Chapter 1
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Die schwere Eichentür fiel ins Schloss. Das Geräusch hallte nach, als würde sich eine Gefängniszelle verriegeln.
Die Mastersuite des Romano-Anwesens war riesig und erdrückend luxuriös. Es roch schwach nach altem Geld, Mahagoni und teurem Parfüm. Doch der Raum schrumpfte für Nyra auf einen einzigen Punkt zusammen: das massive Kingsize-Bett mit seinen dunklen Seidenlaken, das genau in der Mitte stand.
Nyra stand in der Nähe der Tür. Ihre Hände umklammerten den Stoff ihres schweren Brautkleids aus Satin. Die Schultern schmerzten unter dem Gewicht, doch ihr ganzer Körper war vor Anspannung starr. Sie wagte es nicht, sich zu bewegen.
Salvatore beachtete sie nicht. Er ging schnurstracks zur Bar in der Ecke, riss sich die Fliege aus Seide vom Hals und warf sie auf einen Stuhl. Er goss sich zwei Fingerbreit bernsteinfarbenen Whiskey in ein Kristallglas, kippte ihn in einer fließenden Bewegung hinunter und goss sofort nach.
Das Schweigen zog sich in die Länge, zäh und erstickend, bis er sich schließlich umdrehte. Salvatore wirkte lebensgefährlich – selbst mit aufgeknöpftem Hemdkragen verbreitete er die erschreckende Aura eines Mannes, der dazu geboren war, das Romano-Imperium mit Blut und Schatten zu beherrschen.
„Lass uns eines klarstellen“, sagte Salvatore. Seine Stimme war tief, rau und völlig ohne Wärme. Er lehnte sich an die Bar und schwenkte die bernsteinfarbene Flüssigkeit im Glas. „Ich habe dich nicht geheiratet, weil ich eine Frau wollte. Ich habe dich geheiratet, weil mein Großvater keine Zeit mehr hat und Silvio mit seinem letzten Atemzug alles darangesetzt hat, mich dazu zu zwingen. Das hier ist ein Geschäft, um meinen Sitz an der Spitze dieser Familie zu sichern. Mehr nicht.“
Nyra schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter und zwang sich, seinem eisigen, dunklen Blick standzuhalten. Sie atmete langsam und tief durch, damit er das Zittern ihrer Hände nicht bemerkte.
„Ich weiß“, sagte sie leise. Ihre Stimme blieb fest, obwohl das Adrenalin in ihren Ohren rauschte.
Salvatore hielt inne, das Glas auf halbem Weg zum Mund. Er kniff die Augen zusammen; er hatte offensichtlich Tränen, einen Streit oder Betteln erwartet.
„Ich bin nicht dumm, Salvatore“, fuhr Nyra fort und machte einen Schritt auf ihn zu. Der Satin ihres Kleids raschelte leise im stillen Raum. „Ich weiß genau, wer Silvio Romano ist, und ich weiß, was der Krebs mit ihm anstellt. Ich weiß, dass du das tust, damit deine Familie nicht auseinanderbricht, wenn er nicht mehr da ist. Und ehrlich gesagt? Ich bin erleichtert.“
Er zog eine dunkle Augenbraue hoch. „Erleichtert?“
„Ja“, sagte sie und hob das Kinn. „Denn das bedeutet, dass wir einer Meinung sind. Ich wollte diese Hochzeit genauso wenig wie du. Ich wurde genauso in dieses Zimmer gezwungen wie du. Du musst mich also nicht davor warnen, dir fernzubleiben. Ich habe nicht die Absicht, die hingebungsvolle, anhängliche Ehefrau zu spielen, wenn diese Türen geschlossen sind.“
Ein kurzes Flackern in seinem Gesicht – Belustigung oder vielleicht ein plötzlicher, widerwilliger Respekt – huschte über Salvatore’s harte Züge, bevor sie wieder zur Maske erstarrten. Er stellte sein Glas mit einem leisen Kling ab.
„Gut“, sagte er und ging auf das Bett zu. Er blieb an einer Seite stehen, blickte auf die dunklen Laken und dann zurück zu ihr. „Denn es gibt nur ein Bett, und Silvios Dienstmädchen kontrollieren dieses Zimmer im Morgengrauen. Wenn Decken auf der Couch oder dem Boden liegen, erfährt er es sofort. Wir schlafen im selben Bett. Ohne Ausnahmen.“
Nyra sah auf die riesige Matratze. Sie war breit, aber nicht breit genug, damit sie vergessen konnte, mit wem sie sie teilen musste.
„Na gut“, sagte Nyra. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, als sie nach dem Reißverschluss an ihrem Rücken griff und merkte, dass sie nicht herankam. Sie erstarrte und biss sich auf die Lippe. „Aber wir bleiben auf unseren jeweiligen Seiten.“
Salvatore beobachtete ihren vergeblichen Versuch für einen kurzen Moment, seine Augen verdunkelten sich, als sie die Bewegung ihrer Hände auf dem weißen Satin verfolgten. Er kam herüber. Seine schweren Schritte waren auf dem weichen Teppich lautlos, bis er direkt hinter ihr stehen blieb. Die Hitze, die von seiner Brust ausging, ließ ihr den Atem stocken.
