I Want You: Blühte & Rache

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Summary

Es sind mehrere Wochen vergangen, nachdem Amanda den Mord an Emily aufdecken konnte. Die Tatsache, dass ihr bester Freund Jasper der Mörder war, hat sie verändert. Sie zieht sich von Shane zurück und versucht im Alleingang einen neuen Hinweis zu folgen, der mit Emily zu tun haben könnte - und auf etwas viel größeres hindeuten. Dabei trifft sie auf den mysteriösen Ace, der ihr schöne Augen macht. Es kommt zum Konflikt zwischen ihm und Shane, der Amanda an seiner Seite haben will.

Status
Complete
Chapters
20
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Neues Semester

Das neue Semester hatte begonnen, und mit ihm die unausweichliche Erkenntnis: Egal, wie schrecklich die Dinge hier in Bright Falls auch sein mögen, die Welt dreht sich weiter, als wäre nichts geschehen. Emily’s brutaler Mord hatte zwar einen kurzen Schock ausgelöst, doch mit der Weihnachtszeit und dem Stress der Prüfungen war das Grauen hinter einer dicken Schicht Alltagsroutine verschwunden. Die Studenten schienen alles verdrängt zu haben – oder wollten es nicht sehen.

Innerhalb der Mauern der Bright Falls Universität war es fast so, als wäre Emily nie Teil dieser Welt gewesen. Der Campus vibrierte wieder in seinem gewohnten Rhythmus aus Vorlesungen, Partys und ambitionierten Instagram-Posts. Es war die tragische Arroganz dieser Institution: Ein dunkles Geheimnis wird unter den Teppich gekehrt, solange die Fassade glänzt.

Ich verbrachte die Feiertage mit Shane. Weder er noch ich hatten Lust, uns in die warme, aber komplizierte Umarmung unserer Familien zu begeben. Die Zeit zu zweit war ein kleiner Trost, ein Moment, in dem wir ohne die ständige Bedrohung eines Mörders im Nacken durchatmen konnten. Doch so sorgenfrei waren wir nicht. Die Notizen, die wir in Emilys Zimmer gefunden hatten, warfen einen unheilvollen Schatten auf die Universität – und auf Emily selbst.

„Rotschopf!” Tessa unterbrach meinen Gedankenfluss mit ihrer typischen direkten Art. Ich saß mit ihr in der Cafeteria, das Mittagessen vor mir kaum angerührt. Sie legte ihr Besteck ab und strich sich ihre pechschwarzen Haare hinter die Ohren, während sie mich anstarrte. „Hast du vor, zum Neujahrsball zu gehen?”

Ich verschluckte mich fast an meinem Kaffee. „Was? Ein Ball?” Ein kurzer Lacher entkam mir. „Ich? In einem Kleid und mit High Heels? Träum weiter.”

Tessa rollte mit den Augen. „Komm schon, warum nicht? Ich helfe dir sogar, ein Kleid auszusuchen!” Sie zog ihr Handy hervor und zeigte mir ein Foto eines funkelnden rosafarbenen Kleides. Der Preis, der daneben stand, ließ mich innerlich zusammenzucken.

„Ja klar”, sagte ich trocken, „wenn ich im Lotto gewinne.”

Tessa grinste. „Kein Problem, ich kaufe es dir.”

„Vergiss es.” Ich schüttelte energisch den Kopf. „Das ist viel zu teuer. So ein Kleid könnte ich mir nicht mal mit drei Monatsgehältern leisten.” Und das war nicht einmal übertrieben. Das Zimmer bei den Bulldogs kostete mich bereits genug – ein Luxus, den ich mir nur mit Mühe leisten konnte, weil ich keine Vollzeitmitgliedschaft in der Verbindung hatte. Nicht, dass ich das wollte.

„Dann leih ich’s dir!”

„Tessa”, sagte ich entschieden, „es geht nicht nur um das Kleid. Ich will einfach nicht zu diesem Ball.”

„Warum nicht?” Sie zog die Stirn kraus. „Girl, du hast den heißesten Typen der Uni an deiner Seite. Shane Blackwood! Geh mit ihm.”

„Er hat mich nicht gefragt”, sagte ich und wandte den Blick ab. Das war natürlich gelogen. Shane hatte gefragt und ich hatte abgelehnt. Bälle und Partys waren nicht mein Ding. Ich konnte nicht tanzen und hatte keine Lust, mich dort unwohl zu fühlen.

Tessa ließ sich nicht abschrecken. „Dann frag du ihn. Jetzt gleich.”

Ich schüttelte vehement den Kopf. „Nein.”

Die Diskussion verstummte für einen Moment. Ich nahm einen weiteren Schluck Kaffee und starrte aus dem Fenster. Der Schnee, der die Gebäude der Universität bedeckte, wirkte trügerisch friedlich.

„Er ist heute bei seinem Vater”, sagte ich schließlich, als wollte ich die Richtung des Gesprächs ändern.

Tessas Ausdruck wurde vorsichtig. „Wegen der Sache?”

„Jap.” Ich seufzte schwer. „Sein Vater wird ihm den Kopf abreißen. Aber ich verstehe nicht, warum er daraus so ein Drama macht.”

Tessa zuckte mit den Schultern. „Naja, Shanes Vater hat die Tigers gegründet. Dass Shane rausgeworfen wurde, ist ein Schlag ins Gesicht für die ganze Verbindung.”

Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. „Es ist meine Schuld. Hätte ich nicht Drake Mendes beschuldigt, hätte Shane noch ihr Vertrauen.”

Der Gedanke ließ mich nicht los. Wie hatten die Tigers überhaupt herausgefunden, dass Shane mit mir gegen seine eigenen Leute ermittelt hatte? Vielleicht lag es daran, dass wir jetzt offiziell ein Paar waren. Vielleicht hatte Sarah in jener Nacht geplaudert, als sie Shane verzweifelt suchte.

Beim Verlassen der Cafeteria begegneten wir genau der Person, die ich am wenigsten sehen wollte: Drake Mendes. Er musterte mich mit kalten, abfälligen Augen, während er seinen Müll wegwarf. Ohne ein Wort verschwand er, genauso schnell, wie er gekommen war.

„Der ist ja noch richtig angepisst”, bemerkte Tessa und zog mich ein Stück beiseite.

„Kannst du es ihm verübeln?” Ich seufzte. „Ich habe ihn wegen Mordes beschuldigt. Er hat Emily geliebt, und ich habe sein Herz mit meiner Anschuldigung gebrochen. Er wird mir das nie verzeihen.”

Tessa legte ihren Kopf schief und musterte mich neugierig. „Und was ist mit den Notizen von Emily? Die, die du gefunden hast? Habt ihr schon weiter ermittelt?”

Der Gedanke an die zerknitterten Blätter ließ meinen Magen sich zusammenziehen. „Es geht mich nichts an. Jasper war der Mörder, das reicht mir. Was Emily vor ihrem Tod herausgefunden hat, sollte mit ihr begraben bleiben.”

Tessa zog eine Augenbraue hoch. „Du willst also wirklich nicht wissen, warum Jasper sie getötet hat? Diese Zettel könnten Antworten liefern.”

Ich hielt inne, spürte das vertraute Feuer in mir auflodern – jenes unbändige Bedürfnis, die Wahrheit zu finden, egal wie unangenehm sie war. Doch dieses Mal kämpfte ich dagegen an.

„Manchmal”, begann ich langsam, „ist es besser, Dinge nicht zu wissen. Vielleicht wäre ich glücklicher, wenn ich nie in diese dunklen Geheimnisse der Universität hineingezogen worden wäre.”

Tessa schwieg für einen Moment, bevor sie leise sagte: „Ich glaube nicht, dass du aufhören kannst. Du bist zu neugierig, Amanda Dawson.”

Später am Abend saß ich allein in meinem Zimmer, das Licht meiner kleinen Schreibtischlampe warf einen warmen Schein auf die Wände. Vor mir lagen Emilys zerknitterte Notizen, die ich tagelang zu ignorieren versucht hatte. Sie waren wie ein stummer Vorwurf, eine Mahnung, dass ich mich nicht einfach aus der Sache herausziehen konnte.

Ich strich mit den Fingern über das Papier, als könnte ich so die Worte entschlüsseln, ohne sie tatsächlich lesen zu müssen. Seit wir sie gefunden hatten, waren sie wie ein dunkler Schatten in meinem Kopf – immer präsent, immer drängend, aber ich hatte mich geweigert, ihnen nachzugeben.

Jasper. Sein Name tauchte in meinen Gedanken auf, und mit ihm die Erinnerungen an jene Nacht. Seine wütenden Augen, die Entschlossenheit in seiner Stimme, als er versuchte, mich zu Boden zu ringen. Seine Verzweiflung, als Sheriff Adams das Licht einschaltete und die Kugel ihn traf.

Ich dachte, ich wüsste, wer Jasper war. Ein Freund, ein stiller Beobachter in Emilys und meinem Leben. Doch diese Notizen könnten alles ändern. Sie könnten mir Dinge über Jasper erzählen, die ich nicht wissen wollte. Die Vorstellung, dass er Teil von etwas Größerem war – etwas Dunklerem – ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.

Was, wenn diese Zettel nicht nur den Grund für Emilys Tod enthüllten, sondern auch die Abgründe von Jaspers Leben? Was, wenn er mehr Geheimnisse hatte, als ich mir vorstellen konnte? Geheimnisse, die mich oder Shane in Gefahr bringen könnten?

Ein Teil von mir wollte das alles einfach hinter sich lassen. Ich hatte Jasper bereits verloren, und der Gedanke, ihn noch weiter zu entmystifizieren, fühlte sich wie Verrat an. Aber die Wahrheit war, dass die Notizen nicht nur über ihn handelten. Sie handelten über Emily – über das, was sie wusste, was sie fand, und warum sie dafür sterben musste.

„Warum kannst du nicht einfach ruhen?” flüsterte ich und starrte die Zettel an, als erwartete ich eine Antwort.

Die Worte auf dem Papier schienen mich auszulachen. Ich wusste, dass ich sie irgendwann lesen würde. Es war wie ein brennender Drang, der sich nicht abschütteln ließ. Doch ich fürchtete, dass, wenn ich mich diesen Worten stellte, ich nicht nur Antworten finden würde. Ich würde auch all die Fragen entdecken, die ich bisher nicht zu stellen gewagt hatte.

Meine Hände zitterten leicht, als ich die Notizen in eine Schublade legte und sie entschlossen zuschob. Nicht heute, sagte ich mir. Aber tief in meinem Inneren wusste ich, dass dieser Kampf längst entschieden war.

Es war nur eine Frage der Zeit.