Prolog
Es war dieser eine, ganz besondere Moment im Jahr, in dem das Licht auf einmal ein anderes wurde. Nicht auffallend heller, nicht spürbar dunkler – sondern einfach unendlich viel stiller. Es fühlte sich an, als hätte die winterliche Welt selbst für einen Augenblick den Atem angehalten, um andächtig dem allerersten, lautlosen Schnee zu lauschen.
In dem kleinen Dorf, das so friedlich von sanften Hügeln und tiefen, alten Wäldern eingerahmt lag, begann diese Stille wie ein leises Lied, das man überhaupt nur dann vernehmen konnte, wenn man im Inneren wirklich bereit war, zuzuhören. Die Fenster der wenigen Häuser glühten bereits einladend warm, feiner Rauch stieg schnurgerade aus den gemauerten Kaminen empor, und irgendwo genau dort, zwischen frischem Tannenduft und flackernden Lichtern, saß eine Frau ganz alleine an ihrem hölzernen Küchentisch.
Vor ihr stand eine dampfende Tasse Tee, und ihre Hände umschlossen das raue Porzellan fest, als wollte sie die kostbare Wärme dieses Augenblicks um jeden Preis festhalten.
Sie glaubte schon lange nicht mehr an bloße Zufälle – eigentlich noch nie, seit sie denken konnte. Und doch spürte sie tief in ihrer Brust dieses leise, unaufhaltsame Gefühl, dass da draußen im Verborgenen längst etwas in Bewegung geraten war.
Vielleicht war es auch einfach nur der herannahende Winter, der die Sinne schärfte. Vielleicht war es aber auch das Schicksal selbst, das sich in dieser Sekunde ganz leise und unbemerkt durch den dichten Schnee auf den Weg zu ihr machte.
Denn manchmal beginnt all das große Neue genau dort, wo man selbst schon gar nichts Neues mehr im Leben erwartet.








