Offf Die Droge Könntest Du Sein by C_A_Raaven at Inkitt
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OFFF - Die Droge könntest du sein

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Summary

Europa im Jahr 2121. Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr, weil inzwischen ein Großteil der Erdoberfläche der des Mars ähnelt. Aber die Menschheit existiert - auf zwei unterschiedliche Arten. Die Analogen leben in Sphären - Habitaten unter Kuppeln aus Graphen und Polymeren, geschützt von Filtern und Spiegeln. Die Digitalen existieren als denkende Form von Nullen und Einsen in einer virtuellen Welt, in der nichts unmöglich scheint. Maxx ist fest in der analogen Welt verankert: Ein Kerl wie aus Titan und Schützling des reichsten Mannes aller Sphären. Für ihn sind Digitale nicht viel besser als ein Taschenrechner. Mju ist eine Waise und ihrer Großmutter in die digitale Welt gefolgt. Eine überstürzte Handlung, wie sie mehr und mehr zu erkennen glaubt. Durch einen Auftrag, der Mju das Leben kosten könnte, treffen beide aufeinander. Doch anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen, schließen sie einen Pakt, weil beide entdeckt haben, dass analoge Oligarchen einen Plan verfolgen, der die digitale Welt letztendlich zerstören kann. Und ihnen bleiben dafür noch drei Tage.

Status
Complete
Chapters
41
Rating
n/a
Age Rating
16+

Nicht ganz nüchtern

Analoge Welt, Primäre Sphäre, Büro der Federal Urbanisation Administration Genf-Plainpalais, Zeitindex 08052121_0900 – 1100

MAXX

Oh verdammt, irgendeine dieser Substanzen wird dich nochmal umbringen.

Ich reibe mir den schmerzenden Schädel und schüttle den Kopf, bis meine Sicht klar wird. Natürlich muss ich mir das Zeug nicht reinziehen. Nur manchmal, in der Nacht. Wenn diese beschissenen Träume mich nicht loslassen und nicht mal ein paar der Filme aus der guten alten Zeit wirken, wo Männer noch Männer waren. Dann geht einfach nix über ein Büro, das 24/7 offen ist – und den einen oder anderen Kick.

Mein Blick fällt auf das halbvolle Glas, das auf der Ablagefläche des Workseats steht. In der bernsteinfarbenen Flüssigkeit schwimmt etwas Undefinierbares und zieht kaum sichtbare Schlieren durch die ölige Brühe.

Ach, Scheiß drauf. Wenn schon in die Hölle, dann wenigstens in die erste Reihe.

Ich greife nach dem Glas, während ich das Wort in meinem Geist hin und her bewege.

Hölle ... was für ein seltsamer Begriff.

Vor ein paar Wochen bin ich mehr zufällig in einem Video-Feed drauf gestoßen. Da haben sie ständig was von ‘zur Hölle fahren’ und so gefaselt. Zuerst habe ich das tatsächlich für ne Ortsbezeichnung gehalten, bis Honey mich wieder einmal eines Besseren belehrt hat. Sie sagte, dass es früher einige Glaubensgemeinschaften gab, bei denen die fiktiven Orte ‘Himmel’ und ‘Hölle’ nach dem Tod eine wichtige Rolle spielten. In den äußeren Sphären soll es sie auch immer noch geben, diese Religionen. Im Himmel ist alles gut, geradezu paradiesisch. In der Hölle eher nicht. Und wie inzwischen auch die Climatics und NOPEs nimmt jede dieser Religionen für sich in Anspruch zu wissen, wie es dort aussieht und auf welche Art und Weise man entweder an den einen oder anderen Ort gelangt.

Heute ist das viel einfacher. Himmel und Hölle liegen direkt nebeneinander auf der Erde. Entweder man ist in einer Sphäre – oder eben draußen. Und selbst bei der Tertiären oder Quartären Sphäre wäre ich mir nicht so sicher.

Beim Greifen nach dem Drink streift meine Hand den Scan-Bereich des Rechners und der Seat schwenkt aus der halb liegenden in die sitzende Position. Seine Projektoren erwachen aus dem Standby-Modus und füllen drei Wände meiner Kabine mit Holo-Anzeigen. Die Linke gewährt einen Einblick in den Zustand der Sphärenabschirmung – alles im grünen Bereich. In der Mitte ist das fast fertige Energiesparkonzept für die Administration zu sehen, an dem ich letzte Nacht noch gearbeitet habe. Auf dem rechten Holo flackern die hektischen Bilder einer Nachrichtensendung.

