Anprobe
Hallo ihr Lieben!
Dieses Mal gibt's zur Abwechslung keinen Mandy-Content – stattdessen bekommt ihr einen kleinen Teaser für mein nächstes Projekt, das aktuell noch in der Schreibhöhle vor sich hin brodelt. Reverse Harem, Comedy, Dämonen, Engel und viel zu viel Drama – das Ganze hört auf den ziemlich kurz geratenen Namen:
»Ich bin die heißeste Dämonenprinzessin der Hölle – aber mein Verlobter (ein Erzengel!) findet mich NERVIG?!«
Ja, der Titel ist Programm. Nein, er wird nicht kürzer. Lilith würde das nicht erlauben.
Die Kurzgeschichte spielt im selben Universum und gibt euch einen ersten Eindruck von Lilith und Mira – allerdings mit einer kleinen Warnung: Lilith x Mira wird im eigentlichen Projekt leider kein Kanon sein. Dafür warten dort andere Kandidaten, die sich Liliths Aufmerksamkeit verdienen dürfen (oder es zumindest versuchen). Aber als Fanservice-Spezial zwischen den Projekten? Dafür sind Kurzgeschichten da. ^^
Die Geschichte ist explizit (18+)
Viel Spaß beim Lesen!
Clover 🖤
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Mira stand in meiner Tür und drückte mir eine Schachtel gegen die Brust, bevor ich überhaupt Hallo sagen konnte. Nicht dass ich es vorgehabt hatte – aber die Option wäre nett gewesen.
»Morgen ist Shooting! Neue Kollektion, du trägst das hier.«
Ich nahm die Schachtel. Schwarzer Karton, goldene Prägung, kein Logo – eine Verpackung, bei der man nicht nach dem Preis fragte, weil man ihn sich entweder leisten konnte oder hier nichts zu suchen hatte. Mein Daumen strich über die Prägung. Wer auch immer die Schachtel designt hatte, verstand mehr von Zurückhaltung als neunzig Prozent der Hölle – was gleichzeitig ein Kompliment und eine niedrige Messlatte war.
Ich öffnete den Deckel.
Strumpfhosen. Schwarze Spitze, so fein, dass das Muster fast verschwand.
Ich rieb den Stoff zwischen Daumen und Zeigefinger. Hauchzart, aber mit Struktur – kein Durchhängen, kein Verziehen, nichts.
Handarbeit. Echte Handarbeit, die Art, die sich nicht Handarbeit auf die Verpackung drucken musste, weil man es am Stoff spürte statt am Etikett.
»Perfekt«, sagte ich, und dann korrigierte ich mich, weil perfekt zu wenig war. »Makellos. Wer hat die gemacht? Wer auch immer es war, ich will den Rest der Kollektion.«
»Wusste ich.« Mira lehnte sich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme. »Zieh sie an.«
»Natürlich ziehe ich sie an. Was denkst du –«
»Nein.« Mira löste sich vom Türrahmen. Ein einziger Schritt, präzise wie alles, was sie tat, und plötzlich war mein Ankleidezimmer kleiner. »Ich ziehe sie dir an.« Sie ließ das sacken. »Beim letzten Shooting hast du Seidenhandschuhe in acht Sekunden zerrissen, beim vorletzten eine Korsage enthauptet, und ich schicke diese Strumpfhosen nicht als Opfer in deine Klauen.«
»Ich habe KEINE Klauen, ich habe perfekt gepflegte –«
»Setz dich.«
»– Nägel, die laut drei unabhängigen Experten als Kunstform durchgehen, und wenn du ERNSTHAFT glaubst, dass du mir –«
»Lilith.« Mira sah mich an. Dieser Blick. Der Blick, der sagte: Ich kenne dich seit sechs Jahren und habe weder die Zeit noch die Geduld.
»Setz. Dich. Hin.«
Ich setzte mich.
Einfach so. Auf die Bettkante, Hände auf den Knien, Mund noch offen, weil der halbe Satz irgendwo steckengeblieben war, und der Teil von mir, der normalerweise SCHRIE, wenn jemand mir einen Befehl gab – der Teil, der Auren hochfuhr und Möbel durch den Raum schleuderte und sich in existenziellen Widerstand hineinsteigerte, bis die Wände wackelten – dieser Teil saß irgendwo in einer Ecke meines Kopfes und sagte gar nichts, und mein Schwanz zuckte, und NICHTS war passiert, Mira hatte nur meinen Namen gesagt und mich angeschaut, und seit wann reichte DAS –
Muskelkrampf, dachte ich. Zugluft. Gar nichts.
