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Allan und Em

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Summary

Wie viel bist du bereit zu opfern, für die, die du liebst? Als Emmi nach Schottland zurückkehrt, ist sie auf der Flucht. Vor den Erwartungen ihrer Eltern, dem Leben und sich selbst. Doch in dem Küstenstädtchen lauern alte Erinnerungen. Und Allan. Allan, der sich jeden Sommer ihrer Kindheit ein wenig mehr in ihr Herz geschlichen hat. Der all ihre Geheimnisse kannte, aber seine eigenen nie preisgegeben hat. In dessen Leben kein Platz mehr ist. Nicht für Emmi. Doch kann man Gefühle einfach beiseite schieben? Kann man die Vergangenheit vergessen? Eine Geschichte über Familie, Verantwortung, Selbstfindung und natürlich die Liebe...

Status
2yrs ago
Chapters
16
Rating
5.0 (1 review)
Age Rating
18+

Prolog

Vor 4 Jahren…

Allan


Ich schließe die Augen, blende die Stimmen um mich herum aus, das Prasseln des Feuers, das leise Platschen der Wellen gegen die Felsen. Langsam stoße ich den Rauch aus, beobachtete, wie er sich im Schein der Fackeln auflöst. In meinem Kopf breitet sich immer mehr der dichte Nebel aus, der es als Einziger schafft, meine ständig rasenden Gedanken zu beruhigen. Anzuhalten. Irgendwohin zu drängen, wo sie mich nicht mehr erreichen können.

Ich weiß, das Gefühl wird nicht lange anhalten. Bald wird es sich wieder auflösen, genau wie der Rauch über mir, oder die Gischt am Fuss der Klippen. Doch das ist egal. Im Moment zählt nur die Ruhe in meinem Kopf, die Wärme, die durch meinen Körper fließt.

„Hey, Al...“ Ich schaue nach links, sehe Nial, der sich neben mich setzt, ein Bier in der Hand. „Alles klar?“

Nickend ziehe ich ein weiteres Mal an dem Joint und reiche ihn dann an ihn weiter.

„Und bei dir?“

Er nickt ebenfalls, als er eine dicke Rauchwolke ausstößt. „Klar. Immer.“

Er lügt. Genau wie ich. Das wissen wir beide. Mein Blick gleitet kurz über sein Gesicht, über die lila Verfärbung unter seinem Auge und die geschwollene Unterlippe. Dann schaue ich wieder weg, betrachte die Flammen, die sich knackend durch die Zweige fressen.

„Und? Haust du ab?“ Frage ich, obwohl ich die Antwort kenne.

Die Flasche am Mund, nickt er, trinkt und nimmt einen weiteren Zug.

„Ja.“ Sagt er, heiser vom Rauch. „Morgen bin ich weg.“

Ich nehme den Joint zurück. „Wohin?“

Er zuckt mit den Schultern. „Egal. Hauptsache weg von dem Wichser. Vielleicht nach Glasgow. Ein Kumpel von Ed wohnt dort. Und dann weiter. Nach London. Oder gleich nach Frankreich.“

Ich nicke, schweige, ziehe noch einmal, bevor ich den Stummel ins Feuer schnippe. Nial legt seine Dose ins Gras, betrachtet mich von der Seite.

„Und du?“

Ich starre auf meine Hände, zucke mit den Schultern.

„Ich bleibe.“

Kurz ist es still, dann zischt es. Dann nochmal. Ich schaue auf, Nial hält zwei volle Bierdosen in der Hand, keine Ahnung, wo er die her hat, eine davon hält er mir hin. Ich schüttel mit dem Kopf, will ablehnen, aber er drückt sie mir gegen die Brust.

„Komm schon. Eins. Darauf, dass die Scheiße endlich ein Ende hat.“

Ich seufze, zögere und greife dann doch danach. Stoße mit ihm an. Darauf, dass er bald keine blauen Flecken mehr hat.

„Du könntest mitkommen.“ Murmelt er.

Kopfschüttelnd nehme ich einen weiteren Schluck. „Kann ich nicht.“

Er seufzt. „Sicher?“

„Sicher.“

„Scheiße.“

Ich lache. Kurz. Bitter. Und trinke weiter, weil ich genau das heute nicht will. Kein Down. Ich will einfach nur die Gleichgültigkeit zurück, die Wärme, die Watte in meinem Kopf.