»Honey, mach mal lauter.«

Meine krächzende Stimme klingt selbst für mich fremd und meine Kehle fühlt sich an, als hätte ich mit Rasierklingen gegurgelt. Aber meine persönliche KI versteht mich und schaltet den Ton der Live-Übertragung an.

»... sind bei der Überflutung einer der Röhren des Kanal-Tunnels vermutlich hundert Menschen ums Leben gekommen«, spricht ein Reporter aus dem Off, während die verwackelten Bilder von einem Schema des Beförderungssystems ersetzt werden. Am unteren Bildrand läuft der Börsenticker. TubeXpress ist um 20 Punkte runter.

Kein Wunder bei solchen Nachrichten. Welcher Idiot investiert schon in ein Transportsystem, bei dem Menschen sterben – selbst wenn es nur welche sind, die ne Krankheit haben.

Unwillkürlich hebe ich meinen linken Arm, an dem ich den Communicator trage. Das Display erwacht und ich kann die Oxy-App ablesen. Sie zeigt eine Sauerstoffsättigung von 100% an.

Bleib ruhig, Alter. Du bist kerngesund.

Eine sanfte, getragene Melodie dringt an meine Ohren. Sie klingt fremdländisch, aber doch irgendwie vertraut. Langsame Akkorde eines Saiteninstruments, unterlegt mit sphärischen Modulationen und dem Spiel einer Flöte.

Hat die KI meinen Stresslevel erkannt und will mich entspannen?

»Honey, bist du ...?«, beginne ich, doch in diesem Moment fällt mein Blick auf das rechte Holo.

Untermalt von der Musik werden dort Landschaften angezeigt, die es schon seit über fünfzig Jahren kaum noch irgendwo gibt: weitläufige, üppig grüne Hügel, kilometerlange feinsandige Strände, gesäumt von Palmen, schneebedeckte Berge.

»Sind Sie es leid, Ihr Leben in ständiger Angst vor Krankheiten zu fristen?«, ist eine sonore, väterlich klingende Stimme zu hören. »Sehnen Sie sich nach einem Dasein in einer paradiesischen Umgebung und ohne Kriminalität? Dann sollten Sie über die Aufnahme in die digitale Gesellschaft nachdenken.«

Fuck, schon wieder so ein beschissener Upload-Spot.

»Das ist ja nicht zum Aushalten!«, platzt es aus mir heraus.

Sofort wird der Ton stummgeschaltet.

Honey, du kennst mich eben – auch wenn du nur aus Nullen und Einsen bestehst ...

Ein sanftes Tippen auf dem Handgelenk beendet den Gedanken.

Ich schaue auf meinen Communicator. Auch ohne die Nachricht auf der Retina aufzurufen, ist mir klar, worum es geht, denn sie enthält das Wort ‘Iurii’.

Der große Meister ruft. Dann wird es wohl nix mit Duschen und Umziehen.

Gähnend lasse ich mich vom Workseat in die Senkrechte bringen, habe beim Aussteigen aber trotzdem das Gefühl, außer dem Knacken, mit dem sich ein paar meiner Wirbel zurück an ihren angestammten Platz bewegen, sogar ein Quietschen in meinem Hüftgelenk wahrzunehmen.

Wird Zeit, dass du deinen faulen Arsch mal wieder hochkriegst und trainierst.

Als ich mich der Tür zuwende, schießt mir eine Idee durch den Kopf und ich drehe mich noch einmal zurück zum Seat. Dort lege ich die linke Hand auf den Konnektor und lade die Daten meiner Ausarbeitung in den Körperspeicher. Dann nehme ich die Treppe.


»Guten Morgen, Master Maxx«, begrüßt mich der Wachmann, als ich durch die vordere Schleuse des Instituts gehe. »Na, wieder im Büro übernachtet?«

»Sie haben mich erwischt«, erwidere ich augenzwinkernd.

Er tippt sich zum Gruß an die Uniformmütze. »Aber einer muss wohl darauf aufpassen, dass hier in der Primären Sphäre alles rund läuft.«

Ich gebe ihm das Daumen-hoch-Zeichen und gehe durch das Portal nach draußen.

Wenn du wüsstest, dass ich letztens Iuriis Nacktkatze durch die falsche Ausrichtung eines Spiegels einen ordentlichen Sonnenbrand am Hintern verpasst habe.

Vor dem Hauptgebäude der Federal Urbanisation Administration bleibe ich kurz stehen, schaue mich um und hole tief Luft. Die Berge ringsum ragen majestätisch in die Höhe, ihre Gipfel kantig und grau, die Hänge bedeckt mit verschiedenen Schattierungen von Grün. Auch direkt um die FUA herum dominieren das Grün von Blättern und die Violett-Töne von Oleander und Rhododendren. Eine leichte Brise vom See dahinter trägt neben dem Summen von Insekten auch einzelne Schreie von Möwen zu mir.

