Der Ort, an dem man nicht bleibt
Der Himmel war rot,
und ich wusste nicht,
ob ich stehen geblieben war
oder noch unterwegs.
Es war kein besonderes Rot.
Nicht hell.
Nicht bedrohlich.
Eher etwas, das man bemerkt,
ohne hinzusehen.
Ich hatte nicht das Gefühl,
angekommen zu sein.
Aber auch nicht,
mich zu entfernen.
Es war, als hätte sich etwas
zwischen zwei Bewegungen
verfangen.
Die Luft war still.
Nicht leer,
nur ruhig.
So ruhig,
dass man vergessen konnte,
wie lange man schon dort war.
Ich versuchte,
mich zu erinnern,
wann ich zuletzt
einen Schritt gemacht hatte.
Der Gedanke blieb unfertig.
Nicht, weil er weh tat,
sondern weil er
keinen Anschluss fand.
Irgendwo waren Stimmen.
Sie klangen gedämpft,
als kämen sie
durch etwas hindurch.
Nicht durch Wände.
Eher durch Abstand.
Durch etwas,
das nicht greifbar war.
Ich hörte einzelne Silben,
keine Sätze.
Manchmal glaubte ich,
eine Frage zu erkennen.
Manchmal nur
den Tonfall davon.
Es fühlte sich nicht so an,
als würde jemand
mit mir sprechen.
Eher,
als würde gesprochen werden,
während ich zufällig
in der Nähe war.
Ich blieb still,
um besser zuhören zu können.
Doch je mehr ich mich
darauf konzentrierte,
desto weiter rückten
die Stimmen weg.
Manchmal hatte ich das Gefühl,
jemand würde meinen Namen sagen.
Nicht laut.
Nicht dringend.
Mehr wie ein Versuch.
Jedes Mal,
wenn ich darauf reagieren wollte,
war da nichts mehr.
Kein Echo.
Kein Nachklang.
Nur die gleiche ruhige Stille wie zuvor.
Ich blieb stehen.
Nicht, weil ich mich entschied.
Nicht, weil ich müde war.
Es fühlte sich nicht einmal
wie Stillstand an.
Eher wie der Zustand,
bevor man sich fragt,
ob Bewegung überhaupt nötig ist.
Der Raum um mich herum
hatte keine klaren Grenzen.
Keinen Anfang.
Kein Ende.
Er war weder vertraut
noch fremd.
Er stellte keine Fragen.
Ich versuchte,
mich umzusehen,
aber nichts änderte sich.
Nicht, weil da nichts war –
sondern weil nichts
meine Aufmerksamkeit verlangte.
Vielleicht war genau das
der Grund,
warum ich blieb.
Es gab keinen Druck.
Kein Ziehen.
Kein Drängen nach vorn
oder zurück.
Nur diesen einen Moment,
der sich nicht auflöste.
Ich dachte daran,
dass man irgendwann
weitergehen müsste.
Der Gedanke blieb vage.
Wie etwas,
das man sich später
noch einmal genauer ansehen könnte.
Nicht jetzt.
Jetzt war es genug,
hier zu sein.
Oder zumindest
nicht woanders.
Ich blieb stehen
und ließ die Zeit
an mir vorbeigehen,
ohne sicher zu sein,
ob sie sich bewegte
oder ich.