Rückwärts
Freunde haben mir eine Rückführung geschenkt. Wer solche Freunde hat, ach, lassen wir das.
Ein Rückführung. Als hätte mich jemals interessiert, ob ich schon einmal gelebt habe. Reinkarnation? Ein Hirngespinst! Dr. Hagenbrecht-Dornvogel, der Esopapst unserer kleinen Stadt. Der Gutschein war teuer und läuft nächste Woche ab. Meine Freunde würden mich vierteilen. Also bin ich heute hier und warte zwischen Klangschalen und Totempfählen auf mein Schicksal. ER erscheint. Ein hagerer großer Mann mit der Ausstrahlung eines Massenmörders. Der Stuhl glüht unter mir. Hände zittern. Was ist los? Wie uncool!
Die Hypnose. Ich hebe ab, versinke in der Zeit, verliere den Halt. Seine Stimme lullt mich ein. Ich fliege.
Es ist kalt, der Strohsack kratzt. Eine Katze faucht. „… auf!“ plärrt es. „Ja Mutter.“ Ich strecke mich, stolpere und stoße mir den Kopf. „Au!“ „Depp!“ „Kommst Du bald?“ Im Hof steht Vater mit den Schafen. Wolf bellt. Ich nehme den Stock und mein Zeug. Die Schafe folgen mir.
Der Schweiß läuft mir in die Augen. Brennt. Ein öliger Winkel fällt vom Band. Auffangen, ansetzen, festschrauben. Der nächste Winkel. Die Schraube klemmt. Jetzt schnell. Rückwärts, neu ansetzen. Fest. Weiter. Immer wieder. Endlos. Tausend Winkel später die Sirene. Schnell weg, die Ablösung steht schon bereit. Das Band läuft. Ich taumele in die Schlange. Am Tor bekomme ich ein paar Münzen. Meine Freundin. Sie hat ein Brot gemacht. Gibt es mir und ich lasse es fast fallen. Auf den Bordstein setzen. Essen. Ein Fuhrwerk rast heran.
Die Lampe blendet. Der Massenmörder steht vor mir und fuchtelt mit den Armen. Eine lebende Windmühle. „Alles ok? Sie haben geschrien wie am Spieß.“ „Fast wäre ich überfahren worden.“
„Machen wir weiter?“ Ich trinke einen Schluck Wasser. „Ok.“
Mir wird schwindlig. Ich tanze. Walzer. Elisabeth legt den Kopf zurück und lässt sich führen. Rechtsrum, linksrum wiegen wir uns im Takt. Wollüstige Kreise. Die Kronleuchter werden zu Sonnen. Fallende Sterne. Wir sind Eins. Das darf nie enden. Das Orchester verstummt. Wir tanzen weiter, stoßen gegen ein Paar. Gezeter. Peng. Weg. Unsere Seifenblase platzt. Wir entschuldigen uns und gehen zum Tisch. „Das war schön.“ sagt sie. „Du tanzt wie ein junger Gott. Wenn wir uns drehen, sind da nur noch wir zwei. Es sollte ewig so weitergehen.“ „Dein Vater wird nie zustimmen. Ein kleiner Angestellter ist für seine Tochter ...“ „Du musst ihn fragen. Wer nicht fragt, bekommt keine Antwort. Er ist auch nur ein Mann und er war weiß Gott nicht standesgemäß. Aber Mutter hat sich durchgesetzt. Vater muss sich daran erinnern. Ich will keinen anderen!“ Es gießt in Strömen. Mein dünnes Sacko ist sofort durch. Ich halte meinen Schirm über Elisabeth und wir stolpern die Straße hinauf. Vor dem Haus bleiben wir stehen. „Komm mit rein, frag ihn. Er ist bestimmt noch wach.“ Die Tür fliegt auf. „Komm rein Kind, Du verkühlst Dich.“ Die Treppe rauf, sie schlüpft hinein. „Hach, Sie machen uns noch alles nass hier, bleiben Sie bloß draußen. Auf Wiedersehen!“ Zu. Da stehe ich wie ein Trottel im Regen. Drinnen gehen die Lampen aus. Ich setze mich auf die Stufen und weine.
„Jetzt kommen Sie ganz langsam wieder ins Hier und Jetzt. Wachen Sie vollständig auf. Öffnen Sie die Augen und atmen drei Mal tief ein und aus. Die gebuchte Zeit ist rum. Falls Sie eine Schlussbesprechung haben möchten, kostet das extra.“
„Nein, nein, bloß nicht. Vielen Dank.“
„Empfehlen Sie uns weiter.“
„Oh, ganz sicher nicht!“