Kaum zu glauben, dass all dies nur durch eine Kuppel aus Metall und Polymeren, Spiegel und ihre Steuerung ermöglicht wird. Und ich kann hoffentlich dazu beitragen, dass das noch lange so bleibt.

Ich wende mich nach links und halte Ausschau nach einem Transportmittel. Nicht weit von mir entfernt entdecke ich eine Reihe mannshoher, silbrig glänzender Kugeln und gehe auf die vorderste zu. Als ich meine Hand auf die Oberfläche lege, wird sie transparent und ein Segment gleitet zur Seite, um mich einzulassen.

»Hey, Betty, bring mich zu Iurii.«

Kaum dass ich mich auf dem Sitz im Innern niedergelassen habe, setzt sich das Bubble-Car des Sphären-Transport-Service in Bewegung und gleitet in Richtung Les Pâquis. Die Fahrt dauert nicht lange – vielleicht auch deswegen, weil alle anderen Fahrzeuge anhalten und uns Vorrang gewähren.

Das sieht dem Alten ähnlich – automatische Priorität für alle, die auf dem Weg zu ihm sind.

Wie immer habe ich auf der Fahrt das Gefühl, in einer Zeitmaschine zu sitzen. Trotzdem hier im Verwaltungsbereich schlanke Türme aus Stahl und Glas die Umgebung dominieren, ist der größte Teil des Bodens begrünt. Schließlich sind Pflanzen immer noch die besten Sauerstoff-Produzenten. Und sie funktionieren ohne Strom. Den brauchen wir, um den ganzen Rest am Laufen zu halten. Aber schon ab dem rautenförmigen Bereich der »Plaine« wird das Grün immer spärlicher. Dahinter kann ich die antiken Gebäude der Altstadt erkennen, in denen die Geldsäcke wohnen.

Warum eigentlich stehen die Typen so auf diese ollen Steinhaufen und die tristen Schluchten dazwischen? Vielleicht haben sie aber auch alle ne Dachterrasse, da können sie schön über den Dingen stehen.

Dann jedoch überquert die Bubble eine Brücke und beendet damit nicht nur meine wandernden Gedanken, sondern auch die Blicke, die ich in die Runde geworfen habe. Das Flussbett unter mir ist schon lange durch eine Staumauer abgeriegelt und fast vollkommen ausgetrocknet. Aber nicht der übrig gebliebene Abgrund ist mein Problem, sondern der direkte Blick auf den Genfer See, den man von hier aus werfen kann. Sicherlich werden das auch die meisten Anderen tun. Aber ich nicht, denn mir läuft dabei jedes Mal ein eiskalter Schauer den Rücken runter. Dumm nur, dass Iuriis Anwesen fast direkt am Ufer des Sees liegt. Daher bleibt mir nichts anderes übrig als die Zähne zusammenzubeißen. Oder die Augen zu schließen.

Aber so tief bin ich noch nicht gesunken.


Das fünfstöckige Eckgebäude, in dem Iurii residiert, muss früher mal Teil eines Ensembles mehrerer Häuser gewesen sein. Zumindest legt das die Bebauung außen herum nahe. Die anderen hat er wohl dem Erdboden gleichmachen lassen, denn es steht dort als Solitär. Schon aus einiger Entfernung kann ich daher erkennen, dass jedes einzelne Fenster erleuchtet ist – mitten am Tag.

Und ich bringe ihm ein Energiesparkonzept. Vielleicht sollte ich ihm einfach mal empfehlen, seine beschissenen Lichtschalter auch zu bedienen.

Ich verlasse die Bubble an einer Station des Transport-Service und gehe die letzten paar hundert Meter zu Fuß – vorbei an der Anlegestelle seiner Yacht. Der Koloss zieht im Vorbeigehen unwillkürlich meinen Blick an. Ich muss mich zusammennehmen, um nicht einfach starrend davor stehenzubleiben. Der schwimmende Palast wirkt auf mich wie der Abtransport einer kranken Person durch den Umwelt-Service. Man kann nicht anders, als hinzuschauen und ist gleichzeitig froh, dass es einen nicht selbst getroffen hat. Wieder zuckt meine Hand hoch, damit ich einen Blick auf die Oxy-App werfen kann.

Es ist alles gut, du bist nicht wie die ...

