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Arachne

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Summary

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Wohin mich meine führten, hätte ich nie für möglich gehalten. Aus einem Pauschalurlaub wurde ein Trip in eine Welt voller Mythen und Gefahren.

Status
Complete
Chapters
18
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1

Der Sommer war schrecklich, Regen, Regen, nichts als Regen. Ich konnte und wollte es nicht mehr sehen. Schon, wenn ich aufstand, zum Fenster heraus sah und die großen Pfützen entdeckte, begann ich trübsinnig zu werden. Besonders wenn die Oberfläche von neuen Tropfen in Bewegung gesetzt wurde. Ein trauriger Anblick, jenseits von dem, was ich Sommer nannte, es kam nicht einmal in die Nähe. Die Wetterfrösche im Radio und Fernsehen sahen es anders. Die durchschnittliche Temperatur sollte gar nicht weit weg von dem sein, was als normal zu betrachten war. Um ehrlich zu sein, ich glaubte ihnen nicht. Statistik hin, Klimaerwärmung her, es konnte für den Ort, meine Heimat, nicht stimmen. Vielleicht verschoben sich die Zahlen, weil es im Süden umso heißer wurde. Hier an der Küste war es anders. Lange überlegte ich, wie ich diesem Trauerspiel entkommen konnte und wenn es für wenige Tage war. Ich wollte Sonne, den Körper mit Hitze vollpumpen und dabei zusehen, wie meine Haut einen dunkleren Ton annahm und wenn es ein verbrennendes Rot war. Egal.

Die einzige Möglichkeit, dies zu erreichen, war in den Süden zu fliegen, weit weg, dorthin, wo die Sonne Urlaub machte.

Dafür hatte ich zwei Wochen Zeit und es sah nicht danach aus, als wenn sie wettertechnisch besser wurden. Alleine die Gedanken daran war unerträglich.

Im Internet nach entsprechenden Angeboten zu forschen, war nicht mein Ding. Wozu gab es ausgebildete Kaufleute in Reisebüros. Sie konnten mich beraten, wusste, was zurzeit am günstigsten war und meinen Ansprüchen genügte. Sterne für das Hotel waren nicht wichtig, Hauptsache sauber, große Anforderungen hatte ich nicht und konnte ich mir nicht leisten. Ich würde die meiste Zeit draußen sein, ob am Wasser oder in den Bergen, egal. Die Unterkunft war ein Ort zum Schlafen, nicht mehr.

Natürlich hatte ich mir ein paar Gedanken gemacht, wohin es gehen sollte, nicht örtlich, sondern was am Zielort vorhanden sein musste. Auf alle Fälle musste es was zu sehen geben. Den ganzen Tag auf der Liege faulenzen, war nichts, durfte auch nicht in Stress ausarten. Ein Mittelding musste her. Wenn man wollte, sollte man sich was ansehen können, wenn nicht, auch gut. Es sollte kein starres Programm werden. Am liebsten was mit umgekippten Steinen, wie ich es nannte. Altertümliche Ausgrabungen fand ich spannend, wenn irgendwo Säulen oder alte Bauwerke standen, konnte ich mich dafür begeistern. Hatte das Ganze einen historischen Hintergrund, war es umso besser.

Zwei Tage später war ich im Reisebüro und saß einer redseligen Dame gegenüber, die sich selber am liebsten sprechen hörte. Mir war es egal, Hauptsache sie konnte meinen Gedanken zu dieser Reise folgen und mir Entsprechendes heraussuchen.

Es wurde anstrengend. Wie es aussah, hatte sie wenig zu tun, zufolge Zeit, mir ihr Wissen anzuvertrauen. Vorschläge hatte sie zuhauf, was auf der einen Seite interessant war, auf der Anderen füllte es mich mit mehr Informationen ab, als ich verarbeiten konnte. Zum Schluss ging ich genauso schlau wie vorher nach Hause. Der einzige Unterschied war die große Tüte voller Reiseprospekte, in denen sie Markierungen hinterlassen hatte. Überall klebten kleine Zettelchen und lugten bunt hervor. Zuhause sichtete ich meine Errungenschaften und sah es mir lange und innig an, dazu einen heißen Cappuccino, wohlgemerkt im Sommer, wo ich einen gekühlten Drink bevorzugt hätte.

Vieles schied anhand der geringen Portokasse aus. Luxus konnte ich mir nicht leisten, brauchte ich nicht. Italien gefiel mir gut, was ich sehen wollte, zu teuer, Griechenland war besser. Krisenzeiten senken Preise. Daher war dieses schöne Land meine erste Wahl. Umgekippte Steine gab es zuhauf, von daher ein Traum.

