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Eine kleine schriftstellerische Biografie von Kastor Aldebaran

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Summary

Eine kleine schriftstellerische Biografie von Kastor Aldebaran

Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
13+

Kapitel 1

Eine kleine Autorenbiografie von mir, angeregt durch den Schriftwechsel mit einem Leser. 


Ach ja, nein, das bin ich nicht auf dem Foto, auch wenn ich es gerne wäre!*g*


Viele Autoren behaupten, das sie ihr Leben lang Geschichten verfasst haben, schon als Kind vielleicht Märchen oder selbst erdachte Werke.

Das war bei mir nicht der Fall. Ich habe meine Liebe zum geschriebenen Wort recht spät entdeckt, dafür war ich viele Jahre auf der anderen Seite der Macht, habe Bücher nicht nach Seiten gelesen, sondern nach Kilogramm.

Man kann sagen, mir wurde als Kind und Jugendlicher das Schreiben in der Schule verleidet. Viele Jahre lang hatte man nichts Besseres zu tun, als mir beizubringen, das ich von der deutschen Sprache keine Ahnung hatte, bevor ich sie nicht mit lateinischen Ausdrücken auseinandernehmen und analysieren konnte. Erst danach, wenn ich das perfekt beherrschte, würde ich meine eigene Muttersprache verstehen. Heute ist mir klar, dass es ein vollkommener Blödsinn ist. (Die Germanisten unter euch mögen mir verzeihen) Rechtschreibung, ja, kann ich unterstreichen. Nichts ist schlimmer, als an jedem fünften Wort mit den Augen hängen zu bleiben, wie ich es ausdrücke. Aber ich muss nicht wissen, was ein Pronom ist, ein Plusquamperfekt, ein Adjektiv oder sonst was. Die wenigsten werden sich nach einem geschriebenen Satz hinsetzten und ihn auf diese analytische Art bewerten. Wenn doch, herzlichen Glückwunsch, derjenige hat meinen Respekt, zugleich erregt er Mitleid in mir, weil er sonst in seinem Leben nicht viel zu tun hat. Egal.

Angefangen habe ich etwa vor fünfzehn Jahren, kann auch länger her sein, ich führe darüber kein Buch und historische Aufzeichnungen. Schnell wurde mir klar, dass ich für Krimis kein Händchen habe, und für Liebesromane nicht romantisch genug bin, von Geld keine Ahnung habe, jedenfalls nicht in Buchform. Also stellte sich die Frage, was schreiben, was interessiert Menschen, wenn sie etwas lesen.

Schnell rückten die Grundbedürfnisse in den Vordergrund. Viele Romane enthielten wie nebenbei erotische Passagen, teilweise deftiger als gedacht und mir kam der Verdacht, dass die Autoren ihre eigenen Wünsche oder Erlebnisse zu Papier gebracht hatte, und das mit einer erkennbaren Leidenschaft. (Davon habe ich auch keine Ahnung, aber ich schreibe gerne drüber!)

Sex und Erotik, Leser die es nicht interessierten, waren wenige, sonst hätten es, vor allem kommerzielle Schriftsteller nicht geschrieben. Daher, warum nicht, auch wenn die Thematik zu der Zeit in der Schmuddelecke der Literatur verankert war, bis auf wenige Klassiker, die im hintersten Winkel der Bücherregale ein verstecktes Leben führten. Oft herausgeholt und verstohlen zurückgestellt. Ob Josephinchen, die gute Fanny, oder der Marquise. Ich kannte sie alle, hatte sie in jungen Jahren gelesen und in meine Träume mit eingebunden.

Es kam das Internet und damit diverse Portale, auf denen Literatur der besonderen Art angeboten wurden, umsonst, von Hobbyautoren für umsonst eingestellt, ein gefundenes Fressen für mich. Viele der eigenen Fantasien wurden beschrieben, andere nisteten sich in mein Gehirn ein. Die Welt der Erotik war vielseitig und aufregend. Genau das beflügelte mich, es selber zu versuchen. Die Geschichten waren teilweise gut, manche grottig, der Schreibstil gefiel mir oft nicht. Daher sagte ich mir, das kannst du auch und fing damit an, den ersten Roman zu verfassen, natürlich, darunter ging es nicht. Kurzgeschichten konnte doch jeder. (Ironie, später stellte ich fest, dass gute Kurzgeschichten schwerer zu schreiben waren als gedacht)

Zu der Zeit hatte ich zwar einen PC, aber es war mir zu anstrengend, stundenlang auf einem nicht ausreichend ergonomischen Stuhl zu sitzen. Daher schrieb ich meine ersten zwei Romane komplett auf Papier auf. (Ich besitze den Haufen heute noch zur Erinnerung)

Danach fand ich mich erfahren und gewappnet genug, um es selber im WWW zu versuchen und schrieb meine ersten Geschichten für das Internet, hatte mir bis dahin einen Laptop zugelegt, den ich bequem im Relaxsessel auf den Beinen halten konnte. (Ist heute noch so!)

