Customize readability
Aa

Was ich nicht sagen darf

All Rights Reserved ©

Summary

Es beginnt mit einem Blick. Dann mit Heimwegen durch das nächtliche Lissabon. Dann mit einer Umarmung, die eine Sekunde zu lang dauert. Valentina hat ein gutes Leben - einen Mann, der sie liebt, einen Ring, ein Versprechen. Doch seit der schweigsame Norweger in ihrem Zeichenkurs sitzt, brennt etwas in ihr, das sie längst vergessen glaubte. Sein Blick auf ihrer Haut. Sein Daumen, der für einen Atemzug an ihrer Unterlippe ruht. Der eine Zentimeter Luft zwischen ihnen, der knistert wie die Sekunde vor einem Blitz. Sie kämpft dagegen an. Sie versteckt sich. Sie belügt den besten Menschen, den sie kennt. Doch gegen manche Dinge kann man nicht ankämpfen - gegen das Wetter nicht, gegen die Schwerkraft nicht, und nicht gegen den einen Menschen, der einem gehört, obwohl er es nicht darf. Am Ende der Welt, auf einer Klippe über dem Atlantik, wird sie sich entscheiden müssen. Was ich nicht sagen darf, spüre ich in jeder Faser. Und ich habe aufgehört, es zu leugnen. Band 1 - eine Liebe, die nicht sein darf. Und trotzdem ist.

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
16+

Eins - Valentina


Lissabon ist keine Stadt, die man erklärt. Man riecht sie, man hört sie, man spürt sie unter den Schuhsohlen, wenn man die steilen Gassen der Alfama hinaufläuft und die Lungen anfangen zu brennen und man trotzdem nicht aufhört, weil das Licht da oben - dieses besondere, goldene, schamlose Oktoberlicht - jeden Schmerz vergessen lässt.

Valentina Ferreira war hier aufgewachsen. Sie hatte als Kind auf diesen Kopfsteinpflastern gespielt, hatte als Teenager in den kleinen Bars der Mouraria ihren ersten Wein getrunken, hatte mit zwanzig Jahren geschworen, diese Stadt zu verlassen, und mit fünfundzwanzig eingesehen, dass das niemals passieren würde. Lissabon ließ einen nicht los. Das war kein Klischee – das war Biologie.

Heute Morgen hatte die Stadt nach Regen und gebratenen Kastanien gerochen. Der Oktober hatte über Nacht Ernst gemacht, hatte die Hitze des Sommers mit einem einzigen, entschlossenen Regenschauer weggespült, und jetzt glänzte alles - die Pflastersteine, die Azulejos an den Fassaden, die Dächer, sogar die müden alten Tauben auf dem Fensterbrett gegenüber - mit dieser frischen, verletzlichen Sauberkeit, die nur nach dem ersten Herbstregen kommt.

Valentina stand auf dem kleinen Balkon ihrer Wohnung in der Mouraria, beide Hände um eine Tasse Kaffee geklammert, und schaute auf die Stadt hinunter.

Hinter ihr, aus der Wohnung, kam das vertraute Geräusch von Tomás, der sich Frühstück machte. Das leise Klappern von Tellern, das Öffnen des Kühlschranks, dann - weil er es immer tat, jeden Morgen, seit drei Jahren - das leise Pfeifen von irgendwas, das keine erkennbare Melodie hatte, aber irgendwie trotzdem schön klang.

Sie lächelte, ohne es zu merken.

Tomás Santos war einer jener Menschen, die einen Raum wärmer machten allein durch ihre Anwesenheit. Nicht dramatisch, nicht laut - einfach warm. Er war Arzt, Kinderarzt, mit den geduldigen Händen und dem ruhigen Blick von jemandem, der täglich mit Angst arbeitete und gelernt hatte, sie nicht an sich heranzulassen. Er war gutaussehend auf diese selbstverständliche, unaufgeregte Art von Männern, die sich nie im Spiegel bewundern - breite Schultern, dunkle Haare, die an den Schläfen leicht ergrauten, ein Lachen, das vom Bauch kam.

Frauen schauten ihm nach. Er bemerkte es nicht. Das war einer der Dinge, die Valentina an ihm liebte.

Sie hatten sich vor vier Jahren bei einer Reportage kennengelernt - sie hatte über ein Kinderkrankenhaus geschrieben, er hatte ihr geduldig seine Arbeit erklärt, und am Ende des Tages hatte er gefragt, ob sie noch einen Kaffee trinken wolle. So einfach war das. So war Tomás. Kein Drama, kein Spiel, kein Versteckspiel. Er sagte, was er meinte, und meinte, was er sagte, und nach Jahren, in denen Valentina Männer kennengelernt hatte, die das Gegenteil davon waren, hatte diese Schlichtheit sich angefühlt wie Wasser nach langem Durst.

