Kapitel 1
Fara saร auf ihrer dreckigen Matte aus Stroh und versuchte, die verfilzten Haare von Norien mit einem selbstgemachten Kamm aus Holz zu entwirren. Die Kleine schluchzte mehrmals laut auf, aber ansonsten rรผhrte sie sich kaum. Ihr Bruder Godric saร ihr gegenรผber und beruhigte sie, indem er ihr leise Lieder vorsang und ihre Hand hielt. Schon alleine, dass sie diesen Kamm besaร, stellte eine Gefahr fรผr sie dar.
Bodobert, ihr Herr, wรผrde es nicht zulassen, dass eines der Kinder ansehnlich war. Oder dass man eine gewisse รhnlichkeit zu ihm bemerkte.
Dennoch versuchte Fara ihr Bestes, um Norien mehr Schmerzen zu ersparen, als sie sowieso schon ertragen musste.
โIch weiร, dass es schmerzt, aber wenn ich es jetzt nicht mache, muss ich dir irgendwann die Haare abschneiden. Das willst du doch nicht?โ
Norien schniefte leise.
โNein, Mama.โ
Fara lรคchelte leicht und tรคtschelte ihr รผber den Kopf, bevor sie ihr einen Kuss auf die Stirn drรผckte.
โDu bist ein sehr tapferes Mรคdchen.โ
Schweigend machte sie sich weiter ans Werk.
Immer wieder benetzte sie das Haar mit Wasser und fuhr so vorsichtig wie mรถglich mit dem Kamm durch das Gewirr.
Sie waren alleine in der Hรผtte, denn die anderen Sklaven waren auf dem Feld oder arbeiteten in der Nรคhe des Langhauses. Fara war froh, dass sie bei den Kindern sein konnte und niemand sie stรถrte. Das waren seltene Momente, die sie genoss. Vor allem, weil die Augenblicke, Stunden oder Tage davor schrecklich waren. So wie auch heute.
Drei Tage behielt Bodobert sie dieses Mal bei sich. Immer wieder versuchte er, ihr Gewalt anzutun und sie zu besteigen, doch seine Manneskraft war nicht mehr das, was sie mal war. Deswegen war er der Meinung, Fara wรคre eine Hexe, die ihn verzauberte und er deswegen nicht mehr dazu fรคhig wรคre, seinen mickrigen Schwanz in sie zu stoรen.
Trotzdem versuchte er es immer wieder. Er fraร sich regelrecht an den Gedanken, sie zu besitzen und sie somit in die Knie zu zwingen. Dass sie schon lรคngst verzweifelt war und nur die Kinder sie am Leben festhalten lieรen, konnte er ja nicht ahnen.
Aber er schaffte es eben nicht, sie so weit zu brechen, dass sie die Kinder im Stich lieร und sie sich das Leben nahm. Oder ihm nachgab.
Seine Frustration รผber sie und seine Unfรคhigkeit, lieร seine Wut ins Bodenlose steigen. Und er lieร es an ihr aus. Meist verprรผgelte er sie oder peitschte sie aus, wenn er nicht fรคhig war, sie zu besteigen. Dieses Mal war es beides gewesen.
Immer noch schmerzte ihre Seite, wo ihr Kleid aus grobem Stoff an einem besonders groรen Striemen scheuerte. Doch sie riss sich zusammen, damit die Kinder ihre Qualen nicht bemerkten. Sie machten sich schon genug Sorgen um sie und hegten Gedanken, die kein Kind eigentlich haben dรผrfte.
Wenn sie die anderen am Abend zur Ruhe legen wรผrden, konnte sie darรผber nachdenken, ihre Wunden zu behandeln, so gut es eben ging. Sie hatte keine Krรคuter, keine Linnen oder sonst etwas, was sie zur Behandlung anwenden kรถnnte. Nur ein paar lausige Lumpen, die vor Dreck starrten.
Ihr gefiel es nicht, dass sie genau diese Fetzen auf die Wunde legen musste, damit es nicht immer wieder aufriss. Doch ihr blieb keine andere Wahl.
