Kapitel 1 - Es war Einmal...

... ein Königreich, das den Namen Albion trug. Dort verteidigte einst ein Herrscher mit einem magischen Schwert tapfer sein Reich gegen seine Feinde und brachte ihnen eine Zeit des Friedens. Er heiratete eine edle Dame aus einem anderen Königreich hinter dem Meer, eine Schönheit genannt Guinevere, deren Anblick selbst die tugendhaftesten Herzen zum Stolpern brachte. Zu ihrer Seite stand dem Königspaar ein weiser Mann, bekannt im ganzen Lande als der Zauberer Merlin.
So begab es sich zu einer Zeit, in welcher der König und die Königin ihre Feinde besiegt hatten, dass König Artus und seine Gemahlin voller Glückseligkeit ihr erstes Kind erwarteten. Nur kurze Zeit darauf, an einem zarten Frühlingsmorgen, wurde ihnen eine wunderschöne Tochter geboren, die sie liebevoll Aurelia nannten, denn das bedeutete ‘die Goldene’ und sie war ihr größter Schatz. Das ganze Land frohlockte und feierte die Geburt der Prinzessin. So war es verständlicherweise des Königs Wunsch, seiner Tochter ein großes Fest auszurichten.
Jeder mit Rang und Namen war zu Gast im Schloss von Camelot und sie feierten drei Tage und drei Nächte und tanzten unter Sonne und blinzelnden Sternen. Sogar die 12 Feen des Reiches kamen zur Feier und unter ihnen war die Herrin von Avalon, Nimue, höchstselbst. Nur die 13. Fee wurde nicht geladen, denn jene war Gebieterin des Dunklen Hofes und hatte sich finsterer Magie verschrieben.
Ein jeder brachte der Prinzessin Gaben dar, ganz gleich ob Bauer oder Adelsmann. Bald schon stapelten sich die Geschenke von nah und fern und schließlich waren die Feen an der Reihe. Doch Feen, sind nicht geschaffen für weltliche Dinge und fühlen sich nicht hingezogen zu Tand und Geschmeide, wie es die Menschen tun. So waren ihre Gaben keine Kisten voller Gold, Stoffe aus dem Morgenland oder schimmerndes Geschmeide, sondern anderer Natur.
Die erste der Feen schenkte der Königstochter wohlwollend die Schönheit einer erblühenden Rose. Die nächste das Glück tausender Blätter von frischem Klee, die dritte schenkte ihr das Geschick einer Katze... und so fuhren sie mit ihren Segen und Gaben fort, bis nur noch die Herrin von Avalon selbst übrig geblieben war.
Gerade ward die schöne Zauberin an die Wiege der Prinzessin getreten, da verdeckten mit einem Mal finstere Wolken den goldenen Schein der Sonne. Unter dem lauten Tosen des Windes und unheilvollem Donnergrollen, erschien ungebeten die 13. Fee auf dem Fest. Voller Zorn und Groll, darüber, dass nur sie nicht eingeladen worden war, sprach sie einen dunklen Fluch über das unschuldige Kind:
An ihrem 16. Geburtstag sollte das Mädchen sich an einer Spindel in den Finger stechen und sterben.
Kaum ausgesprochen und ihr dunkles Werk vollbracht, entschwand sie mit schallendem Gelächter, sich ihrer Rache für die Kränkung bereits gewiss.
Voller Sorge um das Leben seines Kindes brauste der König Artus auf. Er erklärte die Fee zum Feinde Camelots und ward augenblicklich bereit, mit dem magischen Schwert gegen die Fee zu ziehen, denn würde er sie finden und töten, so könne sich ihr finsterer Zauber unmöglich erfüllen. So wollte er auch ihr mit Excalibur das finstere Leben nehmen. Selbst der Zauberer Merlin vermochte es kaum, den König zu beschwichtigen.
Da trat die Herrin von Avalon und weiseste der Feen an das Königspaar heran und bot ihnen Hilfe dar, denn sie hatte ihr Geschenk bislang nicht vergeben. Konnte sie den finsteren Fluch auch nicht lösen, wollte sie jenen wenigstens mildern: So sollte sich das arme Mädchen nicht in den Finger stechen und sterben, sondern nur für 100 Jahre in einen tiefen Schlaf fallen.
Was sich milde anhören mochte, konnte den Kummer im Herzen der Eltern kaum zügeln. Denn anders als das Volk der Feen waren die Menschen und ihr Leben nicht von endloser Dauer. So befahl der König, alle Spinnräder im ganzen Lande zu sammeln und zu verbrennen.
Sieben Tage und Sieben Nächte sammelten Bauern und Soldaten, Feen und Kobolde jedes Spinnrad in den abgelegensten Ecken des Reiches. Bald schon loderten große Scheiterhaufen in jeder Stadt und jedem Dorf und die Berge von brennenden Spinnrädern erhellten die Nächte, bis auch das letzte zu Asche zerfallen war.
Doch dem König und der Königin war noch immer schwer ums Herz. Sie wollten ihre liebste Tochter nicht verlieren und es plagten sie des Nachts finstere Träume.
Damit die armen Eltern ihr Glück wiederfinden mochten, nahm die Herrin des Sees das Mädchen mit sich nach Avalon, damit sie dort in Sicherheit leben konnte, bis ihr 18. Lebensjahr vorüber und die Gefahr gebannt wäre.
Aber das Schicksal kann man nicht betrügen.
Trotz Nebel und verborgenem Heim, verbrannten Spinnrädern und Sorg von Feen und Menschen, konnten sie alle Aurelia nicht vor dem Unvermeidlichen bewahren.
Und so kam es, wie es vorhergesagt worden war...








