Tochter des Mondes

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Zusammenfassung

Brutal aus ihrem menschlichen Leben gerissen, ist Dawn dazu gezwungen, in einer Welt zu leben, von deren Existenz sie nie geahnt hätte. Jahrelange Folter in einem Rudel, das von einem Monster angeführt wurde, hat ihr Herz zu Eis erstarren lassen und ihren Geist verdunkelt. Jede wache Stunde war eine Hölle, die selbst die schlimmsten Menschen nicht durchmachen sollten. Die Flucht war ihre einzige Option, doch nun ist sie allein und in diesem Gestaltwandler-Körper praktisch wie ein Kind. In einem Moment ist sie eine Frau, im nächsten ein Wolf. Zu lernen, sich zu verwandeln, wird nicht einfach, doch wieder zu lernen, wie man lebt, wird noch viel schwerer. Kane ist ein Alpha, der Anführer eines Rudels, das moderner ist als die meisten anderen. Sein einziger Lebenszweck ist es, seine Leute zu beschützen – doch als eine smaragdgrüne Göttin ihren Weg in sein Territorium findet, ändert sich alles. Es ist von Anfang an offensichtlich, dass sie füreinander bestimmt sind, doch die Vergangenheit der Frau ist grausam. Wird sie ihn an sich heranlassen, oder ist ihre Geschichte zu düster, als dass er sie ertragen könnte?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
31
Rating
4.7 44 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prolog

Die Sonne stand hoch am Himmel und ihre heißen Strahlen brannten gnadenlos auf die Erde herab. Den ganzen Tag über hatte der Junge seine ältere Schwester angebettelt, mit ihm zum See zu gehen, während die Eltern noch in der Stadt waren, um Besorgungen zu machen. Ihr Land lag mehr oder weniger auf dem Land. Auf den vielen Hektar standen ihr zweistöckiges Farmhaus, eine große rote Scheune und natürlich ihre Tiere. Sie arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf der Farm. Einmal pro Woche konnten sie für ein paar Stunden entspannen, während ihre Eltern in die Stadt fuhren, um das Nötigste einzukaufen.

Seit sie ihre Köpfe von den flauschigen Kopfkissen gehoben hatten, hatte der siebenjährige Junge seine ältere Schwester genervt. Sie war gerade erst sechzehn geworden, benahm sich aber, als wäre sie bereits zwanzig und erwachsen. Er wollte, dass sie mit ihm zum See am Ende ihres Grundstücks ging. Schließlich gab sie nach und versprach, ihn mitzunehmen, sobald Mutter und Vater für die Stadt aufgebrochen waren. Die Stunden vergingen friedlich und ihre Arbeit ruhte, als ihr Vater sie von seinem Pickup aus rief. Sie liefen zu dem Mann in seinen Mittdreißigern, der ein hellgraues kurzärmeliges Hemd und eine blaue Jeans trug. Es waren seine guten Sachen, so glattgebügelt, als würde er in die Kirche gehen.

Seine Cowboystiefel waren allerdings eine ganz andere Geschichte. Seine Kleidung mochte so frisch und rein wie die Gedanken eines Kindes sein, aber seine Schuhe konnten die Wahrheit ihres Lebensstils nicht verbergen. Sie waren abgewetzt, voller Dreck, selbst nachdem er versucht hatte, sie zu säubern, und einfach gut eingetragen, wie es bei einem Paar ordentlicher Stiefel sein sollte. Seine Kinder waren stolz auf ihren Vater und schämten sich nie, wenn man sie mit ihm sah. Er war Farmer, und in ihrer Kleinstadt bedeutete das, dass er ein hart arbeitender Mann war, der gut für seine Familie sorgte.

Ihre Mutter kam mit einem Lächeln auf ihren rot geschminkten Lippen aus dem Haus. Normalerweise trug sie keinen Lippenstift oder überhaupt Make-up, aber sie machte sich gerne etwas hübsch, wenn sie in die Stadt fuhren. Vater nutzte die Gelegenheit meistens, um sie zu verwöhnen; er nahm sie mit in den kleinen Filmtheater in der Innenstadt und danach zum Essen in ein Diner. Ihre Tochter lächelte, als sie zwischen den beiden hin und her blickte. Sie wirkten wie Teenager. Er legte seinen Arm um ihre Taille und sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn ganz sanft zu küssen.

Ihr Sohn machte Würgegeräusche und sagte ihnen, dass Küssen eklig sei. Sie lachten, lösten sich voneinander, behielten aber ihre Arme um die Taille des anderen. Sie lächelten auf ihre Kinder herab; der Vater wuschelte dem Jungen durch das Haar, während die Mutter das Gesicht ihrer Tochter in ihre Hände nahm. Es war das perfekte Bild des Glücks.

„Denkt dran, wenn ihr zum See geht, seid vorsichtig. Geht nicht zu tief hinein und stellt sicher, dass ihr zu Hause seid, bevor die Sonne den Horizont berührt.“

Die Stimme ihrer Mutter hatte einen singenden Ton voll gelassener Ruhe. Sie war eine Heilige und brachte ihnen immer bei, was richtig und was falsch war. Sie lebte ihr Leben so, dass sie ihnen das beste Vorbild gab, ließ ihnen aber auch Raum, Fehler zu machen und aus eigener Kraft wieder aufzustehen. Sie glaubte an Lektionen, die man lernen musste, küsste Wehwehchen, wenn es nötig war, und erhob ihre Stimme nur im äußersten Notfall.

Sie hatte nur einmal in einem scharfen Ton gesprochen, und seitdem hatten die Kinder ihre Lektion gelernt und ihre weisen Worte beherzigt. Bei ihrem Vater war es genauso. Er war von einem Alkoholiker aufgezogen worden, der ihn geschlagen hatte, egal was er tat. Deshalb hatte er sich geweigert, sie zu züchtigen, wenn sie jünger waren, es sei denn, es war absolut notwendig.

Sie waren dankbar für ihre Kinder; sie hatten sich gut entwickelt und schnell gelernt, wie das Leben funktioniert. Man erntet, was man sät, und das wussten sie alle schon früh. Sie arbeiteten zusammen, um das Beste für sich und ihre Familie zu erreichen, und mit jedem Tag wurden sie glücklicher. Die Frau, ein Jahr jünger als ihr Mann, küsste jedes ihrer Kinder auf die Wange, bevor sie ihnen gute Nacht sagte. Sie würden schon im Bett sein, wenn ihre Eltern nach Hause kamen – so lauteten die Regeln an diesem Abend. Ihrem Date-Abend.

Sie lächelten ihre Eltern an, während der Vater der Mutter die Beifahrertür aufhielt, und versprachen, vorsichtig zu sein. Sie winkten ihnen nach und riefen ihnen zu, dass sie sie liebten und hofften, dass sie eine schöne Zeit hätten. Die Sonne war gesunken, aber nur ein wenig. Wenn sie sich beeilten, hatten sie noch mindestens drei gute Stunden am See. Genug Zeit, um zu spielen und vor Sonnenuntergang wieder zu Hause zu sein.