Leise seufzte sie und strich ihr Haar wieder รผber den Bluterguss, der sich bei dem letzten Schlag ins Gesicht bildete. Auch das tat noch weh, aber sie musste sich vor den Kindern zusammenreiรen.
โHat Harald euch zu essen gegeben, wรคhrend ich weg war?โ
Godric, ihr Sohn, nickte.
โEr hat uns sein Essen รผberlassen wollen, aber wir haben mit ihm geteilt. Bodobert lรคsst uns nichts geben, wenn er dich holt. Er will uns nicht hier haben.โ
Fara lรคchelte ihn traurig an.
โDas war sehr nett von Harald und auch von euch.โ
Dass Bodobert die Kinder nicht wollte, war nicht verwunderlich. Es waren seine eigenen Bastarde, die Fara aufzog. Dabei waren es nicht einmal ihre Kinder. Sie zog die Kleinen aus dem Fluss, bevor die Strรถmung sie ins offene Meer heraustragen konnte. Zuerst Godric und dann Norien.
Das war auch etwas, was Bodobert ihr nie verzieh und sie deswegen bestrafte. In seinen Augen waren Bastarde nichts wert und es war eine Schande fรผr ihn, dass sie noch am Leben waren. Wahrscheinlich waren sie die Kinder von Mรคgden oder Sklavinnen. Nur hungrige Mรคuler, die er nicht zu stopfen gedachte.
Als Bodobert und seine Mannen zu Corwins Haus kamen, behauptete sie fest, es wรคren ihre Kinder, obwohl man ihnen die รhnlichkeit mit Bodobert ansah. Doch durch diese Behauptung konnte Bodobert nicht gegen die Kinder vorgehen. Seine Krieger mochten zwar grausam sein, aber gegen schutzlose Kinder wรผrden sie nicht vorgehen. Doch es wรคre wie ein Wunder der Gรถtter erschienen, wenn Bodobert nicht etwas unternommen hรคtte, was sie bestrafen wรผrde.
Ihr Ehemann Corwin war an diesem Abend bei einem Bauern gewesen und kaum kam er zur Tรผr hinein, schlitzte man ihm die Kehle auf. Fara saร direkt vor ihm, gefesselt und geknebelt.
Sie musste mit ansehen, wie Corwin langsam immer blasser wurde, in die Knie ging und schlieรlich vor ihr zusammenbrach. Corwin sah ihr dabei tief in die Augen. Fara hรคtte es nicht gewundert, wenn sich darin Vorwรผrfe spiegelten, aber er strahlte noch im Sterben Gรผte aus, die ihm im Leben schon ausmachte. Und sie konnte ihm nicht einmal trรถstend zur Seite stehen, seinen Kopf in ihren Schoร betten und ihm รผber das schรผttere Haar streicheln. Nicht einmal das war ihr erlaubt. Bodobert brachte sie und die Kinder stattdessen in sein Dorf und machte sie zu seiner Sklavin. Corwin musste allein sterben. Fara hรคtte gerne auf die Erinnerungen verzichtet, die sie seither immer verfolgten. Corwin, ihr gรผtiger Ehemann, der auf dem schmutzigen Boden lag, in der Lache seines eigenen Blutes. Sie hoffte nur darauf, dass einige Bauern, denen er half, ihn fanden und ihm ein wรผrdiges Begrรคbnis zukommen lieรen.
Fara hing ihren Gedanken weiter nach, wรคhrend sie das Haar des Mรคdchens weiterbearbeitete. Nur ab und zu holte ihr Schniefen sie wieder in die Wirklichkeit zurรผck. Es war so ruhig, so friedlich. In ein paar Stunden wรผrde es anders werden. Dann kamen die Sklaven zurรผck und man konnte das Gestรถhne hรถren, was von der anstrengenden Arbeit und den Schmerzen herrรผhrte. Bodobert war ein Mann, der andere Menschen gerne quรคlte. Er lieร die Sklaven arbeiten, bis sie tot umfielen. Das geschah schnell, weil er ihnen nicht genug zu essen gab und sie auch gerne selbst auspeitschte. Die meisten bestanden nur noch aus Haut und Knochen und es gab bei jeder Essensausgabe Gerangel um die besten Stรผcke. Dabei hรคtte Fara frรผher diese sogenannten besten Stรผcke nicht einmal den Hunden vorgeworfen.
