Drachenaugen Der Hinterhalt (Leseprobe) by Jadelyn_Kaya at Inkitt
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Drachenaugen - Der Hinterhalt (Leseprobe)

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Summary

Als neue Haremsdame bekommt Fenrir einen Einblick in die politische Arbeit von Freyr. Dieser beginnt, ihr alles beizubringen, was sie dazu wissen muss. Mit dieser Entscheidung sind jedoch einige Frauen in seinem Schloss nicht einverstanden. Neben den zahlreichen und überraschenden Ausflügen, die Freyr mit der jungen Frau unternimmt, freundet sich Fenrir mit einer Fee an. Jedoch scheint jemand etwas dagegen zu haben, dass der König so viel mit Fenrir zu tun hat. Es geschehen Anschläge auf die beiden, die teilweise gerade noch gut gehen. Doch wer steckt dahinter?

Status
Complete
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Die Reise durch Freyrs Königreich hatte einiges in Fenrir hinterlassen. Die ganzen Eindrücke, neue Leute und ein Teil ihrer Vergangenheit veränderten die junge Haremsdame.

Die Angestellten, die mitgekommen waren, bekamen ein paar Tage Ruhe, damit sie sich erholen konnten. Genauso wie die Pferde, die wiehernd ihre Kameraden begrüßt hatten.

Auch König Freyr und Fenrir erholten sich ein paar Tage, bis der Alltag sie wieder einholte. Die junge Haremsdame schlief wieder im Haremsbereich und unterhielt sich ab und an mit Lady Sinon, die noch immer eine Art Mentorin für sie war. Zumindest dann, wenn Fenrir nicht mit dem König unterwegs war.

Irgendwie hatte der Alltag, der bei Fenrir aus Üben, durch den Garten streifen und reiten bestand, etwas Beruhigendes an sich. Nach all den Gefahren, die sie auf der Reise mit Freyr durchgestanden hatte, war es ein befreiendes Gefühl, sich wieder im Schloss zu befinden. Hier fühlte sie sich sicher und beschützt.

Es klopfte an ihrer Zimmertür und Suno huschte hinein. „Guten Morgen, Lady Fenrir“, sagte sie höflich. Sie hatte ein Kleid dabei, das geordnet über ihrem Arm lag. „König Freyr erwartet Euch.“

Überrascht, bereits so früh am Morgen von ihm erwartet zu werden, hob sie ihren Kopf. Sie war gerade dabei gewesen, ein Bild zu malen. Nachdem Aljah ihr das Malen nicht hatte beibringen wollen, hatte Fenrir angefangen, es selbst zu versuchen. Ihre Versuche waren kläglich und sahen meist nicht so aus, wie sie es sich vorstellte, aber es war ein netter Zeitvertreib, wenn Lady Sinon etwas zu tun hatte.

Die junge Haremsdame legte den Stift zur Seite und stand auf. „In Ordnung. Hilfst du mir?“, bat sie ihr Dienstmädchen lächelnd.

Suno erwiderte das Lächeln und hielt ihr das Kleid hin. „Natürlich“, sagte sie, denn dafür war sie da.

Beeindruckt, wie hübsch das Kleid war, zog sich Fenrir aus und ließ sich helfen. Die Grundfarbe des Kleids war überwiegend weiß, doch die rechte Seite war Dunkelblau. Ihre Arme wurden bedeckt und es hatte einen schön geschwungenen Ausschnitt, der einiges von ihrem Dekolleté zeigte, denn der Schnitt war tief angesetzt.

Ihr gefiel das elegant geschnittene Kleid mit dem weiten Rock und sie drehte sich einmal im Kreis, bevor sie sich im Spiegel ansah. „Das ist wunderschön“, sagte sie begeistert und lachte.

Suno musterte sie und nickte schließlich. „Das ist gut so“, bemerkte sie mehr zu sich selbst als zu Fenrir und bat sie schließlich, ihr zu folgen.

