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Realms Of The Stars - Finde Anon Trilogie - Band 1

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Zusammenfassung

DREI WELTEN - DREI SCHICKSALE - EINE WAHRHEIT Willkommen bei REALMS OF THE STARS. 📖 FINDE ANON - Band 1 der Trilogie ❤️ Im Kern ist REALMS OF THE STARS eine Geschichte über Freundschaft, Familie, Hoffnung, Verlust, Liebe und das Erwachsenwerden. REALMS OF THE STARS ist eine lange Reise. Eine Geschichte, die sich Zeit nimmt. Zeit für Freundschaften. Zeit für Zuhause. Zeit für Abschiede. Denn wenn später Welten brennen, Freunde verloren gehen und Entscheidungen alles verändern, soll es nicht nur spektakulär sein. Es soll etwas bedeuten. Jean. Razor. Migos. Drei siebzehnjährige Jungen leben auf Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Noch kennen sie einander nicht. Doch ihre Wege bewegen sich längst auf denselben Punkt zu. 🌿 Jean - ein Bauernjunge, der seine Familie, sein Dorf und seinen besten Freund Lami hinter sich lassen muss, als die Berge beginnen, nach ihm zu rufen. 🏭 Razor - ein Junge, der in einem grausamen Imperium aufwächst und lernen muss, seinen eigenen Weg zu finden, während ein Imperator die Galaxie nach seinen Vorstellungen formt. 👑 Migos - ein Prinz aus einem friedlichen Königreich, der lieber über Menschen als über Macht nachdenkt, von einer Zukunft mit Samija träumt und erkennen muss, dass selbst in den schönsten Welten Frieden zerbrechlich sein kann.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
6
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 01 - Jean

Irgendwo in einer fernen Galaxie, weit jenseits aller bekannten Sternenkarten, zog ein Planet seine Bahn um eine warme, goldene Sonne.

Von oben wirkte er wie ein grüner Edelstein im endlosen Schwarz des Alls.

Doch diese Welt lag nicht einfach still im Raum. Etwas in ihr widersprach dieser Ruhe.

Dichte Wälder bedeckten beinahe ihre gesamte Oberfläche.

Gewaltige Baumkronen spannten sich wie ein lebendiges Dach über das Land, durchzogen von Palmen, Lianen und dem silbernen Glitzern unzähliger Flüsse.

Feuchte Luft lag über dieser Welt und ließ alles wachsen – schneller, höher, dichter als irgendwo sonst.

Hier war die Natur keine Kulisse.

Zwischen den Wäldern erhoben sich vereinzelt die alten Watabubeeren-Bäume.

Sie gehörten zu den ältesten Gewächsen des Planeten und standen dort, als wären sie nie entstanden, sondern immer schon Teil dieser Welt gewesen.

Ihre Stämme waren breit, dunkel und von tiefen Linien durchzogen, als hätte die Zeit selbst ihre Spuren darin hinterlassen.

Ihre Kronen reichten weit in den Himmel. Die Blätter waren ungewöhnlich groß, manche breiter als zwei Hände, und schimmerten in einem tiefen Blau, das sich im Licht langsam veränderte.

Violette Reflexe glitten darüber, kaum sichtbar, als würde sich unter der Oberfläche etwas bewegen, das nie ganz zur Ruhe kam.

Was diese Bäume jedoch wirklich auszeichnete, war nicht ihr Aussehen.

Es war die Kälte, die von ihnen ausging.

Sie war nicht sichtbar und nicht zu hören. Doch wer unter ihnen stand, spürte sie sofort.

Die warme Luft verlor an Schwere, wurde klarer, ruhiger.

Ein kaum greifbarer Hauch lag zwischen Stamm und Krone, als hätte der Baum einen eigenen, langsamen Atem.

Auf den Blättern sammelte sich Tau. Kleine, klare Tropfen wuchsen entlang der Adern, hielten sich einen Moment und lösten sich schließlich, schwer genug, um lautlos zu fallen.

In ihrem Glanz lag etwas Dichtes, beinahe Glasartiges, als hätten sie mehr in sich aufgenommen als nur Wasser.

