Amanda Dawson: Die Krähe by Kaden Scott at Inkitt
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Amanda Dawson: Die Krähe

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Summary

Amanda hat gerade ihre Lizenz als Privatdetektivin erhalten und zieht gemeinsam mit ihrem Freund nach Bright Falls, wo sie ihre eigene Detektei eröffnet. Schon an ihrem ersten Tag landet ein Fall auf Amandas Schreibtisch, welcher ihr Können als Privatdetektivin unter Beweis stellen wird. Ihr Fall entpuppt sich schnell als gefährliches Geflecht aus organisiertem Verbrechen, politischen Intrigen und moralischen Abgründen, die Amanda an ihre Grenzen bringen.

Status
Complete
Chapters
23
Rating
4.9 8 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Willkommen in Bright Falls

Jemanden zu töten und ihm dabei in die Augen zu sehen, ist wohl einer der dominantesten Momente, die ein Mensch erleben kann. Die Macht, die man in diesem Augenblick verspürt, ist erschreckend groß. Für einen flüchtigen Moment ist man Gott. Das Schicksal eines anderen liegt in der eigenen Hand.

Man beendet ein Leben. Nicht mit einem Knopfdruck, nicht aus weiter Entfernung, sondern direkt, mit vollem Bewusstsein und mit den eigenen Händen. Es gibt kein Zurück.

Viele Verbrecher bereuen den Mord an einem Menschen bereits in den ersten Sekunden danach. Wenn der Körper schlaff wird, das Blut den Boden erreicht und die Stille alles verschluckt. Wenn das Leben das Gesicht verlässt. Andere spüren diese Reue erst, wenn sie in einem Gerichtssaal stehen und das Urteil über sie gesprochen wird. Lebenslang ins Gefängnis, ohne Hoffnung auf Entlassung. Ohne Mitleid. Ohne Vergessen. Und dann gibt es jene, die nie etwas bereuen. Die, bei denen das Böse tief verwurzelt ist. Die sich nicht einmal selbst erklären können, warum sie getan haben, was sie taten. Oder es nicht wollen.

In dieser Welt gibt es zu viele Menschen, die getötet haben. Mehr, als wir uns vorstellen wollen. Und die meisten davon kennen wir nicht. Sie gehen unauffällig durch unser Leben. Vielleicht ist es der freundliche Nachbar, der jeden Morgen seinen Sohn zur Schule bringt. Die alte Dame im Seniorenheim, die nie ein Bingo-Spiel verliert. Oder vielleicht ist es der Mensch, den man seine beste Freundin oder seinen besten Freund nennt. Der, dem man einst alles anvertraute.

Ich habe viele Menschen getroffen, die böse Dinge getan haben. Nicht alle davon waren Mörder, aber eines hatten sie gemeinsam: Sie waren getrieben von Selbstsucht. Sie verletzten, quälten oder töteten, weil es ihnen nützte. Weil es sie weiterbrachte. Weil sie glaubten, es tun zu müssen.

Es sind nicht immer Monster mit Fratze und Messer. Manchmal tragen sie Anzüge. Manchmal lächeln sie. Manchmal sehen sie aus wie du oder ich.

Es tut weh, wenn man erkennen muss, dass die, die man liebt, zu solchen Taten fähig sind. Es ist ein tiefer, stechender Schmerz, der alles infrage stellt.

Man fühlt sich betrogen. Verraten. Als wäre das ganze Leben eine Lüge gewesen. Jede Erinnerung wird plötzlich zu einer Farce. Jeder Moment wirkt falsch.

Ich weiß, wie sich dieser Schmerz anfühlt. Wenn jemand den Menschen ermordet, den man mehr als alles andere auf der Welt geliebt hat.

Man ist wütend. Rastlos. Der Körper steht unter Strom, jede Faser schreit nach Vergeltung. Der Mord an meiner besten Freundin liegt fast ein Jahr zurück. Die Wunde ist nicht verheilt. Schlimmer noch war die Erkenntnis, dass mein bester Freund der Täter war.

Das war der Moment, in dem ich alles hinter mir ließ. Ich packte meine Sachen und flog nach Washington. Sechs Wochen verbrachte ich dort. Ich schloss die Ausbildung an einer privaten Schule ab, um meine Lizenz als Privatdetektivin zu erhalten. Und jetzt sitze ich hier. In einem kleinen Büro, das kaum größer ist als ein Wohnzimmer. In einer Stadt, die mir fremd und doch seltsam vertraut ist. Bright Falls.