Diese war schon gespannt, was der König vorhatte. Ausreiten? Oder eine Weile im Garten verbringen, um sich von der stressigen Arbeit zu erholen?

Elegant folgte Fenrir ihrem Dienstmädchen und sah nach draußen auf den Blumengarten. Es war kälter geworden, doch noch gab es keinen Schnee, weshalb die Blumen noch sichtbar waren. Vielleicht waren diese sogar magisch, sodass sie im Winter blühten.

Suno führte Fenrir in die Privatgemächer des Königs. Dort trafen sie auf Freyr, als dieser gerade fertig mit Anziehen war.

„Guten Morgen, Eure Hoheit. Ich hoffe, Ihr hattet eine angenehme Nachtruhe“, grüßte Fenrir mit funkelnden Augen. So viel sie wusste, war er in der Nacht nicht geflogen und konnte sich so theoretisch ausruhen. Außer, er hatte Zeit mit seinen anderen Haremsdamen verbracht.

Da er sich gerade erst angezogen hatte, ging sie davon aus, dass er noch nicht gearbeitet hatte.

„Ja, das hatte ich“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich möchte, dass du mich heute begleitest“, erklärte Freyr.

„Wohin?“, fragte sie sogleich neugierig und nickte Suno, die sich mit einem Knicks verabschiedete, zu.

„Du wirst mich heute bei meiner offiziellen Arbeit begleiten“, erklärte Freyr genauer.

Fenrirs dunkelgrüne Augen weiteten sich. Meinte er das tatsächlich ernst? Bisher hatte er, wenn überhaupt, Lady Sinon darum gebeten. Seine Lieblingsharemsdame, die wohl auch mehr Geheimnisse als andere wusste.

„Wie Ihr wünscht, Eure Majestät“, sagte Fenrir mit einem Knicks, wobei sie das Kleid ein bisschen zur Seite zog. In ihrer Stimme war freudige Erwartung zu hören.

Freyr reichte ihr den Arm. „Verhalt dich erst einmal ruhig und bleib an meiner Seite.“

Die junge Dame nickte, nahm seinen Arm an und folgte ihm die Schlossflure entlang. Auf dem Weg bedankte sie sich bei ihm für das schöne Kleid. „Es fühlt sich angenehm an“, gestand sie lächelnd und ihr Grinsen wurde breiter, als sie eine Fee um die Ecke huschen sah.

„Es ist für den Anlass angemessen“, behauptete er mit einem sanften Lächeln.

Neugierig wollte Fenrir wissen, um was es bei seiner Arbeit ging und warum ausgerechnet sie dabei sein sollte.

„Ich möchte, dass du lernst, was ich tue“, erklärte er. „Heute gebe ich Audienzen“, informierte er sie.

Stirnrunzelnd warf sie dem König einen Blick zu. „Was ist das?“, fragte sie interessiert. Das Wort kannte sie nicht, weshalb sie keine Ahnung hatte, um was es dabei ging.

„Im Grunde sitze ich auf meinem Thron, empfange Leute und höre mir ihre Probleme an“, erklärte er nüchtern. „Dann versuche ich zu helfen.“

Fenrirs dunkelgrüne Augen strahlten. Darauf war sie unheimlich gespannt. Wie er mit seinen Untertanen umging, wusste sie mittlerweile. Das hatte sie auf der Reise gesehen. „Kommen die Leute aus allen Teilen Eures Königreiches?“, fragte sie interessiert.

„Ja. Es sind auch alle Schichten darunter. Sie kommen, wenn sie ihre Probleme nicht während der Reise an mich herantragen konnten. Manchmal schicken sie auch einen Vertreter“, erklärte er, während er Fenrir durch die Flure führte.

In diesem Bereich war sie bisher noch nicht gewesen, weshalb sie vermutete, dass es ein spezieller Teil des Schlosses war. Obwohl sie hier bereits einige Zeit lebte, hatte sie noch immer nicht das ganze Schloss inspiziert. Einige Teile waren sicherlich auch verboten.

