Ein Geräusch in der Scheune
Senta bleibt abrupt stehen.
Die Schäferhündin hebt den Kopf, schaut zur Scheune und knurrt leise. Nicht aggressiv. Eher unsicher.
Luisa zieht die Stirn kraus. „Was hast du denn?“
Der Hund reagiert nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt der Scheune. Senta läuft direkt auf die alte Scheune am hinteren Ende der Reitanlage zu. Ein Gebäude, das eigentlich leer steht.
Doch von drinnen dringt ein Geräusch.
Leise. Kratzend. Dann ein Winseln.
Luisa bleibt stehen.
Für einen Moment hört sie nur den Wind, der über die Koppeln zieht. Irgendwo klappert ein Weidezaun. Aus der Reithalle klingt gedämpftes Hufgetrappel.
Und dann ist es wieder da. Diesmal deutlicher. Lauter.
Senta läuft unruhig vor dem Scheunentor hin und her.
„Nein.“ Luisa schüttelt sofort den Kopf. „Nicht schon wieder eine verletzte Streunerkatze.“
Sie greift nach dem schweren Eisenriegel. Das Metall fühlt sich warm von der Sonne an. Das Tor bewegt sich nur widerwillig.
Ein beißender Geruch schlägt ihr entgegen.
Urin.
Kot.
Angst.
Luisa braucht einen Moment, bis ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben.
Dann sieht sie die Boxen. Dutzende.
Verdreckte Gitterboxen. Übereinandergestapelt.
Und darin:
Hundewelpen.
Winzige Körper. Verklebtes Fell. Viel zu große Augen.
Ein kleiner brauner Welpe presst sich zitternd gegen das Gitter. Neben ihm liegt ein anderer regungslos auf einer Decke, die längst keine mehr ist.
Luisa spürt, wie sich ihr Magen zusammenzieht.
„Oh mein Gott …“
Ein fiependes Jaulen erfüllt die Scheune. Die Welpen hören nicht mehr auf. Als hätten sie verstanden, dass endlich jemand da ist.
Senta winselt leise neben ihr. Luisa macht einen Schritt rückwärts. Dann noch einen.
Ihr Herz hämmert so laut, dass sie kaum denken kann.
Nicht anfassen.
Nicht reingehen.
Nicht jetzt.
Irgendwo auf dem Hof schlägt eine Autotür zu.
Luisa erstarrt. Stimmen. Männerstimmen.
Panik schießt durch ihren Körper.
Sie zieht Senta am Halsband mit sich und drückt das Scheunentor langsam wieder zu. Ihre Finger zittern so stark, dass ihr der Eisenriegel beinahe aus der Hand fällt.
Doch sie schafft es, ihn lautlos zu schließen.
Erst außer Sichtweite beginnt sie zu rennen. Direkt zur Reithalle.
Sofie sitzt auf dem Hallenboden und bandagiert gerade einem Schulpferd die Vorderbeine.
„Luisa?“
Sofie runzelt die Stirn.
„Was ist passiert?“
Luisa ringt nach Luft.
„In der Scheune …“
Sie schluckt schwer.
„Da sind Hunde.“
„Welche Hunde?“, fragt Sofie irritiert.
„Welpen.“
Sofie versteht zuerst nicht, was Luisa meint.
Doch dann sieht sie ihr Gesicht. Und plötzlich verändert sich alles.
Sie braucht nur Sekunden, sie schnappt sich ihre Jacke und sagt:
„Zeig’s mir.“