โWas war das, Mama?โ, fragte Godric.
Seine Augen waren vor Schreck weit aufgerissen.
Fara blickte auf und hรถrte gespannt nach drauรen.
Waren das Schreie?
โBleib bei Norien. Ich muss nachschauen, was da los ist.โ
Godric nahm Norien in seine dรผrren รrmchen und hielt sie beschรผtzend fest.
Fara stand leise stรถhnend auf und ging zum Eingang der Hรผtte, der nur dรผrftig mit einem Sack geschรผtzt war. Vorsichtig sah sie hinaus, doch sie konnte nichts erkennen. Es war auch wieder ruhig. Zu ruhig. Sie konnte nicht einmal Vรถgel hรถren, die den ganzen Tag zwitscherten. Auch das Gebell der Hunde war verstummt.
Langsam trat sie aus dem Schatten der Hรผtte ins Freie. Immer noch spรผrte sie kein Anzeichen eines Kampfes. Wahrscheinlich hatte sie sich getรคuscht. Sie drehte sich wieder in Richtung der Tรผr um, als sie von hinten gepackt und in die Hรผtte gezerrt wurde.
โMama.โ, kreischten die Kinder verรคngstigt und hielten sich aneinander fest.
Fara wurde unterdessen grob zu Boden gestoรen. Ein schwerer Fuร, der in einem Lederstiefel steckte, wurde zwischen ihre Schultern gestemmt und hinderte sie so daran, sich aufzurichten.
โBei allen Gรถttern, Egil. Wie kann ein Mann so ein Glรผck haben? Kaum sind wir hier, hast du schon ein Weib gefunden. Aber leider ist auch sie viel zu mager und zerlumpt.โ
Fara horchte auf. Sie kannte diese Sprache. Dies waren Mรคnner aus dem Norden. Nun bekam sie es erst recht mit der Angst zu tun. Auch wenn Harald ein Nordmann war, hatte er ihr schon Geschichten erzรคhlt, die sie schaudern lieรen. Diese Mรคnner waren grob, brutal und kannten keine Gnade. Sie konnte nicht darauf hoffen, dass sie ein Ehrenmann wie Harald waren.
โSie ist mir geradezu in die Arme gelaufen. So etwas kann ich doch nicht einfach ablehnen, Ragnar.โ
Die Stimme war tief und dunkel. Im Moment klang sie allerdings auch amรผsiert, aber dennoch war Hรคrte heraus zu hรถren.
โWenn sie gut ist, dann รผberlasse sie mir, wenn du mit ihr fertig bist.โ, lachte Ragnar. โVielleicht kรถnnen wir doch noch etwas Spaร hier haben. Bis jetzt ist das ja hier ein trauriger Haufen.โ
Dieser Egil schnalzte mit der Zunge.
โLass das nicht meine Schwester hรถren, Ragnar. Dein Weib kann dir ganz schรถn wehtun, wenn sie hรถrt, dass du deine Lust irgendwo anders befriedigt hast."
Ragnar lachte noch lauter.
โAstrid ist ja nicht hier.โ
Fara sah einen schweren Umhang, der neben sie hingeworfen wurde. Sie wusste genau, was jetzt geschehen wรผrde. Sie blickte zu ihren Kindern, die รคngstlich in der Ecke hockten.
Sie konnte ihrem Schicksal zwar nicht entweichen, aber die Kinder sollten dabei nicht zusehen. Vor allem nicht, wenn sie danach weitergereicht wurde und man sie dann umbrachte. Die Kinder mussten schon zu viel sehen. Das sollte man ihnen ersparen.
โBitte. Die Kinder.โ, versuchte sie verzweifelt, die Kleinen zu retten. โSie sollen nicht zusehen.โ
Der Fuร, der immer noch auf ihrer Schulter war, lockerte sich etwas.
โHast du das gehรถrt, Ragnar? Das Weib spricht unsere Sprache.โ
Auch Ragnars Lachen verstummte.