Freyr führte die junge Frau in eine große Halle, wo bereits einige Dienstleute warteten. In der Mitte stand ein großer Thron mit einem kleineren daneben.

Der Thron, auf dem wohl Freyr Platz nehmen würde, war mit zwei Drachen verziert, die sich um die Armlehnen nach oben schlängelten und dort zusammentrafen. Wie elegant und prachtvoll der Thron aus Gold aussah! Es trieb Fenrir Tränen in die Augen, denn Drachen waren einfach wunderschön.

Eigentlich wirkte der Saal eher kalt, weil nicht viel darinstand, doch der rote Teppich, der von der Tür zum Thron führte, gab ein warmes Gefühl. Ganz zu schweigen von den ganzen Drachenstatuen, die alle einzigartig aussahen.

Außerdem gab es noch ein paar Sofas und Stühle an den Seiten, wo man wohl warten konnte.

Freyr führte Fenrir zu dem kleineren Thron und meinte, dass sie sich dort setzen sollte.

Sie wollte fragen, warum seine Frau nicht hier war, denn sie war sicherlich mit diesen Dingen vertraut und hatte bestimmt schon oft geholfen, doch anstatt etwas zu sagen, ließ sich die Haremsdame auf dem Thron, der mit einem weichen Kissen ausgelegt war, nieder.

Er war bequem und sie fühlte sich nicht so schlecht, wie sie gedacht hatte.

Freyr setzte sich neben sie und saß etwas höher.

Fenrir ließ ihren Blick durch den Saal, der noch leer war, schweifen und fragte den König, ob es keinen gab, der mitschrieb und die Dinge, die besprochen wurden, schriftlich festhielt. Davon ging sie zumindest aus, damit alles seine Ordnung hatte.

Freyr deutete zur Seite, wo eine der Haremsdamen saß. Fenrir kannte sie nicht, hatte sie aber schon einmal gesehen.

Die meisten kannte sie nicht mehr vom Namen her. Zwar hatte Freyr ihr diese bei dem Haremsball vorgestellt, doch so viele Namen waren ihr nicht im Gedächtnis geblieben. Nur einige, mit denen sie öfters zu tun hatte.

Beruhigt, dass Freyr jemanden hatte, der mitschrieb, lächelte sie der Haremsdame zu. Diese erwiderte das Lächeln, auch wenn es aufgesetzt wirkte. Unsicher. Als könnte sie mit der aktuellen Situation nicht viel anfangen. Es schien, als wäre es nicht normal, dass Fenrir hier war.

Was wohl auch so war, denn sie war noch zu neu im Harem, als dass sie so eine Ehre bekam. Viele waren schon lange dabei und hatten nicht ein einziges Mal dabei sein dürfen.

Was wohl daran lag, dass Freyr den Leuten vertrauen musste.

Solange sie noch allein waren, sah sich die junge Haremsdame um und lächelte freundlich. Selbst, als der Erste angekündigt wurde, verlor sie nicht ihr Lächeln, sondern setzte sich noch aufrechter hin und legte sittsam ihre Hände in den Schoß.

Sie bemerkte, dass sie ihre Hand auf die Armlehne legen und somit Freyrs Hand spüren konnte, wenn sie das wollte.

Jedoch war sie sich unsicher, ob es angebracht war oder nicht. Er hatte ihr nichts von etwaigen Regeln gesagt. Sie sollte ruhig bleiben und neben ihm sitzen. Das hatte er gesagt und das würde sie tun.

Das große Tor öffnete sich und einer der Diener kündigte einen Fürsten an. Dieser stolzierte in den Raum, verbeugte sich vor König Freyr, bevor er sein Anliegen vortrug.

Es handelte sich um Probleme auf einer seiner Farmen. Freyr hörte zu und versprach, sich darum zu kümmern.

Das ging eine ganze Weile so, bis Freyr schließlich entschied eine Pause zu machen. Eine Dienerin brachte ihm und Fenrir ein Glas Wein.

