Out of Office: ausgerechnet Du

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Summary

Dies ist der 3. Teil von der Out of Office Serie! Früher waren Isabella und Nic beste Freunde. Unzertrennlich. Sie kannten sich besser als jeder andere. Bis Nic plötzlich zu einem der beliebtesten Jungs der Schule wurde – und Isabella zu dem Mädchen, über das man lacht. Als sie eines Tages zufällig hört, wie Nic vor seinen Freunden über sie spricht, zerbricht ihre Freundschaft endgültig. Von diesem Moment an sind sie nur noch eines: Feinde. Doch Jahre später zwingt ein gemeinsamer Wintertrip in eine luxuriöse Skihütte sie wieder zusammen. Zwischen alten Erinnerungen, schneebedeckten Nächten und viel zu intensiven Blicken wird schnell klar: Der Hass zwischen ihnen ist echt. Aber vielleicht ist er nicht das Einzige, was noch zwischen ihnen existiert. Denn Nic nennt sie immer noch Bella. Und Isabella hasst es – weil nur er ihren Namen jemals so gesagt hat.

Status
Complete
Chapters
37
Rating
5.0 5 reviews
Age Rating
18+

Chapter 1

Der Garten sieht noch genauso aus wie früher.

Lichterketten hängen über der Terrasse, es riecht nach Grill und Sommerabend, und unsere Eltern sitzen lachend am großen Holztisch – als wäre die Welt perfekt.

Ist sie aber nicht.

Fünf Jahre.

Fünf Jahre habe ich es geschafft, ihm aus dem Weg zu gehen.

Geburtstage ausgelassen.

Familienfeiern geschwänzt.

Ausreden erfunden.

Alles nur, damit ich ihn nicht sehen muss.

Und jetzt stehe ich hier.

Genau an dem Ort, an dem alles angefangen hat.

„Isi, holst du bitte noch die Zitronen aus der Küche?“ ruft meine Mom.

Ich lehne am Geländer der Terrasse und verdrehe die Augen.

„Bin ich hier die Einzige mit Beinen?“

„Du bist einfach näher dran, Bella.“

Die Stimme trifft mich wie ein Schlag.

Mein Herz setzt einen Moment aus.

Langsam drehe ich mich um.

Nic steht im Türrahmen, lässig dagegen gelehnt, die Arme verschränkt.

Dunkle Haare. Breitere Schultern als früher. Dieses selbstgefällige Grinsen, das ich schon mit fünfzehn am liebsten aus seinem Gesicht gewischt hätte.

Fünf Jahre.

Und trotzdem erkenne ich ihn sofort.

Leider erkennt mein Herz ihn auch.

Es schlägt plötzlich viel zu schnell.

Nic.

Der Junge, der einmal mein bester Freund war. Wir waren unzertrennlich gewesen. Sandkasten. Fahrradtouren. Sommerferien. Geheimnisse mitten in der Nacht.

Bis wir fünfzehn waren. Bis etwas passiert ist. Etwas, das meine Welt zerstört hat. Danach war nichts mehr wie vorher.

Die letzten drei Jahre in der Highschool waren die Hölle. Ihn jeden Tag zu sehen. Zu wissen, dass er nicht mehr mein bester Freund war.

Und dass ich ihn trotzdem liebte.

Vielleicht sogar mehr, als ich jemals hätte sollen.

Nic hebt eine Augenbraue.

„Starrst du mich jetzt noch länger an oder holst du wirklich die Zitronen?“

Ich verschränke die Arme. „Nenn mich nicht Bella.“

Er hebt unschuldig die Hände. „Was denn? Ist doch dein Name.“

„Für dich grundsätzlich Isabella.“

Er stößt sich vom Türrahmen ab und kommt einen Schritt näher.

Zu nah. Immer zu nah.

„Vielleicht mag ich Bella mehr als Isi.“

„Vielleicht solltest du einfach lernen, wann du still sein musst.“

Er lacht leise. Dieses tiefe, ruhige Lachen, das mich jedes Mal wütender macht, als es sollte.

Am Tisch reden unsere Eltern über Urlaube, über Arbeit, über alte Zeiten.

Sie merken nichts.

Oder tun zumindest so.

Nate – mein Dad – stößt Leo an und sagt:

„Weißt du noch, wie sie früher im Sandkasten gespielt haben?“

„Unzertrennlich“, ergänzt Lily meine Mum.

Unzertrennlich.

„Unzertrennlich?“ murmelt Nic neben mir. „Du hast mir damals meine Förmchen geklaut.“

„Du hast mich mit Sand beworfen.“

„Du hast angefangen.“

„Du warst unerträglich.“

Er beugt sich leicht zu mir runter.

„Bin ich immer noch.“

Ich will etwas Konterndes sagen, etwas Schlagfertiges – aber stattdessen bleibt mein Blick einen Moment zu lange an seinen Augen hängen.

Dunkel.

Intensiv.

Und viel zu nah.