โSie ist aber ein Sachsenweib.โ
Der Fuร lockerte sich noch mehr und Fara seufzte erleichtert auf als die Schmerzen nachlieรen. Eine Hand packte eine Haarstrรคhne, aber ging dabei nicht grob um, sondern eher vorsichtig.
โDa wรคre ich mir nicht so sicher. Schau mal ihr Haar an. Hast du schon solches Haar bei einer Sรคchsin gesehen? Es macht mich neugierig. Erfรผlle doch ihre Bitte und bring die Kinder hinaus. Magnus soll auf sie aufpassen. Und sie sollen nicht sehen, wie die Mรคnner umgebracht werden. Ich entscheide spรคter, was ich mit ihnen mache.โ
Ragnar nickte und nahm Norien einfach in seine Arme. Dann trug er sie hinaus, ohne auf Godric zu achten. Offenbar nahm er an, der Junge wรผrde seiner Schwester schon folgen. Godric sah Fara verzweifelt an. Seine Fรคuste waren geballt und es schien so, als ob er seiner Mutter zur Hilfe eilen wollte. Sie schรผttelte kaum merklich den Kopf und bedeutete ihn, Norien zu folgen. Er tat es sehr widerwillig, doch auch er musste wohl einsehen, dass ein kleiner Bengel wie er nicht gegen so einen Hรผnen ankรคmpfen konnte.
Nachdem die Kinder gegangen waren, entfernte sich der Fuร nun vollends und Fara konnte sich so hinlegen, dass ihre Wunden nicht schmerzten.
โSetz dich hin. Ich will dich betrachten.โ
Langsam tat sie es und jeder Knochen schmerzte. Der Nordmann musste bemerkt haben, dass sie bestimmt nicht fliehen konnte, sonst hรคtte er seinen Fuร bestimmt nicht einfach so entfernt.
โIch danke dir.โ, flรผsterte sie.
Verschรคmt blickte sie zu Boden und versuchte, ihr staubiges Gesicht notdรผrftig mit dem รrmel ihres Kittels zu sรคubern.
Der Nordmann ging vor ihr in die Hocke und betrachtete sie interessiert.
โWie kommt es, dass ich auf einem Sachsenhof eine Frau finde, die meine Sprache spricht?โ Er nahm einer ihrer Haarstrรคhnen in seine Hand und zwirbelte sie zwischen seinen Fingern. โVom Norden kannst du nicht sein. Dein Haar ist schwarz wie die Kohle, die frisch vom Brenner kommt. Ich glaube, es gibt viele Frauen, die fรผr solche Haarfarbe tรถten wรผrden.โ
Langsam hob sie den Kopf und sah in die blausten Augen, die sie je gesehen hatte. Der ganze Mann entsprach nicht ganz dessen, wie sie sich einen brutalen Nordmann vorstellte.
Er besaร kein langes Haar, sondern scherte es wohl regelmรครig kurz. Nur das obere Haar war etwas lรคnger und fest an den Kopf geflochten. Da Fara Harald und seine Geschichten kannte, nahm sie immer an, dass all seine Landsleute einen langen Bart trugen. Doch der Mann vor ihr hatte hรถchstens einen Bartschatten. Ein kleiner Schnitt an der Wange zeigte ihr, dass er sich wohl oft selbst mit dem Messer rasierte, aber nicht immer erfolgreich damit war.
Sie schรผttelte leicht den Kopf.
Was tat sie hier? Sie wรผrde bald sterben. Dennoch, wenn sie in das Gesicht des Mannes starrte, war sie sich nicht mehr so sicher.
Sie rรคusperte sich.
โIch stamme wahrscheinlich aus dem รคuรersten Frankenland. Mein verstorbener Ehemann behauptete es zumindest. Und deine Sprache spreche ich, weil ich sie von Harald gelernt habe. Er ist Sklave hier.โ
Seine Augenbraue hob sich ein Stรผck.
โUnd dieser Harald ist aus dem Norden?โ
Sie nickte schwach.
Er sah sie durchdringend an.
