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Zusammenfassung

Nicht jede günstige WG ist auch eine gute.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
2
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Ich wurde vor Kurzem an der Goethe-Universität in Frankfurt angenommen. Aus diesem Grund suche ich nun eine WG.

Eine stach mir besonders ins Auge. Sie warben mit „verflucht günstige WG sucht Mitbewohner“. Ehrlich gesagt war das die interessanteste Art, Mitbewohner anzuwerben. Ich wartete nun auf die Rückmeldung dieser WG.

Gerade als ich in meiner Vorbereitung steckte, klingelte mein Handy.

„Hallo?“

Nach einem kurzen Schnaufen drang eine ältere männliche Stimme in mein Ohr: „Spreche ich mit Vincent?“

„Ähm ja, aber wer sind Sie?“

„Sie haben die Dachgeschosswohnung auf dem Campusgelände und können sofort einziehen. Der Vertrag wird vor Ort unterschrieben.“

Bevor ich etwas erwidern konnte, wie die Frage, ob er nicht noch etwas von mir benötigte, legte derjenige auf. Einige Minuten starrte ich mein Handy an.

Ich dachte, es würde schwieriger werden, eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt zu finden. Schließlich ziehen der günstige Preis und die Lage Studenten an wie das Licht die Motten. Das Gebäude grenzte an einen kleinen Park und dieser wiederum an den Campus. Sei’s drum. Ich verschwendete keine weiteren Gedanken daran, packte meine Sachen und machte mich zu meiner neuen Wohnung auf.

Das Gebäude befand sich, etwas abseits, an der Ecke der Straße. Es sah älter aus als die restlichen Gebäude, aber immer noch modern genug. Nach einem kurzen Klingeln und ca. 5 Minuten Warten öffnete sich die Tür. Oben angelangt öffnete mir ein junger Mann die Tür. Er war schätzungsweise Mitte 20. Er war eher leger gekleidet mit einem eleganten Hut und Gaming-Headset. Obwohl er mich herzlich und mit einem Lächeln begrüßte, sah er völlig fertig aus. Seine tiefen dunklen Augenringe sprachen Bände über schlaflose Nächte. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Selbst wenn dieser Mann viel für die Uni lernen würde und viel in Games vertieft wäre, könnte er niemals solche Augenringe haben. Oder vielleicht doch? Sollte ich vielleicht wieder gehen und mich bei anderen Wohnungen bewerben? Nein! Niemals würde ich eine bezahlbarere Wohnung finden. Ich tat es als kleine Überreaktion ab und trat nach seinem „Komm rein“ ein.

Es fröstelte mich direkt. „Scheiße ist das kalt bei euch.“

„Ach das ist normal hier.“ Ich schüttelte mich und zog meine Jacke enger um meinen Körper.

Wir gingen durch den Flur, an der Küche vorbei ins Wohnzimmer. „Der Vermieter hat die anderen und mich schon in Kenntnis gesetzt. Dein Zimmer ist die dritte Tür rechts.“

Mein Gesichtsausdruck schien meinem Mitbewohner alles zu sagen.

„Du siehst ein bisschen überfordert aus. Also gehe ich mal davon aus, dass dir unser Vermieter nicht viel gesagt hat.“

„Äh, nein er meinte nur ich könne einziehen und hat aufgelegt.“

„Ja, das macht er gerne.“

„Klingt aber nicht gerade mieterfreundlich, wenn er so telefoniert. Er hat sich noch nicht einmal mit Namen gemeldet.“

Er lachte, als hätte er sich verschluckt. „Ja, das mit seinem Namen ist häufig so und ja, es mag vielleicht sein, dass es nicht allzu mieterfreundlich ist, aber als Student hat man selten viele Möglichkeiten.“

Mein Mitbewohner deutete ins Wohnzimmer und

auf das große Sofa. Ich nahm Platz, während er sich als Matthias vorstellte, bevor er sich mir gegenüber setzte.

„Herr Henrich“, fuhr Matthias fort, „ist nicht sonderlich gut im Telefonieren. Zumindest ist es das, was ich über die Zeit hier vermute. Man erreicht ihn selten per Telefon und trotzdem kümmert er sich gut.“

„Hmm, also er ist eher sehr introvertiert.“

„Könnte man so sagen.“ Er kratzte sich dabei am Bart. Danach vergingen einige Stunden, in denen mir Matthias alles erklärte. So wie es aussah, wohnten wir hier zu viert: Matthias, Richard, Lukas und ich. Matthias und Richard waren bereits seit zwei Jahren in der Wohnung. Lukas und ich dagegen waren die Neulinge, wobei er fünf Monate vor mir einzog.