Ich kann nicht genau sagen, warum ich gerade hier mein Glück versuche. Vielleicht liegt es an Emily, an dem, was ihr an der Universität von Bright Falls widerfahren ist. Seit ihrem Tod sehe ich die Stadt mit anderen Augen. Als wäre sie von einem düsteren Schleier umhüllt. Etwas liegt in der Luft. Etwas, das mich nicht gehen lässt.

Es klingt verrückt, ich weiß. Aber ich habe das Gefühl, dass ich genau hier sein soll. Als würde etwas auf mich warten. Etwas, das nur ich aufdecken kann.

Ich sitze an meinem Schreibtisch, der aus grobem, altem Holz besteht und wahrscheinlich schon bessere Zeiten gesehen hat. Mein Büro liegt an der Maine Street. Ein paar Quadratmeter, nicht mehr.

Die Miete ist zu hoch. Die Wände sind mit blassgelber Farbe gestrichen, die in den Ecken bereits abblättert. Mein Schreibtisch ist ein Fundstück vom Sperrmüll. Der kleine Besprechungstisch mit den vier wackeligen Stühlen ist ebenfalls gebraucht. Die einzige Lichtquelle ist eine nackte Glühbirne, die von der Decke baumelt. Es fehlt ein Aktenschrank, aber ehrlich gesagt, brauche ich momentan keinen. Die leere Schublade in meinem Schreibtisch reicht völlig aus. Noch.

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Es ist mein erster Tag. Draußen hängt noch nicht einmal ein Schild. Niemand weiß, dass es mich hier gibt. Wer sollte also durch diese Tür treten und mich um Hilfe bitten?

Auch wenn es sich makaber anhört, wäre es fast beruhigend, wenn die Verbrechensrate in der Stadt steigen würde. Oder wenigstens die Zahl der untreuen Ehepartner. Ich bin keine Polizistin. Ich lebe nicht von Steuergeldern. Ich bezahle meine Miete mit Wahrheit und Verrat.

Die Klingel an der Eingangstür ertönte. Ein metallisches Bimmeln, das in der Stille wie ein Donnerschlag wirkte.

Ein Mann trat ein. Kurze, schwarze Haare. Tattoos am Hals. Ein Lächeln, das selbst an grauen Tagen wärmt.

Shane Blackwood. Mein Freund. In seinen Händen hielt er zwei dampfende Kaffeebecher.

„Du rettest mir den Tag, das glaubst du gar nicht.“ Ich stand auf und ging ihm entgegen. Der Duft des Kaffees stieg mir in die Nase – kräftig, leicht bitter, genau wie ich ihn mag. Shane stellte die Becher auf den Tisch und schloss mich in die Arme. Ich hielt ihn fest. Vielleicht ein wenig zu lange. „Danke dir. Ich glaube, sonst überstehe ich den Tag nicht.“

„So viel zu tun?“, fragte er und küsste mich sanft auf die Stirn. Ich lächelte und lehnte mich mit dem Becher an meinen Schreibtisch. „Nein. Es ist so langweilig, dass ich gleich einschlafe.“

Natürlich weiß ich, dass niemand am ersten Tag einer neuen Detektei Schlange steht. Aber ein gestohlener Ring oder ein verschwundener Hund – das wäre doch ein Anfang gewesen. „Das ist dein erster Tag. Gib der Stadt Zeit“, sagte Shane, während er sich auf die Kante des Besprechungstisches setzte. „Du könntest Tessa fragen, ob sie einen Artikel über dich schreibt. Jeder hier liest die Bright Falls Daily. Dann weiß morgen jeder Bescheid.“ Ich schüttelte leicht den Kopf. „Ich glaube, das lass ich lieber.“

Er hob eine Augenbraue. „Im Ernst? Du hast ihr immer noch nicht zurückgeschrieben?“ Ich sah weg.

