1. Suhagraat
Annika fühlte sich sehr beklommen, als sie ihr neues Schlafzimmer betrat. Die Art, wie ihr Ehemann Shivaay sie ansah, machte sie nervös. Das flüchtige Berühren ihrer Hände bei der Verlobung und die langen Berührungen beim Tanzen auf dem Sangeet gingen ihr nicht aus dem Kopf. Auch der kleine Kuss auf ihre Handfläche während der Mehendi-Zeremonie und das Händchenhalten bei den Pheras ließen ihr Herz klopfen. Das Augenzwinkern beim Grahapravesh-Ritual gab ihr den Rest. Das Gelecke von Priyanka, seiner jüngeren Schwester, half auch nicht gerade. Annika wusste natürlich, was in der Hochzeitsnacht passiert. Sie war sich aber nicht sicher, ob sie schon bereit dafür war.
„Komm rein, Bhabhi. Das ist das Zimmer von Bhaiya und jetzt auch deins“, hörte sie Priyanka sagen. Sie merkte erst jetzt, dass sie oben im Schlafzimmer angekommen waren. Früher war es nur Shivaays Zimmer, nun war es ihr gemeinsames Reich. Beim Anblick der Dekoration schluckte sie schwer. Es waren keine typischen Rosen, sondern Lilien. Das Licht war sehr sanft und in jeder Ecke des Raumes brannten Kerzen. Priyanka ging nach vorne und schaltete leise, romantische Musik ein.
Pinky klopfte ihr auf die Schulter. „Dieses Zimmer und dieses Haus gehören jetzt dir. Wenn du Hilfe brauchst, darfst du nicht schüchtern sein.“
Priyanka schloss zu den anderen beiden Frauen auf. Sie kicherte und sagte: „Bhabhi braucht heute Abend nur bei einer Sache Hilfe. Sie muss aus diesem schweren Schmuck und dem Saree raus. Shivaay Bhaiya ist ja dafür da.“
Annika senkte errötend den Blick. Pinky gab Priyanka einen leichten Klaps auf den Kopf. Sie schalt sie dafür, dass sie mal wieder kein Blatt vor den Mund nahm.
„Lass uns jetzt gehen. Wir sind unten, falls du etwas brauchst“, sagte Pinky. Mutter und Tochter verließen den Raum.
Annika setzte sich vor den Schminktisch. Sie würde ihre liebe Schwiegermutter sicher um Hilfe bitten. Aber wer sollte ihr helfen, wenn die beiden nächste Woche abreisten? Dann wäre sie mit Shivaay allein zu Hause. Was, wenn er in die Flitterwochen fahren wollte und sie keine Wahl hatte?
Vorsichtig hob sie ihren Schleier an und ließ ihn auf den Stuhl gleiten. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Der Gedanke an die erste Nacht erschöpfte sie innerlich. Sie biss sich auf die Lippen und ging alle Möglichkeiten durch. Ihr fiel einfach kein Weg ein, ihn höflich abzuweisen. Sie versuchte, ihre Ohrringe abzulegen. Sie waren ein Geschenk ihrer Mutter und wirklich schwer. Ihr ganzes Outfit wog schwer auf ihr. Sie hätte die Hilfe von Pinky und Priyanka gut gebrauchen können. Wäre Priyanka nur nicht so albern gewesen.
Im Spiegel sah sie, wie die Tür aufging und Shivaay hereinkam. Er wirkte ein wenig gereizt. Sie wusste sofort, dass seine Schwester ihn auch geärgert hatte. Als sich ihre Blicke im Spiegel trafen, sah sie schnell wieder zu Boden. Er stieß einen tiefen Seufzer aus. Sie hörte, wie er näher kam. Hektisch versuchte sie, ihren Schmuck abzulegen. Aber vor lauter Aufregung löste sich kein einziges Stück.
Sie erzitterte, als sie seine Berührung spürte. Er legte seine Hände auf ihre Schultern. Er massierte sie sanft, doch anstatt sich zu entspannen, wurde sie nur noch steifer. Er neigte den Kopf zu ihrem Nacken und gab ihr dort einen Kuss. Ihre Augen weiteten sich. Sie schreckte zusammen wie eine scheue Katze. Shivaay hielt sie jedoch fest und zog sie sanft zurück. Im Spiegel sah sie das Verlangen in seinen Augen. Es war klar, dass er sie heute Nacht so schnell nicht gehen lassen würde.
Er schlang die Arme um sie. Sie sah heute Abend einfach hinreißend aus. Die Tatsache, dass sie jetzt seine Frau war, machte ihn verdammt heiß. Wegen ihr hatte er Priyankas Sprüche über sich ergehen lassen. Nur für sie hatte er bis zur Hochzeit gewartet. Jetzt wollte er sie nur noch berühren und ihre Haut spüren.
