Kapitel 1: Das Erwachen
Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich nicht zum Pfad der Ahnen gegangen. Oder... doch?
• Levia •
London, 29.05.2026.
Mit höchster Aufregung packe ich mein gesund belegtes Pausenbrot in die Brotdose und schiebe sie zu meinem Tablet in die Umhängetasche. Heute ist Freitag, also ist das mein zweites Frühstück für die Berufsschule und nicht für die Arbeit. Für die, die es nicht wussten: Ich bin im 3. Lehrjahr der Bauzeichnerlehre.
Das ist aber nicht alles, denn ich kann mich jetzt schon kaum halten. Dabei habe ich erst in drei Tagen Geburtstag!
Und dann erwacht endlich die Wölfin in mir!
Ja, ich bin ein Werwolf. Und ja, das hier ist eine Gesellschaft, in der Gestaltwandler wie wir unter ganz normalen Bedingungen und Regeln unter den Menschen leben. Nichts ist hier dem Zufall überlassen und Ungehorsam hat strenge Konsequenzen, so funktioniert die wölfische Gesellschaft nun mal. Nur so können die Launen von uns Werwölfen unter Kontrolle gehalten werden und es gibt keinen Streit zwischen Menschen und Gestaltwandlern.
In der Geschichte gab es das alles schon und niemand ist daran interessiert, die Fehler unserer Vorfahren zu wiederholen. Verfolgung von Werwölfen oder Unterdrückung und Versklavung der Menschen braucht keiner.
Ein friedliches Zusammenleben und Co-Existieren, das ist es.
„Hast du alles, mein Schatz?“, vernehme ich die warme Stimme meiner Mutter, die ihren Kopf in die gemütliche Küche hält.
In typischer Vorstadt-Reihenhaus-Optik, versteht sich.
Ihre olivgrünen Augen strahlen eine Wärme aus, die von den ersten Sonnenstrahlen des Tages unterstreicht wird. Der leichte Kupferschimmer in ihrem welligen Haar passt perfekt zu den Sommersprossen, die ihre vollen Wangen sprenkeln.
Wie jeden Freitagmorgen übernimmt sie mit vollster Liebe und Zuneigung die Care-Arbeit, für die ich normalerweise schon einige Jahre zu alt bin. Aufhalten tut sie das nie und ich sage auch nicht nein zu der Zeitersparnis, die sie mir damit beschert. Es kann aber auch daran liegen, dass ich als kleines Baby in diese Familie gekommen bin.
Richtig, ich bin adoptiert.
„Ja, vielen Dank, Mama. Ist Papa schon aus dem Haus?“, hake ich nach und schenke ihr eine kurze Umarmung zum Abschied.
„Du kennst ihn doch, er heiratet heute wieder seine Arbeit”, scherzt sie und nickt.
Ich sehe ihn sich schon tief in einem Bücherdschungel inmitten der Bibliothek verirren. Diese riesig, große Stadtbibliothek, in der er lebt und zwischenzeitlich auch arbeitet. Meine Mutter ist mit ihrer Liebe zu den ganzen trockenen Paragraphen aber auch nicht besser, als Rechtsanwaltsgehilfin ist das Meer der Gesetze ihre Welt.
Aus mehr Mitgliedern besteht diese wundervolle Kleinfamilie auch nicht, aber ich liebe alles an uns.
„Also, Levia: Schön auf die Schule konzentrieren! Dein Abschluss ist wichtig!“, gibt sie mir an der Haustür mit auf den Weg.
„Ja, doch!“, erwidere ich, jogge die Stufen des Reihenhäuschens im nördlichen Londoner Enfield hinunter und schwinge mich auf mein Fahrrad.
Mit meinem Kopf bin ich noch immer ganz woanders, nämlich noch immer bei dem hoch wichtigsten Tag in meinem ganzen Leben: Die Erweckung.
Der 21. Geburtstag ist das größte Ereignis im Leben eines Werwolfs. Es ist der Tag, an dem in jedem Gestaltwandler der Wolf aus seinem Schlummer erwacht und an die Oberfläche kommt. Du lernst deine andere Hälfte kennen und findest mit Glück eine Bestimmung, die bis zu diesem Moment verborgen geblieben ist. Wobei das dezent märchenhaft gedacht ist, in echt tun sich natürlich keine Tore auf und du wirst „einfach nur” ein Werwolf.
Vorausgesetzt du durchläufst das Erweckungsritual, aber ich kenne keinen, der die Versieglung des Wolfes bevorzugt.