„Auf deiner Seite“, murmelte er. Seine kalten Finger streiften ihre nackte Haut am Rücken, als er den Reißverschluss packte und langsam nach unten zog. „Mal sehen, wie lange das in diesem Haus gut geht.“
Das Geräusch des Reißverschlusses, der ihren Rücken entlangglitt, war in der plötzlichen, schweren Stille des Zimmers ohrenbetäubend. Sie hielt den Atem an; jeder Nerv in ihrem Körper brannte dort, wo Salvatore’s Fingerknöchel versehentlich ihre nackte Haut berührten.
Bevor sie wegtreten konnte, klopfte es scharf und heftig an die schwere Eichentür.
Nyra versteifte sich. Ihre Hände schnellten hoch, um das Oberteil ihres offenen Kleids vor ihrer Brust zu halten. Salvatore’s Augen verengten sich und seine ganze Haltung wurde in Sekundenbruchteilen bedrohlich. Er wich nicht von ihr zurück; stattdessen legte er seine Hand auf ihre Taille und zog sie fest an sich.
„Wer ist da?“, forderte Salvatore. Seine Stimme war ein gefährliches Knurren.
Die Tür schwang trotzdem auf.
Silvio Romano stand im Türrahmen und stützte sich schwer auf seinen polierten Gehstock. Der Krebs hatte ihn ausgemergelt und seine Haut blass gemacht, aber das rücksichtslose, räuberische Funkeln in den Augen des alten Mannes war nicht verblasst. Hinter ihm standen zwei von Salvatore’s Cousins als Wachen im schummrigen Flur und spähten mit einem subtilen Grinsen herein.
Silvios Blick strich über das Zimmer und erfasste die Szene sofort: sein Enkel, der unmöglich nah an seiner neuen Braut stand, Salvatore’s Hände an ihrer Taille und Nyra, die ein am Rücken völlig offenes Hochzeitskleid festhielt.
Ein langsames, zufriedenes Grinsen breitete sich auf dem wettergegerbten Gesicht des alten Mannes aus.
„Ah“, gluckste Silvio. Es war ein raues, keuchendes Geräusch, das in ein kurzes Husten überging, bevor er sich räusperte. „Es scheint, als würde ich die eigentlichen Hochzeitsgelübde unterbrechen.“
Nyras Wangen färbten sich tiefrot. Sie versuchte instinktiv einen Schritt zurückzumachen, doch Salvatore’s Griff an ihrer Hüfte wurde fester und drückte sie bündig gegen seine Brust. Sie spürte das schwere, gleichmäßige Schlagen seines Herzens gegen ihre Schulterblätter. Er spielte seine Rolle perfekt.
„Das tust du, Nonno“, sagte Salvatore. Sein Tonfall war kühl und von einem Ärger durchzogen, der einen Ehemann, der im Schlafzimmer gestört wurde, perfekt imitierte. „Brauchst du etwas, oder bist du nur zum Zuschauen gekommen?“
„Pass auf deine Zunge auf, Junge“, entgegnete Silvio, doch in seinen Augen lag ein dunkler Amüsement, als er einen Schritt in die Suite machte und sein Stock dumpf auf dem Holzboden aufschlug. Er sah direkt zu Nyra, und sein scharfer Blick wurde für einen Augenblick weicher. „Ich wollte nur sehen, ob sich meine neue Enkelin gut eingelebt hat. Aber wie ich sehe, kümmert sich mein Enkel bereits sehr gut darum.“
Nyra erzwang ein höfliches, wenn auch etwas atemloses Lächeln. „Guten Abend, Mr. Romano.“
„Nenn mich Nonno, Kind. Du bist jetzt eine Romano“, sagte Silvio. Er tippte mit dem Stock zur Betonung auf den Boden. Sein Gesichtsausdruck wurde todernst, und die Last seines Erbes hing schwer im Raum. Er sah zwischen den beiden hin und her. „Die Ärzte geben mir Monate. Vielleicht Wochen. Ich habe dir dieses Imperium gegeben, Salvatore, und ich habe dir eine wunderschöne Frau gegeben. Ich habe keine Zeit für eine langsame, zarte Brautwerbung.“
Salvatore’s Kiefer mahlte so fest, dass ein Muskel in seiner Wange zuckte. „Nonno –“
„Ich will ein Enkelkind, Salvatore“, unterbrach Silvio ihn. Seine Stimme war zu einem rauen, unmissverständlichen Befehl gesunken. Er sah auf Nyras nackte Schultern und dann zurück zu seinem Enkel. „Einen Erben, um den Namen Romano zu sichern, bevor ich unter die Erde komme. Ich erwarte vor dem Winter gute Neuigkeiten. Verschwende die Nacht nicht.“
Mit einem letzten, langen Blick auf das riesige Bett drehte sich der alte Mann auf dem Absatz um. Sein Stock klackerte auf dem Boden, als er hinausging. Die Cousins zogen die schwere Eichentür zu, und das Schloss rastete erneut ein.
