Vorwort & Prolog
Vorwort
Dieser Roman ist eine postapokalyptische Fiktion. Alle Charaktere und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
Obwohl der Roman auf Deutsch verfasst ist, findet die beschriebene Kommunikation in der Welt der Figuren allgemein auf Englisch statt.
Ich empfehle diesen Roman ab 18 Jahren. Neben dem nötigen Verständnis für die technischen und chemischen Details erlaubt dieses Alter auch einen abgeklärteren Blick auf das Thema der ersten Liebe.
Zur Orientierung beim Lesen: Besonders betonte Worte in Gesprächen sind kursiv hervorgehoben
Temperaturangaben erfolgen durchgehend in Grad Celsius.
Gewidmet ist dieser Roman der Vision einer besseren Welt.
Prolog
Das Klimaziel, das zu Anfang des 21. Jahrhunderts beschlossen wurde, wurde bei Weitem verfehlt. Zum Ende des Jahrhunderts war die Arktis im Sommer völlig eisfrei, und die Alpengletscher waren verschwunden. Auch Grönland war größtenteils bereits abgetaut. Selbst in der Antarktis lag im dortigen Sommer nur noch auf den Gebirgen Schnee und Eis.
Die meisten Küstenstädte waren im Meer versunken, und die Landkarten mussten jedes Jahrzehnt neu erstellt werden wegen des massiven Landverlustes. Der Golfstrom war völlig versiegt, was den Atlantik in Äquatornähe umso mehr aufheizte. Die Länder südlich des Mittelmeers waren völlig unbewohnbar, und in den nördlichen Mittelmeerstaaten waren Sommertemperaturen von über 50 Grad an der Tagesordnung, manchmal sogar bis 60 Grad. Wohlhabende Städte mit ausreichenden Wasservorkommen wandelten ihre Infrastruktur in klimatisierte Arkologien um. Diese nutzten interne Hydroponik-Anlagen; modifizierte Getreidesorten wurden teilweise auch auf Außenflächen kultiviert. Viele dieser Arkologien wurden von der Mafia oder streng religiösen Gruppierungen kontrolliert. Bettelnde und flüchtende Menschen sperrte man konsequent aus.
Indessen kamen um die noch fruchtbaren Ländereien immer heftigere Streitereien auf. Die ESA platzierte in weiser Voraussicht auf dem Mond eine Messanlage, die verschiedenste Frequenzen auf der Erde aufzeichnete, und als Datenpaket Richtung Erde sandte, sodass daraus Rückschlüsse auf Wettergeschehen, Radioaktivität, oder Wärmeentwicklung gezogen werden konnten. Gleichzeitig zogen etliche europäische hochintelligente Personen mit einer rund eine Million starken Anhängerschaft und dem gesammelten Wissen der Menschheit in hochwassersichere Höhlen und aufgelassene Bergwerke. Sie wandelten diese in Privatbesitz um und etablierten dort im folgenden Jahrzehnt eine hochtechnologische, pazifistische Gesellschaft. Die einzelnen Zufluchten waren über ein niederfrequentes Netzwerk miteinander verbunden. Ein kleinerer Teil der Gruppe wanderte nach Island aus.
In den folgenden Jahrzehnten eskalierten die Streitigkeiten zu offenen Kriegen, die zum Zerfall der Europäischen Union führten. Es folgte ein rücksichtsloser Kampf der Nationen gegeneinander. Die verheerenden Folgen waren Zerstörung und weltweite Hungersnöte. Auch der europäische Wildbestand wurde fast vollständig ausgerottet, woran die oft sintflutartigen Regenfälle einen großen Anteil hatten. Nahe sichere Überlebenschancen boten sich in dieser Zeit nur Ratten und kleinen Tieren in den Baumkronen.
In Afrika vereinigte ein charismatischer Propagandist die Staaten zu einem nubischen Reich, sodass jede nicht-schwarze Person dort um ihr Leben fürchten musste, und kapselte sich vom Rest der Welt ab, Besitzansprüche von China und anderen Ländern ignorierend.
In Südamerika besann sich der Teil der Bevölkerung mit indigenen Wurzeln ihrer Herkunft und kehrte in die stark dezimierten Regenwälder zurück, von wo aus sie jahrzehntelang, getarnt und mit Gift und Guerillataktik, einen Partisanenkampf gegen die Anhängerschaft der Regierungen führte; als Folge breitete sich der Dschungel wieder etwas aus, und dieser Bürgerkrieg stieß die dortige Wirtschaft in den Abgrund.
In Nordamerika annektierten die USA mit konventionellen Waffen Grönland sowie weite Teile Kanadas. Die kanadischen Truppen befanden sich in einer verzweifelten Defensive, um zumindest ihre letzten Kerngebiete zu verteidigen
China, seiner afrikanischen Gebiete beraubt, wollte sich an seinen Nachbarn schadlos halten und führte einen gnadenlosen Krieg gegen Sibirien und Südostasien, die Mongolei bereits annektiert.
Auch in den Erdumlaufbahnen tobte der Krieg, bis sämtliche Satelliten zerstört waren. Ihre Trümmer regneten häufig als Sternschnuppen auf die Erde herab.
Nur Australien nebst Neuseeland und Pazifikinseln versuchten das Beste aus den klimatischen Bedingungen zu machen und hielten sich aus kriegerischen Auseinandersetzungen heraus.
Nach mehr als einhundert Kriegsjahren gipfelte der Konflikt in einer Eskalation: Der Einsatz nuklearer Waffen wurde initiiert. Die Folge war, dass der Norden der USA und der Süden Kanadas, sowie Russland westlich des Urals und der Nahe Osten fast völlig zerstört wurden; außerdem fielen ihnen global fast alle Hauptstädte zum Opfer, sowie auch viele Großstädte der Nordhalbkugel, insbesondere in China. Die Wucht der Explosionswellen löste heftige Erdbeben und Vulkanausbrüche aus, gefolgt von einem globalen radioaktiven Fallout. Der anschließende nukleare Winter bewirkte zwar eine rasche Abkühlung, führte jedoch auch zum Zusammenbruch der verbliebenen Flora. Zudem wurden durch die Zerstörungen etliche gefährliche, hochentwickelte, künstliche Mikroorganismen aus militärischen und privaten Forschungslaboratorien freigesetzt.
Gezeichnet von radioaktiver Verstrahlung und Unterernährung wurden ganze Landstriche durch diese Viren und Bakterien entvölkert. Da die Schutzkeller schon lange leergeräumt waren, blieben den wenigen Überlebenden auf offenem Terrain fast nur Ratten als Nahrungsquelle. Diese vermehrten sich aufgrund ihrer kurzen Generationenfolge rasant, und wurden immun gegen die Mikroorganismen. Allerdings fungierten sie nun als Überträger diverser Seuchen. Auch ihre stark dezimierten Jäger - vor Jahren verwilderte Hauskatzen - vermehrten sich wieder.
Etwa ein bis zwei Jahrzehnte nach der Apokalypse - nachdem sie mehr als ein Jahrhundert im Untergrund überdauert hatten - kamen die Überlebenden in Europas Berggebieten wieder an die Erdoberfläche, anfangs vorwiegend ältere Leute wegen der Gefahr, missgebildete Babys zu gebären. Sie gründeten die ersten Siedlungen je nach Falloutbelastung des Bodens, und bildeten die Basis einer neuen Zivilisation auf den Gebieten nördlich der existierenden Arkologien mit einer Verfassung, die in den Jahren im Untergrund ausgearbeitet und von allen ratifiziert worden war.
Der Roman spielt etwa ein Jahrhundert nach der Wiederbesiedelung.








