Prolog
Drei Monate zuvor
„Es ist mir mittlerweile völlig egal, wer du bist, Schätzchen. Ich werde dich trotzdem wie eine Schlampe ficken und du wirst trotzdem kommen. Abgemacht oder nicht?“
Heilige. Scheiße.
„Nein“, keuchte ich. „Mist, ich meine ja, ich bin nur … wow.“
Seine Finger waren nicht gerade gefühlvoll. Sie fühlten sich an wie illegaler Schnaps aus den Dreißigern. Oder Britney Spears im Radio, als ich noch bei meinen Eltern wohnte. Sie fühlten sich verdammt noch mal verboten an, aber ich wollte nicht nur einen kleinen Schluck. Ich wollte den ganzen verdammten Rest.
„Immer noch süß bis zum Schluss. Das rechne ich dir hoch an.“ Ein mit Whiskey getränkter Atemhauch traf mein Ohr, genau in dem Moment, als ich ihn hart gegen meinen Hintern spürte. Während meines Studiums hatte mich seine Größe noch erschreckt, aber ich war keine Achtzehn mehr. Ich wusste, was Männer wie er mit Frauen wie mir anstellten. Mit seiner großen Hand auf meinem Rücken bewies West es, als er mich mit dem Gesicht voran auf die harte Schreibtischplatte drückte. „Oder ich kann zumindest so tun, als ob.“
Ich brauchte nicht, dass er mich respektierte.
Ich brauchte nur, dass er mich fickte.
„Was immer du willst“, keuchte ich. Ich hasste es, dass ich es ernst meinte.
„Na, das höre ich doch gerne, denn ich habe einiges mit dir vor, Häschen.“ Sein Knurren leckte förmlich an meinem Nacken, und ich wäre fast gekommen, als er zubiss. Fest. Ich wimmerte auf. „Du mochtest früher Geheimnisse. Willst du eins hören?“
Wollte ich nicht. Ich konnte mit Buße durch Penetration umgehen – schließlich war diese spezielle Abrechnung schon immer für ihn bestimmt gewesen. Was ich nicht ertragen konnte, war, ihn wirklich zu kennen. Sein Leben. Seine Wünsche. Seine Gedanken. Seine Sehnsüchte. Seine Träume. Ich konnte es nicht ertragen, daran erinnert zu werden, dass nichts davon jemals mich einbeziehen würde.
Er leckte über die Bisswunde, von der ich wusste, dass sie mein einziges Souvenir von dieser Nacht sein würde, und lachte leise. „Trotz allem habe ich das Gefühl, dass ich dir die Wahrheit schulde, du dreckiges Ding. Stell dir das vor – dass ausgerechnet ich dir etwas schulde.“
Ich zitterte wie ein Kätzchen, das zum ersten Mal in der Welt ausgesetzt wurde, und ich nahm an, der Vergleich traf es ganz gut. Wenn meine Muschi feucht war, wimmerte ich und zuckte zusammen. Und ich war immer nur für meinen Besitzer feucht gewesen. Ich tat etwas so Dummes, dass ich mich morgen bei der Arbeit vor dem Spiegel dafür verfluchen würde – ich wollte wissen, welche Wahrheit er mir schuldete. „W-w-was?“
Er umfasste meinen Hintern fast so fest, wie er mich gebissen hatte, West – „Fuck!“
„Sie kann also doch sprechen“, murmelte er, während sein Finger mein Arschloch umkreiste. Ich lief so rot an, dass mir ganz schwindelig wurde. „Ich frage mich, wozu ich dich noch alles bringen kann.“
Außer Atem und völlig unbeholfen wusste ich nicht, wohin mit meinen Händen, also verschränkte ich sie hinter dem Rücken. Was seine Frage betraf: Solange es mit seinem Schwanz zu tun hatte und nicht mit meinem Herzen, war mir alles scheißegal. „Alles“, rief ich heraus.
„Und was, wenn ich alles will?“, fragte er und drückte sich gegen mich, dort.
Ich erstarrte. Ich hielt verdammt noch mal einfach inne.
Was für eine undurchdringliche Mauer du doch bist, Miss Spencer.
Ich zitterte immer noch auf meinen Zehenspitzen, und mein Herz schlug zehn Schläge schneller als sonst. Plötzlich war die Luft kalt. Meine Brust schmerzte. Und Erinnerungen, die nichts in dem Gefängnis zu suchen hatten, das ich die letzten acht Jahre um mich herum aufgebaut hatte, ergossen sich über den Boden dieses Hotelzimmers.
Reiß dich zusammen. Heul später. Das hier ist geschäftlich.
„Es gehört dir“, flüsterte ich. „Unter einer Bedingung.“
Ich konnte ihn nicht sehen und wusste daher nicht, ob er mich beobachtete oder darauf wartete, dass ich fortfuhr. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und sprach meine letzten Worte für diese Nacht.
„Lass es wehtun.“