Er legte mir den Mietvertrag zum Unterschreiben hin und erklärte mir einiges zu der Wohnung. Außerdem erklärte Matthias, dass er jedem Neuling eine Warnung mit auf den Weg geben müsse. Man müsse sich an einige eher seltsame Regeln halten. Er deutete ein paar Regeln an, aber nichts davon klang wirklich greifbar. Eher wie vage Warnungen. Vertraue nachts nicht allem, was du hörst. Folge keinen Geräuschen. Ich nahm es nicht ernst. Es klang für mich eher wie ein Hirngespinst oder wie eine Methode, um Mitbewohner auszusortieren. Allein die Aussage, man könne seinen Sinnen nicht immer vertrauen, wirkte absurd. Vielleicht war es auch ein eigenartiger Humor. Aber selbst wenn es wahr sein sollte, was ich wirklich nicht glaubte, unterschrieb ich.

So eine gute Wohnung zu dem Preis würde ich nie wiederfinden, ohne gleich meine Niere verkaufen zu müssen. Außerdem hatte ich kurz nach dem Anruf von Herrn Henrich bereits die Kaution bezahlt. Somit war ich für diesen Monat pleite. Zu sich und den anderen hielt er sich kurz. Er selbst studiert Informatik. Richard studiert Geschichte. Bei Lukas wusste er es selbst nicht.

Im Gegenzug erzählte ich ihm, dass ich mich kürzlich für Biologie eingeschrieben hatte. Matthias half mir danach, meine Sachen in mein Zimmer zu bringen. Auf dem Weg bemerkte ich aus dem Augenwinkel einen Schatten, der vorbeihuschte. Mein Herz setzte einen Schlag aus und meine Hände zitterten leicht. Was zum Teufel war das?

„Hast du das gerade gesehen, Matthias?“

Er sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. „Nein, was denn?“

„Da war … Ach nichts, bin wohl noch müde.“ Hatte ich es mir nur eingebildet? Vielleicht war es nur ein Schatten. Neue Umgebung, neuer Stress. Trotzdem blieb mein Blick an der Stelle hängen. Für einen Moment kam mir der Flur kälter vor als zuvor. Egal. Darüber nachzudenken brachte nichts, denn ich hatte Wichtigeres zu tun. Ich musste mich schließlich noch auf die Uni vorbereiten. Matthias verabschiedete sich und schloss die Tür hinter mir.

Ich hatte schnell alles verstaut und das Zimmer

mit ein paar Kleinigkeiten eingerichtet. Trotzdem behielt ich dabei ein seltsames Gefühl, als ob man mich beobachten würde. Ich versuchte dieses Unbehagen abzuschütteln und aß etwas, sah mir meine Unterlagen an und legte mich in mein Bett. Ich bekam die nötige Ruhe und schlief. Allerdings war meine Nacht nicht so erholsam, wie ich mir erhofft hatte.

Mitten in der Nacht weckte mich ein Geräusch. Es klang, als würde eine Katze hinein wollen. Matthias hatte nichts von Haustieren erwähnt. Hatte einer der anderen Mitbewohner vielleicht doch eine Katze oder einen Hund? Ich ignorierte es, schloss meine Augen und versuchte wieder einzuschlafen. Gerade als ich eindöste, klopfte es an meiner Tür. Ich sprang aus meinem Bett und drückte meine zitternde Hand an meine Brust. Verdammt, was ist denn jetzt? Ein paar Mal atmete ich tief ein und aus, um mich zu beruhigen, bevor ich zur Tür ging. Langsam bewegte sich meine Hand zu der Türklinke, doch kurz vorher hielt ich inne. Ich wollte die Tür aufreißen und denjenigen, der geklopft hatte, anschnauzen, aber irgendetwas hielt mich davon ab. Was war nur los? Meine Finger blieben an der Türklinke liegen. Ich wollte drücken, aber mein Körper machte einfach nicht mit. Ich schluckte schwer und schüttelte meinen Kopf, in der Hoffnung, die Blockade abschütteln zu können. Meine Finger schlossen sich um die Türklinke und ich öffnete sie.

Dahinter war allerdings nichts. Keine Menschenseele stand dort. Hatte ich es mir nur eingebildet? Vielleicht war es nur ein sehr realistischer Traum. Na ja, jetzt, wo die Tür eh schon offen ist, kann ich mir auch etwas zu trinken holen. Danach sollte ich wieder einen besseren Kopf haben und schlafen können.

Der Flur und auch das Wohnzimmer lagen in völliger Dunkelheit. Nichts war zu hören und ich sah auch kaum meine Hand vor Augen. In der Küche tastete ich nach einem Lichtschalter. Verdammt, war das ätzend, wenn man gerade neu irgendwo eingezogen war. Man kannte sich rein gar nicht aus.

