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KAPITEL 1
Es war ein normaler Morgen.
Zumindest dachte das jeder.
Die Sonne schien durch die großen Fensterscheiben des Blumengeschäfts und tauchte den Laden in warmes Licht. Draußen standen mehrere Karren voller Gartenpflanzen, die gerade geliefert worden waren. Dahlia war dabei, sie auszuräumen und ordentlich vor dem Geschäft zu platzieren. Erde klebte leicht an ihren Händen und einzelne Haarsträhnen hatten sich aus ihrem Zopf gelöst, doch das störte sie nicht. Sie mochte diese Arbeit. Mochte den Geruch von Blumen, nasser Erde und frischen Pflanzen.
„BLOOM.“
Der Name des Geschäfts stand groß über der Eingangstür.
Es war das Geschäft ihrer Mutter gewesen.
Und jetzt gehörte es ihr.
Manchmal fühlte sich dieser Gedanke immer noch unrealistisch an.
Dahlia war erst seit Kurzem die Leitung des Geschäfts und versuchte ihr Bestes, alles zusammenzuhalten. Mitarbeiter einschulen, Bestellungen kontrollieren, Kunden beraten und gleichzeitig so tun, als hätte sie alles vollkommen unter Kontrolle.
Obwohl sie manchmal selbst nicht wusste, was sie tat.
Sie kannte die meisten Mitarbeiter schon seit Jahren. Besonders Ares, Liliana und Violet waren Menschen, die sie sich aus ihrem Leben kaum wegdenken konnte. Die anderen waren eher neu dazugekommen.
Dahlia kam mit einem leeren Karton zurück ins Geschäft und stellte ihn neben die Kassa.
„Dory, kannst du bitte den Schlauch raufholen, damit ich gießen kann?“, fragte Dahlia lächelnd.
Dorothy nickte sofort.
„Sicher, mach ich gleich.“
Dorothy war erst seit ein paar Monaten im Geschäft und gleichzeitig sofort jedem ans Herz gewachsen. Sie war ruhig, lieb und bemühte sich ständig, dazuzugehören, obwohl sie längst Teil der Gruppe war. Niemand konnte wirklich böse auf sie sein. Selbst Ares behandelte sie vorsichtig, obwohl er sonst jeden ärgerte.
Dorothy löste einfach bei allen den Beschützerinstinkt aus, ohne es überhaupt zu merken.
Die Zeit verging ruhig mit Blumen gießen, Sträuße binden und Kunden beraten. Zwischendurch lief Musik leise im Hintergrund und irgendwo schimpfte Dahlia mal wieder über einen Drucker, der nicht funktionierte.
Dann hörte man plötzlich hektische Schritte auf der Treppe.
Ruslan.
Wie immer zu spät.
Mit zerzausten Haaren und komplett außer Atem stürmte er ins Geschäft.
„Ich hab den Bus verpasst!“, rief er sofort, noch bevor überhaupt jemand etwas sagen konnte.
Liliana begann direkt zu lachen.
„Jeden zweiten Tag?“
„Der Bus hasst mich einfach“, murmelte Ruslan beleidigt und zog sich schnell seine Arbeitsschürze an.
Dahlia verdrehte nur grinsend die Augen.
Ruslan war eine Person für sich. Oft missverstanden, chaotisch und ständig zu spät, aber eigentlich ein guter Mensch.
Ein paar Stunden später blickte Liliana zur Uhr neben der Kassa.
„Bald kommen Ares und Violet, oder?“, fragte sie in die Runde, obwohl jeder wusste, dass ihre Arbeitszeiten seit Monaten gleich waren.
Dahlia nickte leicht abwesend, während sie eine Bestellung kontrollierte.
„Ja, die sollten gleich da sein.“
Fast genau in diesem Moment läutete die Glocke über der Tür.
„Yooo, bitches“, ertönte sofort Ares’ Stimme.
Direkt hinter ihm kam Violet herein.
„So nennt man nicht seine Kollegen“, sagte sie genervt und schubste ihn leicht gegen die Schulter. Dann lächelte sie in die Runde. „Guten Morgen, meine Lieben.“
Ganz leise hörte man von Ares trotzdem noch ein gemurmeltes:
„Bitches.“
Dahlia musste sofort grinsen.
Es machte sie glücklich, dass sich hier alle so wohlfühlten. Das Geschäft war mehr wie ein Zuhause geworden als ein Arbeitsplatz.
