Vorwort
Manon betrat den Pier, an dem die Versammelten noch immer auf die Fortsetzung der Reise warteten. Mit gesenktem Blick begab sie sich in die Mitte, knickste und räusperte sich. Dann sah sie auf.
So viele Gesichter starrten sie an. Teils verstört, teils hoffnungsvoll.
Sofort fühlte sie, wie die Röte in ihre Wangen empor schoss. Dem Herrn sei Dank bedeckte ihre Haube ihr Gesicht an den Seiten und dank der nächtlichen Lichtverhältnisse, würde man wohl außerdem wenig von dem körperlichen Zeugnis ihrer Scham erkennen. Sie räusperte sich erneut, wagte einen Blick zur Seite, wo Lady Dannielle ihr aufmunternd zunickte.
Also schön.
“Ihr habt lange auf diesen Moment gewartet, in dem die Geschichte weitererzählt wird.” Himmel, sie verfluchte ihre leise Stimme. Sie war sich sicher, dass sich selbst diejenigen, die in der ersten Reihe saßen, anstrengen mussten, um sie zu verstehen. Warum nur hatte es nicht jemand anderes übernehmen können? Seigneur Daemon mit seinem Bariton, der samtig war wie frische Wäsche vielleicht. Sie war dafür nicht geschaffen. Sie war klein, unauffällig und still, wie es sich für eine Dienstmagd gehörte. Aber dann besann sie sich darauf, dass es unter ihren Gefährten keine Unterschiede des Standes nach mehr geben sollte. Sie hätte nicht gedacht, dass ihr das jemals so schwerfallen sollte. Sie nahm einen tiefen Atemzug.
“Bevor wir die Erzählung fortsetzen, müssen wir auch in diesem Teil der Geschichte sicher sein, dass Ihr wisst, worauf Ihr Euch einlasst.” So weit, so gut. Nur noch ein paar Sätze und sie konnte aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit wieder verschwinden. “Für jene von Euch, die so wie ich dem Blutvergießen wenig abgewinnen können, stehen zu Beginn der Kapitel Warnungen ausgeschrieben. Die Charaktere basieren allesamt auf der Fiktion der Autorin. Wie Ihr Euch noch erinnert, schreiben wir das Jahr des Herrn 1564, sodass Ihr Euch auf veraltete Ansichten. Rassismus, Sexismus und andere schlimme Dinge gefasst machen müsst.” Sie hielt inne, um sich zu bekreuzigen. “Die Meinungen der Charaktere entsprechen nicht immer unbedingt der Meinung der Autorin. Wer von Euch Fehler, Ungereimtheiten oder dergleichen findet, soll dazu angehalten sein, dies kundzutun.”
Sie presste die Lippen aufeinander.
“Ihr seid dazu eingeladen, Euer Gefallen einer bestimmten Stelle durch ein huldvolles Kopfnicken...”
“Nein, tosender Beifall, Manon!” Daemons laute Worte unterbrachen sie. Sie warf ihm einen verstörten Seitenblick zu. Er feixte.
“Nun gut, dann tosender Beifall.” Ihre Stimme zitterte. “Bösewichte verdienen ein langgezogenes Buh, wenn sie die Bühne betreten. Wir heißen Euch im letzten Teil der Geschichte Willkommen: Der Schatz der Herzogin.”
Sie knickste abermals, senkte den Blick und hoffte, dass sie nicht stolpern würde, während sie fluchtartig die Bühne verließ.