Schließlich fahre ich entlang einer wunderschönen Allee mit ganz vielen ahornblättrigen Platanen und genieße die leichte Brise, die sanft über meine Wangen streicht. An einer roten Ampel schaue ich kurz an die Seite zum parkenden Auto, mein Spiegelbild lächelt mir auch schon motiviert entgegen.
Mein helles, sandblondes Haar ist funktional hochgebunden, wie ich es beim Radfahren am liebsten habe. Sogar das eisige Blau meiner Iriden erkenne ich in der leicht schummrigen Darstellung, welche durch das Glas der Fensterscheibe leicht verzogen ist. Ehrlich gesagt bin ich aber ein unauffälliges Persönchen: Eine schlanke Gestalt, die durch die regelmäßigen Schwimmstunden in der Woche leicht sportlich aussieht. An meinen 1,64 m Körpergröße ändert es aber nichts, ich bin nicht gerade groß. Ich werde sicherlich niemals von einem normalen Wolf zur ranghöchsten Beta aufsteigen, auch wenn das ein kleines Träumchen ist. Und als Alpha scheide ich eh schon aus, denn die wissen seit ihrer Geburt, dass in ihnen ein Gestaltwandler mit dem höchsten und mächtigsten Rang ruht.
Und normalerweise kann auch nur ein Alpha einen neuen Alpha zeugen, Ausnahmen sind bisher noch nicht aufgetreten.
Ich habe mit den vier großen Alphas von London aber eh nichts am Hut.
Die Ampel springt auf Grün und beinahe hätte mich das Auto hinter mir im Verkehr an gehupt. Ich trete schnell in die Pedale und fahre los, bevor der Wagen das übernimmt und mich noch über den Haufen fährt. In London ist alles möglich, da muss man höllisch aufpassen.
Mit seichtem Rückenwind fahre ich über die Kreuzung und sehe mit einem Lächeln voraus.
Na dann kann ja fast nichts mehr schiefgehen.
Schlussendlich komme ich mit noch genug Zeit an meiner Berufsschule an.
Ein großes Gebäude aus den 20gern, das in den letzten Jahren mit der Kernsanierung fertiggeworden ist und nicht mehr einen einzigen Hauch des Alters aufweist. Nur ein paar erhaltene Ornamente, die in die modern gewählte Fassade integriert sind, verleihen dem Gebäude einen archaischen Charme.
Ich erblicke eine vertraute Gestalt und bekomme ein ehrliches Lächeln auf den Lippen.
Wenn er oder ich mal krank sind, ist der Berufsschultag nicht derselbe!
Mein enger Freund Liam schwingt sich gerade ebenfalls vom Sattel und stellt sein E-Bike bei den Fahrradständern ab, denn er hat es auch nicht allzu weit und will die Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr einsparen. Als Auszubildender braucht man jeden Penny, ich verstehe das. Sämtlichen Luxuskram, wie meine Mutter mein teureres Lieblingsshampoo nennt, muss ich von meinem Lehrgehalt bezahlen.
Und jeder weiß, dass man in der Lehre kein Vermögen verdient und natürlich gebe ich auch einen Teil zur Miete dazu.
Als ich mit meinem eigenen Rad neben dem Stellplatz von Liam ankomme, schaue ich an ihm hinab.
„Was hast du denn schon wieder angestellt?“, hake ich nach, als ich auf der hellen Haut seines Schienbeins eine dicke Schürfwunde sehe.
Er zieht sich in einer fließenden Bewegung den Helm von seiner dunkelblonden Kurzhaarfrisur und fährt mit seiner Hand über seinen Kopf, um das Chaos seines Haars glatt zu streichen.
Helfen tut das nicht, es sieht sowieso immer wuschelig aus.
Ansonsten ist er ein ganz normaler junger Mann mit nettem Ausblick auf die Zukunft, sofern man das in der heutigen Zeit unter den gestiegenen Preisen und allem Drum und Dran noch sagen kann. Den Vergleich zu früheren Zeiten kenne ich nur aus den Geschichten meiner Eltern. Schön beim Grillen auf unserer kleinen Terrasse mit Mini-Garten, in dem meine Mutter sich zur Hobby-Gemüsequeen erklärt hat.
„Guten Morgen erstmal”, begrüßt er mich schmunzelnd, „Brian hat mir seinen Feldhockeyschläger voll vor die Beine gehauen. Er hat sich hunderte Male entschuldigt. So ein Kratzer ist aber auch sexy, findest du nicht?“, fragt Liam nach und posiert allen Ernstes kurz damit.