Zwischen den Blättern hingen die Früchte.

Watabubeeren.

Faustgroß und rund, mit einer glatten, leicht durchscheinenden Haut, deren Farbe zwischen dunklem Violett und eisigem Blau wechselte.

Wer sie berührte, zog die Hand oft unwillkürlich zurück, denn sie waren nicht einfach kühl.

Sie waren kalt – auf eine Weise, die nicht zu dieser warmen Welt zu gehören schien.

Manche waren von feinen Tautropfen überzogen, die an ihrer Oberfläche fast gefroren wirkten.

Und wenn man eine aufbrach, entwich ihr ein Hauch kalter Luft, so leise und kurz, dass man ihn beinahe überhörte.

Nur an einem einzigen Ort hatte der Mensch dieser Welt etwas abgerungen.

Dort lag Coccon City.

Die einzige große Stadt des Planeten wirkte wie ein heller Einschnitt im endlosen Grün.

Straßen, kleine Häuser und schmale Türme verbanden sich zu einem weit verzweigten Geflecht, in dem Händler, Gelehrte und Reisende zusammenkamen – Menschen, die hier so lebten, als hätten sie Kontrolle gefunden.

Von dort aus führten alte Wege hinaus in die Wälder.

Zu verstreuten Siedlungen, die sich an Lichtungen, Flussläufe oder Palmenhaine klammerten.

Je weiter man sich von der Stadt entfernte, desto dünner wurde der Einfluss der Menschen.

Häuser wurden seltener, Wege schmaler, Stimmen leiser.

Und irgendwann gehörte die Welt wieder sich selbst.

Denn außerhalb der Stadt war dieser Planet nicht verlassen.

Er gehörte nur nicht den Menschen.

Kleine Gambas huschten zwischen Wurzeln und Farnen hindurch.

Schwere Kalabrus zogen langsam über die weiten Lichtungen.

Polmas kreisten in ruhigen Bögen am fernen Himmel.

In den breiten Flüssen jagten sich Lamadus durch schäumendes Wasser, während bunte

Manasus an den warmen Ufern ihre Eier bewachten.

Leben war überall. Nur der Mensch blieb selten.


Eines dieser Dörfer lag weit entfernt von Coccon City, verborgen zwischen Palmenhainen und dem Rand eines gewaltigen Urwaldes.

Eine schmale, staubige Straße führte dorthin, doch selbst sie wurde nur selten benutzt.

Wer hier lebte, kannte jeden Schritt, jeden Baum und jedes Geräusch des Morgens.

Hier lebte Jean. Siebzehn Jahre alt.

Für die meisten im Dorf war er nichts Besonderes.

Zumindest glaubten sie das.

Jean selbst war sich da nicht mehr so sicher. „Du starrst schon wieder in den Wald."

Jean blinzelte, als müsste er erst wieder zurückfinden.

Neben ihm lehnte Lami an einem schiefen Zaunpfahl und hielt eine große, schimmernde Frucht in der Hand.

Eine Watabubeere.

Die Schale schimmerte zwischen dunklem

Violett und eisigem Blau, und als er hineinbiss, verzog er kurz das Gesicht.

„Verdammt kalt heute", murmelte er.

Ein feiner Hauch kühler Luft löste sich daraus und verschwand sofort in der warmen Morgenluft.

„Ich starre nicht", sagte Jean ruhig.

Lami kaute weiter, langsam, als hätte er alle Zeit der Welt.

„Doch", sagte er schließlich. „Du starrst. Immer in die gleiche Richtung."

Er hob die Frucht ein Stück an. „Willst du? Ist kalt wie Eis."

Jean schüttelte leicht den Kopf. „Später."

„Dein Verlust."

Jean sah wieder nach vorne. Zum Wald. Zu den schneebedeckten Bergen dahinter.

Dunkel, fern und still. Für die meisten im Dorf war es einfach nur Landschaft.

Für ihn war es mehr als das. Etwas daran ließ ihn nicht los.

Jean verzog den Mund leicht. „Irgendetwas stimmt nicht."

Lami sah ihn einen Moment an. Dann nickte er langsam. „Ja."

