Kapitel 1: Ein göttlicher Funke und verbrannte Suppe
Die Ewigkeit hatte sich Alva irgendwie... feierlicher vorgestellt. Epischer. Vielleicht mit weniger Rauchmelder-Geräuschen, wenn sie denn einen Rauchmelder in ihrer antiken Steinhöhle gehabt hätten.
„Kaelen, ich schwöre dir, wenn du noch einmal versuchst, das Feuer mit deinen magischen Eiskristallen zu löschen, ziehe ich dir das Fell über die Ohren!“, hustete Alva und wedelte verzweifelt mit einer Pfanne voll verbrannter Gemüsesuppe herum.
Der mächtige, legendäre Schattenwolf – die letzte Hoffnung des Nordens – saß brav auf seinen Hinterpfoten. Seine eisblauen Augen, die einst Dämonen das Fürchten lehrten, blickten sie vollkommen unschuldig an. Plötzlich gab es ein goldenes Leuchten, die Funken tanzten um ihn herum, und anstelle des riesigen Wolfs saß nun ein muskulöser, barfüßiger Mann mit zerzaustem schwarzem Haar auf dem Höhlenboden.
„Ich wollte nur helfen“, sagte Kaelen mit seiner tiefen, samtigen Stimme, während er sich beschämt am Hinterkopf kratzte. „In meinen Gedanken sah das Rezept viel einfacher aus. Du hast gesagt: Lass es köcheln. Das Feuer sah... zu motiviert aus.“
„Es war ein ganz normales Kochfeuer, du göttlicher Idiot!“, seufzte Alva, setzte die rußgeschwärzte Pfanne ab und rieb sich die Schläfen.
Ihre Seelen waren nun für immer miteinander verbunden. Sie teilten eine uralte, unsterbliche Magie. Aber das bedeutete eben auch, dass Alva jede einzelne Emotion von ihm spürte. Und im Moment sandte Kaelens Geist ihr eine Welle von purem, kindlichem Stolz darüber, dass er es geschafft hatte, eine Hose anzuziehen, bevor er sich verwandelte.
„Wir haben keine Lebensmittel mehr“, stellte Alva fest und blickte in den leeren Tontopf. „Und der heilige Altar des Mondes ist voller Suppenspritzer. Wenn die Ahnen uns so sehen, nehmen sie uns die Magie wieder weg – aus reinem Mitleid.“
Kaelen trat näher, legte seine Arme von hinten um ihre Taille und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals. Die Wärme seines Atems ließ sie augenblicklich den Ärger vergessen.
„Ich könnte jagen gehen“, sprach seine Stimme plötzlich direkt in ihrem Kopf, obwohl seine Lippen sich nicht bewegten – die alte Gewohnheit der lautlosen Kommunikation.
„Hör auf, in meinem Kopf zu reden, wenn du direkt hinter mir stehst“, kicherte Alva und drehte sich in seinen Armen um. „Und nein, du jagst nicht. Das letzte Mal hast du ein magisches Wildschwein mitgebracht, das drei Tage lang unsere Möbel gefressen hat. Wir gehen morgen ins Dorf. Undercover.“
Kaelen zog eine Augenbraue hoch. „Ins Menschendorf? Ich muss wieder so tun, als ob ich Steuern verstehe? Bitte nicht.“








