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Wenn die Hölle nach dir verlangt

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Summary

Juna ist zwanzig, studiert und hat mit ihrer besten Freundin Mila eigentlich schon genug Gesprächsstoff. Dann taucht Zac an ihrer Uni auf. Schwarze Haare, ein unverschämtes Grinsen und absolut keine Hemmungen, Dinge zu sagen, die Juna noch Stunden später beschäftigen. Er scheint ihre schlagfertigen Antworten genauso zu genießen wie die Momente, in denen ihr keine einzige mehr einfällt. Und während Mila sich köstlich amüsiert, ertappt Juna sich immer häufiger dabei, auf seine nächste Nachricht zu warten. Zwischen Vorlesungen, Studentenpartys und Begegnungen, die ihr viel zu sehr unter die Haut gehen, lässt sie ihn näher an sich heran. Doch hinter Zacs frecher Fassade liegt etwas, das sie nicht einordnen kann. Manchmal ist es ein Blick. Manchmal das Gefühl, dass er mehr über sie weiß, als er wissen dürfte. Als ihr einundzwanzigster Geburtstag näher rückt, werden aus kleinen Ungereimtheiten Fragen, denen sie nicht länger ausweichen kann. Und der Mann, den sie unbedingt wiedersehen will, könnte Antworten haben, auf die sie nicht vorbereitet ist.

Status
10d ago
Chapters
6
Rating
n/a
Age Rating
18+

Neu Studenten

Juna


„Wenn du weiter auf dein Handy schaust, wird dein Toast kalt."


Adrian steht barfuß vor der Kaffeemaschine und sieht mich über seine Schulter hinweg an. Seine dunkelblonden Haare sind noch feucht, und am Kragen seines Shirts hängt ein Wassertropfen, der langsam in den Stoff zieht.


Ich drehe mein Handy um.


„Ich schaue gar nicht die ganze Zeit drauf."


Er hebt eine Augenbraue. Natürlich glaubt er mir kein Wort. Muss er auch nicht, weil ich seit fünf Minuten dieselbe Nachricht von Mila lese, ohne ihr zu antworten.


Wenn du heute wieder ohne Frühstück kommst, stopfe ich dir persönlich ein Croissant in den Mund.


Adrian stellt eine Tasse neben meinen Teller und setzt sich auf den Stuhl neben mich. Sein Knie stößt kurz gegen meines, während er nach der Marmelade greift.


„Wie ist deine Schulter?"


Ich bewege sie probehalber. Unter meinem Pullover zieht es unangenehm bis zum Nacken, aber immerhin kann ich meinen Arm wieder heben, ohne das Bedürfnis zu bekommen, jemanden anzuschreien.


„Besser."


„Juna."


Ich sehe ihn an. „Sie tut noch ein bisschen weh."


„Du hättest gestern früher etwas sagen sollen." Er mustert mich mit diesem besorgten Blick, gegen den ich noch nie besonders gut angekommen bin. „Ich hätte das Training beendet."


Genau deshalb habe ich nichts gesagt.


Mein Vater beobachtet unsere Übungen ohnehin schon mit einer Geduld, die von Woche zu Woche dünner wird. Ich kann die Schutzzeichen inzwischen im Schlaf zeichnen. Ich kenne die Beschwörungen, die Schwachstellen und die Regeln. Trotzdem liege ich beim Training meistens auf der Matte, bevor ich überhaupt entschieden habe, wie ich mich verteidigen möchte.


In zehn Tagen werde ich einundzwanzig.


Angeblich verändert sich dann vieles.


Vielleicht wäre es hilfreich, wenn mein Körper vorher schon begreifen würde, dass er nicht jedes Mal erst nachdenken muss, wenn jemand versucht, mich umzuwerfen.


Adrian schiebt mir den Teller näher. „Heute machen wir Pause."


„Papa wird begeistert sein."


„Dann kann er mit mir darüber reden."


Er sagt es so selbstverständlich, dass ich lächeln muss. Als er sich vorbeugt und mir einen kurzen Kuss auf die Stirn gibt, halte ich meine Tasse ein wenig fester.


Für ihn ist das nichts Besonderes.


Für mich leider schon.


Ich kenne jeden seiner vertrauten Handgriffe. Die Art, wie er mir beim Vorbeigehen über den Rücken streicht, wenn die Küche zu eng ist. Wie er mich an sich zieht, wenn ich einen schlechten Tag habe. Wie er manchmal seinen Kopf auf meinem ablegt und dort bleibt, während ich mir viel zu lange wünsche, dass das etwas anderes bedeuten könnte.


