Prolog: Waschbecken
Was wäre, wenn es nur diesen Raum gäbe?
Und alles, was außerhalb dieses Raumes passiert,
ist nichts weiter als ein Traum, eine Geschichte, ein fernes, anderes Universum.
Alles atmet und alles bewegt sich.
Das Bad wird immer größer, das Waschbecken dehnt sich aus, die Dusche schreit auf und ich,
in der Mitte des Raumes, ich frage mich, wird er mich verschlucken? Spuckt er mich je wieder aus?
Ich renne.
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so gerannt bin.
Schnell und gleichzeitig so verdammt leise.
Draußen ist es kälter als vermutet.
Ich stolpere aus der Tür heraus, falle durch eine Dornenhecke und ritze mir die Arme auf.
Es schmeckt metallisch.
Der Nachhauseweg ist dunkel und still.
Der Mond scheint in mein Gesicht, die Laternen grinsen und schalten sich ab.
Ich ziehe die Dornen aus meinen Händen und kratze meine Augen mit ihnen aus.
Ich will nicht, dass mich jemand erkennt.
Was wäre, wenn es nur diesen Raum gäbe?
Nur mein Badezimmer, in das ich mich danach verkrieche.
In dem ich sitze, in der Mitte, auf der Toilette und die Fliesen zähle.
Blau, mit kleinen, weißen Rissen.
Und wie ich so starre, werden es immer mehr, in jeder Reihe, immer wieder eine Neue, die
sich auftürmt und in sich zusammenfällt.
Und ich kann einfach nicht aufhören. Ich finde einfach keinen Ausweg.
Lotta kratzt an der Tür. Sie klopft nicht. Die Klinke schnappt zu.
Sie nimmt ihre Zahnbürste und fängt an, ihre Zähne zu putzen.
Irgendwann fragt sie mich, was ich hier mache. Ihr Kopf ist verformt.
Ihre Augen sind zwei schwarze Löcher. Sie drehen sich, wie in einer Spirale.
Ich antworte nicht. Ich nehme meine Zahnbürste und stecke sie in meinen Rachen.
Spucke den Rest aus und kämme mein Haar.
Ich küsse sie auf die Stirn, eine Geste, die wir einander nur selten schenken.
Gute Nacht, sage ich.
Dann laufe ich das Treppenhaus herunter, öffne die Tür und schließe sie wieder,
lege mich in mein Bett und lösche das Licht.
Alles riecht noch nach dir.
Du bist nie hier gewesen, aber du bist immer hier.
Was wäre, wenn es nur diesen Raum gäbe?
Könnte ich dann endlich schlafen?









Dieser Teil ist mir besonders im Kopf geblieben:
„Alles riecht noch nach dir.
Du warst nie wirklich hier – und doch bist du immer da.
Was wäre, wenn es nur diesen Raum gäbe?
Könnte ich dann endlich schlafen?“
Es wirkt auf eine leise, fast unheimliche Art nach vor allem, wie das Badezimmer zugleich Schutzraum und Gefängnis wird. Ich liebe, wie der Raum den inneren Zustand der Figur widerspiegelt.
Ich hätte außerdem ein paar Fragen zu deiner Geschichte und würde diese Szene sehr gern mit dir besprechen, wenn du offen dafür bist.