Kapitel 1
Es war der neunundneunzigste Tag des neunundneunzigsten Jahrzehnts seines Lebens und Tringasik wollte nicht weiter machen. Ein Tag, bis er genau eintausend Jahre erlebt haben würde. Ein Tag mehr und er würde zur galaktischen Ratgeberabteilung berufen. Es war eine große Ehre, an dieser Abteilung teilzunehmen. Es sollte die größte Ehre des Lebens sein, laut einigen jüngeren Menschen, die nicht so viele Jahre gelebt hatten.
Ein leichtes Zittern ging durch das Raumschiff, während Tringasik durch das Kraftfeld, das ihn von der kalten Leere trennte, blickte. Ein fast unmerkliches blaues Licht schimmerte dort, wo das Kraftfeld die Lücke überspannte—das Einzige, was zwischen ihm und einem blutkochenden, atemberaubenden, frostigen Tod stand. Er blickte bis in die Ewigkeit, diesem dunklen Hintergrund des Universums, wo die Sterne nicht mehr funkelten und das Licht nie gestrahlt hatte. Dort draußen, hinter diesem schwarzen Rand des Alls, existierte das Einzige, was ihm noch fremd war. Er hatte fast ein Jahrtausend überlebt, in einer Welt wo alles nur einen Schritt entfernt lag. Was gab es noch zu sehen, wenn er schon alles gesehen hatte?
„Herr,“ sagte eine klare, junge, deutlich weibliche Stimme hinter ihm. Er bewegte sich nicht. In ihm wuchs das Gefühl, dass sich in diesem Moment etwas Wichtiges in ihm entwickelte. Die Dunkelheit starrte ihn durch das Kraftfeld an und er fühlte plötzlich, dass er von einem kosmischen Blick gefesselt war. Er konnte kaum seinen Atem einziehen.
„Herr,“ wiederholte die Stimme der jungen Frau. „Wir sind angekommen. Wir sind bereits mit der Station gekoppelt.“ Die Stimme blieb einen Moment stumm, wie der alte Mann. „Herr—“
„Ich habe dich gehört!“ unterbrach Tringasik die Stimme. Er drehte sich rasch um; der seltsame Moment, der kosmische Blickaustausch, war vorbei. Er warf einen wütenden Blick auf den glühenden Ball, der in der Luft schwebte. „Außerdem habe ich dir schon mal gesagt, du sollst diese Stimme nicht mehr benutzen. Sie erinnert mich an Lira. Du weißt, dass ich sie lieber vergessen würde.“
„Alles klar,“ sagte der Ball aus Licht, diesmal mit einer männlichen, unnatürlich tiefen Stimme. „Lira war deine…zweiundvierzigste Ehepartnerin, nicht wahr?“
„Sechsundvierzigste,“ erwiderte er mürrisch. „Zweiundvierzig war Anna. Sie war eine gute Partnerin. Ich hätte gern das ganze Leben mit ihr verbracht. Ach! Warum sag ich dir sowas überhaupt, du bist ein verdammter Roboter.“
„Ähm,“ räusperte sich das Licht. „Ich bin eigentlich kein Roboter. Roboter sind aus physischer Materie gebaut. Ich hingegen bestehe aus purer Energie,“ sagte es stolz.