Er ließ eine kurze Pause verstreichen. „Aber das sagst du auch über Bäume."

Jean stieß ihn leicht mit der Schulter an. „Die sind auch komisch."

Lami lachte leise.

Ein kurzes, helles Lachen, das so mühelos kam, als gäbe es nichts, worüber man sich Gedanken machen müsste.

Für einen Moment war alles leicht.

Dann war es wieder da.

Nicht plötzlich. Nicht laut. Eher wie etwas, das die ganze Zeit da gewesen war und sich nun deutlicher zeigte.

Es lag unter allem – unter dem Wind, unter den Geräuschen, unter dem Morgen selbst.

Als würde etwas auf ihn warten.

Jean stand noch immer am Zaun. Lami neben ihm, beschäftigt mit der Watabubeere.

Die Geräusche des Morgens waren da – Vögel, Wind, das leise Rascheln der Blätter – doch sie erreichten ihn nicht mehr wirklich.

Es war, als würden sie an ihm vorbeigehen, ohne ihn zu berühren.

Sein Blick blieb auf dem Wald. Auf den Bergen dahinter.

Und diesmal war es stärker.

Dieses Ziehen. Nicht wie ein Gedanke. Nicht wie ein Wunsch. Eher wie etwas, das längst entschieden war.

Du musst dorthin.

Jean zog scharf die Luft ein. Sein Herz schlug schneller. Zu schnell.

Er wusste nicht, warum. Nur, dass es kein Zufall war. Und kein Traum. Es kam aus ihm.

Von einem Ort, den er nicht verstand – der ihn aber zu kennen schien.

„Jetzt sag nicht, du hast wieder diesen Blick", murmelte Lami.

Jean reagierte erst einen Moment später.

„Welchen Blick?" Lami kaute langsamer, musterte ihn dabei genauer.

Dann deutete er mit der angebissenen Frucht leicht in seine Richtung. „Den", sagte er. „Als würdest du gleich loslaufen... ohne zu wissen warum."

Jean sah ihn kurz an, dann wieder nach vorne.

„Vielleicht weiß ich es ja", sagte er leise.

Lami hob eine Augenbraue. „Das macht es nicht besser."

Für einen Moment blieb es still.

Dann verlor Lamis Stimme etwas von ihrer Leichtigkeit. „Was ist es diesmal?"

Jean zögerte. Er hatte nie wirklich darüber gesprochen. Mit niemandem. Nicht einmal mit sich selbst.

„Ich ..."

Er brach ab.

Nicht, weil er es nicht wollte.

Sondern weil es keine Worte dafür gab, die sich richtig anfühlten.

„Ist egal", murmelte er schließlich.

Lami sah ihn länger an. Sorgfältiger. Doch diesmal fragte er nicht weiter.

Er kannte Jean gut genug, um zu wissen, wann Worte nichts mehr brachten.

„Jean!"

Die Stimme seines Vaters durchschnitt die morgendliche Ruhe, klar genug, um ihn aus seinen Gedanken zu holen.

Er zuckte leicht zusammen und drehte sich um.

Sein Vater stand in der Tür, ein Tuch über der Schulter, die Stirn bereits vom frühen Arbeiten gezeichnet.

Er war ein Mann, der jeden Morgen wusste, was zu tun war, und wenig davon hielt, länger stehen zu bleiben, als nötig.

„Wenn du weiter nur herumstehst und nachdenkst, wächst hier gar nichts."

Lami grinste sofort. „Ich hab's ihm schon gesagt."

Jean schnaubte leise. „Sehr hilfreich."

Er löste sich vom Zaun und ging zu seinem Vater.

Für einen Moment wirkte alles wieder gewöhnlich, beinahe beruhigend.

„Ich habe nicht geträumt", sagte Jean schließlich.

Sein Vater hob eine Augenbraue. Jean hielt seinem Blick stand.

„Ich habe nachgedacht."

Ein kurzes, müdes Lächeln erschien auf dem Gesicht seines Vaters.

„Das ist manchmal fast dasselbe."

