🫀Close🫀
a/n: Hab nicht besonders lang recherchiert, wie das geografisch passt, haha. Hatte die Szene im Kopf und wollte sie teilen, so here you go!
Wir waren jetzt schon eine Weile auf dem Boot, aber die gelbe Strickjacke war noch immer feucht. Eric schien das nicht zu stören. Beziehungsweise war er offensichtlich mit anderen Dingen beschäftigt. Er saß an der Wand des Bootes und hielt die Katze fest an sich gedrückt. Mit geschlossenen Augen atmete er gepresst ein und aus. Seitdem er uns versichert hatte, dass es ihm gut ginge, hatte er sich nicht vom Platz bewegt. Und ich hatte ihn nicht aus den Augen gelassen. Langsam schlitterte er in eine Panikattacke. In Wellen kam das hektische Atmen, das Zittern und dann wieder die Ruhe. Nach und nach wurden die Ruhphasen kürzer, die Atmung schneller und das Zittern unkontrollierter. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sich nicht mehr halten konnte und ausrutschte. Das durfte nicht passieren. Er brachte uns in Gefahr. Das Boot glitt in diesem Moment ruhig und still durch eine sehr enge Passage. Die Monster könnten uns erreichen, sollten sie uns hören. Und wir alle wären tot.
Als seine Angstwelle ihn nicht mehr los zu lassen schien, ging ich zu ihm hinüber, kniete mich vor ihn hin und tippte ihn an seine nasse Schulter. Er zuckte zusammen und sah mich erschrocken an. In den braunen Augen standen Tränen. Ich presste meine Lippen zu einem schmalen Lächeln zusammen und winkte ihm zur Begrüßung zu. Deutete tonlos ein "Hi" mit meinen Lippen an. Er versuchte zurück zu lächeln, aber schaffte es nicht. Zitternd zogen sich seine Mundwinkel erbarmungslos nach unten.
'Ich bin y/n', stellte ich mich mit Gebärden vor. Er registrierte meine Handbewegungen und zog kurz etwas verwirrt die Augenbrauen zusammen. Er verstand nicht. Trotzdem hörte ich nicht damit auf.
'Du hast eine Katze mit genommen?'
Er sah mich fragend an.
'Eine Katze?', wieder holte ich mit meinen Händen und deutete auf das Tier in seinen Armen.
Er lächelte jetzt fast und löste sogar eine Hand aus dem Fell, um nickend die Gebärde für Katze nachzumachen.
Lächelnd fuhr ich fort, mein Herz schlug etwas schneller vor Aufregung. Ich musste am Ball bleiben. Ich durfte ihn jetzt nicht verlieren.
'Ist sie nicht etwas laut?'
Er sah mich wieder fragend an.
'Laut.', wiederholte ich die Gebärde und überlegte, wie ich es ihm deutlich machen könnte. Ich deutete ein Brüllen an. Klopfte mir, wie ein Affe auf die Brust und spielte den Part aus "in the air tonight" auf meinem Luftschlagzeug, bevor ich die Gebärde wiederholte und das Wort mit meinen Lippen formte.
Schmunzelnd wiederholte er die Gebärde und formte das Wort mit seinen Lippen. Aber es war nicht 'laut'. Jetzt war ich die Verwirrte. Bis ich es nach dem dritten Mal erkannte.
'Phil Collins'
Er grinste kurz, was mich ansteckte, bevor er den Kopf schüttelte und die Gebärde wiederholte.
'Nicht laut', formte er mit den Lippen, die ein müdes trauriges Lächeln zu Stande brachten. Sie waren blass. Er war blass. Stumm atmete er tief ein und aus, während er die Katze fester an sich drückte. Sie schien in diesem Moment sein Anker zu sein. Also richtete ich meine Aufmerksamkeit auf sie. Hielt meine Hand in die Nähe ihres Gesichtes, sodass sie meinen Geruch wahrnehmen konnte. Lächelnd beobachtete ich, wie sie ihren Kopf in meine Hand drückte. Und wie sich Eric's Arme etwas entspannten. Ich streichelte sie am Kopf und Eric hielt sie mir hin. Noch bevor ich reagieren konnte, drückte er sie zurück an seinen Körper und die Angst war zurück in seinen Augen. Seine Atmung ging schnell. Viel zu schnell. Ich legte meine Hände an seine Arme, um ihm zu bedeuten, dass die Katze bei ihm bleiben sollte.
"Ist ok.", flüsterte ich so leise, wie ich konnte, fasste jetzt automatisch nach seiner Wange, "Ist ok!"
Aber das hatte nicht die Wirkung, auf die ich gehofft hatte. Er presste seine Augen zu, Tränen liefen über seine Wangen. Sein Brustkorb hob und senkte sich viel zu schnell. Er zitterte. Und ich sah, wie er kämpfte. Es tat weh. Mein Hände suchten nach seiner Nähe, aber fanden sie nicht. Als meine Hand seinen Brustkorb fand, spürte ich sein Herz so schnell schlagen, wie meines.
'Halte durch Eric. Halte durch!', flehte ich stumm.
Aber da war es.
Ein leises Wimmern verließ seinen Mund.
Gleich würde er laut weinen.
Hastig, ohne weiter darüber nachzudenken, rückte ich so nah ich konnte, an ihn heran, griff in seinen Nacken und zog ihn an mich. Erstickte seine Tränen an meiner Schulter. Ich spürte, wie er sich unter den Schluchzern schüttelte, wie er versuchte, sie zurück zu halten.
Ich sah mich um. Wir hatten die Enge Passage beinahe überwunden. Gleich hatten wir es geschafft! Nur noch ein paar Sekunden!
"Lass los.", murmelte ich, als wir sicher waren. Er atmete zitternd aus, bevor wieder ein Schluchzen seine Kehle verließ, aber dieses Mal ungehindert. Ich musste meinen Kloß im Hals herunter schlucken. Meine brennenden Augen schließen. Seine Gefühle von meinen weg drücken. Alles, um mein Herz für ihn zur Ruhe zu bringen. Und es funktionierte.
Er lehnte noch eine Weile mit der Stirn an meiner Schulter und weinte. Es klang, als ließe er Jahre lang angestaute Trauer, Angst und Wut auf ein Mal heraus. Es verlangte alles von mir ab, nicht mit ihm zu weinen. Nicht mit ihm zu fühlen. Meine Hand in seinem Rücken zitterte etwas. Geduldig hielt ich unsere Gefühle aus, bis er ruhiger wurde. Seine Muskeln sich immer mehr entspannten.
"Hi Eric.", sagte ich leise, "Ich bin y/n."
"Hi..", brachte er hervor, seine Stimme immer noch belegt mit Tränen. Eine Gänsehaut walzte über meinen Rücken.
"Ich würde jetzt gern im Erdboden versinken.", murmelte er, ohne seinen Platz zu verlassen, ohne mich anzusehen.
Schmunzelnd drückte ich ihn von mir- so sanft ich konnte!- nur um ihm in diese braunen, traurigen, müden Augen sehen zu können.
"Tut mir Leid. Aber wir sind auf einem Boot."
Ich wusste nicht, ob er über meinen schlechten Scherz lachte, weil er ihn lustig fand oder ob er nur so tat, damit es mir besser ging. Aber egal was es war- es ließ mein Herz hüpfen.