Er fädelt das Schloss aber schließlich durch die Schlaufen des Helms und schließt ihn mit seinem Rad an. Ich vertraue den Leuten nicht und nehme meinen lieber mit hinein. An meiner Umhängetasche ist Platz genug, um ihn dort festzuschnallen und irgendeinen Klassenkameraden laut fluchend darüber stolpern zu lassen.
Auf dem Weg ins Klassenzimmer berichtet Liam voller Begeisterung vom gestrigen Übungsspiel. Brian und Pawel sind seine besten Kumpels, die haben sich echt gefunden. Ich kenne die beiden, die sind wirklich voll korrekt.
„Nächsten Samstag ist das Match. Du kommst doch, oder?“, hakt er nach.
Ich hole mein Tablet gerade aus der Tasche und stelle die Wasserflasche auf den Tisch. Mit einem Lächeln nicke ich, auch wenn mich Hockey jetzt nicht vom Hocker haut. Haha - was für ein Wortwitz hinter dem Satz!
Der Lehrer für Bauphysik tritt gerade in den Klassenraum, unter seinem Arm klemmt auch schon sein Notebook mit den ganzen Unterrichtsinhalten und der Präsentation.
Liam und ich setzen uns nun, der Unterricht wird gleich losgehen.
Mit den Inhalten der Bauphysik langweile ich euch nun aber nicht.
* * *
Sonntag, der 31.05.2026.
„Ich bin so gespannt auf deine Wölfin. Und ich soll dich wirklich nicht weiter begleiten?“, wendet mein Vater sich an mich.
Meine Hand liegt bereits auf dem Griff der Autotür. In einer Dreiviertelstunde ist Mitternacht und dann bin ich endlich 21 Jahre alt.
Ganz kurz wechselt seine Augenfarbe zu einem leuchtenden Goldgelb, weil sein Beta-Wolf mich schon immer voller Wohlwollen beschützt wissen will. Das stellt er auch gerne klar, indem er sich in dieser Reaktion kurz zeigt.
Es gibt aber Dinge, da muss ich allein durch.
Ich frage mich, wer von uns beiden mehr aufgeregt ist. Bei meiner Adoption damals wussten sie nicht, ob ich einen Wolf in mir trage oder nicht. Die wilden Tendenzen zeigen Werwolfkinder erst im Kindergarten- oder Grundschulalter, zumindest wenn es kein ruhiger und stiller Wolf ist. Spoiler: Ich war ein sehr entspanntes Kind und habe es demzufolge spannend gemacht.
Durch meine Schwimmkurse kamen meine höhere Ausdauer und mein Durchhaltevermögen dann aber besonders zur Geltung. Leistungsschwimmerin wollte ich nicht werden, normales Bahnenschwimmen für die allgemeine Fitness reicht mir. Und kommt schon, wer geht nicht gerne in ein Wellenbecken oder in einen Strömungskanal?
Die Salztherme ist der engste Vertraute meiner Mutter und mir, insbesondere für unsere Mädelsausflüge.
Im Teenageralter jedenfalls haben meine Eltern endlich den genetischen Wolfstest an mir durchführen lassen können und Gewissheit bekommen: Ja, ich bin eine Gestaltwandlerin.
Wolfsgene vorhanden!
Große Auswirkungen auf unseren Alltag hatte es allerdings nicht. Meine Familie ist unauffällig und ziemlich normal, darum haben wir nichts mit dem Alpha des nördlichen Londons zu tun.
Als „normale” Wölfe leben meine Eltern ganz normal im Gebiet des Alphas, gehören aber nicht zu seinem engen und aktiven Rudelkreis. Solange keiner von uns aus der Reihe tanzt, hat die wölfische Führung des nördlichen Londons auch keinen Grund, um uns einen Besuch abzustatten. Und solange keiner von seinem Platz aus dem Beta-Rangspektrum fällt, ist alles in Ordnung.
„Nein, ich will das ganz alleine machen. Ich schaffe das”, erwidere ich und lasse noch eine kurze Umarmung über mich ergehen.
Schließlich steige ich aus dem Wagen, der gerade in einer Haltebucht beim großen Epping Forest hält. Ich hebe meine Hand und nach einem prüfenden Blick fährt er schließlich wieder los. Das Erweckungsritual auf dem Pfad der Ahnen durchlebst du nun mal ohne alles. Kein Rucksack, kein Proviant, kein Smartphone... nur du selbst.
Vor mir erstrecken sich nun die alten Baumriesen, dessen Blätterwerk anmutig und sanft im Mondlicht hervorsticht. Von gestern auf heute ist Vollmond gewesen, die große weiße Scheibe am Himmel erstrahlt aber noch immer sehr hell.
