Kapitel 1
JENNIES SICHT....
An einem Montagmorgen wachte ich früh auf. Ich hatte an diesem Tag schon früh Vorlesungen an der Uni und durfte auf keinen Fall zu spät kommen.
Ich bin die Tochter von Elijah Montgomery. Er ist der reichste und mächtigste Mann im ganzen Land.
Da ich sein einziges Kind bin, musste ich hohe Erwartungen erfüllen. Es war kein Zufall, dass ich in der Schule die gleichen Fächer wie er belegte.
Ich sorgte dafür, dass ich die Prüfungen mit denselben Noten bestand wie er damals. Auch mein Studium und die Universität waren genau die gleichen wie bei ihm.
Man hatte mich zu seinem Klon erzogen. So sollte ich die Firma übernehmen können, wenn er in Rente geht.
Mein ganzes Leben lang wurde ich nur darauf vorbereitet.
Deshalb musste ich immer tun, was er sagte. Ich musste mich sogar mit dem Mann verloben, den er für mich ausgesucht hatte.
Richard.
Er ist der Sohn von einem seiner Geschäftspartner.
Die beiden sprachen darüber, ihre Kräfte zu bündeln. Die Firma seines Vaters und die meines Vaters sollten eins werden.
Dad wollte dadurch noch mehr Macht gewinnen, falls das überhaupt noch möglich war. Aber für ihn gab es nie genug Macht.
Beide Seiten würden davon profitieren.
Sie wollten die Firmen verschmelzen, aber es sollte ein Familienunternehmen bleiben.
Wie stellt man das an? Sein Sohn heiratet die Tochter von Elijah.
Ich kannte Richard schon seit der Highschool und ich konnte ihn nicht leiden.
Er war herrisch und unhöflich. Er hatte mich mehrmals um ein Date gebeten, aber ich hatte ihm immer eine Abfuhr erteilt.
Als ich achtzehn wurde, musste ich jedoch zustimmen, weil meine Eltern es so wollten. Sie schlugen sogar einen romantischen Kurzurlaub vor.
Dort sollten wir uns besser kennenlernen und ungestört sein. Ich lehnte ab. Alle unsere bisherigen Verabredungen waren schrecklich gewesen.
Er schrie Kellner wegen jeder Kleinigkeit an. Die ganze Zeit redete er nur über sich selbst und ließ mich nie zu Wort kommen.
Außerdem war er einfach nur arrogant. Ich mochte ihn ganz und gar nicht.
Trotzdem ging ich mit ihm aus. Das war nämlich die einzige Zeit, in der mein Dad mich ohne drei Bodyguards irgendwohin gehen ließ.
Ich wurde völlig überbehütet. Ich konnte nicht einmal zum Friseur gehen, ohne dass ein ernster Mann im Anzug direkt neben mir stand.
Der einzige Ort, an den sie mir nicht folgten, war das Klo. Aber sie warteten direkt vor der Tür auf mich.
Ich durfte nie bei Freundinnen übernachten. Entweder kamen sie zu mir oder es fiel flach.
Ich verstand nicht, warum Dad so einen Kontrollwahn hatte. Wenn ich Mum bat, ihn umzustimmen, sagte sie nur: „Hör auf deinen Vater, Jennie. Es ist nur zu deinem Besten.“
Mrs. Rachel Montgomery war keine große Hilfe.
Sie stellte sich niemals gegen meinen Vater.
So gesehen war Richard, auch wenn er nervte, doch ein wenig nützlich.
Mein Vater vertraute ihm. So konnten wir allein sein, ohne dass uns ständig Männer auf Schritt und Tritt folgten, um „auf uns aufzupassen“.
Ich weiß nicht, ob meine Eltern einfach nur anstrengend sind oder ob sie sich zu viele Sorgen machen.
Als er vor zwei Monaten um meine Hand anhielt, hatte ich keine Wahl. Ich war gerade neunzehn geworden und musste Ja sagen.
Das war es, was mein Vater wollte. Ich sah sein zufriedenes Nicken, als er den Ring an meinem Finger bemerkte.
Diesen Montag musste ich mich nach der Uni mit meinem Verlobten zum Mittagessen treffen.
Immerhin konnte ich so meine Bodyguards für ein paar Stunden loswerden.
30. April 2023









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