Miras Blick ging zu meinem Schwanz, dann zurück zu meinem Gesicht, und die Ecke ihres Mundes zuckte, aber sie sagte nichts.
Das war schlimmer. Viel schlimmer, als wenn sie etwas gesagt hätte.
Mira ging vor mir auf die Knie, strich den Rock glatt, als wäre das hier eine völlig normale Situation und nicht –
Es WAR eine völlig normale Situation. Anprobe. Freundinnendienst. Sie nahm die Strumpfhosen aus der Schachtel, raffte den Stoff mit beiden Händen und sah zu mir hoch.
Ich trug inzwischen nur noch den Seidenmantel und sonst nichts, weil Mira als Erstes klargestellt hatte, dass Unterwäsche unter DIESEN Strumpfhosen »ein Verbrechen gegen die Silhouette« war, und ich hatte zugestimmt, weil sie recht hatte, und jetzt saß ich hier, und sie kniete vor mir, und unter dem Mantel war nichts, und Mira war DIREKT VOR MIR, und unter dem Mantel war NICHTS, und seit wann war ein Seidenmantel so dünn, der war doch vorher nicht so dünn –
»Rechtes Bein.«
Ich streckte das rechte Bein vor.
Miras Finger schoben den Stoff über meine Zehen. Langsam und vorsichtig – ja, der Stoff war empfindlich, das machte Sinn –, aber ihre Daumen strichen über meinen Spann, als würden sie nachzeichnen, wie mein Fuß geformt war, und das war sehr gründlich dafür dass sie mir nur eine Strumpfhose anzieht.
Der Stoff glitt über meinen Knöchel. Miras Finger strafften das Spitzenmuster, und auf meiner Haut sah es aus wie Ranken – schwarze Ranken auf blasser Haut. Das Muster schmiegte sich exakt in die Kurve meiner Wade, als wäre es dafür gemacht, und ich folgte den Linien mit den Augen, dem Kontrast, dem Stoff auf meiner Haut, der Art, wie die Spitze das Licht fing –
Die Wärme von Miras Haut drang durch die Spitze hindurch und traf jeden einzelnen Nerv, als wäre der Stoff nicht da und gleichzeitig ÜBERALL.
Ich betrachtete das Muster. Den Stoff. Nicht Miras Hände. Nur den Stoff. Definitiv nur den –
»Der Stoff fällt gut«, sagte ich, und das war ein vernünftiger Satz über Textilien, und meine Stimme war völlig normal, absolut unauffällig, und alles war –
»Mhm«, sagte Mira.
Der Stoff erreichte mein Knie. Darüber hinaus. Miras Finger an meinem Oberschenkel, und sie glättete den Stoff langsam mit beiden Händen, und die Berührung war überall, und mein Atem tat etwas, das er nicht hätte tun sollen.
»Linkes Bein.«
Dieses Mal wusste ich, wie es sich anfühlte. Das war schlimmer. Miras Finger glitten über meine Zehen, und ich kannte die Berührung jetzt und WARTETE darauf, und sie war langsamer als beim ersten Bein – ich bildete mir das nicht ein, es WAR langsamer –, und dieses Mal schaute Mira nicht auf ihre Hände.
Sie schaute mich an. Auf mein Gesicht. Auf das, was mein Gesicht zu verbergen versuchte und wahrscheinlich spektakulär daran scheiterte, weil Lilith Morgenstern viele Talente hatte, aber Verbergen war definitiv keines davon.
Über mein Knie. An die Innenseite meines Oberschenkels – die Haut dort war dünner, empfindlicher, und die Spitze raschelte leise. Miras Daumen zeichneten das Muster nach, jeden Millimeter Stoff, jeden Millimeter Mira, und mein Rücken wurde gerader, und meine Hände krallten sich in die Bettkante, und irgendwo in meinem Kopf schrie eine Stimme ÄSTHETISCHE BEWERTUNG und eine andere schrie HALTS MAUL.
»Du bewertest gerade den Stoff«, sagte Mira, ohne innezuhalten, »oder meine Hände?«
Mein Schwanz peitschte gegen die Matratze.
