Dazwischen

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Summary

Manchmal bleibt man stehen und weiß nicht genau, warum. Nicht unbedingt, weil man wartet. Vielleicht auch, weil man merkt, dass man sich schon verabschiedet hat, ohne es auszusprechen. Zwischen Schlaf und Wachsein beginnt ein Junge, Geschichten wahrzunehmen. Keine großen. Eher solche über Verlust, über Nähe, und über Momente, die nicht zurückkommen. Dazwischen ist eine ruhige Light Novel über Abschied, über innere Welten und über die Frage, ob es wirklich reicht, einfach da zu sein.

Genre
Drama
Author
Ani
Status
Complete
Chapters
9
Rating
n/a
Age Rating
16+

Der Ort, an dem man nicht bleibt

Der Himmel war rot,

und ich wusste nicht,

ob ich stehen geblieben war

oder noch unterwegs.

Es war kein besonderes Rot.

Nicht hell.

Nicht bedrohlich.

Eher etwas, das man bemerkt,

ohne hinzusehen.

Ich hatte nicht das Gefühl,

angekommen zu sein.

Aber auch nicht,

mich zu entfernen.

Es war, als hätte sich etwas

zwischen zwei Bewegungen

verfangen.

Die Luft war still.

Nicht leer,

nur ruhig.

So ruhig,

dass man vergessen konnte,

wie lange man schon dort war.

Ich versuchte,

mich zu erinnern,

wann ich zuletzt

einen Schritt gemacht hatte.

Der Gedanke blieb unfertig.

Nicht, weil er weh tat,

sondern weil er

keinen Anschluss fand.

Irgendwo waren Stimmen.

Sie klangen gedämpft,

als kämen sie

durch etwas hindurch.

Nicht durch Wände.

Eher durch Abstand.

Durch etwas,

das nicht greifbar war.

Ich hörte einzelne Silben,

keine Sätze.

Manchmal glaubte ich,

eine Frage zu erkennen.

Manchmal nur

den Tonfall davon.

Es fühlte sich nicht so an,

als würde jemand

mit mir sprechen.

Eher,

als würde gesprochen werden,

während ich zufällig

in der Nähe war.

Ich blieb still,

um besser zuhören zu können.

Doch je mehr ich mich

darauf konzentrierte,

desto weiter rückten

die Stimmen weg.

Manchmal hatte ich das Gefühl,

jemand würde meinen Namen sagen.

Nicht laut.

Nicht dringend.

Mehr wie ein Versuch.

Jedes Mal,

wenn ich darauf reagieren wollte,

war da nichts mehr.

Kein Echo.

Kein Nachklang.

Nur die gleiche ruhige Stille wie zuvor.

Ich blieb stehen.

Nicht, weil ich mich entschied.

Nicht, weil ich müde war.

Es fühlte sich nicht einmal

wie Stillstand an.

Eher wie der Zustand,

bevor man sich fragt,

ob Bewegung überhaupt nötig ist.

Der Raum um mich herum

hatte keine klaren Grenzen.

Keinen Anfang.

Kein Ende.

Er war weder vertraut

noch fremd.

Er stellte keine Fragen.

Ich versuchte,

mich umzusehen,

aber nichts änderte sich.

Nicht, weil da nichts war –

sondern weil nichts

meine Aufmerksamkeit verlangte.

Vielleicht war genau das

der Grund,

warum ich blieb.

Es gab keinen Druck.

Kein Ziehen.

Kein Drängen nach vorn

oder zurück.

Nur diesen einen Moment,

der sich nicht auflöste.

Ich dachte daran,

dass man irgendwann

weitergehen müsste.

Der Gedanke blieb vage.

Wie etwas,

das man sich später

noch einmal genauer ansehen könnte.

Nicht jetzt.

Jetzt war es genug,

hier zu sein.

Oder zumindest

nicht woanders.

Ich blieb stehen

und ließ die Zeit

an mir vorbeigehen,

ohne sicher zu sein,

ob sie sich bewegte

oder ich.