Doch dann schießt dahinter der »Jet d’eau« in die Höhe und bricht den Bann. Ich schüttle meinen Kopf, wende mich dem Eingangsportal des ehemaligen Luxushotels zu und trete ein. Drinnen erhellen tausende Lichter einen Prunk aus alten Zeiten. Überall glänzen und blinken Gold und Kristall. Zwischen zwei imposanten Sphinxen führt eine Treppe hinauf in eine Lobby mit einem Counter, hinter dem ein vierschrötiger Typ in schwarzem Anzug und Sonnenbrille mit vor der mächtigen Brust verschränkten Armen steht.

Aber als ich gerade die oberste Stufe erreicht habe, tritt der Majordomus auf mich zu. Wie immer vermittelt es den Eindruck, als hätte er sich dorthin teleportiert.

»Master Maxx, wie schön, dass Sie es einrichten konnten. Der Dominus erwartet Sie bereits.«

Als ob es eine Alternative dazu gegeben hätte.

Ich ignoriere seine Geste, ihm in den Lift zu folgen, und sprinte stattdessen auf die Treppe zu. Nachdem sich mein Körper all der Trainingseinheiten erinnert hat, die ich zugunsten der Arbeit in den letzten Tagen vernachlässigt habe, schreit er förmlich nach Bewegung. Auf der Dachterrasse angekommen, fühle ich mich angenehm erschöpft und gehe mit einem Lächeln auf Iurii zu.

Der massige, breitschultrige Mann sitzt in einem Hover-Chair, der ihm die Beine ersetzt, die er schon vor einiger Zeit bei einem Unfall verloren hat. Trotzdem ist auf den ersten Blick klar, dass er der Boss ist. Der purpurne Anzug ist eindeutig maßgeschneidert. Aus dem von einer stahlgrauen Mähne umrahmten, kantigen Gesicht blicken grüne Augen mit einer Intensität, die den Eindruck erweckt, sogar die Sphärenabschirmung sprengen zu können. Iurii hebt eine Augenbraue, während sich seine Stirn kurz in Falten legt.

»Maximus. Du weißt aber schon, dass es für so etwas einen Lift gibt, Junge?«

»Jawohl, Master. Es verlangte mich nur spontan nach ein wenig körperlicher Betätigung.«

»Ein wenig?«, dröhnt es in diesem Moment.

Ich drehe mich um und sehe einen Mann aus einem der umliegenden Bogengänge auf die bestimmt 200 Quadratmeter messende Fläche kommen, die auf dem Dach des Gebäudes thront. Der Mann ist fast so groß wie ich, wiegt aber wahrscheinlich doppelt so viel. In der Hand hält er einen kristallenen Cognac-Schwenker, der bis zur Hälfte mit einer blassgoldenen Flüssigkeit gefüllt ist. Er watschelt an mir vorbei und klopft mir dabei auf die Schulter.

»Wenn ich auch nur eine der fünf Etagen erklommen hätte, dann wäre ich reif fürs Sauerstoffzelt.«

Bist du dir sicher, dass du nicht schon für den ersten Treppenabsatz einen Kran gebraucht hättest?

Ich bemerke, wie ein Lächeln meine Lippen kräuselt. Aber ich schaffe es noch rechtzeitig, den Gedanken durch ein leichtes Verneigen in seine Richtung zu kaschieren. Es ist nicht sinnvoll, den Prinzipal der Administration zu verärgern.

»Vielen Dank, Master Ridicc. Ich tue mein Möglichstes, um Körper und Geist in Form zu halten.«

»Gut für dich, mein Sohn«, bemerkt der Mann glucksend. Dann zwinkert er mir zu. »Aber ich habe mir sagen lassen, dass du vielfältigen Genüssen durchaus zugetan bist.«

Shit, wer hat da geplaudert? Und was hat er erzählt? Nur vom Suff? Oder sogar von den anderen Sachen? Was, wenn die mich jetzt aus der FUA werfen? Dann kann ich auch die Wohnung vergessen.

Doch ich werde einer Antwort enthoben, denn nun ist Iuriis Bass zu hören, leise aber befehlsgewohnt.

»Sei dem, wie es sei. Aber nun haben wir einige Dinge zu bereden, Ridicc. Und du, Junge. Du kannst einstweilen schauen, was mit dem Swimmingpool nicht stimmt. Du hast doch Technik studiert.«

Nur mit Mühe kann ich es verhindern, dass ein »Ernsthaft?!« meine Kehle verlässt. Stattdessen wende ich mich um und gehe zum anderen Ende der Terrasse, das fast vollkommen vom Pool eingenommen wird.

Da kann man einen Master in Verfahrenstechnik haben. Aber für den, der alles bezahlt hat, ist man plötzlich der Poolboy.