Sie liebte ihn. Das stand außer Frage.

Sie liebte die Art, wie er kochte - schlecht, mit großer Begeisterung und vollkommener Gleichgültigkeit gegenüber dem Ergebnis. Sie liebte, wie er am Wochenende zu lange schlief und dann den ganzen Nachmittag so tat, als wäre er früh aufgestanden. Sie liebte seine Hände, seine Stimme, die Art, wie er ihr zuhörte, wenn sie redete - nicht mit dem halben Ohr, nicht mit dem Blick bereits beim nächsten Gedanken, sondern vollständig, als wären ihre Worte die einzige Sache, die gerade auf der Welt passierte. Das Leben war gut. Das sagte sie sich manchmal - nicht als Beruhigung, sondern als Tatsache.

Das Leben ist gut. Du hast alles, was du wolltest. Und das stimmte. Meistens.

Valentina war Journalistin. Reisereportagen waren ihr Schwerpunkt - das klang romantischer, als es war: zu viele Flüge, zu wenig Schlaf, Hotels, die nach Reinigungsmittel rochen, und die ständige Aufgabe, aus allem eine Geschichte zu machen. Aus jedem Ort, jedem Menschen, jedem Moment. Sie hatte ein Talent dafür. Sie sah Dinge, die andere übersahen - die alte Frau, die jeden Morgen denselben Tisch im Café besetzte, der Straßenmusiker, der nur spielte, wenn er glaubte, niemand höre zu, der Geruch einer Stadt kurz vor dem Regen.

Aber seit einem Jahr - sie wollte nicht genau sagen, seit wann, denn das hätte bedeutet, es zuzugeben - hatte das Schreiben sich verändert. Nicht schlechter. Nur leerer. Als würde sie die richtigen Worte finden und sie auf die Seite stellen wie Möbel in einem Raum, akkurat und funktional, aber ohne das Kribbeln, das früher da gewesen war.

Ihre Freundin Beatriz hatte es auf den Punkt gebracht, wie Beatriz Dinge auf den Punkt brachte - direkt, ohne Betäubungsmittel.

„Du schreibst mit dem Kopf, Vale. Du hast aufgehört, mit dem Bauch zu schreiben. Du brauchst was, das dich wieder rausholt aus diesem Kopf.”

Also hatte sie sich für den Kurs angemeldet. Instituto de Artes Visuais. Zwei Jahre. Fotografie, Malerei, visuelle Komposition - ein Kurs, der damit warb, dass er keine Hobbyabende anbot, sondern echte Handwerksausbildung. Vier Mal pro Woche, dienstags bis freitags, abends. Intensiv.

Tomás hatte die Augenbrauen hochgezogen, als sie es ihm erzählte - nicht skeptisch, nur überrascht.

„Du willst Fotografin werden?”

„Nein.” Sie hatte den Kopf geschüttelt. „Ich will wieder lernen zu sehen.”

Er hatte genickt, als würde das vollkommen Sinn ergeben. Das war auch einer der Dinge, die sie an ihm liebte.

Am ersten Dienstag regnete es wieder. Valentina lief die Rua do Século hinunter, den Rucksack über einer Schulter, die neue Kamera darin noch unbenutzt und ein bisschen einschüchternd. Sie war zu spät - fünf Minuten, was für ihre Verhältnisse beinahe pünktlich war. Eine alte Frau an der Haltestelle hatte sie nach dem Weg zu einer Apotheke gefragt, und Valentina hatte natürlich angehalten und geholfen und dann noch fünf Minuten mit ihr geredet, weil die Frau allein aussah und Valentina nie Nein sagen konnte, wenn jemand allein aussah.

Das Instituto lag in einem alten Gebäude mit einer Messingtafel und einer Holztür, die schwerer war als nötig. Drinnen roch es nach Holzpolitur und dem schwachen, herben Hauch von Terpentin, der sich über Jahre in die Wände gefressen hatte. Die Treppe knarrte auf eine Art, die nicht störend war, sondern lebendig - als hätte das Gebäude selbst etwas zu sagen. Erster Stock. Zweite Tür links.

Valentina blieb kurz davor stehen. Hörte Stimmen drinnen ruhig, gedämpft, die Stimmen von Menschen, die sich noch nicht kannten und deshalb leiser waren als sonst. Sie strich sich einmal über die Haare, beschloss, dass das nichts brachte, und drückte die Tür auf.

Der Raum war groß und hell, mit hohen Fenstern, die auf die Dächer von Lissabon gingen. Holzböden, Staffeleien in lockeren Reihen, an den Wänden alte Fotografien und Skizzen, die von früheren Kursen übrig geblieben waren. Etwa zwanzig Menschen manche sitzend, manche noch stehend - mit diesem leicht verlorenen Ausdruck von Leuten, die sich fragen, ob sie am richtigen Ort sind.