„Sie ist deine beste Freundin. Sechs Wochen Funkstille. Nicht einmal ein Rückruf. Was ist los bei euch?“

Schande über mein Haupt. Ich hatte zu viel um die Ohren. Die Ausbildung war hart. Die Tage vollgepackt mit Vorträgen und praktischen Übungen. Und irgendwann wurde aus dem Zögern ein Schweigen. Tessa hatte sich sogar bei Shane erkundigt, ob ich noch lebe. Und jetzt weiß ich nicht, wie ich mich wieder bei ihr melden soll. Ich fürchte, sie ist enttäuscht oder wütend. „Ich melde mich. Ich muss mir nur vorher eine gute Entschuldigung überlegen.“

„Du brauchst keine. Sie versteht das. Sie macht sich nur Sorgen.“ Shane stellte seinen Kaffee ab, verschränkte die Arme vor der Brust und sah mich ernst an. „Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, wirkte sie nicht böse. Nur verletzt.“

Vielleicht hat er recht. Wahrscheinlich sogar. Aber ich war noch nie gut darin, Menschen nah an mich heranzulassen. Schon in der Schule nicht. Und auch an der Uni nicht. Ich bin, was das angeht, eine Spätzündern.

„Wie läuft es mit dem Huddle?“, wechselte ich das Thema. Shane seufzte.

„Heute kam die Rechnung für die neue Heizungsanlage.“ Ich hob eine Augenbraue.

„Und?“

„Der Kredit reicht nicht. Und mein Vater hat meine Konten eingefroren. Ich bin jetzt wirklich auf mich allein gestellt.“ Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

„Am Wochenende mache ich eine Spendengala. Vielleicht kommt dann genug zusammen.“ „Wir haben noch etwas Geld von der Wohnung übrig. Nimm das erstmal.“ Ich berührte seinen Arm sanft.

„Danke. Aber das wird nicht reichen. Ich muss das irgendwie alleine schaffen. Es muss klappen. Gerade jetzt, wo Bürgermeisterin Walker das Jugendzentrum abreißen will. Das Huddle ist wichtiger denn je.“

Das Huddle war Shanes Traum. Ein sicherer Ort für Jugendliche. Ein Treffpunkt, an dem sie gehört und gesehen werden. Mit einem kleinen Café. Einem Trainingsraum. Nachhilfeangeboten.

Bis der wirtschaftliche Teil steht, soll alles durch Spenden getragen werden. Aber wenn schon das Geld für die Heizung fehlt, steht alles auf der Kippe. Ich hoffe für ihn, dass es gelingt.

Da riss jemand die Tür auf. Sie knallte gegen die Wand. Ein Windstoß erfasste meine Unterlagen, die wie lose Blätter durch den Raum wirbelten.

Eine Frau stand im Eingang. Ein gelbes Kleid, bodenlang. Eine schwarze Handtasche in der Hand. Ihre braunen Haare tanzten im Luftzug. Ihre Augen waren weit geöffnet. „Sind Sie Amanda Dawson?“

Sie schloss die Tür hinter sich und trat einige Schritte vor. „Ich brauche dringend Ihre Hilfe. Es geht um meinen Sohn.“

Ich sah zu Shane, der ebenso überrascht war wie ich. Er zuckte kaum merklich mit den Schultern.

Ich trat auf sie zu, reichte ihr die Hand. „Amanda Dawson. Was kann ich für Sie tun?“

Das war mein erster offizieller Fall als Privatdetektivin in Bright Falls. Was ich in diesem Moment nicht wusste: Dieser Fall wird sich in eine Richtung entwickeln, die mich an das zweifeln lässt, woran ich glaube: Die Realität in der wir Leben.a

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Shocking

4

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Good Writing

6

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Compelling Plot

5

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Great Character

5

Great Character

Strong Dialog

2

Strong Dialog

author

Ich bin gerade über dein Buch gestolpert und finde, dass dir das Cover echt gut gelungen ist - sieht aus wie aus einer Netflix Serie 🤭 und nachdem ich noch die Zusammenfassung gelesen habe, muss ich sagen, dass ich super gespannt auf die Geschichte bin. Gut gemacht! 👏🏼😊

3 months
2
author

Bei den ersten Zeilen hatte ich eine Gänsehaut und musste an den Spruch „Man kann den Menschen nur vor den Kopf gucken“ denken.

Ein toller Einstieg ☺️Ich bin gespannt auf Amanda‘s ersten Fall.

23 days
4
author

Ein Anfang erinnert direkt an einen klassischen Detektivfilm aus den 50ern, nur mit weiblicher Protagonistin und in Farbe 🕵‍♀️. Gefällt mir schon ganz gut 😉

13 days
3

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