Ich spüre ein erstes Kribbeln auf der Haut, meine Spannung steigt. Mein Blick fällt aber zurück voran auf den Epping Forest.
Viele Buchen und Eichen säumen den Wald, dessen naturbelassener Geruch die Luft schön frisch wirken lässt. Zusammen mit den vielen Wanderwegen und den saftig grünen Wiesen ist er ein Ort der Ruhe und Erholung.
Oder um das erste Mal Eins mit seinem inneren Wolf zu werden.
Ich trage nicht viel, nur ein moosgrünes Oberteil, welches locker an meinem Körper liegt, und eine schwarze Hose, die ebenso locker bis zu meinen Knien reicht.
Ein Kleid wäre mir zu klischeehaft und außerdem hasse ich Kleider.
In andächtiger Stille setze ich den ersten Fuß auf den Pfad, ich spüre die feinen Steinchen und die staubige Erde kitzelt minimal unter meinen nackten Fußsohlen. Es hat jetzt schon etwas meditatives, meine Aufregung lässt ganz minimal nach.
Schließlich gehe ich eine kleine Weile entlang des Weges, der mich zum Beginn des Pfades der Ahnen bringt. Vor mir taucht auch schon ein Hinweisschild auf, das einen dunklen Wolfskopf mit Blick zur Seite zeigt. Ähnlich wie das Wolfs-Emoji, das fällt mir bei den „Wolfszonen” immer wieder auf, auch wenn das Motiv schon älter als die Technik ist.
Das Metallschild ist dunkelgrau, der Wolf mit einem Umriss hervorgehoben. Es bedeutet, dass genau diese Wolfszone nur mit Grund betreten werden darf.
Ein Teil der Regeln unserer Gesellschaft: Werwölfe verwandeln sich nur in den dafür vorgesehenen Gebieten, davon gibt es in den Wäldern und auch in der Stadt genug. Der Großteil der Bevölkerung besteht aus Menschen, die Wölfe haben sich ihren Platz jedoch ebenso verdient.
Die normalen Wolfszonen für den Lauf unter dem Vollmond oder anderweitigem Aufenthalt sind mit einem grünen Metallschild gekennzeichnet. Das friedliche Miteinander funktioniert seit gut 450 Jahren. Es gibt aber auch Aufzeichnungen von territorialen Kämpfen und Wolfsverfolgung, die teilweise weit in der Vergangenheit liegen.
Die Ältesten, die gerade nun mal zwischen 450 bis 500 liegen, sind alles Kinder friedlicher Generationen. Bei 500 liegt aber die Grenze der Alterung, bei Gestaltwandlern funktioniert die Biologie leicht anders.
Aber genug davon, ich gehe nun voller Mut in die dunkelgraue Wolfszone und betrete endlich den Pfad der Ahnen.
Der Lichteinfall des Mondes ändert sich leicht, die Luft scheint sich sogar mit der Kraft des Mondes aufzuladen. Ich spüre das Kribbeln wieder auf meiner Haut und atme den altertümlichen Geruch tief in meine Lungenflügel ein.
Ich bin schon so aufgeregt und gespannt, was für ein Wolf in mir schlummert. Welche Macht ich habe und ob ich nicht vielleicht doch so stark wie eine ranghöchste Beta werden kann. Damit wäre ich die kleinste Beta-Stellvertreterin der Geschichte, aber umso eindrucksvoller!
Jeder Wolf träumt davon nicht nur ein Normalo in der Nahrungskette zu sein.
Meine nackten Füße tragen mich nun über weiches Moos, das leicht zwischen meine Zehen streicht. Es ist angenehm feucht und erfrischt die Atmosphäre um mich herum. Ich liebe den Schein des Mondlichts darauf und es wirkt fast, als würde die Luft darüber leicht schimmern.
Mitternacht kommt immer näher, ich kann das Rauschen des Blutes in meinem Kreislauf schon spüren.
Der Pfad der Ahnen ist nicht nur ein kleiner, spezieller Aufenthaltspunkt auf der Karte. Es gibt auch keine bestimmte Hütte oder Höhle, in die man hinein muss. Es ist ein großes Gebiet mit mehr bewachsener Natur als üblich und mit ganz besonderen Machtlinien in der Luft.
Ich spüre die Mondstrahlen wie eine warme Einladung auf meiner Haut. Und... das ist das Zeichen.
Mit einem tiefen Atemzug schließe ich meine Augen und richte meine Sinne auf diese Wahrnehmung. Ich kann die Kraft des Mondes nun um mich herum spüren, ich kann sogar die Einladung wahrnehmen, endlich loszulassen.