„Na ihr?“, fragte Liliana. „Wie war gestern so?“
Ares seufzte sofort dramatisch.
„Diese eine Kundin war da…“
Sofort entstand unangenehme Stille.
Dahlia runzelte die Stirn.
„Die, die geschworen hat, nie wiederzukommen?“
Ares und Violet nickten gleichzeitig.
Und sofort brachen alle in Gelächter aus.
„Ich hab’s euch doch gesagt, die kommt wieder“, sagte Violet zufrieden und streckte grinsend die Hand aus.
Ares verdrehte genervt die Augen und gab ihr zehn Euro.
„Wettschulden sind Ehrenschulden.“
„Ganz genau“, sagte Liliana und legte ebenfalls noch einen Zehner in Violets Hand.
Violet grinste zufrieden wie ein kleines Kind.
Dahlia zog belustigt eine Augenbraue hoch und lehnte sich gegen die Wand.
„Jetzt wird hier ohne mich gewettet?“
„Das nächste Mal nur mit dir“, sagte Ares grinsend und zwinkerte ihr zu.
„Das nächste Mal mit mir was?“
Dahlia wusste natürlich genau, dass er die Wette meinte. Aber so war das zwischen ihr und Ares. Sie flirteten aus Spaß und Langeweile miteinander, ohne dass jemals etwas dahintersteckte. Dahlia wusste ganz genau, dass Ares sowieso nur Augen für Violet hatte.
Jeder wusste es.
Außer Violet selbst.
Und manchmal fragte Dahlia sich ernsthaft, wie jemand gleichzeitig so intelligent und so blind sein konnte.
Doch sie mischte sich nie ein.
Das sollte sich von alleine entwickeln.
Während die anderen plötzlich Uno-Karten auspackten, weil überraschend wenig los war, kam Ruslan mit einem Kübel Wasser die Treppe hoch.
„Kann ich heute früher gehen, bitte?“, fragte er plötzlich.
Dahlia blickte von ihrer Liste hoch. Sogar das Uno-Spiel stoppte kurz.
„Natürlich. Tanzprobe?“
Ruslan nickte sofort.
„Danke dir.“
Dann verschwand er direkt Richtung Umkleide.
Ares blickte kurz zu Dahlia.
Dieser Blick sagte eigentlich schon alles:
Der Typ ist komplett verrückt.
Dahlia zuckte nur leicht mit den Schultern.
„Ich hab keine Ahnung.“
Keine zehn Minuten später stürmte Ruslan geschniegelt aus der Umkleide.
„Byeeeeee!“
Und genauso schnell war er wieder verschwunden.
Dahlia begann zu lachen, während Ares nur kopfschüttelnd wieder seine Uno-Karten aufhob.
„Vier Pluskarten?“, fragte Dahlia misstrauisch.
„Zufall“, sagte Liliana sofort.
„Lüge“, murmelte Dahlia.
Sie behielt es trotzdem für sich, weil sie genau wusste, dass sonst eine halbe Stunde Diskussion folgen würde.
Nachdem Dahlia fertig mit den Bestellungen war, ging sie genervt zum Faxgerät.
„Sooo… was macht ihr heute noch?“, fragte Dorothy in die Runde.
„Ich gehe wahrscheinlich wegen diesem Drucker ins Gefängnis“, war Dahlias trockene Antwort, während der Drucker erneut ein lautes Fehlergeräusch machte.
Violet begann sofort zu lachen.
„Ich geh einfach nach Hause. Nichts Besonderes.“
„Kann ich mit?“, fragte Ares sofort.
Dahlia blickte direkt zum Uno-Tisch und musste lachen.
Violet verdrehte genervt die Augen.
„Nicht heute, Ace.“
Trotzdem lächelte sie dabei leicht.
Der Rest des Tages verlief ruhig.
Zu ruhig.
Innerhalb von mehreren Stunden kamen vielleicht vier oder fünf Kunden hinein.
Und irgendwann begann sogar Dahlia dieses komische Gefühl im Bauch zu bekommen.
Später am Abend kam Ares plötzlich zu Dahlia.
„Können wir kurz reden?“
Sofort wurde Dahlia ernst.
Sie legte den fertigen Blumenstrauß vorsichtig ins Wasser und folgte ihm in die Umkleide.