»Den STOFF«, sagte ich, zu schnell, zu laut. »Ich bin eine Ästhetin, ich bewerte ALLES, das ist kein – das hat NICHTS mit deinen –«
»Natürlich nicht.« Miras Hände zogen den Stoff die letzten Zentimeter hoch, über meinen Oberschenkel, über meine Hüfte. Ihre Finger strichen den Bund an meiner Taille glatt, und die Berührung war beiläufig und präzise und genau dort, wo mein Nervensystem beschloss, komplett den Verstand zu verlieren.
Meine Aura FLAMMTE. Violett. Unkontrolliert. Der Spiegel an der Wand schimmerte, und die Parfümflasche auf dem Regal klirrte, und Miras Haare wehten in einer Brise, die es nicht gab.
Mira betrachtete das violette Licht um mich herum, als wäre es das Wetter. Dann sah sie mich an.
»Hm«, sagte sie. »Beeindruckend.« Sie ließ den Blick an mir runter und wieder hoch. »Für dich.«
»Was soll DAS heißen?!« Die Empörung explodierte aus mir heraus, heißer als jede Aura. »Für MICH?! Ich sitze hier und sehe VERHEEREND gut aus in diesem Meisterwerk von Strumpfhose, und du WAGST es –«
»Beeindruckende Selbstbeherrschung, meinte ich.« Mira stand in einer fließenden Bewegung auf, und plötzlich war sie über mir statt unter mir, und ihr Gesicht war nah, und –
»Die gerade in Echtzeit zerfällt.« Ihre Stimme war leise.
Mira stand über mir. Ich saß. Und es gab keinen Plan für das, was dazwischen lag.
»Wer sagt, dass DU die Kontrolle hast?« Ich griff nach ihrer Taille und zog sie näher, oder versuchte es, weil wenn JEMAND hier die Richtung vorgab, dann war das immer noch –
Mira legte eine Hand an mein Kinn. Fest. Und sie neigte meinen Kopf nach oben, und der Satz, den ich gerade gebaut hatte, fiel auseinander, und meine Hand auf ihrer Hüfte vergaß, warum sie dort war.
»Du«, sagte Mira ruhig. »Du gibst mir die Kontrolle. Jedes Mal, wenn du gehorchst, bevor ich fertig gesprochen habe.«
Keine Worte. Nicht eines. Lilith Morgenstern, die normalerweise dreitausend Wörter pro Minute produzierte und die Hälfte davon in Großbuchstaben, und mein gesamtes Vokabular bestand aus dem Geräusch, das mein Gehirn machte, wenn es gegen eine Wand lief. Mein Schwanz wedelte, und ich konnte nicht mal DAS leugnen, und alles an mir sagte JA, und ich hasste es, und ich hasste es NICHT, und mein Gesicht zeigte vermutlich beides gleichzeitig.
»Da bist du ja«, sagte Mira leise. Als hätte sie darauf gewartet. Als hätte sie genau DAS die ganze Zeit gesucht – das Gesicht hinter dem Gesicht, die Lilith ohne Skript.
»Ich performe IMMER –«
Sie küsste mich.
Miras Lippen schmeckten nach Kirsch-Lipgloss – ich hatte ihr TAUSENDMAL gesagt, dass dieser Farbton nicht zu ihrem Unterton passte, und der Gedanke war weg, einfach weg, weil Miras Mund auf meinem war und ihre Hand an meinem Kinn und ihr Knie zwischen meinen Beinen, und sie drückte mich zurück.
Ich fiel aufs Bett. Auf den Rücken, Mira über mir, und die Strumpfhosen raschelten leise gegen den Stoff ihres Rocks, und ich griff in ihre Haare, nicht geplant, nicht inszeniert, einfach weil meine Hände etwas brauchten und Miras Locken da waren.
Miras iPhone summte auf dem Nachttisch.
Ich ERSTARRTE. Wenn sie jetzt rangeht, wenn sie aufsteht und ans Telefon geht, würde ich – was würde ich? Was war hier gerade – was TATEN wir –
Mira drehte den Kopf und sah aufs Display. Zwei Sekunden, die sich anfühlten wie geologische Zeitalter.
Sie legte das iPhone mit dem Display nach unten auf den Nachttisch.
»Nicht wichtig«, sagte sie.
Drei Herzschläge. Mira sah mich an, und da war keine Frage in ihrem Blick – nur das Warten darauf, was ICH tun würde.
