Wenn das Eis wieder trägt

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Summary

Brianne liebte das Eis. Schon immer. Bis zu jener Nacht, die alles veränderte. Heute kann sie es nicht einmal mehr ansehen. Die Eishalle hinter ihrem Haus meidet sie wie einen Fluch – am liebsten würde sie sie niederbrennen und die Erinnerungen gleich mit. Plötzlich taucht Knox Carter auf. Kanadas Hockeystar. Und ausgerechnet er bittet Brianne um Hilfe. Normalerweise würde sie ohne zu zögern ablehnen. Doch diesmal hält sie inne. Denn als sie in seine schokoladenfarbenen Augen blickt, spürt sie etwas, das sie längst verloren glaubte. Etwas das gefährlicher ist als jedes Spiel auf dem Eis …

Genre
Romance
Author
AnyDii
Status
Ongoing
Chapters
6
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Das Piepen der Maschinen ist wie ein Herzschlag, der mich zugleich hält und quält. Es hallt durch den weißen Raum, kalt und unbarmherzig, und ich spüre jeden Ton in meinen Knochen. Die Augenlider schwer wie Blei. Mein Körper, der sich nicht bewegen will. Und mein Atem, der sich anfühlt wie Feuer in meiner Brust.

Verdammt. Ich liege im Krankenhaus.

Auf einem Bett, umgeben von steriler Kälte, die mich frösteln lässt, obwohl meine Haut brennt.

Die Nacht kehrt in Fragmenten zurück, wie ein zerbrochener Spiegel, dessen Scherben in meinem Kopf schneiden.

Wir trainieren. Lachen. Träumen.

Die Kür, an der wir monatelang gearbeitet haben, die Musik, die uns verbindet, das Licht, das über das Eis strahlt – alles ist noch in mir, und doch plötzlich vollkommen zerrissen.

Ein Knall. Ein Schritt zu spät. Kufen, die über das Eis rasen. Der Boden, der unter mir weggerissen wird. Sein Gesicht, nur ein Schatten, bis mich die Dunkelheit komplett einnimmt. Ich fühle einen Schmerz. Heftige Schmerzen. Ein harter Schlag gegen den Kopf, die Schulter schreit auf, und das Echo seines Aufpralls schmerzt mir noch jetzt in den Knochen.

Ich will schreien, will rufen, will ihn sehen, ihn fühlen. Aber mein Körper gehorcht nicht. Nur Herzklopfen. Nur Angst. Nur Leere.

„Maik?“

Meine eigene Stimme klingt fremd, brüchig, ein Flüstern, das gegen die Stille prallt. Ich bekomme keine Antwort. Nur das monotone Piepen, das mir das Gefühl gibt, zwischen Leben und Tod zu balancieren.

Ich spüre die Tränen auf meinen Wangen, heiß und schwer. Ich will nach ihm greifen, nach seinem Arm, nach der Wärme, die mir immer Sicherheit gegeben hat. Aber da ist nichts. Nur Kälte. Nur Schmerz. Nur die unendliche Angst um ihn.

Flashbacks stürzen auf mich ein, ungeordnet und unfassbar schmerzhaft. Die Musik, die wir hören, während wir die Kür üben. Seine Hand, die meine berührt – fest, vertraut. Sein Lachen, das mich immer wieder aus der Angst reißt. Dann Kufen, die einander kreuzen. Ein falscher Schritt. Die Drehung, die wir nicht mehr stoppen können. Sein Schrei, mein eigener Schrei – und das Eis, das uns verschlingt.

Meine Brust zieht sich zusammen. Ich will wissen, wo er ist. Ob er atmet. Ob er da ist. Jeder Herzschlag fühlt sich an wie ein Trommelfeuer in meiner Brust, jede Sekunde ein Stich ins Ungewisse.

Meine Hände zittern, suchen vergeblich nach Halt. Nach irgendetwas, das mich aus der Panik zieht. Aber alles, was bleibt, ist die Leere, die mich umschließt, und das Piepen der Maschinen, das mich an die Realität fesselt.

Ich will mich bewegen, aufstehen, rufen, ihn sehen. Stattdessen liege ich da, gefangen in meinem eigenen Körper. Jeder Atemzug ist ein Kampf. Jede Erinnerung ein Messerstich.

Die Gedanken wirbeln. Immer wieder denke ich an die Kür, die wir üben. Die Drehungen, die Sprünge, die wir perfektionieren wollen. Seine Stimme, die mich anfeuert. Und dann der Sturz. Alles beginnt so fließend, wirkt so perfekt – und plötzlich ist alles vorbei. Nur noch Schmerz. Nur noch Dunkelheit. Nur noch die schreckliche Ahnung, dass er … daran darf ich nicht denken.

Ein weiteres Piepen. Ein weiterer Atemzug. Ich spüre den Schmerz, aber auch die seltsame Schwere der Stille dazwischen, die mich fast erdrückt. Es ist, als hielte die Welt den Atem an und wartet. Wartet auf ein Zeichen, ein Lebenszeichen. Ein Stück Hoffnung.

„Bitte …“, hauche ich, kaum hörbar. „Bitte…“

Ich weiß nicht, ob er mich hören kann, ob irgendjemand mich hören kann. Mein Herz klopft wild, ein instabiler Rhythmus, der mich fast zerreißt. Ich will ihn retten. Ich will, dass wir beide überleben. Dass wir beide atmen. Dass wir beide wieder Licht sehen.

Abermals tauchen Erinnerungen vor meinem inneren Auge, Fetzen davon, die mich hierher gebracht haben.

Sein Griff, als wir den Sprung vorbereiten. Mein Herz, das rast. Das Eis unter unseren Füßen, das knirscht, rutscht, uns verrät. Ein Schlag. Ein Schrei. Ein Schrei, der nicht endet.

Tränen laufen unaufhaltsam. Ich schließe die Augen, versuche, die Angst zu atmen, sie zu teilen – zwischen Schmerz und Hoffnung, zwischen Leben und Tod. Ich fühle mich ausgeliefert, zerbrechlich, aber dennoch – tief in mir – brennt ein Funke. Ein Funke, der mir sagt, dass wir nicht ganz verloren sind. Dass es vielleicht noch ein Morgen gibt, ein Wiedersehen, ein Atemzug voller Erleichterung.

Die Maschinen piepen weiter, kalt, unbarmherzig, und doch irgendwie tröstlich. Jede Vibration, jeder Ton ist ein Zeichen. Ich bin noch hier. Ich lebe. Vielleicht lebt auch er noch. Vielleicht werde ich ihn finden. Vielleicht werden wir beide kämpfen.

Und so liege ich da, verwundet, benommen, zerrissen zwischen Angst und Erinnerung, zwischen Schmerz und Hoffnung. Mit jeder Faser meines Körpers spüre ich, wie fragil alles ist. Aber auch, wie stark ich noch sein kann – stark genug, um nicht aufzugeben. Stark genug, um durchzuhalten. Stark genug, um zu hoffen.

Denn tief in mir weiß ich. Solange mein Herz schlägt, solange die Erinnerung an ihn mich hält, ist nichts verloren. Nicht ganz.