Dann leuchtet sein Handy auf.


Ich sehe Célia auf dem Bildschirm, noch bevor er es in die Hand nimmt. Das Foto hat er letzten Sommer am See gemacht. Sie lacht darauf, ihre dunklen Haare vom Wind durcheinandergebracht.


Sein Gesicht verändert sich sofort.


Es ist nur ein kleines Lächeln, aber ich kenne es inzwischen gut genug.


Ich nehme einen Schluck Kaffee und verbrenne mir die Zunge.


Großartig.


„Kommt sie heute Abend?", frage ich und hoffe, dass meine Stimme beiläufig klingt.


Adrian tippt eine Antwort, bevor er zu mir schaut. „Vielleicht. Stört dich das?"


„Warum sollte es?"


„Weil wir einen Film schauen wollten."


Das haben wir tatsächlich. Seit drei Tagen freue ich mich darauf, obwohl ich mir jedes Mal vornehme, solche Abende nicht mehr so wichtig zu nehmen.


Ich zucke mit der unverletzten Schulter. „Wir können auch zu dritt schauen."


„Sicher?"


Ich nicke. Er lächelt mich an, warm und erleichtert, und ich komme mir sofort schrecklich vor, weil ein Teil von mir gehofft hat, er würde trotzdem lieber mit mir allein bleiben.


Im Flur klacken Absätze auf den Fliesen. Kurz darauf kommt meine Mutter in die Küche, bereits angezogen, das kastanienbraune Haar ordentlich hochgesteckt. Sie legt eine Mappe neben der Obstschale ab und betrachtet meinen noch immer fast unberührten Teller.


„Du musst gleich los."


„Ich weiß."


Ihr Blick sinkt auf meinen Hals. Bevor ich reagieren kann, greift sie nach der feinen Kette unter meinem Pullover und zieht den Anhänger hervor.


Der dunkle Stein liegt kühl auf meiner Haut. Die silberne Einfassung hat sich an einer Stelle verdreht.


„Der Verschluss sitzt nicht richtig."


Ich halte still, während sie hinter meinen Nacken greift. Seit ich klein bin, kontrolliert sie diese Kette. Manchmal noch vor dem Frühstück, manchmal abends, wenn sie mir gute Nacht sagt.


„Mila hat gefragt, ob ich an meinem Geburtstag bei ihr schlafen kann", sage ich.


Ihre Finger halten kurz inne.


Adrian hebt den Kopf. „Ihr wollt feiern?"


„Vielleicht ausgehen. Sie plant irgendwas."


Meine Mutter richtet den Anhänger gerade und lässt ihn wieder unter meinen Pullover gleiten. „An deinem Geburtstag bleiben wir zunächst zusammen. Das weißt du."


„Abends wäre ich doch hier."


„Wir sprechen später darüber."


Sie sagt es freundlich, aber damit ist das Gespräch beendet. Ich kenne den Ton.


Adrian greift nach meinem letzten Stück Toast und beißt hinein. „Ich rede mit ihr", murmelt er, sobald unsere Mutter sich zur Kaffeemaschine dreht.


Ich sehe ihn an und nicke.


Schon wieder dieser kleine, dumme Hoffnungsschimmer, weil er auf meiner Seite ist.


Dabei ist er einfach nur nett.


⸻


Mila wartet vor dem Hauptgebäude auf mich. Ihre kupferroten Haare leuchten zwischen den grauen Jacken der anderen Studenten, und sie hält zwei Pappbecher in der Hand.


„Du siehst aus, als hättest du bereits einen ganzen Tag hinter dir."


Sie reicht mir einen Kaffee und zieht mich mit ihrem freien Arm kurz an sich. Ich verziehe das Gesicht, als sie meine Schulter erwischt.


Sofort lässt sie los.


„Was war das?"


„Training."


Mila betrachtet mich misstrauisch. „Ich werde diese familiäre Begeisterung für Selbstverteidigung nie verstehen."


„Du hast doch selbst gesagt, dass es sinnvoll ist."


„Ja. Sich aus einem Griff befreien zu können, ist sinnvoll. Jeden Dienstag auszusehen, als hätte dich jemand eine Treppe hinuntergeworfen, finde ich weniger überzeugend."


Ich würde ihr gern sagen, dass Adrian aufgepasst hat. Dass der blaue Fleck gar nicht von ihm stammt, sondern von einer Übung mit meinem Vater. Aber damit müsste ich mehr erklären, und irgendwann reichen die harmlosen Antworten nicht mehr.


Also nehme ich einen Schluck Kaffee.