»Du sagst mir, wenn ich aufhören soll«, sagte Mira.
»Seit wann fragst du –«
»Seit jetzt. Also?«
Ich konnte aufstehen. Alles tun, was Lilith Morgenstern tat, wenn etwas zu nah kam, zu echt, zu –
»Hör nicht auf.«
Drei Worte. Die kürzesten, die ich je gesagt hatte, und die lautesten.
Mira sah mich an, und irgendwas an ihrem Blick veränderte sich – die Falte zwischen ihren Brauen löste sich, und ihr Mund wurde weicher, und ich hatte für DAS kein Wort, und zum ersten Mal war das okay.
Miras Lippen wanderten über meinen Hals – unter meinem Ohr, die Seite meines Halses, Schlüsselbein –, und sie wusste genau, wo sie hinwollte, und ich wusste es nicht, und das war so UNFAIR, weil ich diejenige mit dem Plan sein sollte, IMMER. Ihre Hände waren überall – eine in meinem Haar, die andere an meiner Hüfte, und ihre Finger zeichneten das Spitzenmuster an meiner Taille nach, als wäre ICH der Stoff, den sie begutachtete, und nicht umgekehrt.
Und ich – ich sah Mira zu.
Das war das Ding, das nicht ins Programm passte: Ich lag hier, und statt in meinem Kopf zu rasen und zu bewerten und zu paniken, SAH ich ihr zu. Ihre Wimpern auf ihren Wangen. Meine Aura, golden statt violett, auf ihrer Haut – nicht blendend, nicht überwältigend wie normalerweise. Nur warm. Seit wann war meine Aura warm? Meine Aura war eine Waffe und eine Show und eine Mauer, und jetzt lag sie auf Miras Haut wie Kerzenlicht, und ich hatte das nicht autorisiert!
Sie war schön. Einfach so. Ohne Filter, ohne Einordnung, ohne die dreizehn Unterkategorien, die mein Kopf normalerweise aufstellte, bevor er jemandem ein ästhetisches Urteil zugestand.
»Du starrst«, sagte Mira an meinem Schlüsselbein.
»Ich starre nicht. Ich –«
»Du starrst. Und du zitterst.«
»Ich zittere NICHT –«
»Du bewertest es gerade im Kopf, oder?«
»Nein.«
Mira hob den Kopf. Eine hochgezogene Augenbraue.
»Nein«, sagte ich nochmal, und ich log nicht, und irgendwas in meinem Magen drehte sich, weil das SCHLIMMER war als alles andere an diesem Abend. Ich konnte Mira nicht bewerten. Nicht JETZT. Ihren Mund auf meiner Haut, ihre Hand in meinem Haar – es passte nirgendwohin. Lilith Morgenstern hatte für ALLES ein Urteil, und jetzt hatte sie keins, und das war entweder der Untergang der westlichen Ästhetik oder der Anfang von etwas, das sie nicht benennen konnte, und beides war INAKZEPTABEL.
»Gut«, sagte Mira leise. Und ihre Hand glitt tiefer.
Über meinen Bauch. Über den Bund der Strumpfhose, und ihre Hand fand den Rand des Stoffs und schob sich darunter, warm auf meiner Haut, und mein ganzer Körper zog sich zusammen und drückte sich gleichzeitig in ihre Berührung, und das waren zwei entgegengesetzte Richtungen, und mein Körper fand das offensichtlich unproblematisch.
Ihre Hand glitt zwischen meine Beine, und sie fand mich – nass, empfindlich, offen –, und ich machte ein Geräusch, das die Dämonenprinzessin der Hölle unter KEINEN UMSTÄNDEN machen sollte, hoch und atemlos und ohne jede Würde, und das Schämen kam nicht. Es hätte kommen müssen. Es kam einfach nicht.
Irgendwo ein leises Reißen. Spitze. Innenseite links.
Laufmasche. In einer Strumpfhose, die mehr gekostet hatte als – der Druck zwischen meinen Beinen wurde fester, und der Gedanke löste sich auf, einfach so, wie Zucker in heißem Wasser, und was hatte sie gerade gedacht? Laufmasche? Welche Laufmasche? Mir war in diesem Moment so unglaublich egal, ob die gesamte Strumpfhose in Flammen aufging, solange Mira nicht –
Miras Lachen gegen meinen Hals – warm, heiser, kein Spott drin.
