Kapitel 1 - Angelina
Begib dich auf eine Reise zwischen Himmel und Hölle, wo zwei Menschen zusammengeführt werden. Als Angelina Damian trifft, entfacht er die Hitze der Hölle in ihr, und seine brennenden Begierden für sie überfluten seine Sinne. Amor wurde als Letzter erschaffen und hat das Ziel, den Welten einen Neuanfang zu bringen, wie man ihn noch nie zuvor gesehen hat.
Angelina
Was gibt es Schlimmeres, als seinen Kummer zu ertränken? Ihn ganz alleine in der Bar um die Ecke zu ertränken. Genau dort finde ich mich mal wieder wieder. Der Barkeeper schiebt mir einen Drink rüber, nachdem ich schon wieder einen „Burn in Hell“-Cocktail bestellt habe. Ich lösche die Flammen, bevor ich das Zeug in mich hineinschütte. Es scheint passend, das zu trinken, denn so fühle ich mich gerade: wie in der Hölle.
„Noch einen!“, rufe ich und wedle mit dem leeren Glas in Richtung Barkeeper.
„Angelina, bitte geh nach Hause.“ Seine sanfte Stimme kriegt mich jedes Mal.
„Kommst du mit?“, kichere ich, als ich aufstehe und ins Wanken gerate. Normalerweise würde ich auf einem weiteren Drink bestehen. Aber ich war schon oft hier, und wenn Archie dir sagt, dass du nach Hause gehen sollst, bedeutet das: Deine Zeit ist abgelaufen, hier gibt es nichts mehr für dich.
„Warum suchst du dir immer die Bad Boys aus, die dir das Herz brechen? Du brauchst jemanden, der dich anhimmelt, so wie den Engel, der du bist.“ Er nimmt meine Hand und führt mich zur Tür. „Pass auf dich auf, Angelina. Hör auf, den Hells Cloud Riders hinterherzujagen. Folge endlich deinem Herzen, dann wirst du auch die Liebe finden.“ Archie stützt mich, als er mir in eines der Cloud Cabs hilft, die draußen warten, um mich nach Hause zu bringen.
Ich starre in den Nachthimmel, während das Taxi lautlos dahinrast. Hinter uns schimmern Staubwolken aus Glitzerpartikeln. Ein paar Leute genießen den lauwarmen Abend, und wer mich kennt, winkt mir zu. Ich bezahle den Fahrer und winke ihm nach, als ich mein Haus betrete. Oder sollte ich sagen: das Haus meiner Eltern?
„Angelina, bist du das?“, ruft meine Mutter aus der Küche.
Ein Stöhnen entweicht mir, das durch den Flur hallt. Ich halte mir den Kopf und drücke gegen meine Schläfen, um das Pochen zu lindern. „Ja, Mom. Was machst du denn noch so spät wach?“, frage ich, als ich in die Küche komme.
„Oh, Schätzchen.“ Sie schließt mich in die Arme. „Deine Schwester hat mir von Abe erzählt. Du weißt doch, dass der von Anfang an nichts für dich war.“ Mom streichelt mir den Rücken, um mich zu trösten.
Abe war die Nummer drei bei den Hells Cloud Riders und als echtes Arschloch bekannt. Aber ich dachte, ich wäre diejenige, die ihn ändern könnte. „Meine Schwester sollte einfach mal ihre Klappe halten.“ Ich küsse meine Mutter auf die Wange und greife mir eine Flasche Wasser.
„Es gibt noch genug andere Fische im Meer“, ruft meine Mom mir nach, als ich die Treppe hochgehe.
„Ich will aber keinen Meermann daten, Mom. Du weißt genau, wie extrem besitzergreifend die werden können, wenn sie Gefühle für jemanden entwickeln.“
Meermänner sind berüchtigt für ihre Eifersucht. Ich hatte mal eine Freundin, die mit einem zusammen war. Er wich ihr nicht von der Seite und machte jedem Angst, der ihr zu nahe kam. Am Ende musste sie das Merrow-Polizeidepartment einschalten, damit er gefangen und zurück ins Wasser gebracht werden konnte. Sobald Mer-People an Land sind, verändert sich ihr Wesen. Manche sind gar nicht so übel, aber andere... nun ja, sobald sie ihre Freiheit vom Wasser bekommen – was nur passiert, wenn sich jemand in sie verliebt –, wollen sie da nicht mehr zurück.
Mer-People sind im Wasser unwiderstehlich. Sie können einem buchstäblich den Atem rauben, während sie um einen herumschwimmen. Ich bin nicht bereit, dieses Risiko einzugehen. Ich putze mir die Zähne, bürste mein Haar und lege mich schlafen. Ich hoffe, der Traum-Dschinni besucht mich heute Nacht nicht wieder.
Am nächsten Tag gehe ich mit positiven Gedanken die Treppe hinunter. „Ich werde nie wieder jemanden daten“, verkünde ich meiner Mutter, als ich die Küche betrete.
