Prolog
>>Die Welt hatte Stille gesehen und das Blut gespürt - sie schien alles verloren zu haben. Ihre Menschlichkeit, den Zusammenhalt, das Leben. Nur noch ein letzter Hauch in ihr, nach Katastrophen, Kriegen und dem Hunger nach Macht, der sie zersplittet hatte.
Jahrhunderte lang hatten sich die bestehenden Königreiche bekämpft. Am Ende gab es nur noch Zwölf von ihnen, welche die Waffen vorerst nieder legten. Nicht aus Vertrauen, sondern aus Erschöpfung. Die Ausrottung der vielen Völker stand kurz bevor.
Doch der Frieden war schwer zu wahren.
Einige der Könige schlossen Verbündnisse, andere versuchten sich voneinander fern zu halten. Zwietracht und Angst hatte sich in die Köpfe der überlebenden gebrannt.
Hingegen ihres Misstrautens gegeneinander, waren Elf von Zwölf sich jedoch einig, wer die Schuld und Verantwortung an dem Roten Schleier trug, der die Welt bedeckte: Krehrathak - das Königreich der Dämmerung.
1357 Jahre nach dem Roten Schleier Herrscht König Varon über eines der mächtigsten Königreiche: Alphybien.
Doch auch trotz seiner Stärke, blieb das Land von Kämpfen nicht verschont.
Einige Nationen befanden sich weiterhin im Krieg mit Krehrathak, so auch Alphybien. In mitten einer Schlacht, verlor Varons Frau Manyia ihr Leben. Ein grauer und schrecklicher Tag für das ganze Königreich.
Selbst Kinderlos, begab sich Varon durch sein Reich. Er war am Boden zerstört, aber sein Erbe musste weiter geführt werden. Er nahm sich die Töchter und Söhne der Leute und machte sie zu seinen eigenen. Sieben Mädchen und zwei Knaben waren es an der Zahl, die fortan im Schloss lebten.
Doch hier endet es nicht. Weder das Blutvergießen, noch die Zwietracht.<<
Mit zittriger Hand schloss der alte Mann das in dinkles Leder gebundene Buch. Er hob das junge Mädchen vorsichtig von seinem Schoß und beteuerte ihr auf dem Stuhl neben sich Platz zu nehmen.
"Er hat ihnen einfach ihre Kinder weggenommen?", fragte das Mädchen und leistete seiner Aufforderung folge. Ihr Großvater nickte. "Das hat er."
"Durften sie sie jemals... wieder sehen?"
"Die Kinder ihre Eltern?", fragte der Mann ruhig nach.
"Ja!" Eine unglaubliche Traurigkeit hatte sich auf dem Gesicht des Mädchens niedergelassen.
"Sie durften. Aber nicht sehr häufig. Die Eltern waren gern gesehene Gäste im Schloss. Einige bekamen auch einen Abteil in einem der Anwesen. Aber Kontakt zu ihren Kindern war ihnen nur begrenzt möglich. Sie waren keine Eltern mehr, nur noch Paten" , erklärte er.
Die Kleine wollte gerade zu einem neuen Satz ansetzen, da schritt ihre Mutter in das Zimmer.
"Was für Geschichten erzählst du ihr jetzt schon wieder?", sie lachte zufriede. Bestimmt ging sie zum Tisch, um das braune Buch anzuheben. Es war schwer und schon etwas in die Jahre gekommen, doch füllten immerhin hunderte Geschichten seine Seiten.
"Die Entstehung unserer Welt.", gab er selbstsicher zurück.
"Ach ja?"
"Über den Roten Schleier!", Das Mädchen wirkte ganz aufgeregt.
"Na, dass du mir da Mal keine Albträume bekommst, Gima."
Gima schüttelte heftig mit ihrem Kopf und sowohl der Großvater als auch die Mutter mussten kichern.
Die Frau begab sich vorsichtig zum Kamin-Sims und stellte dort das Buch zwischen vielen Weiteren ab. Sie verharrte einen Moment vor dem warmen, prasselnden Feuer, ehe sie sagte: "Jetzt aber husch husch ins Bett!"
Sie nahm Gima bei der Hand und verließ mit ihr den Raum. Das Mädchen folgte ohne Wiederworte.
Der alte Herr hatte ihnen für einen Augenblick hinterher gesehen, ehe er durch das Fenster in die dunkle, kalte Nacht blickte.
Was für eine schöne Nacht. Dachte er. So friedvoll und still.
>Die Nacht verbirgt, was der Tag geschaffen hat. Sie ist leise, geheimnisvoll und frei.<
Er presste sich seine Hand an die Brust.
"Der Krieg beginnt.... Hernkla, 1256.", flüsterte er und sein Lächeln verschwand.
Ein tiefes seufzen entfuhr seiner Kehle.
"Was soll das für ein Land sein - was soll das für eine Zukunft sein, in der unsere Kinder groß werden."








