerte er, und ohne ein weiteres Wort drehte er sich um, um zu gehen.
Sie stand wie angewurzelt da, ihr Kopf drehte sich, ihr Herz raste. Es dauerte einen Moment, bis sie sich gesammelt hatte, und dann rief sie ihm mit einer gewissen Dringlichkeit hinterher: „Warte! Dein Name!“
Er hielt mitten im Schritt inne, seine Silhouette in das schummrige Licht getaucht. Langsam drehte er sich zurück; goldene Strähnen seines Haares fingen das Licht ein, sein scharfer Kiefer perfekt dazwischen gerahmt. Seine dunkelblauen Augen funkelten mit etwas Unleserlichem, etwas... Wildem. Und in diesem Licht... erkannte sie, dass grüne Streifen in seinem Blick lagen, fast wie in den Ozean eingebettete Smaragde, als würden sie die Geheimnisse des Meeres hüten.
„Dom.“
Seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. Dieses schiefe... gefährlich schräge Grinsen. Er verharrte noch eine Sekunde länger, sein Blick löste sich nicht von ihrem... als er schließlich grinste und sagte:
„Dominic Hunt.“