Gemeinsam gingen sie zum Feld. Die Erde war dunkel und feucht, die Pflanzen standen in ruhigen Reihen, und alles wirkte verlässlich, als würde es genau so bleiben, solange man weiterarbeitete.

Sein Vater begann zu arbeiten, ruhig und geübt, während Jean einen Moment stehen blieb.

Sein Blick glitt zurück zum Wald, zu den schneebedeckten Bergen dahinter. Und sofort war dieses Ziehen wieder da.

Diesmal stärker. Näher. Drängender.

Als hätte etwas entschieden, nicht länger zu warten.

Jean schloss kurz die Augen. Für einen Augenblick war da etwas wie eine Antwort, nah genug, dass er sie hätte verstehen können. Dann

war sie wieder fort.

„Jean."

Die Stimme seines Vaters war diesmal leiser. Jean öffnete die Augen und sah ihn an. Sein Vater wirkte nicht streng und auch nicht ungeduldig. Er beobachtete ihn nur auf eine Weise, die ihn nicht losließ.

„Du bist in letzter Zeit oft woanders", sagte er ruhig.

Jean schwieg einen Moment. „Ich bin hier."

„Nicht ganz", sagte sein Vater.

Der Wind strich durch die Blätter.

„Die Berge?", fragte er schließlich.

Jean sah überrascht auf. Dann nickte er langsam.

Sein Vater arbeitete weiter, als wäre nichts Besonderes gesagt worden. Doch seine Stimme war ruhiger geworden, beinahe vorsichtig.

„Ich habe mich gefragt, wann es passiert."

Jean runzelte die Stirn. „Was?"

Sein Vater hielt kurz inne.

„Dass dein Blick nicht mehr hier bleibt, sondern dorthin geht."

Die Worte blieben zwischen ihnen stehen. Jean spürte, wie sich etwas in ihm verschob. Es war keine Angst und keine Panik, sondern eine langsame, unausweichliche Erkenntnis.

„Ich bin noch hier", sagte er leise.

Sein Vater sah ihn lange an und nickte dann kaum merklich.

„Noch."

Dieses eine Wort blieb zwischen ihnen stehen.

Jean sah wieder zu den Bergen.


Diesmal fühlten sie sich nicht mehr fern an, sondern nah, fast zu nah, als hätte sein Weg längst begonnen, lange bevor er ihn verstanden hatte.

Dann legte sich ein Horn über die Stille.

Der Klang war tief und langgezogen, fremd genug, um das Dorf für einen Moment erstarren zu lassen.

Er vibrierte in der Luft, breitete sich über das Feld und die Dächer des Dorfes aus, bis selbst der Wind zu warten schien.

Die Blätter bewegten sich kaum noch. Die Vögel verstummten.

Neben ihm hob Lami langsam den Kopf.

„Hast du das gehört?"

Jean antwortete nicht. Als das Horn ein zweites Mal erklang, war es näher. Klarer. Unverkennbar.

Der Klang rollte durch das Dorf, kroch durch jede Straße, über jedes Dach, und mit ihm veränderte sich etwas. Türen öffneten sich, Stimmen wurden lauter, Schritte beschleunigten sich.

Menschen traten auf die Straße und sahen alle in dieselbe Richtung.

Zum Dorfeingang.

Jean spürte, wie sich etwas in ihm spannte.

Es war keine Angst.

Eher Erwartung.

„Ein Fremder", sagte sein Vater leise.

Mehr musste er nicht sagen.

Lami war bereits in Bewegung. „Ich geh schauen."

Natürlich tat er das.

Jean blieb nur einen Moment stehen.

Ein Teil von ihm wollte bleiben, beim Feld, bei seinem Vater, bei allem, was er kannte. Der andere war längst gegangen.

„Jean", sagte sein Vater ruhig.

Jean hielt inne und drehte sich nicht ganz um. Ein Blick genügte.

Geh.

Jean nickte.

Dann lief er los.

Neben ihm ging Lami. Locker, neugierig, fast schon aufgeregt.

„Vielleicht Händler", sagte er. „Oder jemand aus der Stadt."

Jean schüttelte leicht den Kopf. „Nein."

„Woher willst du das wissen?"

Jean antwortete nicht.