»Entspann dich.« Miras Mund an meinem Hals. »Die sind robust genug.«
»Du hast GERADE gehört, wie –«
Der Winkel veränderte sich. Minimal. Präzise. Und mein Protest starb irgendwo zwischen meiner Lunge und meinem Mund, weil die Berührung sich bewegte, und es war – nicht richtig. Fast. Daneben, einen Millimeter, und ich zuckte, und Mira korrigierte, tastend, aufmerksam, und noch einmal, und dann –
Da.
Nicht mein Mund, nicht mein Kopf – mein KÖRPER, und Mira spürte es, weil der Druck genau dort blieb, genau so, und meine Hüften bewegten sich gegen ihre Hand, und das hatte ich nicht genehmigt, das hatte ich nicht AUTORISIERT, aber mein Körper folgte Miras Rhythmus, als hätte er auf genau das gewartet.
»Ja?«, fragte Mira leise.
Ich konnte nicht sprechen. Ich nickte, und das war so ERBÄRMLICH, Lilith Morgenstern reduziert auf Kopfnicken, eine Dämonin, die normalerweise dreitausend Wörter pro Minute produzierte, und jetzt reichte es nicht mal für EINS –
»Wörter, Lilith.«
»Ja«, sagte ich, und meine Stimme war heiser und fremd und gehörte einer Person, die ich nicht kannte. »Da. Ja. Genau –«
»Gut.« Und der Rhythmus blieb genau dort.
Mira küsste mich, und der Druck wurde fester, und ich stöhnte in ihren Mund, und irgendwo in meinem Kopf sagte eine Stimme, die verdächtig nach meiner klang: Du bist eine Morgenstern. Du bist die Erbin des Stolzes. Du liegst hier und WIMMERST.
Miras Hand kreiste, und die Stimme verstummte.
Gute Entscheidung, dachte der Rest von mir.
Ihre Lippen an meinem Ohr. »Lauter.«
Und ich gehorchte. Natürlich gehorchte ich, wie bei Setz dich und bei Rechtes Bein und bei allem, was Mira sagte, und meine Stimme füllte den Raum – und dann griff ich in ihr Haar. Meine Finger in ihren Locken, und ich zog sie runter, ihren Mund auf meinen, und Mira machte ein Geräusch gegen meine Lippen.
Leise. Überrascht. Ein Atemholen, das zitterte.
Das war MEINS. Ich hatte Mira dieses Geräusch entlockt. ICH. Mitten in meiner Kapitulation, auf dem Rücken, mit Laufmaschen in meinen Strumpfhosen und null Würde und null Kontrolle – und TROTZDEM hatte ich ihr diesen Laut gestohlen, und das war der PUNKT, oder? Dass es nicht nur in eine Richtung ging. Dass Mira mich auseinandernahm und ich sie TROTZDEM erreichte, und warum hatte mir das niemand GESAGT –
Es wurde schneller, drängender, die Strumpfhosen an meinen Beinen und Miras Gewicht über mir und ihr Atem an meinem Hals, der auch schneller geworden war, AUCH, und alles kreiste und drückte und –
Ich war nah. Ich wusste es, und Mira wusste es, und mein ganzer Körper wusste es.
»Schau mich an«, sagte Mira. Und ihre Stimme war nicht gleichgültig. Sie war rauer, dünner, und die Worte kamen langsamer, als müsste sie sie einzeln anfassen, bevor sie sie losließ. Mira klang nie so. Mira klang IMMER kontrolliert, IMMER präzise, und dass sie es jetzt nicht war –
Ich öffnete die Augen. Wann hatte ich –
Mira über mir. Verschmierter Kirsch-Lipgloss auf ihren Lippen und auf meinem Hals. Goldene Augen, und ihre Wimpern zitterten, und da war etwas unter dem Deadpan, unter dem Ich habe keine Geduld – etwas, das sie sonst versteckte, und der Gedanke machte meinen Brustkorb warm, und NEIN, ich würde das jetzt NICHT einordnen, nicht JETZT, nicht mit ihrem Lipgloss auf meinem Hals und ihrer Hand zwischen meinen Beinen.
Der Druck wurde fester, und mein Rücken bog sich vom Bett, und meine Finger gruben sich in die Laken, und irgendwo in mir gab etwas nach, das vorher gehalten hatte, und ich wusste nicht mal, was es war, nur dass es weg war.