Zusätzliches Wasser machte es perfekt. Mittelmeer, warmes Nass, Strand mit Wellengeräuschen, dazu abends Ouzo, Meeresfrüchte und Rotwein in Strömen. Ein Wunsch, den ich mir gönnen wollte.

Wohin genau konnte ich mir nicht mehr aussuchen, die Saison war ausgebucht, Lastminute war angesagt. Das ging nur übers Internet oder Reisebüro. Also am folgenden Tag zurück zur Quasselstrippe, wobei ich hoffte, dass eine Kollegin Zeit für mich hatte.

Meine Hoffnung wurde nicht erhört. Ich schickte ein Stoßgebet nach oben, wusste innerlich, dass es niemand wahrnehmen würde und saß wenige Minuten später vor derselben Frau, was mich nicht wunderte. Diesmal waren zwei Kolleginnen anwesend, beide besetzt. Woran das wohl lag. Keine Ahnung.

„Und? Haben sie sich für was entschieden?“, hörte ich sie, als ich die Tür öffnete. Sie sah mir erwartungsvoll entgegen und bot mir mit einer Handbewegung an, Platz zu nehmen.

„Griechenland, Lastminute!“, zischte ich durch meine halb geschlossenen Lippen. Trotzdem verstand sie es und machte ein angesäuertes Gesicht. Wahrscheinlich entsprach es nicht ihrer Provisionsvorstellung. Das ließ sie sich nicht anmerken, schob sich ihre Brille auf der Nase zurecht und tippte wie eine Verrückte auf der Tastatur vor sich herum.

„Wann?“, war eine der wenigen Fragen, die sie mir stellte.

Ich nannte ihr den Zeitraum, die Menge der Tage dich ich veranschlagt hatte. Fünf reichten.

Sie sah mich kurz an, musterte mich von oben bis unten, wonach ich mir nackt vorkam.

„Hmmmm, fünf Tage, Griechenland. Nicht einfach um diese Zeit. Ein wenig spät!“

Ich verdreht die Augen, dachte in dem Moment: „Warum wohl Lastminute?“, sprach es nicht laut aus. Meine anfängliche Laune sackte auf einen weiteren Tiefstpunkt herunter.

Sie tippte fleißig, mehrmals hoben sich ihre Augenbrauen, sanken langsam zurück in die Ausgangsposition. Wahrscheinlich, wenn sie den Preis sah. Sie kannte das Budget.

Irgendwann, ich dachte schon, dass es nichts werden würde, zuckte es in ihrem Gesicht.

„Na also, da haben wir was für sie. Als wenn es für sie gemacht wäre. Gerade frei geworden. Wenn nicht jetzt, dann gar nicht mehr. Also, wie wäre es mit diesem Angebot?“

Während sie es sagte, ratterte der Drucker hinter ihr. Sie entnahm zwei Seiten und reichte sie mir herüber.

Mein Tag hellte sich auf, als ich es sah. Genau das, was ich gesucht hatte. Festland, am Wasser, zwar nicht direkt, aber immerhin. Nicht weit weg ein historischer Ort, der mir was sagte. Delphi, ein ereignisreicher Ort voller Geschichte. Ich sah es bereits vor mir, das Theater, das Stadion und die vielen Sehenswürdigkeiten. Und das Beste, um die Ecke. Das war was für mich. Gut, der Preis lag über meiner Angabe, trotzdem zu wuppen. Musste ich an anderem Sparen. Besser ging es nicht.

„Wie sieht es aus? Wir müssen schnell buchen, sonst ist es weg!“, meinte sie und hatte einen Finger auf die Entertaste gelegt.

Ich brauchte nicht lange überlegen. Ein Nicken reichte aus und ihr Finger nagelte die Taste fest.

„Eine sehr gute Wahl, ich war auch schon in der Gegend. Sehr schön, alles, was man begehrt. Das Hotel kenne ich nicht, sieht aber nicht schlecht aus. Wenn sie zurück sind, können sie mir darüber berichten. Informationen aus erster Hand sind mir immer willkommen!“

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie mir zuhören würde. Wahrscheinlich kam ich nicht zu Wort und wurde laufend unterbrochen, um mir ihr ungemein vielfältiges Wissen über Reisen und Orte anzuhören.

Erleichtert lief ich nach Hause und hatte die Papiere gleich mitbekommen. Das Geld wurde von meinem Konto abgebucht.

Keine zwei Wochen mehr und der Süden erwartete mich. Hitze ich komme.

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