Um ehrlich zu sein, meine ersten Erfolge, hielten sich in Maßen, sie waren genau das, was ich bei anderen gelesen hatten, grottig schlecht und das bekam ich schnell zu spüren. Als ich sie einstellte, waren die Reaktionen darauf wenig erfreulich. Kommentare wie: „Lass es lieber!“, waren dabei die Freundlichen. Oder anders gesagt, ich ging durch eine harte Schule, bevor sich die Bemerkungen kultivierten.

Wenige später stellte ich meine beiden vorgeschriebenen Romane ein, hatte sie abgetippt. Eine wahnsinnig aufwendige Sache, weil das erste Werk über 100 000 Worte hatte. Dazu kaufte ich mir ein Rechtschreibprogramm, das über Word hinaus arbeitete, die meisten kennen es, den Duden Korrektor. Damit verbesserte sich die Rechtschreibung (es waren und sind noch genug Tippfehler drin, die eine Maschine nicht erkennen kann) und die Kommentare wurden freundlicher. Davon angespornt schrieb ich mehr, genoss die anregenden Stunden, in denen ich meine Fantasien austobte, sie möglichst in eine echte Geschichte einbettete.

Mehrere Jahre verbrachte ich damit, war zufrieden mit dem Wenigen, das ich dafür bekam. Ein paar nette Leute, die mir oft freundlich Nachrichten zukommen ließen, gelegentlich sogar privat. Manchmal entwickelte sich eine längere Korrespondenz daraus, oft mit anderen Autoren, was fast zwangsläufig passiert. Unsere schriftlichen Unterhaltungen, der Austausch von schriftstellerischen Erfahrungen, waren teilweisen befruchtend und aufschlussreich.

Irgendwann, ich müsste selber nachsehen, wozu ich keine Lust habe, es muss um 2016 oder 2017 gewesen sein, kam ich auf die Idee, warum meine Storys nicht vermarkten. Ich fand, dass ich genug dafür gelernt hatte und vielleicht gab ein paar Leser da draußen, die ihr Liebstes für mich gaben, ihr Geld, also bei normalen Menschen Arbeitsleistung in finanzieller Form. Doch wie machen? Ich hatte keine Ahnung davon und natürlich kam mir als Erstes der Gedanke, das es ein Verlag sein sollte. Ergo, rein ins Internet und nachschauen, wer gierig darauf sein könnte, ausgerechnet die Werke von Kastor in bare Münze umzusetzen, also auch für mich.

Das Angebot spezieller Verlage für mein Genre war übersichtlich. Große Publikumsverlage (später wusste ich, das sie allgemein so hießen) ließ ich gleich links liegen. Sie hatten ihr Autoren und einen von Grund auf aufzubauen, war zu teuer, besser ein Promi schrieb „selber“ seine Biografie oder sonst was, das ließ sich vermarkten.

Ergo, es blieben kleine Unternehmen übrig, überschaubarer, und die dubiosen Kostenzuschussverlage, deren Geschäftspraxis mir nicht bekannt war. Natürlich schrieb ich auch einen von ihnen an und prompt kam nach ein paar Tagen eine Zusage unter der Voraussetzung, das ich für mein Werk etwa, ich weiß es nicht mehr genau, aber die Anfangskosten lagen bei 6000-8000 Euro plus, je nach Service. Natürlich war ich dazu nicht bereit. Für mich war ein Verlag eine Firma, die am Gewinn beteiligt war, ähnlich wie bei Modelagenturen, die nur seriös sind, wenn sie erst verdienen, wenn sie Jobs für die Models einholen.

Später wurde mir klar, dass dieser Kostenzuschussverlag auch eine Kopie des Telefonbuchs für mich veröffentlicht hätte und ich war mir sicher, das sie nicht eine Zeile gelesen hatten. Vielleicht, bei einem kostenpflichtigen Lektorat und Korrektorat, das Extra abgerechnet wurde. Marktüblich wären etwa zwei bis dreitausend Euro zusätzlich auf mich zugekommen, dazu einen Keller, der von den Autorenexemplaren aus allen Nähten geplatzt wäre. Damit sollte ich meine Karriere selber ankurbeln und klinkenputzend die Buchläden abklappern. Ein Dienst, den ich eher beim Verlag sah. Für sie spielte es keine Rolle, weil nicht gewinnbeteiligt.