Sie schloss die Augen, als er ihr einen weiteren Kuss auf die Schulter gab. Ein leises Stöhnen entwich ihrer Kehle. Er griff nach dem Ende ihres Pallu. Ganz langsam öffnete er die Sicherheitsnadel und ließ den Stoff auf den Boden gleiten. Annika starrte mit offenen Augen auf das Tuch zu ihren Füßen. Dann blickte sie in den Spiegel. Ihre Bluse bedeckte kaum ihren Körper. Sein Blick klebte förmlich an ihrer nackten Taille.
Er hatte auch eine tolle Aussicht auf ihren sexy Rücken. Er konnte seine Augen gar nicht abwenden. Er musterte jede Schnur der Bluse und überlegte, wie sie verknotet waren. Er hatte keine Ahnung von Blusen oder Sarees. Schließlich fand er aber einen Weg, sie ganz leicht zu öffnen.
Sie zitterte bei der ersten Berührung an ihrer Bluse. Sie machte zwei Schritte nach vorne. Er lächelte schwach. Mit einer schnellen Bewegung griffen seine Hände nach ihrem Rücken und hoben sie auf seine Arme. Sie sah ihn aus diesen unschuldigen Augen an, die er so liebte. Eine Hand klammerte sich fest an seinen Sherwani. Die andere legte sie auf seinen Rücken. Er trug sie langsam zum Bett und legte sie in die Mitte. Dann legte er schnell seinen Sherwani ab.
„Ich kann mit Kleidung nicht schlafen“, erklärte er ihr.
Ihre Augen wurden tellergroß. Sie wusste nicht, ob sie sich wohl dabei fühlte, wenn er mit nacktem Oberkörper neben ihr lag. Er bemerkte ihre Nervosität und lächelte. Dann legte er sich zu ihr. Sie rührte sich nicht. Er berührte ihre Ohren und beobachtete dabei genau ihre Reaktion. Als sie sich nicht wehrte, nahm er ihr vorsichtig die Ohrringe ab. Er liebkoste sanft ihre Ohrläppchen. Die Stellen waren ein wenig gerötet, weil die schweren Ohrringe Spuren hinterlassen hatten.
Sie schluckte hart. Seine Berührung ließ sie innerlich glühen. Er öffnete den großen Nasenstecker und danach das Diadem. Darunter kam ihr Sindoor zum Vorschein. Sie lächelte bei der Erinnerung daran, wie das rote Pulver auf ihre Nase gefallen war. Er hatte es so liebevoll auf ihren Scheitel aufgetragen. Ihre Freundinnen hatten sie damit aufgezogen. Sie sagten, er würde sie über alles lieben.
Ein Teil von ihr wollte ihn stoppen, der andere wollte es einfach geschehen lassen. Er griff in ihren Nacken und lockerte das Band der schweren Kette. Es war ein Erbstück seiner Familie. Eigentlich wollte sie bei der Hochzeit gar nichts so Wuchtiges tragen. Aber es gehörte seiner Großmutter, also hatte sie zugestimmt. Seine Fingerspitzen streiften ihre Haut und machten sie ganz schwindelig. Sie sah zur Seite und lächelte verlegen. Sie war zwar nervös, aber irgendwie gefiel ihr seine Nähe.
Seine Hand nestelte nun an der kleineren Kette, die ihre Mutter ihr geschenkt hatte. Er wollte eigentlich, dass sie die ganze Nacht den prunkvollen Schmuck der Oberoi-Familie trug. Sie wollte aber das Stück von ihrer Mutter anbehalten. Shivaay wollte sie nicht verletzen, indem er den einfachen Schmuck mit ihrem Gold und den Diamanten verglich. Sein Blick fiel auf das Mangalsutra. Es war vielleicht kitschig, aber für ihn war es das Zeichen ihrer Verbindung. Er war sichtlich stolz, dass sie es trug. Seine Augen funkelten vor Freude. Er ließ die Kette unberührt.
Seine Hand wanderte tiefer. Er spürte ihre glatte Haut am Bauch. Vor Aufregung fing sie an zu hecheln. Das machte ihn nur noch stolzer. Er berührte den Bund ihres hellen Rocks und wartete auf ihre Reaktion. Ihre Augen waren wie gebannt auf seine Hand gerichtet. Sie stieß einen hörbaren Seufzer aus. Er führte seine Hand zu ihrem Fußkettchen. Ganz vorsichtig befreite er ihren Fuß von dem Schmuckstück, das er ihr zur Verlobung geschenkt hatte.
Dabei fiel ihm ein, dass er ihr noch zwei Geschenke schuldete. Eines für die Suhagraat heute Nacht und eines für die Muh-Dikhai-Zeremonie. Er nahm sich fest vor, bald beides zu besorgen. Seine Frau verdiente es, in Diamanten zu strahlen. Dabei war sie selbst der kostbarste Diamant für ihn.