Mila kennt dieses Ausweichen. Zum Glück entdeckt sie Finn an der Treppe, bevor sie weiterfragen kann.


Er steht neben Liv und Theo, einen Rucksack über einer Schulter, und versucht offenbar, mit einer Hand ein belegtes Brötchen aus einer Papiertüte zu ziehen. Als er uns sieht, hebt er die andere zur Begrüßung. Dabei fällt die Tüte herunter.


Liv schließt die Augen.


„Jeden Morgen", sagt sie, als wir bei ihnen ankommen. „Jeden verdammten Morgen."


Finn hebt sein Frühstück auf und schaut hinein. „Es ist noch in der Tüte."


„Ein beeindruckender Erfolg", bemerkt Theo und nimmt ihm den Kaffee ab, bevor auch der auf dem Boden landet.


Ich lache zum ersten Mal an diesem Morgen richtig.


Mit ihnen ist vieles leichter. Niemand erwartet, dass ich mich heute endlich schneller bewege oder eine schwierige Übung fehlerfrei beherrsche. Das Schlimmste, was mir hier passieren sollte, ist eine unangekündigte Abgabe.


Oder Damian.


Ich entdecke ihn erst, als wir schon durch die Eingangstür gehen. Er steht am schwarzen Brett und richtet sich auf, sobald er mich sieht.


Mila folgt meinem Blick. Ihr Arm hakt sich sofort bei mir unter.


„Weitergehen", murmelt sie.


„Juna."


Damian kommt auf uns zu. Seine hellbraunen Augen gleiten kurz über Mila, bevor er sich wieder mir zuwendet.


„Hast du meine Nachricht bekommen?"


Ich bleibe widerwillig stehen. „Ja."


„Du hast nicht geantwortet."


Neben mir atmet Mila hörbar durch die Nase aus. Finn bleibt ebenfalls stehen, während Liv und Theo sich umdrehen.


„Weil ich dir die Antwort schon letzte Woche gegeben habe", sage ich.


Damian lächelt, als hätte ich etwas Lustiges gesagt. „Es geht um einen Kaffee. Du tust so, als hätte ich dich gefragt, ob du mich heiraten willst."


Mein Gesicht wird warm. Nicht, weil ich mich geschmeichelt fühle. Ich hasse es, dass er solche Gespräche immer dort beginnt, wo andere zuhören können.


„Ich möchte keinen Kaffee mit dir trinken."


Sein Lächeln wird schmaler. „Du kennst mich doch kaum."


„Dann lässt du es vielleicht einfach dabei", sagt Mila. Ihre Stimme ist noch freundlich, aber ihre Finger drücken kurz meinen Unterarm.


Damian schaut sie an. „Ich rede mit Juna."


„Und sie hat dir geantwortet", wirft Finn ein. Er stellt sich neben mich, sein Frühstück inzwischen vergessen. „Wir müssen zur Vorlesung."


Ich gehe mit ihnen, bevor Damian noch etwas sagen kann. Mein Nacken bleibt angespannt, bis wir die Treppe hinter uns haben.


„Wenn er noch einmal mit diesem Kaffee anfängt, kippe ich ihm einen über den Kopf", sagt Mila.


„Bitte erst nach der Abgabe nächste Woche", meint Liv. „Ich habe keine Zeit, dich aus irgendwelchen Schwierigkeiten zu holen."


Mila schnaubt, und ich bin dankbar, dass sie mich nicht weiter ansehen.


⸻


Unser üblicher Platz ist in der dritten Reihe. Theo sitzt am Gang, weil er behauptet, Finn würde sonst ständig über ihn steigen. Liv packt ihren Laptop aus, während ich versuche, meinen Rucksack abzustellen, ohne die Schulter zu bewegen.


Mila bemerkt es natürlich.


Sie nimmt mir die Tasche ab und schiebt sie unter den Tisch.


„Heute Abend Wärmflasche und Sofa."


„Ich habe schon Pläne."


Ihr Blick trifft meinen. „Mit Adrian?"


Ich beschäftige mich mit dem Reißverschluss meines Mäppchens.


Das reicht ihr als Antwort.


„Juna ..."


„Célia kommt wahrscheinlich auch."


Mila wird still. Als ich sie ansehe, ist da dieser vorsichtige Ausdruck, den ich fast schlimmer finde als ihre unverblümten Kommentare.


„Du könntest stattdessen zu mir kommen."


Ich nicke, obwohl ich noch nicht weiß, ob ich das wirklich tun werde.