Ich fand endlich einen Schalter, aber irgendwie fühlte er sich seltsam an. Er war weich. Seit wann wurden Lichtschalter mit Gelkissen verbaut? Nein, das konnte nicht sein. Vielleicht hatte ich irgendein spezielles Projekt meiner Mitbewohner versehentlich angefasst. Gerade als ich meine Finger wegzog, spürte ich an meinen Fingerspitzen etwas Scharfkantiges. Hinter dem Scharfkantigen lag etwas. Etwas Feuchtes. Leicht glitschig, mit ein paar kleinen Unebenheiten. Dieses Gefühl ähnelte dem einer Zunge. Zeitgleich mit meinem Weitertasten spürte ich ein leicht drückendes Gefühl auf meiner Zunge. Ich wich zurück. Das konnte nicht sein. Ich redete mir ein, dass ich schlafgewandelt war. Dass mein Gehirn mir irgendeinen Mist vorgespielt hatte. Aber meine Fingerspitzen fühlten sich noch immer feucht an.

Und genau das machte es schwer, an diese Erklärung zu glauben. Ich brauchte dringend Wasser. Vielleicht würde es helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Der leichte Druck auf meiner Zunge ließ nach und machte Platz für ein unbeschreibliches Unbehagen. Ich blieb stehen. Nicht aus Mut, sondern weil mein Körper keinen Schritt mehr zuließ. Hinter mir setzte ein leises Scharren ein. Ich hielt den Atem an. Erst als meine Brust brannte, merkte ich, dass ich überhaupt nicht mehr atmete. Hektisch tastete ich nach einem anderen Schalter.

Meine Finger suchten weiter über die Wand, viel zu schnell, viel zu unkontrolliert. Ich musste mich beeilen. Irgendetwas lauerte. Sehen oder physisch wahrnehmen konnte ich es nicht, aber ich spürte es. Ich spürte, wie ich beobachtet wurde.

Endlich fand ich den Schalter. Das Licht ging an. Ruckartig drehte ich mich um. Doch da war nichts. Die Küche war leer. Verdammt, ich musste mich beruhigen. Vielleicht war ich gerade erst richtig aufgewacht.

Mit zittrigen Händen wischte ich mir den kalten Schweiß von der Stirn. Ich brauchte Flüssigkeit, danach wäre bestimmt alles wieder in bester Ordnung.

Einige Minuten stand ich nur da. Langsam beruhigte sich mein Puls und meine Atmung verlangsamte sich.

Meine Hände zitterten noch immer, aber wenigstens war ich in der Lage, mir ein Glas Wasser zu nehmen.

Das kühle Nass beruhigte meine Sinne ein klein wenig mehr. Ich stellte mein Glas ab und wollte das Licht ausschalten, als es klingelte. Wer zur Hölle ruft denn mitten in der Nacht hier an? Ich suchte die Quelle des nervigen Klingelns und entdeckte ein altes Telefon. Hatte Herr Henrich irgendein Faible für die alten Dinger oder wollte er sparen? Mein Blick haftete auf dem alten Ding. Ich sollte es ignorieren. Oder? Vielleicht war es etwas Dringendes. Es musste dringend sein. Warum sonst sollte man um diese Uhrzeit irgendwo anrufen? Zwischen dem Klingeln hörte ich etwas. Kein Wort. Mehr ein ersticktes Atmen. Dann meinen Namen. Ganz leise. „Vincent …“ Da konnte ich nicht mehr einfach stehen bleiben.

Meine Finger schlossen sich um den Hörer und ich hob ab. „Hallo?“ Nichts. Nur ein leises Keuchen. „Hallo? Ich höre Sie. Geht es Ihnen gut?“ Wieder nur ein Keuchen. „Wo sind Sie? Dann schicke ich Ihnen den Rettungsdienst.“ Nach einer kurzen Stille hörte ich ein Flüstern. „Bitte etwas lauter. Ich verstehe Sie nicht!“ Das Flüstern verstummte.

Ich presste den Hörer an mein Ohr. Das Flüstern ertönte erneut, lauter als zuvor.

Endlich konnte ich die Worte verstehen. „Du wirst nie wieder durchschlafen können, Vincent!“

Abrupt legte ich auf. Was für ein kranker Anruf war das denn? Ich sollte wieder ins Bett. Schnell schaltete ich das Licht aus und verschwand in meinem Zimmer. Erschöpft fiel ich auf mein Bett. Verdammt, was war das nur? Nach diesem Satz war klar, dass man nicht mehr schlafen konnte. Wer zur Hölle macht bitte so einen beschissenen Telefonstreich? Ich schloss meine Augen und versuchte auf Biegen und Brechen noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Das war wohl nichts. Ich wälzte mich in meinem Bett hin und her, bis früh am Morgen mein Wecker klingelte.

Noch müde von der letzten Nacht stand ich auf. Die Geräusche hatte ich mir bestimmt nur eingebildet. Eine ungewohnte Umgebung kann zu erheblichem Stress führen und unter Umständen die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinflussen … zumindest redete ich mir das ein.

Am Campus Riedberg versuchte ich, mich auf die Vorlesung zu konzentrieren. Biologie, Physik, Mathe, Chemie — alles rauschte an mir vorbei. Ich schrieb mit, aber meine Gedanken blieben in der WG. Der Tag verlief ruhig. Bis auf dieses beklemmende Gefühl. Hatte dieser Alptraum mir so zugesetzt?

Kapitel
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