Olivia - Was Magie zerstört

All Rights Reserved ©

Summary

Liebeskummer - ich hatte ihn mir anders vorgestellt. In meiner Fantasie lag ich weinend im Bett, während meine Mütter mich trösteten. Ich hätte nicht mal gewusst, warum ich so fühlte. Doch die Realität war grausamer. Viel grausamer. Carter hat mich belogen. Benutzt. Wahrscheinlich von Anfang an. Und das Schlimmste? Ich hatte ihm vertraut ...

Status
Ongoing
Chapters
24
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

Das Ende vom Anfang

In meiner Vorstellung vom ersten Liebeskummer, hatte ich eigentlich gedacht, ich würde heulend auf meinem Bett liegen, während meine Mütter mich trösteten.

Ich würde Literweise Vanilleeis in mich rein stopfen, bis der Schmerz erfror und mir schlecht wurde.

Mum würde mir sagen, dass es in Ordnung ist, wenn ich jetzt traurig war und ich auch durchaus traurig sein durfte.

Und Mama würde mir immer wieder glaubhaft versichern, dass der Junge es nicht wert ist und ich eines Tages jemand anderen kennenlernen würde.

Jemanden, der mich nicht belog und betrog und mir dabei mein kleines, dummes Mädchenherz rausriss und darauf herumtrampelte, so als wäre es nichts weiter als Müll.

Jemand, der nicht tatenlos dabei zusah, wie mir ein Magier die Kräfte entzog und mich dann allein und verletzt auf einer Lichtung liegen ließ.

Nein, in meiner Vorstellung war all das nicht passiert.

In meiner Vorstellung hatte ich nicht einmal einen Grund gehabt, wieso ich Liebeskummer hatte. Vielleicht maximal, dass ich jemanden liebte, der mich allerdings überhaupt nicht beachtete.

So wie Maximilian Schreiber in der siebten Klasse zum Beispiel.

Und ganz sicher hätte ich nicht einmal in meinen schlimmsten Alpträumen daran denken können, dass mich Carter so verletzte, wie er es getan hatte.

Er hatte mich belogen und benutzt. Und das wahrscheinlich schon die ganze Zeit.

Wahrscheinlich liebte er mich nicht einmal, sondern er hat das nur gesagt, damit ich ihm vertraute und keinen Verdacht schöpfte.

Er hatte die ganze Zeit gewusst, was sein verrückter Großvater und sein blöder Onkel vorhatten. Wahrscheinlich beendeten sie jetzt das, was Carters Vater damals angefangen hatte.

Alles, was passiert ist, gehörte zu dem Plan der Rileys, Malum Noir zurück auf die Erde zu holen.

Und sie hatten es geschafft. Weil Carter ihnen geholfen hat und mich in eine Falle lockte.

Sein plötzliches Verschwinden auf dem Ball, die vorgespielten Schmerzen im Büro… er hat mich verarscht.

Er hat mich verarscht, nur damit sein Onkel, Carters Großvater und Carter selbst, mich auf diese Lichtung bringen konnten.

Auf die Lichtung, auf der der tote Baum stand, in dem Malum Noir, alias Marloh, gebannt gewesen ist. Gebannt durch meine Urahnin Esmeralda Raven.

Und jetzt ragte der tote Baum vor mir auf, gespalten, so als hätte ein Blitz in ihn eingeschlagen. Bedrohlich und düster. Die knorrigen Äste ragte noch immer irgendwie in Richtung Himmel.

Ich schluckte und schloss die Augen.

Ich war einfach müde. Und kraftlos.

Und mir war kalt. Unglaublich kalt. Durchgefroren traf es ganz gut und ich wusste, dass ich aufstehen musste.

Aber ich war kraftlos.

Mit offenen Armen empfing ich die Dunkelheit. Aber nur für einen kurzen Moment.

Wirklich… nur ein kurzer… Moment…

.

»Olivia… Olivia du musst aufstehen!«

Ich blinzelte und ließ meinen Blick langsam nach oben wandern.

»Steh auf, du darfst jetzt nicht aufgeben.«

Ich schloss die Augen wieder. Ich wollte aufgeben. Wie sollte ich denn auch nicht nicht aufgeben?

»Ich weiß Kleines…«

Ich spürte, wie mir sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht gestrichen wurde und eine Träne über meine Wange lief.

»Jetzt gerade fühlst du diesen unglaublichen Schmerz. Die Angst und die Verzweiflung. Und du spürst den Verrat, der so tief sitzt, weil du von jemanden verraten wurdest, den du liebst. Aber du darfst jetzt nicht aufgeben. Denn sonst zerstört Marloh alles, für was wir Hexen all die Jahrhunderte gekämpft haben!«

Ich sah die Frau an, die sich neben mich gekniet hatte und sanft über den Rücken strich.