Vorn legt unser Dozent seine Unterlagen auf das Pult. Im Hörsaal wird es allmählich leiser. Ich öffne meinen Laptop, schiebe meine Haare hinter das Ohr und nehme mir vor, heute tatsächlich zuzuhören.


Dann öffnet sich die Tür.


Zuerst kommt eine junge Frau mit dunklen Locken herein. Sie trägt eine Lederjacke über einem kurzen Oberteil und schaut sich um, als würde sie entscheiden, ob ihr der Raum gefällt. Hinter ihr folgt ein großer Mann mit dunkelbraunen Haaren. Er sagt ihr etwas ins Ohr, worauf sie grinst.


Der dritte bleibt kurz im Türrahmen stehen.


Und ich vergesse, meinen Laptop einzuschalten.


Schwarze Haare, leicht durcheinander, als hätte er gerade erst die Hand hindurchgeschoben. Breite Schultern unter einem dunklen Shirt. Seine Jacke hängt locker über einem Unterarm.


Als er den Kopf dreht, sehe ich seine Augen.


Stahlblau.


Mein Blick bleibt an seinem Gesicht hängen, an der markanten Kieferlinie und seinem Mund. Es dauert einen peinlichen Moment, bis ich begreife, dass er längst zurückschaut.


Ich senke den Kopf.


Neben mir bewegt sich Mila näher. „Okay", murmelt sie. „Jetzt verstehe ich wenigstens, weshalb du plötzlich so still bist."


„Ich bin nicht plötzlich still."


„Du hast aufgehört zu atmen."


Ich drücke auf den Einschaltknopf meines Laptops. Zweimal, weil ich beim ersten Versuch danebengreife.


Die Schritte kommen näher.


Natürlich.


Natürlich gehen sie genau zu unserer Reihe.


Theo steht auf, um sie vorbeizulassen. Der dunkelhaarige Mann setzt sich auf den freien Platz neben mir, während seine beiden Begleiter die Plätze davor nehmen.


Ich bekomme seine Jacke beinahe an den Arm, bevor er sie über die Stuhllehne legt.


„Entschuldige", sagt er.


Seine Stimme ist tief, ein bisschen rau, und plötzlich ist mir sehr bewusst, dass zwischen seinem Bein und meinem kaum eine Handbreit Platz bleibt.


„Schon okay."


Ich schaue auf meinen Bildschirm. Der fährt immer noch hoch.


Beeil dich.


„Ist hier noch frei?"


Ich drehe den Kopf zu ihm. „Du sitzt doch schon."


Sein Mund verzieht sich.


Ein Grübchen erscheint in seiner Wange.


Oh, komm schon.


„Stimmt." Er lehnt sich etwas zurück, ohne den Blick von mir zu nehmen. „Dann hoffe ich, dass ich bleiben darf."


„Warum fragst du dann überhaupt?"


„Du hast mich angesehen, als wäre ich möglicherweise falsch."


Meine Wangen werden heiß. Mila bewegt sich neben mir verdächtig wenig. Ich weiß genau, dass sie zuhört.


„Ich habe nur geschaut."


„Das habe ich bemerkt."


Er sagt es so ruhig, dass ich einen Moment brauche, um die Frechheit darin zu erkennen. Als ich ihn wieder ansehe, ist das Grinsen noch da.


„Ich bin Zac."


Seine Hand liegt zwischen uns, groß, mit langen Fingern. Ich zögere kurz, bevor ich meine hineinlege.


Seine Haut ist warm.


Ungewöhnlich warm.


„Juna."


Für einen Augenblick verändert sich sein Blick. Seine Finger schließen sich um meine, und etwas zieht ganz leicht unter meinem Brustbein.


Dann lässt er los.


„Freut mich, Juna."


Vorn räuspert sich unser Dozent und beginnt mit der Vorlesung. Ich drehe mich hastig wieder zu meinem Laptop. Neben mir nimmt Zac einen Stift aus seiner Jacke, als wäre überhaupt nichts passiert.


Vielleicht ist auch nichts passiert.


Vielleicht sollte ich einfach mal aufhören, aus jeder Berührung etwas zu machen.


Mila schiebt ihr Handy über den Tisch.


Auf dem Bildschirm steht eine Nachricht an mich.


Wenn du Adrian wegen des da nicht endlich aus deinem Kopf bekommst, weiß ich auch nicht mehr.


Ich schiebe es zurück und starre auf die erste Folie.


Nach weniger als einer Minute schaue ich wieder zu Zac.


Er fängt meinen Blick auf, und dieses verdammte Grübchen erscheint erneut.


Diesmal weiß ich wenigstens sicher, dass ich mir sein Interesse nicht eingebildet habe.

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