Nachdenklich betrachtete die junge Frau die rote Flüssigkeit, bevor sie ihr Glas hob und Freyr zuprostete. „Auf nüchternem Magen?“, fragte sie grinsend, denn sie hatte seit den frühen Morgenstunden nichts mehr gegessen. Die Audienz hatte sie aber mit Spannung verfolgt und spürte daher auch kein Hungergefühl. Es war interessant, wie offen die Leute mit Freyr über die Probleme reden konnten und sie fand, dass er gute Arbeit leistete, um die Menschen zu unterstützen.

„Es gibt gleich eine Kleinigkeit“, versprach Freyr, der ihr ein müdes Lächeln schenkte.

Mitleidig streichelte sie ihm kurz über den Arm. „Ihr solltet Euch später ausruhen. Ihr seht nicht aus, als hättet Ihr viel Schlaf bekommen“, meinte sie bedauernd.

„Noch ist mein Tag nicht vorbei“, antwortete er leise seufzend. „Ich nehme erst einmal die Probleme auf, dann muss ich sie noch lösen.“

So, wie sie es verstand, konnte sie ihm dabei nicht helfen, denn er wusste über alles Bescheid. „Das tut mir leid. Ich kann Euch gerne eine Massage geben, wenn Euch das entspannt“, schlug sie vor.

„Im Moment hätte ich gern einfach deine Begleitung“, meinte er lediglich.

Da er nichts anderes wollte, nickte sie und widmete sich ihrem Wein, den sie langsam und genüsslich trank. Viel vertrug sie nicht, vor allem, wenn sie nichts im Magen hatte und betrunken wollte sie nicht vor die Leute treten, doch wenn sie ihn so langsam trank, war es in Ordnung. Zudem war er mit Wasser gemischt und eine Dienerin kam, um ihnen kleine Häppchen zu servieren.

Sie waren hübsch auf dem Tablett angerichtet, sodass man sie ganz einfach mit den Fingern nehmen konnte. Das war praktisch, wenn Freyr mit der Audienz weitermachen wollte.

Genüsslich aßen sie zusammen die kleinen Häppchen, bevor Fenrir sich zurücklehnte. „Ich finde Eure Arbeit spannend“, gab sie zu.

„Manchmal ist sie das, aber eher selten“, seufzte Freyr. „Oft das Gleiche und Langweilige.“

Beruhigend und mitleidig legte Fenrir eine Hand auf seinen Arm, bevor sie der Haremsdame, die ebenfalls ein Tablett mit Essen bekommen hatte, einen kurzen Blick zuwarf. „Nicht immer“, flüsterte sie Freyr zu. Die nächtlichen Ausflüge waren immer interessant und erholend, wenn sie nicht angegriffen wurden.

Freyr schmunzelte. „Der Tag ist noch lang“, bemerkte er und lehnte sich etwas zurück.

Das war ihr bewusst. Es war noch nicht einmal Mittag, sondern früher Vormittag. Was er noch so alles zu tun hatte, konnte sie sich nicht vorstellen. Ob die Audienz den ganzen Tag anhalten würde?

Wenn er die Probleme dann auch noch lösen wollte, hatten sie einiges zu tun.

Jedoch war das auch Abwechslung für Fenrir, die sonst immer etwas suchte, um sich zu beschäftigen. Ob sie Freyr dabei helfen konnte, die Probleme zu lösen? Sie wusste es nicht genau.

Dazu kannte sie sich in seinem Königreich zu wenig aus, um etwas zu wissen. Wie die Bodenbegebenheiten von Farmen oder andere Dinge waren, war fremd für sie, aber wenn Freyr sie einfach dabeihaben wollte, fand sie das in Ordnung. Wenn er sie um Hilfe bat, würde sie etwas sagen, ansonsten, wie er es angeordnet hatte, schweigen.

Während sie auf die nächsten Leute warteten, dachte sie darüber nach, dass ausnahmslos alle, die hierhergekommen waren, Fenrir genau unter die Lupe genommen hatten. Ihre Verunsicherung hatte sie sich nicht anmerken lassen, sondern hatte stets gelächelt.