Mira beugte sich vor. Lippen an meinem Ohr.
»Loslassen.«
Und ich tat es.
Mein Rücken bog sich, und meine Hände waren in Miras Haaren, und ich sagte ihren Namen, einmal, zweimal, einfach nur ihren Namen, und ich hatte das nicht geplant, NICHTS davon, und es war mir egal. Miras Hand verlangsamte sich, ohne aufzuhören, trug mich durch, und ich zitterte und atmete und war –
Sie war schön. Kein Kommentar, keine Bewertung, keine dreizehn Unterkategorien. Mira über mir, mit verschmiertem Lipgloss und zitternden Wimpern, und es reichte.
Miras Kopf lag auf meiner Schulter, und mein Schwanz hatte sich um ihre Hüfte geschlungen, und ich versuchte nicht mal, es zu leugnen, weil Leugnen an diesem Punkt eine Beleidigung der Intelligenz aller Beteiligten gewesen wäre, einschließlich des Schwanzes, der offensichtlich ein Eigenleben führte und keinerlei Interesse an meiner Meinung hatte.
Meine Aura war aus. Komplett. Kein Summen, kein Hintergrundglühen, nicht mal das leise Flackern, das sie sonst im Schlaf machte. Nackt, und nicht wegen der Klamotten – die Strumpfhose war noch da, eine Laufmasche an der Innenseite des linken Oberschenkels, und normalerweise wäre das ein Kapitalverbrechen gewesen, Todesstrafe, mindestens eine wütende Nachricht an den Hersteller mit einer detaillierten Fotodokumentation und der Androhung juristischer Schritte. Ich lag hier und atmete und konnte mich nicht dazu bringen, dass es mich kümmerte.
Miras Daumen strich langsam und gedankenlos über meinen Oberarm, und ihre Hände waren anders. Weicher. Als hätte jemand Miras Selbstkontrolle eingepackt und in einen Schrank gestellt, und die Version, die übrig war, wusste nicht, wo der Schlüssel lag. Miras Herzschlag pochte gegen meine Schulter, schneller, als ihr Gesicht zugab, und das war ein Widerspruch, den ich unter normalen Umständen SOFORT aufgedeckt hätte, weil Widersprüche aufzudecken war im Grunde mein Lebensinhalt, aber mein Kopf war gerade damit beschäftigt, überhaupt wieder Sätze zu bilden, die mehr als zwei Silben hatten.
Sechs Jahre kannte ich den Geruch nach Kokosnuss in Miras Haaren. Sechs Jahre hatte ich ihn eingeordnet unter Freundin, Managerin, Person-die-mich-vor-mir-selbst-rettet, und jetzt lag Miras Kopf auf meiner Schulter, und der Geruch bedeutete etwas anderes, und ich war mir ziemlich sicher, dass er schon immer etwas anderes bedeutet hatte, und ich war mir NOCH sicherer, dass ich das schon seit mindestens drei Jahren wusste und entschieden hatte, es zu ignorieren, weil Ignorieren war, was Lilith Morgenstern tat, wenn Gefühle drohten, unkuratiert zu werden.
»Du denkst zu laut«, murmelte Mira irgendwann.
»Ich denke gar nicht.«
»Doch. Ich kenne das Geräusch.«
Und das war – Mira kannte das Geräusch, wenn ich dachte. Sechs Jahre, und sie konnte HÖREN, wenn ich dachte, und ich wusste nicht, ob das rührend oder beängstigend war, und vermutlich war es beides, und vermutlich war das der ganze Punkt.
Mein Schwanz hatte nicht die geringste Absicht, ihre Hüfte loszulassen, und das war – Schwerkraft. Reine Physik. Absolut keine Zärtlichkeit.
»Dein Schwanz klammert«, sagte Mira, ohne den Kopf zu heben.
»Er hat eine Fehlfunktion.«
»Die gleiche Fehlfunktion wie vor zwanzig Minuten?«
»Eine ANDERE Fehlfunktion. Eine neue. Völlig unabhängig von –«
»Mhm.«
Mira hob den Kopf und sah mich an. Immer noch der verschmierte Lipgloss, und Mira war nie – sie hatte IMMER perfekte Lippen, immer den richtigen Farbton, immer alles an seinem Platz, und dass sie es jetzt nicht hatte, nur hier, nur nach mir –
»Mira.«
»Hm?«
»Dein Lipgloss ist verschmiert.«
»Ja.«
Miras Augenbraue ging hoch.