„Sei nicht albern, Angelina. Wahrscheinlich kommst du heute Abend nach Hause und erzählst mir, dass du jemand Neuen kennengelernt hast.“ Mutter lächelt, und ihre blendend weißen Zähne tun fast in den Augen weh.
„Jesus, Mom, ich brauche eine Sonnenbrille.“ Ich halte mir die Augen zu.
Mom lacht und winkt ab, bevor sie mich in Ruhe lässt. Wieder ein Tag im Sprinkles Dress Shop. Ich liebe meine Arbeit hier und hatte immer die Hoffnung, dass meine Designs eines Tages zu echten Kleidern werden.
„Morgen, Süße.“ Ich begrüße Fiona. Sie ist eine meiner wenigen echten Freundinnen. Ich habe zwar viele Leute um mich, aber die würden einen sofort für ihren eigenen Vorteil über die Klinge springen lassen.
„Oh Schätzchen, ist alles okay bei dir?“, fragt Fiona und eilt auf mich zu.
„Ach was, mir geht’s gut. Solange ich ihn nicht sehen muss.“ Ich drücke sie fest.
Fiona beißt sich auf die Unterlippe und verzieht das Gesicht. „Seine Schwester kommt gleich zur Kleideranprobe. Du weißt doch, dass er immer mitkommt.“ Sie seufzt theatralisch.
„Oh nein, versteck mich, wenn die hier sind.“ Ich sehe in den Spiegel. Meine Haare sind struppig, aber meine Lippen haben das perfekte Rosé-Rot, das ich so liebe.
„Fi!“, kreischt die Höllen-Tussi, während sie durch die Tür stürmt und mich komplett ignoriert. Ihr Bruder ist dicht hinter ihr. „Ist mein Kleid fertig?“ Die rote Glut, die von ihren Ohren ausging, verriet mir, dass sie jeden Moment explodieren würde. Das Ding mit den Teufelinnen ist die Vorwarnung: Wenn sie kurz vorm Ausrasten sind, glühen ihre Ohren.
„Natürlich, gleich hier entlang, Bridget.“ Fiona führte sie zur Umkleidekabine und ließ mich mit ihrem Bruder allein.
Abe stand mit dem Rücken zu mir und tat so, als wäre ich gar nicht da. Ich war gerade dabei, eines der Schaufensterkleider zurechtzurücken, als sich ein Paar starker Arme um meine Taille schlang. „Du weißt, dass du in diesem Kleid hinreißend aussehen würdest.“ Er versuchte, meinen Hals zu küssen.
„Verpiss dich, Abe. Du kannst mich nicht erst betrügen und dann erwarten, dass ich dich zurückwill.“ Ich drücke ihm meinen Ellenbogen in die Brust, um etwas Abstand zwischen uns zu bringen.
„Ach komm schon, Babe, ich hab dich vermisst.“ Er versucht wieder, seine Arme um mich zu schlingen.
„Ja, du hast mich so sehr vermisst, dass du gestern Abend beim Dinner-Dance der Hölle bei Sandy landen wolltest!“ Er dachte wohl, ich würde das nicht herausfinden. Aber die Feen, die im Wind flüstern, haben mir alles gesteckt.
„Babe, Angel-Schatz.“
„Nein, lass das. Ich falle nicht wieder auf deine Masche rein. Ich habe mit Männern endgültig abgeschlossen. Deine Schwester kommt gleich mit ihrem Kleid raus.“ Ich zischte ihm die Worte entgegen.
Er runzelt die Stirn und zieht eine Augenbraue hoch. „Du wirst nie die Liebe finden und nur so ein einsamer Haufen Müll werden, der rumsitzt und uns anderen zuschaut.“ Er zieht angewidert die Lippe hoch, bevor seine Schwester herauskommt. Zum Glück richtet er seine Aufmerksamkeit sofort auf sie.
Mit tränenden Augen mache ich mich an die Arbeit, damit keiner sieht, wie armselig ich mich fühle. Ich suche mir auch immer die falschen Kerle zum Verlieben aus. Der Tag hat gerade erst angefangen, und ich hoffe, er wird besser. Wenigstens scheint die Sonne.
Abe und seine Schwester unterhalten sich. Sie ist immer noch nicht mit dem Kleid zufrieden, obwohl es schon dreimal geändert wurde. Fiona gibt sich alle Mühe, es ihnen recht zu machen, und ich halte mich da raus – mein Einmischen würde alles nur noch schlimmer machen. Bridget mochte mich nie an Abes Seite. Ich glaube, es lag daran, dass er mir mehr Aufmerksamkeit schenkte als ihr. Wir waren drei Monate zusammen, bis ich rausfand, dass er andere Engel mit denselben Sprüchen anbaggerte, die er bei mir benutzt hatte. Eine Pause von Männern wird mir gut tun. Es gibt auf dieser Erde keinen Engel und keinen Teufel, der meine Meinung jetzt noch ändern wird.
Die Geschichte mag süß beginnen, aber bald wird es heiß... richtig heiß. Genießt, was kommt.