„Dann versprich mir, dass du nachkommst. Wenn du kannst. Irgendwann.“

Ich schnaube spöttisch, und nicke dann, während ich an dem Verschluss der Dose herumspiele. „Klar.“ In 10 Jahren vielleicht...

„Cool...“

Wir wissen beide, dass das nicht passieren wird. Aber wir wissen auch beide, dass es einfacher ist, sich anzulügen.

Ich trinke das Bier aus, stelle meine Dose zu seiner auf den Boden und hole meine Kippen aus der Tasche. Schweigend halte ich Nial die Schachtel hin.

„Danke, Mann.“

Ich nicke nur, nehme mir selber eine, zünde sie an.

„Kommst du noch mit zu Leo?“ Fragt Nial zwischen zwei Ringen aus Rauch, die er mit dem Mund formt.

„Nein. Ich hau bald ab.“

„Schon?“

„Ich muss früh raus. Hab ’n Job.“

„Morgen? Dein Ernst?“

Ich nicke wieder, ziehe an meiner Kippe.

„Das ist... auch scheiße. Echt, Mann...“ Nial schüttelt den Kopf, verzieht mitleidig den Mund. „Und ich dachte, ich sei der, mit dem beschissensten Leben.“

Ich muss lachen. Diesmal wirklich.

„Keine Angst. Du hast definitiv die volle Punktzahl erreicht.“

Er schnaubt. „Ich weiß nicht... morgen, Mann, morgen ist Sonntag.”

Grinsend schaue ich auf, deute auf sein blaues Auge. „Dafür sehe ich nicht so scheiße aus, wie du.“

Sein Mundwinkel zuckt, er hält mir die Faust hin. „Einigen wir uns auf ein Unentschieden.“

Ich zögere kurz, stoße dann mit meiner dagegen.

„Ok.“

„Ok. Cool.“

Mein Blick gleitet wieder zum Feuer. Funken sprühen, als krachend ein paar Äste zusammensacken. Irgendwer schmeißt neues Holz auf den Haufen, verbrennt sich dabei fast den Arm.

„Idiot...“ Murmelt Nial und stößt mit dem Fuß gegen die Bierdosen, die scheppernd umfallen. „Shit... Ich glaub, ich brauch‘ noch Eins.“ Er greift nach den Dosen und steht auf. „Du auch?“

Ich schüttel den Kopf.

Er nickt, wendet sich ab, und dreht sich dann doch nochmal zu mir um. „Hey...“

„Hm?“

„Ich hab das ernst gemeint eben. Dass du mit kommen kannst. Oder nachkommen. Wie auch immer.“

Ich starre in die Flammen. „Ja. Ich weiß.“

„Gut.“ Er nickt wieder. „Das war nicht das letzte Mal, dass wir zusammen Einen geraucht haben, oder?“

Kopfschüttelnd schaue ich zu ihm hoch. Er hat definitiv schon mehr als die zwei Bier gehabt. „Nein. Sicher nicht.“

„Ok. Cool. Weil... Das wär echt scheiße... Im Ernst. Ich... Ich werd nie vergessen, wie du dem Arschloch die Nase gebrochen hast. Damals. In der 8. Ehrlich. Das werd ich nie vergessen.“

“ Er hatte es verdient.“ Murmele ich zwischen zwei Schlucken.

„Jo. Sicher. Hat nur sonst keinen interessiert.“

Ich trinke noch einen Schluck, warte, dass er geht. Doch er zögert. Für einen Moment befürchte ich, er wird sentimental. Aber dann nickt er einfach nur, hält mir ein weiteres Mal die Faust hin und verschwindet irgendwo zwischen den Leuten in Richtung Wasser, wo der Alk ist.

Ich schaue wieder auf die Flammen, Nials Worte in meinem Kopf.

Du könntest mitkommen. London. Oder Frankreich. Du könntest mitkommen.

Ich weiß, er hat es genauso gemeint. Er würde mich mitnehmen. Hätte ich ja gesagt, würde er mich morgen mit zum Zug schleifen.

Genervt von mir selbst, reibe ich mir übers Gesicht, zögere kurz und greife dann nochmal nach dem Tütchen in meiner Jackentasche. Scheiß drauf. Ich will die Watte zurück. Die Wärme, die Taubheit, die Gleichgültigkeit.

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Good Writing

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