Intuitiv gehe ich einige Schritte, folge den einladenden Wogen und lasse mich von ihnen zu dem Punkt ziehen, an dem mein Wolf erweckt werden soll. Beim Gehen greife ich nach meinem Oberteil und ziehe es mir über den Kopf. Auch meine Hose und Unterwäsche streife ich in einer Bewegung ab, beides liegt nun mitten auf dem Trampelpfad.
Als Werwolf versuchst du dir vorher noch die Zeit zum Ausziehen zu nehmen. In der Regel hast du die, andernfalls stehen an den Rändern der Wolfszonen kleine Kleiderkammern, aus denen sich im Notfall bedient werden darf. Aber das ist gerade nicht wichtig.
Ich laufe gegen eine unsichtbare Wand aus reiner Mondkraft und strecke blind meine Hände danach aus. Mein Geruchssinn verstärkt sich und ich kann die sanfte Note des Mooses nun detaillierter wahrnehmen. Ebenso verfeinert sich mein Gehör, in dem das Rauschen des Windes durch die Baumkronen und das Unterholz viel lauter ist, als vorher.
Langsam öffne ich meine Augen und sehe die helle, leicht bläuliche Umgebung so scharf wie noch nie.
In mir bricht es auf.
Ich schreie laut auf, meine Stimme hallt in ihrem hellen Ton durch die Bäume und über die Lichtung vor mir. Im nächsten Moment ändert sie sich in ein Gebrüll, welches nicht mehr menschlich ist.
Mit dem Schrei vollführe ich die Verwandlung, springe instinktiv nach vorne und spüre, wie meine Knochen sich verändern. Es ist nicht schmerzhaft, fühlt sich aber maximal ungewohnt an. Mein Oberkörper verformt sich, mein Oberkörper und insbesondere das Hüftgelenk passen sich an und meine gesamte Haut wird mit Wolfsfell überzogen.
Ich renne los.
Mit all dieser mystischen Macht um mich herum, in die das Mondlicht mich taucht. Der allererste Lauf unter dem Mond. Mein Fell glänzt in einem sehr hellen Blond und wirkt unendlich weich. Berühren kann ich es nicht, denn meine Pfoten drücken sich in die Erde der Wiese und treiben mich voran.
Unter dem Mond bin ich nun endlich das, was ich schon immer sein sollte: Ein Werwolf.
Nachdem ich meine überschüssigen Energien in den Sprint gesteckt habe und wieder klar denken kann, bremse ich mich in Wolfsform und blicke auf die Lichtung. Ich bin alleine, niemand ist hier. Offensichtlich gibt es keinen anderen Wolf in London, der genau heute auch 21 wird.
London ist groß, auch die umliegenden Rudel dürfen den Epping Forest nutzen. Sich überschneidende Geburtstage kommen ab und an vor, sind aber nicht die Regel. Aus meiner Kehle bricht ein weiteres, lautes Heulen. Ich spüre die Vibration meiner wölfischen Stimmbänder in meinem ganzen Körper.
Und dann nehme ich ganz spezielle Energiewellen in mir wahr. Ich stocke, höre in mich hinein.
Scheiße.
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Liebe Leserinnen und Leser von „Stadt der Alphas”!
Zunächst einmal herzlich Willkommen im meinem neuen Universum der Werwölfe. Ich möchte vorab gerne ein paar Worte mit auf den Weg geben:
Stadt der Alphas ist eine Werwolf-Geschichte im Omegaverse und Reverse Harem Stil. Ich lasse natürlich meine eigenen Ideen einfließen und nehme mir an der einen oder anderen Stelle den Hauch der künstlerischen Freiheit heraus. Vielleicht weicht meine Geschichte dadurch um ein paar Prozentpunkte von üblichen Geschichten ab, aber genau das will ich: Es macht meine Welten zu meiner Handschrift und schafft diesen Teil an Einzigartigkeit, der schon den einen oder anderen zum Bleiben überzeugt hat.
Kleine Triggerwarnung: In der Geschichte werden viele intensive und sexuelle Handlungen vorkommen. Zudem können einige Szenen von unseren gesellschaftlichen Normen abweichen und von dem einen oder anderen als verstörend empfunden werden. Eine Werwolfgeschichte im Omegaverse-Stil beherbergt viel dominantes und kontrollierendes Verhalten, das als „normal” dargestellt wird. Beachtet bitte, dass „Stadt der Alphas” demzufolge eine Geschichte und keine Realität ist.
Vielen Dank!
FYI: Der Upload ist für jeden Montag, Mittwoch und Freitag geplant.
Nun aber viel Spaß mit der Geschichte von Levia und ihren Alphas!