„Was ist los?“
Ares blickte sie mit einem Blick an, der Dahlia sofort Sorgen machte.
Diesen Blick hatte er nur, wenn irgendetwas kurz davor war, komplett schiefzugehen.
Und Ares lag mit seinem Gefühl fast nie falsch.
Wahrscheinlich, weil das Leben ihn früh genug gezwungen hatte, ständig auf Gefahren zu achten.
„Was ist denn?“, fragte Dahlia diesmal deutlich ernster.
Ares blickte kurz hinaus zur offenen Tür, wo man Violet, Dorothy und Liliana lachen hörte.
Dann senkte er leicht die Stimme.
„Es stimmt etwas nicht.“
Dahlia spürte sofort, wie sich ihr Magen zusammenzog.
„Was meinst du?“
Ares schluckte kurz.
„Fällt dir nichts auf? Seit Stunden sind kaum Kunden hier. Kein Internet funktioniert mehr und Lily heult mir seit Ewigkeiten die Ohren voll, weil ihre Reels nicht laden.“
Dahlia begann langsam zu realisieren, dass er recht hatte.
„Und in den letzten zwei Stunden war nicht ein einziger Kunde hier“, murmelte sie langsam.
Ihr Herz setzte kurz aus.
Denn plötzlich fühlte sich die Stille im Geschäft nicht mehr friedlich an.
Sondern falsch.
Dann ertönte plötzlich draußen ein lauter Knall.
Direkt danach hörte man Violet, Dorothy und Liliana erschrocken schreien.
Ares und Dahlia stürmten sofort aus der Umkleide.
Dorothy saß geschockt vor der Eingangstür auf dem Boden und hielt sich zitternd die Hand vor den Mund. Violet stand wie eingefroren da, während Liliana weiter hinten mit einer Pflanze in der Hand dastand wie eine Statue.
„Was ist passiert?!“, fragte Dahlia sofort panisch.
Niemand antwortete.
Dann ertönte plötzlich dieses Geräusch.
Ein schrilles, unmenschliches Kreischen.
So laut, dass sofort alle zusammenzuckten.
Es klang nicht menschlich.
Nicht wie ein Tier.
Es klang… falsch.
Als würde etwas versuchen, menschliche Geräusche nachzumachen und dabei scheitern.
Ares’ Gesicht verlor sofort jede Farbe.
Das Geräusch kam näher.
Und plötzlich vibrierte sogar leicht der Boden.
„RENN!“, schrie Ares sofort.
Er griff direkt nach Dorothy und Violet und zog sie Richtung Kühlhaus. Dahlia packte gleichzeitig Liliana am Arm und rannte mit ihr hinterher.
Kaum hatten sie die Tür zugeschlagen, erklang draußen erneut dieses schreckliche Kreischen.
Alle hielten sich sofort die Ohren zu.
Violet begann zu weinen und Ares zog sie sofort schützend in seine Arme.
„Shhh… alles gut… alles gut…“
Doch seine eigene Stimme zitterte ebenfalls.
Dorothy und Liliana hatten sich in die Ecke verkrochen und konnten kaum noch sprechen.
Dahlia selbst war kurz davor zusammenzubrechen.
Doch sie wusste, dass sie das jetzt nicht durfte.
Nicht vor den anderen.
Sie zwang sich zur Tür und zog mit zitternden Händen den Schlüssel aus ihrer Hosentasche.
Doch der Schlüssel fiel ihr immer wieder runter.
Ihre Hände zitterten viel zu stark.
Ares nahm ihr schließlich vorsichtig den Schlüssel aus der Hand.
„Alles gut, Dahlia“, sagte er leise. „Ich mach das.“
Selbst seine Hände zitterten.
Nachdem er abgeschlossen hatte, beugte er sich leicht zu ihr.
Leise genug, damit die anderen es nicht hörten.
„Wir sind uns einig, dass das kein menschliches Geräusch war… oder?“









Ich mag den Kontrast zwischen dem lockeren Blumenladen-Alltag und dem plötzlichen Umschlag ins Unheimliche sehr. Besonders die Dynamik zwischen Dahlia, Ares und Violett wirkt sympathisch und lebendig.
Der Schluss macht auf jeden Fall neugierig, weil die Stimmung plötzlich richtig kippt.
Bitte bring unbedingt diese fiesen viel zu langen Absätze in deinem Text in Ordnung.