Das „D“-Wort
„Ich kann deinen Ex-Mann nicht ausstehen. Was für ein Vollpfosten.“
Die beiden Frauen blickten gerade noch rechtzeitig auf, um zu sehen, wie ein Mann in den Laden stolperte. Er war sichtlich betrunken und mies gelaunt.
Delilah senkte den Blick, als Brett das Brautgeschäft betrat.
„Was willst du, Brett?“, fragte Millicent. Sie sah mit an, wie ihre beste Freundin vor dem Vater ihrer Kinder zurückwich. „Brauchst du ein Kleid? Absätze? Einen Strapsgürtel? Ich weiß, dass du heiratest, aber deine Tussi kann ruhig selbst herkommen, du Depp. Warst du heute Morgen schon am Kiosk? Ich riech dich bis hierher...“
„Ich bin hier, um meine Ex-Frau zu sehen, Millicent“, spottete Brett. „Nicht um mit Seeigeln zu reden.“
„Seeigel?“, Millicent runzelte die Stirn. „Ich bin eine waschechte Ariel, du mieser, fremdgehender, gewalttätiger Vollidiot.“
„Wie geht es dir, Brett?“ Delilah stellte sich zwischen die beiden, bevor die Situation eskalierte.
„Es geht“, sagte er und mied Millies Blick. „Ich muss einen Termin für Miranda machen.“
„Oh, nun, du hättest anrufen können“, sagte Delilah. „Oder du hättest online einen Termin gebucht.“
Brett lachte leise. „Ich will die Kinder dieses Wochenende, D.“
Millie lachte laut auf. „Vergiss es, Spinner. Du kriegst die Kinder dieses Wochenende nicht, und das weißt du auch.“
„Ich rede nicht mit dir, du Scheusal“, sagte Brett. „Was ist jetzt?“
Delilahs Hände zitterten. Sie beobachtete Bretts Blick, seine Hände und sein ganzes Verhalten.
„Ich glaube nicht“, sagte Delilah leise. Ihre roten Locken lugten aus dem kleinen Dutt hervor, den sie sich am Morgen hochgesteckt hatte. „Der Richter hat gesagt, dass die Kinder vorerst bei mir bleiben. Du musst erst lernen, deine Wut in den Griff zu bekommen. Gehst du zu den Treffen?“
Brett blickte finster drein. „Ich gehe zu den Treffen, Delilah.“
„Gut“, lächelte Delilah. „Dann kannst du sie abholen, wenn du nüchtern bist. Ich rieche nämlich die Whiskeyfahne.“
„Verdammt noch mal, D!“ Brett schlug mit den Fäusten auf den Tresen. „Das tust du mir mit Absicht an!“
„Hast du das nicht auch gesagt, als du mich geschlagen hast? Nur weil das Essen angebrannt war oder ich an Weihnachten die Füllung verschüttet habe?“, fragte Delilah. Millicent griff bereits nach ihrem Telefon, um die Polizei zu rufen. „Ich denke, du solltest gehen. Du weißt, wann du die Kinder sehen darfst, und das sind beaufsichtigte Besuche.“
„Schlampe...“, lallte Brett und stolperte aus dem Laden.
„Atme tief durch, D...“, sagte Millie. Sie eilte zur Ladentür und schloss den Riegel vor. „Ganz ruhig, Süße. Alles wird gut...“
Im nächsten Moment war Millie wieder bei ihrer besten Freundin. Sie nahm sie fest in den Arm, während Delilah schluchzte.
„Ich hasse es, dass er immer noch hier wohnt“, sagte Delilah. „Ich weiß, dass er eines Tages etwas anstellen wird – ich spüre es einfach.“
„Ach was, der ist viel zu besoffen, um irgendwas zu tun“, grinste Millie. „Ich habe die Cops gerufen, die fischen ihn sicher gleich aus dem Verkehr. Dann hast du wenigstens für ein paar Tage Ruhe vor ihm.“
„Danke“, Delilah wischte sich die Augen. „Ich weiß nicht, wie ich das alles ohne dich und die Mädels überstanden hätte.“
„Hey, wofür sind wir Seeigel denn da? Um anderen auf die Eier zu gehen!“
„Ich weiß nicht...“, sagte Delilah, als sie bei Ladenschluss das Geschäft verließen. „Meinst du wirklich, ich sollte das tun?“
„Ja, du bist jetzt seit zwei Jahren geschieden“, sagte Millie und zündete sich eine Zigarette an. „Du hast es verdient, auszugehen und Spaß zu haben. Lass dich mal wieder ordentlich flachlegen und schieß dich ab! Deine Eltern passen heute Abend auf die Kinder auf.“
Delilah lachte. „Ich wollte nicht wieder ganz von vorne anfangen.“
„Wer sagt denn was von Neuanfang?“, fragte Millie. „Du lässt heute einfach mal die Sau raus.“
„Die Sau rauslassen?“
„Jawohl!“, sagte Millie. „Ich bringe dich jetzt sicher nach Hause. Danach kommst du mit uns mit und amüsierst dich. Ach, vergiss es. Ich werde persönlich dafür sorgen, dass du etwas Freizügiges anziehst!“
„Äh, wie freizügig denn?“
„Man sollte schon deinen Arsch sehen.“
„Millicent...“
„Na gut, na gut... dann eben nur ein bisschen Bein.“
Sie fuhren zu Delilahs kleinem Häuschen am Stadtrand. Ohne die Kinder war es dort unheimlich still, und sie vermisste sie sehr. Sie lenkten sie normalerweise von all ihren Sorgen ab.
„Das hier...“
„Millie, das habe ich seit der Highschool nicht mehr getragen.“
„Und? Es passt dir immer noch.“ Millicent warf ihrer Freundin das kurze, rote Kleid in A-Linie zu. „Wir fahren nach Boston, da musst du auffallen.“
„Nein, ich...“
„Du kommst für eine Nacht mal raus aus Salem, Schätzchen. Nur... eine... Nacht...“, beharrte Millicent. „Rote High Heels dazu. Keine flachen Schuhe – und die Haare offen... danke sehr.“
„Ich weiß nicht“, sagte Delilah, während sie sich im Spiegel betrachtete. „Ich sehe aus wie ein leichtes Mädchen.“
Millicent lachte. „Tja, leichte Mädchen werden flachgelegt, und genau das haben wir vor! Wir holen uns den ‚Schwanz‘, wie du es so vornehm ausdrückst.“
„Millie...“
„Hör auf, dich gegen den Seeigel zu wehren!“, scherzte Millicent. „Komm schon. Schnapp dir deine Tasche und was du sonst noch brauchst. Ich verspreche, dass du vor Sonntag wieder zurück bist. Du brauchst mal wieder einen Schwanz in deinem Leben – oder einen fetten Cock, wer weiß?“
„Es ist Freitag! Du hast gesagt, nur für eine Nacht!“ Delilahs panische Stimme ließ Millicent die Stirn runzeln. Sie legte den Arm um die Schulter ihrer Freundin und drückte sie fest.
„Oh, habe ich das? Dann habe ich dich wohl angelogen, denn wir machen ein Mädels-Wochenende!“, flötete Millicent. Delilahs große grüne Augen weiteten sich vor Schreck und gleichzeitiger Vorfreude auf das Wochenende mit ihren besten Freundinnen.
„Und ich habe sogar Kautionsgeld eingesteckt! Lassen wir es krachen!“