»Steht dir besser«, sagte ich leise.
Und da war es. Miras Grinsen. Langsam, warm, das Grinsen hinter der Gleichgültigkeit, das sie fast nie zeigte, und ich konnte aufhören, so zu tun, als wüsste ich nicht, was es mit meinem Brustkorb machte.
»Drama, Lilith«, sagte sie. »Du bist Drama.«
»Ich bin NICHT –«
»Morgen beim Shooting. Neun Uhr.« Mira setzte sich auf, und mein Schwanz löste sich widerwillig von ihrer Hüfte, als wäre Loslassen eine persönliche Beleidigung. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht und zog ihren Rock gerade. Als wäre absolut nichts passiert, als wäre sie nicht gerade – als hätte sie nicht gerade gegen meine Lippen gezittert und meinen Namen –
»Die Strumpfhosen bleiben an«, sagte sie, und ihre Stimme war wieder Mira, Deadpan, trocken, und trotzdem war da ein Faden drin, dünn und warm, der vorher nicht da gewesen war. Oder doch. Seit Jahren. »Damit sie sich eintragen.«
»Da ist eine Laufmasche drin«, sagte ich.
»Ich weiß.«
»Stört dich das nicht?«
Mira sah mich an. Eine Sekunde zu lang. »Nein.«
»Natürlich«, sagte ich. »Eintragen. Klar.«
Mira stand auf und ging zur Tür. Und in der Tür – eine Hand am Rahmen, halb gedreht, Profil im letzten Licht –
»Lilith.«
»Was?«
Ihr Gesicht tat etwas, das ich nicht einordnen konnte, und das war okay. Dass es okay war, war das Seltsamste an diesem ganzen Abend, und dieser Abend hatte eine ziemlich hohe Messlatte für Seltsam gesetzt.
»Schlaf gut«, sagte sie.
Die Tür fiel zu.
Ich lag auf dem Bett. Strumpfhosen mit Laufmasche, Aura aus, Lipgloss-Geschmack auf den Lippen. Mein Schwanz schlang sich ums Kissen, auf dem Miras Kopf gelegen hatte, und ich sagte ihm nicht, dass er aufhören sollte.
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Ich hoffe, euch hat die Geschichte gefallen – und ja, Lilith ist immer so. Das wird nicht besser. (Oder schlimmer, je nachdem, wen man fragt.)
Für alle, die jetzt wissen wollen, was diese Dämonin noch so alles anstellt, wenn man ihr statt einer Managerin mit Kirsch-Lipgloss einen Erzengel vor die Nase setzt: Hier ist der voraussichtliche Klapptext. Betrachtet ihn als Versprechen. ^^
Meine Aura brachte jeden zum Knien. Jeden Dämonenfürsten, jeden Adeligen und jeden armen Tropf, der den Fehler beging, mich auf dem Flur anzusehen. Das Universum hatte endlich kapiert, dass es sich um mich zu drehen hatte!
Dann stellte mir mein Vater meinen Verlobten vor. Einen Erzengel mit vier Flügeln, eisblauen Augen und dem emotionalen Spektrum eines Aktenordners.
Ich warf ihm alles entgegen, was ich hatte. Die Aura. Das Lächeln. Meine Hörner im perfekten Winkel und auf Hochglanz poliert!
Er hob eine Augenbraue.
Eine!!!
Und jetzt soll ich ein Semester an seiner Akademie im Himmel überleben, einer Dimension, die aussieht wie ein skandinavisches Möbelhaus ohne Spaßabteilung.
Ein gefallener Engel klettert durch mein Fenster, mein Kindheitsfreund schmuggelt sich hinterher und Cassiels kleiner Bruder ist so verdächtig nett, dass mir die Hörner jucken. Plötzlich kreisen vier Typen um mich und keiner von ihnen spielt nach meinen Regeln.
Und irgendjemand will mich aus dem Himmel vertreiben. Das sollte ich vielleicht ernst nehmen. Tue ich auch, sobald mein Verlobter zugibt, dass er mich angestarrt hat.
Hat er! Ich habe es gesehen. Er kann noch so viele Augenbrauen heben ...