Der Tag verging und es wurde später Nachtmittag, als endlich alle Leute durch waren. Freyr streckte sich und meinte, dass sie jetzt erst einmal richtig essen würden.

Leise quietschte Fenrir, als sie es Freyr gleichtat. Lange Zeit hatte sie still gesessen, doch jetzt sehnte sie sich danach, sich körperlich zu betätigen. „Eine gute Idee. Danach würde ich gerne mit Kaila üben, solltet Ihr mich nicht mehr brauchen.“

„Ich würde dich gern noch bei mir haben, bis wir fertig sind und dann gemeinsam eine Übungseinheit machen“, meinte Freyr, der mit ihr zusammen in ein kleines Speisezimmer ging.

„Einverstanden“, erwiderte die junge Frau, obwohl sie wusste, dass es keine wirkliche Frage war und ließ sich auf dem Stuhl, den er ihr zurückzog, nieder. Der Tisch war mit reichlich Köstlichkeiten gedeckt, die ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen.

„Iss so viel zu willst“, meinte Freyr, der ebenfalls riesigen Hunger hatte.

„Wie Ihr befiehlt“, grinste Fenrir vergnügt und nahm sich von den beiden Fleischsorten etwas auf ihren Teller. Dazu kamen noch Kartoffeln und ein grünes Gemüse, dessen Namen sie stets vergaß. Dazu Soße.

Freyr wurde eine schwarze, dampfende Flüssigkeit in einer Tasse gereicht. „Möchtest du auch einen Kaffee? Der macht wach.“

Stirnrunzelnd sah Fenrir auf das Gebräu und schüttelte sich. Das sah aus, als würde man Erdöl trinken. „Ich möchte es kosten“, sagte sie dennoch, denn bisher hatte sie alles probieren wollen, was man ihr vorgesetzt hatte.

„Man kann Zucker und Sahne reinmachen“, erklärte Freyr und reichte ihr seine Tasse zum Kosten.

Eingängig wurde die Tasse mit der schwarzen Flüssigkeit von Fenrir inspiziert, bevor sie daran roch. „Das riecht bitter“, behauptete sie und nippte kurz. Daraufhin verzog sich ihr hübsches Gesicht angewidert. „Wie könnt Ihr so etwas trinken?“, fragte sie schaudernd und nahm dann Sahne, die sie in die Tasse gab und ein bisschen Zucker, bevor sie darin herumrührte.

Freyr lachte. „Es macht wach“, sagte er mit einem Grinsen, als würde er sich an ihrer Reaktion erfreuen.

„Ihr seid schadenfroh“, behauptete Fenrir verächtlich und nippte noch einmal an der Tasse. Erneut schauderte sie und löffelte sich mehrmals Zucker sowie noch mehr Sahne hinein, bis die Tasse beinahe überlief. Als sie erneut probierte, schauderte sie zwar immer noch, meinte aber, dass es wenigstens trinkbar war.

Erneut lachte Freyr. „Du musst es nicht trinken“, meinte er beruhigend.

„Jetzt, nachdem ich endlich eine Mischung gefunden habe, trinke ich es auch“, erwiderte Fenrir grinsend, schauderte aber dennoch jedes Mal, wenn sie den Kaffee trank.

Sein spitzbübisches Grinsen entging ihr nicht, weshalb sie mit der Zunge schnalzte und ihn tadelnd ansah. „Ihr amüsiert Euch auf meine Kosten“, bemerkte sie und aß weiter.

„Ja, das tue ich“, stimmte er ihr zu und klang nicht, als wäre er sich irgendeiner Schuld bewusst.

Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Wer auch immer dieses Getränk erfunden hat, leidet unter Geschmacksverirrung“, behauptete sie schaudernd und trank in einem Zug den Kaffee leer. So litt sie wenigstens nur einmal. Danach verzog sich ihr Gesicht erst recht und sie hob die Serviette an den Mund.

„Ich mag es“, meinte Freyr, der einen Schluck nahm und lächelte.