โWas macht ein Nordmann bei einem Sachsen? Noch dazu als Sklave.โ
Sie holte tief Luft.
โEr wurde von seinem Jarl als Leibeigener verkauft und muss nun dessen Schulden abarbeiten. Das hat er auch getan. Weil er mich und die Kinder in den Norden mitnehmen wollte, blieb er weitere Jahre, um so fรผr uns zu bezahlen.โ
Sein Blick durchbohrte sie fast. Doch dann seufzte er leise und rieb sich mit der Hand รผber das Gesicht.
โDu sprichst wohl die Wahrheit. Einige meiner Landsmรคnner scheuen sich nicht davor, ihre Mรคnner fรผr die eigenen Schulden bezahlen zu lassen. Bevor ich Schulden bei einem Sachsen machen wรผrde, verhรคnge ich lieber selbst eine Strafe รผber mich.โ
Fara wollte gar nicht wissen, was denn eine angemessene Strafe war. Also fragte sie nicht. Im Moment dominierte auch die Angst, was noch kommen wรผrde.
Doch der Nordmann schwieg und betrachtete sie eine ganze Weile. Dann stand er auf.
โWas mache ich nun mit dir?โ
Fara sah ihn gehetzt an, doch sein Blick verriet wirklich Ratlosigkeit. Ihm schien die ganze Situation unangenehm zu sein. Warum konnte sie sich nicht erklรคren.
Dennoch nahm sie ihren ganzen Mut zusammen.
โDu hast mir schon einmal eine Bitte gewรคhrt, als du die Kinder nach drauรen hast bringen lassen. Ich werde mich nicht wehren, du kannst mit mir machen, was du willst. Aber dafรผr nimmst du mich und die Kinder mit in den Norden.โ
Er hob รผberrascht eine Augenbraue.
โDu wรผrdest mit mir das Lager teilen, nur damit ich dich und die Kinder hier fortbringe? Du wรผrdest dich mit Gewalt nehmen lassen, nur damit du von hier fortkommst? Mal davon abgesehen, dass ich mir einfach nehmen kรถnnte, was ich wollte und nicht auf einen Handel mit dir eingehen muss.โ
Sie lachte bitter auf.
โIch wรผrde alles tun, damit ich von diesem Ort fortkomme. Auch deswegen biete ich dir den Handel an, in der Hoffnung, du nimmst ihn an.โ
Ohne auf seine Antwort zu warten, kniete sie sich vor ihn hin und hob etwas seine Tunika an. Egil hinderte sie nicht daran. Vorsichtig, fast zรคrtlich nahm er ihr Kinn in seine Hand und drehte ihr Gesicht so, dass er ihre Wange betrachten konnte. Dunkel erinnerte sich Fara an den Bluterguss, der nun noch schlimmer aussehen musste. Doch dann schรผttelte sie den Kopf. Daran durfte sie nicht denken. Sie musste Taten folgen lassen, damit er sah, wie ernst es ihr damit war.
Mutig schob sie die Tunika weiter nach oben und wollte gerade die Schnรผre lรถsen, welche die Beinlinge zusammenhielten, als er sie grob von sich stieร. Unsanft landete sie wieder mit ihrem Hinterteil auf dem Boden.
โLass das, Weib!โ Seine Stimme war nicht erhoben, aber ihr war klar, dass er das auch nie musste. Er war der geborene Anfรผhrer. Bestimmt war er ein Jarl oder zumindest der Erbe von einem.
Aber er hatte sie zurรผckgestoรen. Das konnte nur eines bedeuten. Er wollte sie nicht von hier fortbringen.
Fara sackte in sich zusammen. Ihre letzte Hoffnung war gerade gestorben. Er wollte sich wohl nicht auf den Handel einlassen. Heiรe Trรคnen liefen ihr รผber das Gesicht und sie schluchzte auf.
โHรถr auf zu heulen!โ
Sie nickte nur, schluchzte aber leise weiter. Wieder ging er vor ihr in die Hocke und betrachtete ihre Wange.