Die Stille, die in den Raum zurückkehrte, fühlte sich jetzt völlig anders an. Sie war erstickend und von einem plötzlichen, beängstigenden Druck aufgeladen.
Salvatore ließ Nyras Taille nicht sofort los. Sein Atem streifte ihr Ohr, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Jetzt wird die Familie uns wie Falken beobachten.“
Nyra löste sich, sobald die Tür ins Schloss fiel. Ihr Herz hämmerte wie ein gefangener Vogel gegen ihre Rippen. Ohne Salvatore eines Blickes zu würdigen, griff sie nach einem seidenen Nachthemd aus ihrem Koffer und schloss sich in dem riesigen Marmorbadezimmer ein.
Als sie schließlich herauskam, befreit von dem schweren Satin ihres Hochzeitskleides, war der Raum nur schwach beleuchtet. Salvatore hatte sich bereits in eine dunkle Jogginghose gewechselt. Er lag auf seiner Seite des Bettes, den Rücken zu ihr gekehrt – eine Wand aus puren Muskeln und absoluter Gleichgültigkeit.
Nyra schluckte schwer und kletterte vorsichtig auf ihre Seite. Sie blieb ganz am Rand und ließ eine riesige, kalte Fläche der Matratze zwischen ihnen.
Stundenlang blieb das Zimmer still, nur ihr synchroner Atem war zu hören. Salvatore’s Haltung entspannte sich schließlich, seine Atmung wurde tief und gleichmäßig, ein Zeichen dafür, dass er endlich eingeschlafen war. Nyra beneidete ihn. Sie lag wach, starrte an die Decke und spürte, wie das erdrückende Gewicht des Namens Romano auf ihr lastete.
Gegen Mitternacht änderte sich die Atmosphäre.
Zuerst frischte der Wind auf und ließ das schwere Glas der Balkontüren klappern. Dann kam der Regen, der in gewaltigen Schauern gegen die Fenster peitschte. Nyra versteifte sich und zog die Bettdecke enger um ihren Hals. Sie hatte Stürme gehasst, seit sie ein Kind war, aber in einem Mafia-Anwesen klang der heulende Wind unendlich bedrohlicher.
Plötzlich zuckte ein gleißender Blitz direkt vor dem Fenster und tauchte das gesamte Schlafzimmer in ein scharfes, unheimliches Weiß.
Einen Augenblick später erschütterte ein ohrenbetäubender Donnerknall das gesamte Anwesen – so laut, dass es sich anfühlte, als vibrierte es direkt durch die Dielen.
Nyra keuchte vor purer, instinktiver Angst auf. Bevor ihr Verstand sie logisch daran erinnern konnte, wer er war – bevor sie sich daran erinnern konnte, dass Salvatore Romano ein Mann war, den der Rest der Welt fürchtete – reagierte ihr Körper aus reinem Instinkt. Sie krabbelte über die kalte Grenze der Matratze hinweg und suchte die einzige Quelle von Wärme und festem Boden im Raum.
Ein weiterer Donner grollte.
Mit einem kleinen Aufschrei tastete Nyra im Dunkeln. Ihre Finger zitterten heftig, als sie Salvatore’s Hand fand, die auf der Matratze lag. Sie umklammerte sie mit beiden Händen und drückte seine große, schwielige Handfläche, als wäre sie ein Rettungsanker, der sie vor dem Ertrinken bewahrte.
Innerhalb eines Wimpernschlags war Salvatore hellwach.
Jahre in ständiger Gefahr bedeuteten, dass er nicht langsam aufwachte. Seine Augen rissen auf, seine Muskeln spannten sich augenblicklich vor tödlicher Anspannung an. Instinktiv wollte er seine Hand zurückziehen, sein Griff versteifte sich zu einem Reflex, der leicht ein Handgelenk hätte brechen können – bis er merkte, dass die Hände, die ihn hielten, klein, zittrig und völlig harmlos waren.
Er erstarrte, sein Kopf schnellte im Schatten herum, um sie anzusehen.
Nyra kauerte eng an seiner Seite, ihre Augen waren geschlossen, ihr Gesicht teilweise in seinem Kissen vergraben. Ein weiterer Blitz malte die scharfen Linien seines Gesichts in Silber, und er spürte das heftige Beben, das ihren gesamten Körper durchlief.
Salvatore blickte auf ihre Hände, die seine umschlossen. Sie drückte so fest zu, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.
„Nyra?“, seine Stimme war ein tiefes, raues Raspeln, schwer vom Schlaf, aber von plötzlicher Verwirrung durchzogen. Er zog seine Hand nicht weg.









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