Ich überprüfe Pumpe, Leitungen und Zusammensetzung des Wassers. Der Fehler ist schnell gefunden, aber die Behebung dauert einige Zeit. Also ziehe ich meine Kreise um das Schwimmbecken.

So ein Dreck. Hat denn noch keiner einen selbstreinigenden Pool erfunden?

Eigentlich doch.

So ein Ding heißt See, aber es funktioniert auch nur so lange, wie nicht ständig reiche Bonzen beim Schwimmen reinschiffen.

Hin und wieder bekomme ich Fetzen des Gesprächs von Iurii und Ridicc mit. Es scheint um Digitale zu gehen. Damit lässt mein Interesse an dem, was Ridicc zu sagen hat, direkt wieder nach. Digs sind keine Menschen – zumindest nicht mehr. Sie haben sich dafür entschieden, in einen Desintegrator zu steigen, um sich in Luft auflösen zu lassen und nur noch als Nullen und Einsen zu existieren. Also sind sie im Prinzip das Gleiche wie Honey oder die anderen Bettys.

Als ich gerade die letzten Handgriffe mache, um Iuriis Pool wieder in den makellosen Zustand zu versetzen, den er gewohnt ist, legt mir jemand eine Hand auf die Schulter. Überrascht fahre ich herum und finde mich plötzlich in einer halben Umarmung mit dem Prinzipal wieder.

»Master ...«

»Jetzt lass mal die Förmlichkeiten, Söhnchen. Immerhin bist du Master Iuriis Schützling. Und wir sind unter uns.«

Bietet der mir ernsthaft das ‘Du’ an?

»Oh«, mache ich – etwas Eloquenteres will mir einfach nicht einfallen.

Ridicc setzt ein väterliches Lächeln auf. Dann zieht er mich mit dem Arm, den er immer noch auf meiner Schulter zu liegen hat, ein Stück hinunter.

»Um noch einmal auf vorhin zurückzukommen«, raunt er in mein Ohr. »Es stimmt doch, dass du gern mal einen durchziehst.«

Ich muss schlucken, bevor ich antworten kann.

»Wenn ... wenn es Kritik an meiner Arbeit geben sollte. Der Spiegel ... also ...«

Ridicc winkt ab.

»Ach was. Ich habe nichts dergleichen gehört.« Er schaut mich mit blitzenden Augen und einem verschlagenen Lächeln an. Dann hebt er etwas hoch genug, dass es in mein Blickfeld gelangt. »Du weißt, was das ist?«

Fragt er mich das wirklich? Das weiß doch jedes Kind.

»Ein Oxy. Also ein Pulsoxymeter. Für die Leute, die es nicht im Communicator ...«

Sein Lächeln wird breiter.

»Ja und nein. Du hast leider nur fünfzig Punkte.«

Ich schaue Ridicc mit gerunzelter Stirn an, innerlich auf der Suche nach der Antwort, die er von mir haben will.

»Mach dir keine Gedanken. Das, was dir die restlichen 50 Punkte eingebracht hätte, kannst Du gar nicht wissen. Das wissen im Moment nur 5 Personen in dieser Sphäre.«

Meine Augenbrauen wandern nach oben.

»Ja, es ist ein Oxy. Aber gleichzeitig hat es auch eine interessante Zusatzfunktion. Nimm es mal.«

Er reicht mir das Gerät.

Ich drehe es in den Fingern und untersuche es von allen Seiten. Bis auf einen Schlitz an der Unterseite ähnelt es vollkommen dem Gerät, das jeder Bürger der Sphären in der Tasche hat, der keinen Communicator besitzt. Ohne ein solches vom Umwelt-Service erwischt zu werden, hätte fatale Folgen. Mit erneut gerunzelter Stirn sehe ich nun wieder den Prinzipal an.

»Du hast doch deinen Körperspeicher aktiviert, oder? Dann setz es auf die Hand mit dem Konnektor und ich zeige es dir.«

Ich tue wie geheißen. Kaum dass es auf meinem linken Zeigefinger steckt, wird das Display aktiviert und zeigt immer noch den beruhigenden Wert 100% an.

»Und jetzt schau mal, was passiert, wenn ich dies hier tue. Wenn ich dich richtig einschätze, dann wird es dir gefallen.«

Damit schiebt er einen Speicherkristall in den Schlitz.

Der Effekt tritt augenblicklich ein.

Während die ersten Auswirkungen durch meinen Körper fegen, wird mir instinktiv klar, dass diese Entscheidung ein Fehler war.

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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Bin gespannt wie es weitergeht.

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