Bei einem kleinen Verlag hatte ich dann Glück. Nicht das sie mein Buch haben wollten, aber die CEO hatte sich die Zeit genommen, mein Werk zu lesen und schrieb mir eine über zwei Seiten lange Kritik, die mir auf dem weiteren Weg half. Unter anderen, wie ein Roman für ihren Verlag sein musste etc.. Danke an dieser Stelle noch einmal an sie!

Mit diesem Ergebnis war mir klar, ein Verlag welcher Größe auch immer, würde mich in ein schriftstellerisches Korsett quetschen, mir mehr oder weniger vorschreiben, was sie wollten und sich vorstellten. Kein Weg für mich, ich brauchte meine künstlerische Freiheit zu tun und lassen, was ich wollte. Blieb nach Monaten der Weg des Selfpublishing. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich genug informiert hatte, dachte ich jedenfalls, um damit anzufangen. Ergo, wozu alles selber machen, ein Distributor musste her, also ein Verlag, in dem man seine Werke einstellte, und sie verteilten es dann auf diverse Onlineportale, von dem großen A bis sonst wohin, ich kannte nicht einmal ihre Namen. Großer Nachteil, sie wollten einen gehörigen Teil vom Kuchen ab haben. Die Rechnung sah folgender Maßen aus: Der Distributor verlangte 30%, musste den Teil an den Anbieter abgeben, den dieser verlangte, wenn man selber als Autor einstellte, in der Regel auch etwa 30%, es wird etwas anders gerechnet, aber kommt in etwa hin. Dazu möchte Vater Staat, auch was vom Kuchen abhaben. Natürlich die Mehrwertsteuer und wenn man genug verdient, die Lohnsteuer. Zieht man alles zusammen, kommen dabei mindestens 67% der Einnahmen heraus. Als mir das bewusst wurde, habe ich mich gefragt, warum arme Menschen, die dem Spitzensteuersatz unterliegen, am Jammern sind. (Feinheiten über Steuer und was damit zu tun hat, bitte wenden sie sich vertrauensvoll an ihren Steuerberater)

Da ich davon ausging, dass mich keiner für den Nobelpreis vorschlug oder Herrn Pulitzer, spielte es für mich kaum eine Rolle, was hatte ich schon zu verlieren.

Ehrlich gesagt, eine Menge. Das es am Anfang schleppend anlief, war nicht überraschend. Wer glaubt, er schreibt ein Buch welcher Art, und kann sich danach zurücklehnen und der Euro kullert vor die Füße, dem kann ich sagen, das er in der nächsten Zeit eine effektive Diät machen wird. Natürlich gab und gibt es die berühmten Ausnahmen, aber wie immer, sehr selten gesät und nicht die Norm.

Es kam ein seltsamer Tag, ich konnte es nicht glauben und wähnte mich als Glückspilz, einer von denen, die das oben beschriebene widerfuhr. Innerhalb von wenigen Stunden verkaufte ich über 200 Bücher, auch am nächsten blieb es mit absteigender Tendenz dabei. Vorher hatte ich eins oder zwei, an einem guten Tag drei verkauft und stolz darauf, das es überhaupt jemand tat.

An diesem Tag fing ich an zu rechnen und bekam zuerst glänzende Augen.

200 Bücher mal Verkaufspreis von 2,99 Euro waren gute 600 Euro. Dann der schnell einholende Schock. 600 Euro minus etwa 67 Prozent gleich, 198 Euronen. Natürlich war das immer noch viel Geld, aber die meisten kennen den prüfenden Blick auf den Lohnzettel am Ende des Monats. Genauso erging es mir. Trotzdem waren es etwa 400 Euro in dem Monat, für einen No Name wie mich, ein riesen Erfolg. Doch woher kamen diese für mich wahnsinnigen Verkäufe, ich konnte es mir zuerst nicht erklären, bis ich dahinter kam. Ein recht bekannter Buchblogger hatte eines meiner Bücher in seine zu lesende Liste aufgenommen und anscheinend sahen sich viele dazu angeregt, es ihm gleich zu tun. Daher fiel meine Euphorie als erstrahlender Stern am Schriftstellerhimmel von einem Tag auf den anderen in sich zusammen. Ödnis herrschte für viele Monate, der Verdienst lag bereinigt, also netto bei vielleicht 50 Euronen, wenn überhaupt. Sah man sich dazu die Stunden und Tage an, die es dauerte, ein solches Werk zu schreiben, konnte man sich für den Stundenlohn keinen Schokoriegel kaufen.