Valentina trat ein, suchte sich ihren Platz - zweite Reihe, nah am Fenster, natürliches Licht - und begann, ihren Rucksack auszupacken. Die Lehrerin, eine kleine energische Frau Mitte fünfzig namens Sofia, sprach bereits. Über den Kurs, über die Erwartungen, über das, was die nächsten zwei Jahre bringen würden.

Und dann ging die Tür auf.

Valentina schaute nicht auf. Jeder schaute auf, wenn jemand zu spät kam, dieser kleine, kollektive Reflex der Neugier - sie tat es nicht, sie hatte Sofias Worte noch im Ohr und wollte zuhören. Aber dann. Etwas im Raum veränderte sich. Nicht laut, nicht dramatisch nur diese feine, kaum wahrnehmbare Verschiebung, die entsteht, wenn etwas Unerwartetes passiert. Wie wenn der Wind die Richtung wechselt.

Sie schaute auf. Er stand in der Tür. Groß - sehr groß, er hatte sich leicht gebückt, um den Rahmen zu passieren, eine Bewegung so selbstverständlich, dass sie zeigte, wie oft er das schon hatte tun müssen. Breit in den Schultern, dunkel gekleidet, mit dieser nordischen Blässe, die nicht krank aussah, sondern kalt - die Blässe von jemandem, der mit grauem Himmel aufgewachsen war und der Sonne von Lissabon noch nicht ganz traut. Helles Haar, fast blond. Der Kiefer eines Mannes, der an Stille gewöhnt ist.

Er blieb stehen und ließ den Blick ruhig durch den Raum gleiten. Langsam. Ohne Eile. Als würde er Zeit haben, immer, für alles. Valentina merkte, dass sie aufgehört hatte zu atmen. Dann fand sein Blick ihren. Keine Sekunde zu lang, keine Sekunde zu kurz. Nur dieser eine Moment des Erkennens - nicht von einem Menschen, sondern von etwas. Als würden zwei Frequenzen sich kurz berühren und beide registrieren: da.

Er löste den Blick. Trat in den Raum. Wählte einen Platz in der hintersten Reihe, am Fenster, allein. Valentina schaute wieder auf Sofia. Sie versuchte zuzuhören. Die Worte kamen nicht an.


Im nächsten Kapitel lernen wir jemanden kennen, der Valentinas Leben verändern wird. 💙 Was glaubst du - hat sie recht, dass ihr etwas fehlt? Schreib es mir in die Kommentare. - Bianca

Let Bianca_Vidal know what you thought about this chapter!
Love this

0

Love this

Funny

0

Funny

Spicy

0

Spicy

Suspenseful

0

Suspenseful

Emotional

0

Emotional

Profound

0

Profound

Heartwarming

0

Heartwarming

Shocking

0

Shocking

Good Writing

0

Good Writing

Compelling Plot

0

Compelling Plot

Great Character

0

Great Character

Strong Dialog

0

Strong Dialog

Further Recommendations

A Blessing in Disguise

Miriam0011: Hi there! I really enjoyed reading your story, it was both interesting and well written. Your style feels very natural and easy to connect with. Do you usually write in this genre, or do you explore others as well?

Read Now
Silver's Second Chance

Clare: Loved the second chance mate story line. But loved even more the strong female lead. Would love to a mini fic of this couple a few years down the line.

Read Now
The Orc's Pet

Authorhelper: Your story sounds really interesting! As a beta reader and book editor, I love helping writers strengthen plot, pacing, character depth, and overall flow while keeping their unique voice. I’d genuinely be interested in reading more of this project.

Read Now
Bear Shifter Secrets

Authorhelper: Your story sounds really interesting! As a beta reader and book editor, I love helping writers strengthen plot, pacing, character depth, and overall flow while keeping their unique voice. I’d genuinely be interested in reading more of this project.

Read Now
The Mate he couldn't have

ockelmann1960: Great story, sure took them time to figure out they were mates. I love the characters , love the fun and light banter among them. This is great, thank you for this book, continue writing. It would be sad if your audience could not continue reading and discovering.

Read Now
Called by the Alpha

Just Luv Readin: Very interesting storyline. The author creates curiosity, intrigue, and suspense throughout the story. Great characters as well. I didn't want to stop reading once I started.

Read Now
The Contract Wife

Lynne: Beautiful story very enjoyable.well done.

Read Now
My Blacksmith Savior

Mieha: Nice story, it keep me interested to continue Reading. i don't feel bored at all. Good job!

Read Now
Was ich nicht sagen darf