Vielleicht würde sie sich eines Tages daran gewöhnen. Bisher hatte sie noch nie ihr Gesicht so verzogen. „Ihr sagtet, er macht einen wach? Wie genau meint Ihr das?“, wollte sie wissen und legte die Serviette fein säuberlich wieder auf ihren Schoß.

„Darin ist eine Substanz, die dafür sorgt, dass man sich wacher fühlt“, erklärte Freyr schulterzuckend. „So genau weiß ich das auch nicht.“

Mit der Antwort war ihr Wissensdurst jedoch noch nicht gestillt. Ihre Augen inspizierten den Süßigkeitenteller, bevor sie sich eine kleine Praline nahm. „Aus was besteht … Kaffee denn? Wie wird er hergestellt?“, wollte sie wissen, steckte sich die Praline in den Mund und seufzte glücklich, als die Süße ihren Gaumen berührte. Das war nach dem Kaffee wirklich nötig.

„Aus Kaffeebohnen. Sie werden geröstet und dann wird heißes Wasser mit dem Pulver aufgebrüht“, erklärte Freyr kurz angebunden. Er hatte sich allerdings noch nie einen Kaffee selbst gemacht. „Ich besitze Kaffee-Plantagen. Wenn du willst können wir dort gern einmal hin.“

Diese Aussage war ganz nach ihrem Geschmack. Zufrieden, wieder etwas zu lernen, nickte sie und bedankte sich für das Essen. Jetzt fühlte sich Fenrir für den Rest des Tages gestärkt.

„Dann ziehen wir uns gleich in mein Arbeitszimmer zurück“, meinte Freyr, der noch ein Stück Kuchen aß.

Geduldig wartete Fenrir, bis er fertig war und trank in der Zwischenzeit ein Glas Wasser. Sie fühlte sich durstig, dabei war das Essen nicht zu scharf gewesen. Möglicherweise lag es an der trockenen Luft.

Freyr trank indes eher Tee und Wein, was Fenrir verwunderte, aber da er der König war und somit alle Rechte besaß, sagte sie nichts dazu, sondern lächelte.

„Was müsst Ihr in Eurem Arbeitszimmer tun?“, fragte sie nachdenklich. Dort war sie auch noch nicht gewesen, weshalb sie neugierig war, was dort geschehen würde.

„Dort werde ich Lösungen für die Probleme finden und sie hoffentlich beheben“, meinte Freyr seufzend.

Seine Art ließ Fenrir erneut mitleidig werden, weshalb sie aufstand und zu ihm kam. Sie legte ihre Arme um den Oberkörper des Königs und ihr Kinn auf seinem Kopf. „Ich hoffe, ich kann Euch irgendwie behilflich sein“, murmelte sie und küsste vorsichtig sein Haar. Noch nie zuvor hatte sie das getan, doch in diesem Moment fühlte es sich so an, als könnte sie ihn damit beruhigen und entspannen. Was wohl nicht der Wahrheit entsprach, aber Fenrir folgte oft ihrem Gefühl.

„Bleib einfach bei mir und hör dir meine Ideen an“, bat Freyr und hob die Hand, um durch ihr silbernes Haar zu fahren.

„Was auch immer Ihr wünscht, Hoheit“, murmelte sie in sein Haar und genoss seine Geste. Einige Sekunden blieb sie so stehen und richtete sich schließlich wieder auf. „Lasst uns Eure Arbeit fortsetzen“, meinte sie mit einem kurzen Lächeln. „Übrigens zählt dieser Kuss auf Euer Haar nicht“, bemerkte sie, da die Wette noch immer zwischen ihnen bestand.

Ein raues Lachen ertönte. „Ich hätte ihn auch nicht mitgezählt“, meinte er verschmitzt grinsend, bevor er sich erhob.

„Sehr gut“, sagte sie zufrieden und fuhr ihm über die Haare. „Wir sollten einen Vertrag aufsetzen, in dem genau steht, um was es bei der Wette geht. Dann hätten wir es schwarz auf weiß“, erwiderte Fenrir vergnügt und ging an das Fenster, um sich von dort den Wasserfall und den Fluss anzusehen, der in der Nähe war.