Daher musste Werbung her, aber wie? In den sogenannten sozialen Medien, war ich nicht aktiv, auch kein Influencer, wie man sie heute nennt. Also Leute, die einem etwas verkaufen wollen, von dem man vorher nicht wusste, das man es unbedingt braucht, um in seinem Leben glücklich zu werden.

Die einzige reale Chance sah ich darin, über den Distributor ein paar Romane bei dem großen A umsonst einzustellen, also die null Euro Strategie. (Für die nachfolgenden Autorengenerationen: „Das ist seit Jahren in der Form nicht mehr möglich“)

Also kramte ich alte Romane von mir heraus, die ich auf anderen Portalen veröffentlicht hatte und nutzte sie zum Anfüttern. (Ehrlich gesagt, wenn ich sie heute lese wird mir übel, sie sind weiterhin verfügbar und müssten korrigiert und umgeschrieben. Allerdings kostet das mehr Zeit und Mühe, als einen Neuen zu verfassen, und auch mein Tag hat leider nur 24 Stunden)

Inwieweit es mir geholfen hat, kann ich in Zahlen nicht ausdrücken, doch damit hatte ich einen Fuß, mindestens den kleinen Zeh in der Tür. Ein Teil dieser Werke sind heute noch oft unter den Top 100 der kostenlosen Erotikromane, was nicht schwer ist. Kleiner Spoiler, nur wer es unter die ersten 100 schafft, egal in welchem Genre, wird gesehen, zumindest beim großen A! Bei anderen Anbietern kann ich das nicht sagen, weil nicht ausprobiert. Wer sonst keine wirkungsvollen Werbemaßnahmen hat, viel Spaß beim Weinen.

Bis ich soweit war, waren viele Jahre ins Land gegangen, Lehrjahre sind keine Herrenjahre, wie man es gerne ausdrückte.

Ende 2018 hatte ich die Nase voll, ich fragte mich, wie ich meinen Gewinn maximieren könnte, oder zumindest auf ein Niveau treiben konnte, ohne Wasser in den Augen zu haben. Eine schnelle Analyse des Marktes ergab, auch wenn es viele andere Modelle gibt, dass das große A unter Umständen am meisten Profit für den Autor generierte. Unter bestimmten Voraussetzungen, die jeder selber dort nachlesen kann, der sich dafür interessiert, blieben beim Autor 70% hängen, also wesentlich mehr als über den Distributor, der auch von was leben wollte. Ich weiß, es gibt viele Menschen dort draußen, die Konzerne wie diesen nicht mögen, es ablehnen, ihnen finanziell unter die Arme zu greifen. Aus welchen Gründen auch immer, jeder darf sich selber ein Urteil darüber bilden. Doch als Autor kommt man an einer Firma schlecht vorbei, die über 50% Marktanteil am E-Book Markt hat. Zumindest habe ich das gelesen, die Zahl kann inzwischen anders sein, nagelt mich deswegen nicht an die Wand.

Nach der Analyse war klar, ich würde meine neuen Romane, zumindest für ein paar Monate exklusiv dort anbieten mit dem Risiko, Leser zu verlieren. (Habe ich tatsächlich, es gab Leser die mir privat oder sonstwo schrieben, dass sie mit dem Vertriebsweg nicht einverstanden waren)

Damit musste ich leben, bekam im Gegenzug mehr Zuspruch von neu gewonnenen Kunden.

Zufrieden, bei wechselnd steigenden oder sinkenden Einnahmen über die Jahre, je nachdem wie viel ich dafür tat, und durch einigen anderen Faktoren, die dafür maßgeblich sind, die ich hier nicht im Einzelnen aufzähle, bin ich heute damit zufrieden wie es sich entwickelt hat und hätte nie gedacht, dass ich jemals soweit komme. Nach über 80 Romanen, eine Frage, wie man sie zählt, und diversen anderen Werken, die es entweder nicht mehr zu kaufen oder öffentlich gibt, sowie einige im Giftschrank meines Schaffens, bin ich froh, den Weg gegangen zu sein.

Wer einen Ähnlichen anstrebt, nur zu, vielleicht liest diese kleine Abhandlung der nächste Bestsellerautor und wagt das Abenteuer.


Kastor


PS: Nein, wer glaubt, es fehlt der Abschnitt über meinen jetzigen Verdienst, den muss ich leider enttäuschen. Aber soweit sei es verraten, es ist ein ordentliches Taschengeld!

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author

Danke für den interessanten Einblick 🙋🏼‍♀️

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