Er ließ sich auf seine Seite des Bettes sinken. Er war ihr immer noch sehr nah. Sie bemerkte erst jetzt, dass das Bett oval war. Es war eigentlich viel zu klein für zwei Personen. War er nicht dreimal zum Geschäftsmann des Jahres gewählt worden? Konnte er sich kein ordentliches, rechteckiges Kingsize-Bett leisten?
Diesen Gedanken behielt sie für sich. Stattdessen starrte sie ihn an, während er ihr Gesicht streichelte. Er liebte es, wie ihre Wangen rot anliefen. Er wusste nicht, ob es Make-up war. Aber er war sich sicher, dass er sie auch ohne Hilfsmittel zum Erröten bringen konnte.
Er legte seine andere Hand an ihre Taille. Das Kribbeln in ihrem Bauch war so stark, dass sie kaum stillsitzen konnte. Immer wieder überfiel sie die Nervosität. Er rückte noch näher an sie heran. Seine Hand begann, Muster auf ihre Kurven zu zeichnen. Ihre Gesichter waren sich so nah, dass sie seinen Atem auf ihrer Haut spüren konnte. Sie schloss die Augen. Ihre geschürzten Lippen wirkten wie eine Einladung. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und schloss ebenfalls die Augen.
Seine Lippen berührten sanft ihre Haut. Doch statt ihren Mund zu küssen, landete er auf ihrer Wange. Er öffnete die Augen und sah, dass sie lächelte und über das ganze Gesicht strahlte. Er küsste sie nur auf die Wange, und doch war sie so schüchtern. Da lag wohl noch ein wenig Arbeit vor ihm.
Er küsste ihre Wangen erneut und ließ seine Lippen dort verweilen. Sie weigerte sich, die Augen zu öffnen. Aber sie wehrte sich auch nicht gegen seine Zärtlichkeiten. Er küsste sie auf die Nase. Das hatte er schon tun wollen, als das rote Pulver darauf gefallen war. Damals hatte er sich wegen der Gäste zurückgehalten. Wenn sie schon bei einem Kuss auf die Wange so schüchtern war, hatte er vorhin wohl alles richtig gemacht.
Er küsste sie auf jedes Auge. Ihre Haut wurde warm vor lauter Liebe. Sie ließ alles geschehen. Er nahm ihre Arme und legte sie um sich, um sie ganz nah an sich zu ziehen. Er küsste sie überall im Gesicht. Dann neigte er den Kopf und küsste ihren Hals. Sie legte den Kopf in den Nacken. Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen. Er übersäte ihren Hals und ihre Schulter mit feuchten Küssen. Als er sie an seiner Lieblingsstelle leicht biss, zischte sie auf. Schnell leckte er mit der Zunge über die Stelle. Ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Er wollte nicht aufhören und sie ließ ihn gewähren. Er zog sie noch enger an sich und streichelte über ihren unteren Rücken. Sie versuchte, sich ihm ganz hinzugeben. Sie liebte alles, was er mit ihr anstellte.
Zwischen all den Küssen und Streicheleinheiten schaffte er es, die Bänder ihrer Bluse zu öffnen. Annika riss die Augen auf, als sie merkte, was passiert war. Schnell umarmte sie ihn ganz fest, um die Peinlichkeit zu überdecken. Er sah sie verständnislos an.
Wollte sie etwa noch nicht so weit gehen? Woher sollte er das wissen, wenn sie nichts sagte und sich ihm einfach hingab?
„Annika“, er streichelte ihr sanft über den Rücken. Das war nicht mehr fordernd, sondern besorgt.
„Ich bin mir nicht sicher“, sagte sie. „Es tut mir leid.“
Er nahm ihr Gesicht in seine freie Hand. „Das muss es nicht. Es ist völlig okay. Ich dachte nur, du sagst aus Schüchternheit nichts. Entschuldige, wenn ich zu weit gegangen bin.“
Sie schüttelte den Kopf und vergrub ihr Gesicht an seiner Brust. Er hielt die Bänder ihrer Bluse fest, damit sie nicht von ihrem Körper rutschte. Sie wirkte so verängstigt. Oder war sie einfach nur furchtbar nervös? Er spürte ihre Tränen auf seiner Haut.
„Hey“, er hielt sie ganz sanft fest. „Bitte weine nicht. Du sahst so wunderschön aus. Ich konnte mich nicht beherrschen und habe einfach weitergemacht, ohne zu fragen.“
Sie nickte und klammerte sich noch fester an ihn. Er küsste ihr Haar. Sie hatte solche Angst und weinte bei dem Gedanken an Sex. Er wusste nicht genau, wie er sie trösten sollte. Aber eine Sache machte ihn glücklich. Sie stieß ihn nicht weg. Sie ließ sich von ihm trösten. Dieses Vertrauen bedeutete ihm viel.
Den Rest der Nacht verbrachte Shivaay damit, ihr durch das Haar zu streicheln. Schließlich schlief Annika friedlich ein.
Vorschau: Shivaay hilft Annika beim Kochen
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