Prolog
โJa, drei Zimmer. Kรผche und Bad sind schon eingerichtet. Sie mรผssen nichts mehr machen. Licht durchflutetes Wohnzimmer mit perfektem Blick auf die Stadt.โ Ich betrete das karge Wohnzimmer hinter meinen Interessenten und versuche dabei nicht allzu gelangweilt zu auszusehen. Als ich die Fensterlรคden zum kleinen Balkon des Apartments รถffne und die von den Holzlamellen abblรคtternde Farbe bemerke, seufze ich stumm in mich hinein. Das junge Ehepaar scheint genauso wenig รผberzeugt von der Wohnung zu sein wie ich. โDie Fenster werden natรผrlich saniert.โ,sage ich verheiรungsvoll, in der Hoffnung noch einen Abschluss auf die Beine zu stellen. โIch weiร ja nicht. Die Wohnung ist ganz nett, aber wissen sie, wir erwarten demnรคchst Nachwuchs.โ,sagt die Blondine und streicht sich dabei lรคchelnd รผber den Bauch. Ihr Mann sieht grรผbelnd zu ihr und รผberfliegt nochmal die Broschรผre in seinen Hรคnden. Wahrscheinlich nur, um mir nicht in die Augen zu sehen, wenn sie die Wohnung ablehnen. โIch wรผrde sagen, wir schlafen nochmal eine Nacht darรผber. Schlieรlich geht es hier um eine wichtige Entscheidung.โ,meint er zustimmend. โNatรผrlich. Lassen sie es sich durch den Kopf gehen und rufen sie nochmal an.โ,lรคchle ich aufgesetzt und fรผhre die beiden aus dem Apartmentkomplex. โUnd dann lass ich mir neโ Kugel durch den Kopf gehen.โ,murmele ich leise. Die Eheleute verabschieden sich und lassen mich mit meinen Gedanken allein. Ich ziehe das Werbeschild fรผr die Firma in der ich arbeite aus dem kleinen Rasenstรผck vor der Treppe zu den Wohnungen im oberen Stockwerk und bringe es zusammen mit einigen anderen zurรผck zu meinem Pick Up. Auf der Ladeflรคche des Wagens, liegt bereits eine Menge der selben Schilder. Sie alle zeigen das grinsende Gesicht meines Bosses, der mit einem Daumen nach oben neben dem Firmenlogo thront. Seufzend setze ich mich auf den Fahrersitz und greife zu dem halb aufgegessenen Burrito aus dem Handschuhfach. Es sind diese Momente, in denen mein Leben an mir vorbei zieht. Ich esse einen kalten Frรผhstรผcksburrito hinter dem Steuer meines Wagens und trage ein Hemd aus der Sale Abteilung von Wallmart. Warum ich die Navy verlassen habe? Gott, ich wรผnschte ich wรผrde die Antwort noch kennen.
Seit einer Stunde sitze ich nun vor dem Fernseher. Mein Blick wechselt zwischen dem langweiligen Programm auf dem zweiten Kanal und der schwarzen Glock 19, die auf einem kleinen Beistelltisch neben dem Lounge Sessel liegt, auf welchen ich mich vor 62 Minuten niedergelassen habe. Und ich muss zugeben der Gedanke daran, alles zu beenden kommt mir in letzter Zeit immer รถfter. Das Gebrรผlle des Moderators in dieser Wiederholung einer Talkshow aus den 80ern hilft mir dabei nicht gerade. Dennoch. Ich frage mich oft wer mich vermissen wรผrde. Wรผrde รผberhaupt jemand um mich trauern? Vielleicht mein Bruder. Mehr Familie habe ich nicht mehr. Ich greife nun zum ersten Mal seit langer Zeit wieder nach der Pistole auf dem Tisch. Ich gewรถhne mich erneut an das Gewicht der Waffe. Bis das Display meines Handys aufblitzt.