Prolog
Damals…
Aereth City lag unter ihnen wie ein schlafendes Tier. Golden schimmerte sie in der Sonne, die Neonlichter noch stumm, die Schatten harmlos.
Sevik hielt Maeras Hand. Seine Finger bebten. In der anderen Hand lag ihr noch flacher Bauch, als könnte er das Leben darin beschwören, ihm eine andere Richtung geben.
„Bleib bei mir“, flüsterte er rau. „Geh nicht zu ihm.“
Maera schloss die Augen, Tränen quollen unter ihren Lidern hervor. Ihr Herz schlug so laut, dass es in Seviks Brust hallte.
„Ich muss, Sevik.“ Ihre Stimme brach. „Du weißt, warum.“
Dann löste sie ihre Hand. Tat einen Schritt zurück.
Und ließ ihn stehen — mitten auf dem Valaryn-Turm, mit nichts außer den Scherben seines Herzens und dem Keim eines Hasses, der Generationen überdauern sollte.
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Jetzt…
Die Welt war kalt, aus Glas und Stahl. Tarek Valaryn thronte hinter seinem Schreibtisch, Aereth City breitete sich hinter ihm aus wie ein gefräßiger Organismus. Drohnen zogen lautlos durch die Häuserschluchten, Werbeanzeigen flimmerten über halbe Wolkenkratzer.
Vaelis stand stramm. Ihre rote Lockenmähne fiel elegant über die glänzende dunkle Rüstung, die eigens für sie gefertigt worden war. Ein Meisterwerk — und ein Käfig.
„Du wirst in das Lager gehen,“ sagte Tarek, seine Stimme so ruhig und messerscharf, dass sie tiefer schnitt als jedes Schwert. „Sie tarnen es als Klinik. Eine Zuflucht. Doch wir wissen beide, was Sevik dort tut.“
Sein Blick war undurchdringlich, wie programmiert.
Vaelis’ Herz klopfte. „Kinder mit Gaben… er bricht sie.“
Tarek neigte kaum merklich den Kopf. „Genau deshalb musst du sie finden. Die Stärksten. Die Wertvollsten. Damit wir sie retten, bevor Sevik sie verschlingt.“
Retten.
Das Wort brannte süß auf ihrer Zunge.
„Ich werde dich nicht enttäuschen, Vater.“
Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über Tareks Lippen. „Das wirst du nicht.“
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Später…
Vaelis saß in der Kabine des Flugwagens. Unter ihr dehnte sich Aereth City in einem wirren Tanz aus Neon und Dunst, den Himmel durchzogen von Gleitern und Werbedrohnen.
Ihre Finger trommelten leicht gegen den Metallrand ihres Sitzes. Die Runen auf ihrer Rüstung glommen schwach, als spürten sie ihre Unruhe.
Ich tue das für ihn, dachte sie.
Damit er endlich sieht, dass ich mehr bin als nur eine Valaryn. Dass ich sein Blut wert bin.
Ein kurzer, heller Schmerz stach in ihre Brust. Doch sie schob ihn weg.
Gefühle schwächten nur.
Und Tarek liebte keine Schwäche.
Sie lehnte sich zurück, die Augen fest geschlossen, während der Flugwagen sie immer tiefer in das Herz der Stadt trug — und direkt in den Schatten, aus denen es kein Entkommen gab.