Auf eine seltsame Art kam sie mir unglaublich vertraut vor. Aber ich hatte sie noch nie gesehen.

Der Himmel über uns färbte sie bereits rosa und die bedrückende Stille um mich herum, wandelte sich langsam.

Die ersten Vögel zwitscherten und die Welt schien zu erwachen.

»Deine Freunde und deine Familie braucht dich jetzt. Alle brauchen dich!«

Ich schluckte.

»Ich bin keine Hexe mehr«, murmelte ich und kaum waren die Worte ausgesprochen, konnte ich nicht mehr an mich halten.

Die Tränen liefen unaufhaltsam über meine Wangen und ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.

Ich war keine Hexe mehr. Marloh hatte mir meine Kräfte entzogen. Ich war keine Hexe mehr!

»Das hat mich auch nicht aufgehalten. Du bist stärker als du denkst Olivia. Sehr viel stärker. Aber wenn du jetzt kampflos aufgibst, dann wird sich nicht nur dein Leben ändern, sondern das gesamte Leben jedes Einzelnen Individuums. Malum Noir denkt, wir wären etwas Besseres. Bestimmt dazu, über die Menschen zu herrschen. Aber die Grenze zwischen den Welten gibt es aus gutem Grund«, sagte die Frau.

Und dann wusste ich plötzlich, wen ich vor mir hatte. Aber das war unmöglich. Oder?

»Esmeralda?«

Die Frau lächelte und hielt mir ihre Hand hin. Langsam ergriff ich sie und ließ mich auf die Füße ziehen.

»Du musst beenden, was ich angefangen habe. Ich war nicht stark genug, Malum Noir zu vernichten. Aber du bist es«, sagte sie ruhig.

»Bin ich nicht«, sagte ich. »Ich bin nicht stark genug. Ich bin ja nicht einmal mehr eine Hexe!«

»Also gibst du auf? Und zerstörst damit das Leben aller? Deiner Eltern? Deiner Freunde? Olivia, du bist eine Raven. Du bist die erste Bluthexe meiner Linie. Und alles was du brauchst, hast du bereits. Du musst nur dir selbst vertrauen. Dir und deiner Magie…«

Ich riss die Augen auf und setzte mich ruckartig auf.

Ich saß auf einer Waldlichtung, die ich besser kannte, als ich wollte.

Viel zu oft hatte ich sie im Traum besucht und jetzt wünschte ich mir, dass sie auch wirklich nur im Traum existieren würde. Aber tat sie nicht.

Und leider bedeutete es wirklich, dass Marloh befreit war. Und es war meine Schuld.

Zitternd atmete ich ein und irgendwie fühlte sich das fremd an. Als hätte ich eine ganze Weile die Luft angehalten.

Ich sah an mir herunter.

Mein Ballkleid, das ich noch immer am Körper trug, war ruiniert und wäre es nicht schwarz, würde man das Blut wahrscheinlich sehen, welches den Stoff an einigen Stellen getränkt hatte.

Meine Handflächen waren ebenfalls blutverschmiert, aber der Schnitt, den Carters Großvater mir zugefügt hatte, hatte bereits aufgehört zu bluten.

Langsam wankte ich auf den Waldrand zu, als ich hinter mir plötzlich eine warme Energie spürte.

Ich drehte mich um und sah ein Portal.

Sanft wirbelte es vor sich hin und obwohl ich gute zwei Meter Abstand hatte, spürte ich die Energie und die Wärme, die davon ausging.

Zögernd machte ich einige Schritte auf das Portal zu, unsicher was ich tun sollte.

Ich hatte keine Ahnung, ob ich überhaupt in der Lage wäre, durch das Portal hindurchzugehen, aber irgendwie wirkte es einladend.

Als würde das, was dahinter lag, mich zu sich rufen. Aber sollte ich dem Ruf folgen?

Unsicher stand ich einen Augenblick einfach nur da und wartete. Wartete darauf, dass das Portal sich schloss, oder jemand hindurch kam. Aber nichts geschah.

»Okay. Augen zu und durch!«, sagte ich leise.

Und tatsächlich schloss ich die Augen und trat hindurch.

Ich wurde gepackt und wild herumgewirbelt. Das Glücksgefühl, was mich sonst immer überkam, blieb aus und mir wurde tatsächlich ein klein wenig schlecht.

Und dann landete ich unsanft auf einem harten, staubigen Holzboden.