โIch werde dich nicht nehmen. Nicht jetzt, denn hier ist es dreckig und ich habe schon einen gewissen Anspruch. Dennoch werde ich deine Bitte erfรผllen, denn du hast Mut. Das beeindruckt mich. Vielleicht werde ich es bereuen, aber irgendwie habe ich das Gefรผhl, dass ich dich mitnehmen sollte.โ
Er deutete ein Lรคcheln an, das sie strahlend erwiderte. Daraufhin wurde sein Gesicht wieder ernst.
โFreue dich nicht zu frรผh. Du wirst arbeiten. Und auch die Kinder sollen ihren Teil dazu beitragen, dass ich sie mitnehme, ohne fรผr sie etwas zu bekommen.โ
Sie nickte entschlossen.
โNatรผrlich. Ich werde hart arbeiten. Godric mag zwar schwach aussehen, aber auch er...โ
โBei Odins Namen, kannst du auch den Mund halten?โ
Fara riss erschrocken ihre Augen auf. Sie wollte ihm doch nur versichern, dass sie nicht umsonst mit ihm wollte. Nichts war umsonst. Das hatte sie schon frรผh lernen mรผssen.
Er packte ihre Schulter und hob sie mit Leichtigkeit hoch. Dann betrachtete er ihre Gestalt. Fara sah an sich herunter und schรคmte sich. Sie trug nur ihren verschlissenen Kittel, der obendrein noch zerrissen war. So wurden Sklaven eben bei Bodobert gehalten. Schlecht und billig. Jede Ausgabe, die er fรผr einen Sklaven tรคtigen musste, bezahlte dieser doppelt zurรผck.
Leicht schรผttelte er den Kopf, hob seinen Umhang vom Boden auf und reichte ihn ihr.
โZieh ihn an und lass ihn auch an, bis ich dir neue Kleidung gebe. Ich kann es nicht gebrauchen, dass meine Mรคnner vergessen, dass du ab heute mir gehรถrst. Sie haben seit drei Monaten kein Weib gehabt, wenn man mal von Sklavinnen und billigen Hafenhuren absieht.โ
Fara legte den Mantel um, der ihr um einiges zu groร war. Einen Moment fragte sie sich, ob auch er sich mit Sklavinnen und billigen Hafenhuren amรผsierte.
Doch dann fing sie seinen Blick auf. Arrogant, herrisch und mรผrrisch. Alles gleichzeitig. Nein, bei ihm war nichts billig. Er wรผrde kein einfacher Herr werden, das ahnte sie jetzt schon.
Als er sie grob aus der Hรผtte scheuchte, keimte in ihr trotzdem Hoffnung auf. Harald versicherte ihr immer wieder, dass nordische Krieger zwar brutal und grausam waren, Mut aber bewunderten. Ihr neuer Herr gab selbst zu, dass er ihren Mut bestaunte.
Vielleicht wรผrde nun ein besseres Leben beginnen. Zwar als Sklavin eines Nordmanns, aber dennoch besser als das, was sie bisher hier bei den Sachsen erleben musste. Alles wรผrde besser sein, als das, was sie bei Bodobert erlebte.

Das hier ist das ehemalige Cover, dass ich leider nicht mehr so verwenden kann. Dennoch finde ich, dass es nicht einfach verschwinden sollte.
Wie alle meine Cover machte auch dieses Nancy Bieler.









Ich kann es Dir nicht so recht glauben Maike. Du hast Deine eigene Messlatte immer sehr hoch gehalten bei Deinen historischen Bรผcher ๐คฃ๐คฃ๐คฃ๐คฃ๐คฃ Beide Cover sind toll, aber das Neue spricht mich mehr an.....
Ich freue schon darauf, den Roman wieder zu lesen! Das war damals das erste Buch, das ich von dir gelesen habe und ich fand ihn damals schon spitze. ๐
Es fรคngt sehr spannend an und im Kopfkino erwacht die damalige Zeit eindringlich zum Leben. Darf man sie ยปschlimmยซ nennen? Man kann Menschen, die vor tausend Jahren lebten, nicht mit unseren Maรstรคben messen. Aber in einem Video wurde berichtet, dass die Winker systematisch und kรผhler Rationalitรคt Frauenhandel betrieben.