„Das können wir tun“, meinte Freyr, der sich kurz neben sie stellte und ihr erneut durch die Haare fuhr. Er liebte das einfach. Es beruhigte ihn sehr.

Verschmitzt sah sie den König von der Seite an und seufzte dann. „Geht es Euch nach der Reise wieder besser? Sie war ziemlich anstrengend“, bemerkte Fenrir, die sich nur widerwillig vom Fenster löste, aber seine Arbeit wartete nicht, weshalb sie diese fortsetzen sollten.

Er legte ihr eine Hand auf den Rücken und schob sie leicht, damit sie losgingen. „Es geht mir besser“, versicherte er, da er sie beruhigen wollte.

Misstrauisch warf sie ihm einen Blick zu, als würde sie sich vergewissern wollen, ob es stimmte, was er sagte. Dennoch widersprach sie nicht, sondern ließ sich von ihm zu seinem Arbeitszimmer führen.

Es war gemütlich eingerichtet. Ein Kamin, mehrere Bücherregale und eine kleine Sitzecke neben dem Schreibtisch.

So hatte sie sich sein Arbeitszimmer nicht vorgestellt. Zumindest nicht so … gemütlich. Auch hier fanden sich Drachen. Vor allem in Form von Gemälden und einem Wandteppich, der hinter seinem Schreibtisch stand. „Ein hübsches Zimmer“, gab sie zu und sah sich neugierig um.

„Danke. Ich verbringe viel Zeit hier“, gestand Freyr. „Daher sollte es auch gemütlich sein.“

Das war verständlich und Fenrir drehte sich amüsiert zu ihm um. „Lasst uns keine Zeit verschwenden“, sagte sie energiegeladen und voller Tatendrang.

Freyr schmunzelte und deutete, dass sie sich auf den Sessel setzen sollte. „Ich lese dir die Probleme alle noch einmal vor“, erklärte er und deutete auf den Stapel Papiere, die auf dem Tisch lagen.

Die Haremsdame, die mitgeschrieben hatte, hatte diese wohl in der Zwischenzeit hierhergebracht.

Wie gewünscht, ließ sich Fenrir im Sessel nieder und nickte ihm zu, dass er anfangen konnte. Ihre Hände hatte sie im Schoß gefaltet und wirkte, als würde sie diese Aufgabe jeden Tag machen.

„Kannst du eigentlich lesen?“, fragte Freyr nachdenklich. Eigentlich konnte auch sie vorlesen.

„Ich denke“, meinte Fenrir. Zumindest hatte sie Büchertitel lesen können.

Freyr nickte, erhob sich und reichte ihr eines der Dokumente. „Versuch es mal“, bat er.

Dieses nahm Fenrir an und vertiefte sich darin. Glücklicherweise hatte die Haremsdame eine hübsche Handschrift, weshalb sie keine Probleme hatte, diese zu identifizieren. Sie begann, die Niederschrift vorzulesen.

Freyr schloss die Augen und hörte ihr zu. Es ging um Probleme in einem Dorf, das zu einem Fürsten gehörte, der sich auf Weizenanbau spezialisiert hatte.

Ohne zu unterbrechen, las Fenrir in einem gemächlichen Tempo vor. Nicht zu schnell, sodass man alles verstehen konnte, aber auch nicht zu langsam, sodass er einschlief.

Einige Wörter darin sagten ihr überhaupt nichts, doch sie fragte nicht nach, um ihn nicht in seiner Konzentration zu stören. Es schien, als konnte sich Freyr so etwas ausruhen, wenn sie las. Das erkannte Fenrir, weil sie ab und zu in einer kurzen Atempause zu ihm sah.

Dann war das erste Problem vorgelesen und Freyr erhob sich, bevor er im Zimmer auf und ab lief.

Die junge Haremsdame senkte das Blatt und sah ihm schweigend nach, um ihn nicht zu stören.

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