Sie liefen durch das Dorf. Staub wirbelte unter ihren Schritten auf, Stimmen zogen an ihnen vorbei, ohne sich wirklich zu einem Ganzen zu fügen.

„... seit Wochen keiner ..."

„... vielleicht Soldaten ..."

„... oder jemand Verirrtes ..."

Fetzen von Vermutungen, die in der Luft hingen und sich sofort wieder verloren. Doch nichts davon passte.

Jean spürte es – nicht als Gedanken, sondern als etwas, das tiefer saß, klarer, sicherer.

Das hier war kein Zufall.

Das hier war für ihn.

Am Rand des Dorfes hatte sich bereits eine Menge gebildet.

Jean drängte sich nach vorne, ohne genau zu wissen, warum.

Die Menschen wichen zur Seite, fast unbewusst, als würden sie selbst nicht verstehen, weshalb sie Platz machten.

Dann blieb er einfach stehen.

Zuerst erkannte er nur eine einzelne Gestalt auf der Straße.

Sie stand still, beinahe reglos, und doch lag etwas in dieser Ruhe, das alles andere verdrängte.

Der Blick fand keinen Halt mehr im Dorf, nicht bei den Menschen, nicht bei den Häusern.

Er blieb dort.

Dort stand ein alter Mann.

Sein Mantel war dunkel und vom langen Weg gezeichnet, Staub hing am Saum. In seiner Hand hielt er einen Stab aus dunklem Holz.

Sein Rücken war leicht gebeugt, doch nichts an ihm wirkte schwach. Es war eher das Gegenteil – eine stille, unbeirrbare Präsenz, die keinen Zweifel daran ließ, dass er genau hier stehen sollte.

Und alles andere richtete sich unmerklich nach ihm aus.

Die Gespräche verebbten nicht plötzlich. Sie verloren sich, als würde ihnen nach und nach der Klang entzogen.

Selbst die Vögel wurden still.

Der Mann bewegte sich nicht.

Er ließ den Blick langsam über die Menge wandern, ohne Eile, ohne sichtbares Ziel.

Dann hob er den Kopf und sah Jean an. Der Blick traf ihn, als hätte er nie jemand anderen gesucht.

Jean spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog.

Die Welt rückte ein Stück zurück, wurde leiser, weiter entfernt.

Alles blieb bestehen – und war doch nicht mehr wirklich da.

Nur dieser Blick blieb.

Neben ihm sagte Lami leise: „Jean... was ist hier los?"

Doch Jean antwortete nicht.

Er konnte nicht.

Der Mann machte einen Schritt nach vorne. Der Stab berührte den Boden, und das trockene Geräusch hallte einen Moment zu lange nach.

Die Menge wich zurück.

Dann sprach er.

Seine Stimme war leise, und dennoch schien sie überall zugleich zu sein.

„Na a hut masambre tak nue."

Ein Murmeln ging durch die Menge. Fremde Worte, die niemand verstand.

Niemand – außer Jean.

Er verstand sie.

„Ich habe lange nach dir gesucht."

Sein Atem stockte. Der Mann kam näher, langsam, als hätte er alle Zeit der Welt. Sein Blick blieb fest auf ihm, als würde er mehr sehen als nur das, was vor ihm stand. Dann hob er die Hand und deutete zum Wald.

Komm.

Jean spürte, wie sich etwas in ihm bewegte. Es hatte nie gefehlt. Als hätte er darauf gewartet.

Neben ihm flüsterte Lami: „Jean..."

Doch Jean konnte den Blick nicht von ihm lösen.

Und tief in ihm wusste er, dass das kein Zufall war. Kein Besuch. Keine Begegnung.

Sondern ein Punkt, an dem sich etwas entschied, das sich nicht mehr rückgängig machen ließ.

Der Moment, auf den alles hinausgelaufen war – lange bevor er geboren wurde.

Und egal, was er jetzt tat, sein Leben würde danach nicht mehr dasselbe sein.

Jahre später würde Jean verstehen, dass an diesem Morgen nicht nur etwas begann.

Sondern dass ihm in diesem Moment keine Wahl mehr blieb.

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