Kapitel 1 Unterm violetten Blätterdach
Vor der Küste Kalimdors erhob sich ein gewaltiger Baum aus dem Meer.
Seine Äste trugen Wälder. Seine Wurzeln verschwanden in den Tiefen des Ozeans. Hoch über den Wellen ruhte eine Welt, die vielen Völkern Azeroths fremd geblieben war.
Teldrassil Die Heimat der Nachtelfen.
Unter seinem violetten Blätterdach verlief das Leben in einem ruhigeren Rhythmus als anderswo. Die großen Kriege der Welt schienen fern. Die Städte der Menschen lagen jenseits des Meeres. Die endlosen Wüsten des Südens und die eisigen Länder des Nordens waren kaum mehr als Namen in den Erzählungen reisender Händler.
Hier bestimmten die Wälder den Lauf der Zeit. Hier wachten die Druiden über die Natur. Hier zogen Wächterinnen ihre Patrouillen zwischen uralten Bäumen. Und hier wuchsen Generationen junger Nachtelfen auf, die niemals einen anderen Himmel gesehen hatten als den über Teldrassil.
Tief zwischen den gewaltigen Ästen des Weltenbaumes lag Dolanaar. Ein kleines Dorf aus Holzstegen und Plattformen, verborgen zwischen Farnen, Moosen und den mächtigen Stämmen des Waldes. Für seine Bewohner war es kein abgelegener Ort. Es war die Mitte ihrer Welt.
Dort verlief dieser Nachmittag wie viele andere zuvor: Wächterinnen kehrten von ihren Rundgängen zurück. Handwerker arbeiteten an Geländern und Brücken. Irgendwo diskutierten zwei Druiden über Pflanzen, die außer ihnen niemand auseinanderhalten konnte.
Kinder spielten auf den Stegen. Eines davon hieß Lhucretia. Sie war zehn Jahre alt. Sie hatte niemals einen Ork gesehen. Niemals einen Zwerg. Niemals einen Menschen.
Die Dunkelküste kannte sie nur aus Geschichten. Darnassus erschien ihr größer, als irgendeine Stadt vernünftigerweise sein durfte. Und die Welt jenseits Teldrassils war so fern, dass sie kaum darüber nachdachte.
An diesem Tag beschäftigten sie ganz andere Dinge. Zum Beispiel die Frage, wer schneller rennen konnte, Sie oder Theron Ihr bester Freund. Und damit begann alles.