„Kinder?“ ruft Ella lachend vom Tisch. „Alles gut bei euch?“

„Bestens!“ ruft Nic zurück – ohne mich anzusehen.

Ich stoße ihn leicht gegen die Schulter.

Er greift nach meinem Handgelenk, nur kurz – aber lang genug, dass mein Herz einen viel zu schnellen Schlag macht.

Ich reiße meine Hand los. „Fass mich nicht an.“

Er wird einen Moment ernst.

„Du reagierst immer über.“

„Du provozierst immer.“

„Vielleicht, weil du sonst gar nicht reagierst.“

Das trifft.

Ich weiche einen Schritt zurück.

„Mach dir keine Hoffnungen“, sage ich kühl. „Ich kann dich nicht ausstehen.“

Er lächelt schief.

„Lüg dich ruhig weiter an, Bella.“

Kinder?“

Diesmal steht mein Dad direkt vor uns.

Ich habe keine Ahnung, wann er aufgestanden ist, aber sein Blick wandert langsam zwischen Nic und mir hin und her.

Dieser typische Nate-Blick.

Der, der sagt: Ich habe alles gesehen.

„Alles okay hier?“ fragt er ruhig.

„Bestens“, sagt Nic gleichzeitig mit meinem „Natürlich“.

Dad hebt nur eine Augenbraue.

„Ihr habt euch fünf Jahre nicht gesehen“, sagt er schließlich. „Und nach zehn Minuten benehmt ihr euch wieder wie im Sandkasten.“

„Er hat angefangen“, murmele ich.

„Sie hat angefangen“, sagt Nic im selben Moment.

Mein Dad schließt kurz die Augen, als würde er bis drei zählen.

„Genau das meine ich“, sagt er dann trocken. „Das kann so nicht weitergehen.“

Ich verschränke die Arme.

„Ich habe kein Problem.“

Neben mir schnaubt Nic leise.

Dad sieht uns abwechselnd an.

„Ihr wart einmal beste Freunde.“

Mein Herz zieht sich zusammen.

Wart.

Bevor er weiterreden kann, stellt sich Leo neben ihn.

Mit diesem viel zu zufriedenen Ausdruck im Gesicht.

Oh nein.

Das bedeutet nie etwas Gutes.

„Eigentlich“, sagt Leo locker, „wollten wir euch das sowieso gerade erzählen.“

Die Erwachsenen tauschen diesen Blick aus.

Den gleichen Blick, den sie immer haben, wenn sie glauben, eine brillante Idee zu haben.

„Wir haben für diesen Winter eine Skihütte gemietet.“

Ich blinzle.

„Alle zusammen.“

Stille.

Dann fügt er hinzu:

„Drei Wochen.“

Neben mir erstarrt Nic.

Ich glaube, mein Gehirn braucht ein paar Sekunden, um zu verstehen, was er gerade gesagt hat.

„Bitte was?“ frage ich langsam.

Leo nickt zufrieden.

„Die ganze Familie. Über Weihnachten bis nach Neujahr.“

Mein Dad ergänzt:

„Wird Zeit, dass wir mal wieder alle zusammen Urlaub machen.“

Ich starre sie an.

„Drei Wochen?“ wiederhole ich ungläubig.

Nic fährt sich durch die Haare.

„Das ist ein Witz.“

„Nein“, sagt Leo fröhlich.

„Ich arbeite“, sagt Nic sofort.

„Urlaubstage“, antwortet mein Dad.

Ich verschränke die Arme. „Ich habe auch einen Job.“

„Dann nimm dir frei.“

„Ich habe Termine.“

„Verschieb sie.“

Ich sehe zwischen ihnen hin und her.

„Ihr könnt uns nicht zwingen.“

Leo lächelt.

Dieses gefährliche Leo-Lächeln.

„Doch.“

Er lehnt sich leicht vor.

„Anwesenheitspflicht.“

Nic und ich sagen gleichzeitig:

„Nein.“

„Keine Ausreden“, fügt mein Dad ruhig hinzu.

Stille.

Ich spüre Nics Blick neben mir.

Genervt. Ungläubig.

Ich drehe den Kopf zu ihm.

„Drei Wochen mit dir in einer Skihütte?“ murmele ich.

Er sieht mich an.

„Glaub mir“, sagt er trocken, „das ist für mich genauso schlimm.“

Ich schnaube.

„Dann sag ab.“

„Du zuerst.“

„Ganz bestimmt nicht.“

Vom Tisch kommt Lilys Stimme:

„Ihr werdet das überleben.“

Ich bin mir da nicht so sicher.

Nic lehnt sich wieder gegen das Geländer und sieht mich mit diesem schiefen Grinsen an.

„Siehst du, Bella“, murmelt er.

Ich verenge die Augen.

„Wir werden wohl wieder unzertrennlich.“

Mein Herz schlägt schneller.

Und ich hasse, dass ein Teil von mir plötzlich Panik bekommt.

Drei Wochen.

Mit Nic.

Nach fünf Jahren.

Das kann nur schiefgehen.

Oder viel zu gefährlich werden.