URLAUB MIT GEWISSEN HAKEN

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Zusammenfassung

Die eine HĂ€lfte von mir fantasierte davon, wie Joe mich wie ein Höhlenmensch auf diesen Billardtisch wĂŒrfe, um mich nach Strich und Faden zu verfĂŒhren, wĂ€hrend die andere HĂ€lfte bereits begriff, wie schwer es wĂ€re, ĂŒber ihn hinwegzukommen, falls es tatsĂ€chlich dazu kĂ€me. Vielleicht sind die Momente der Vorfreude besser als das, was folgt. Vielleicht muss ich mich schĂŒtzen und das Ganze einfach nur als Flirt sehen – als nichts weiter. Und ja, vielleicht muss ich endlich aufhören, bei allem verdammt noch mal zu viel nachzudenken ... ~~~~~~~~~~~~~ Als Sienna Norton beschließt, ihren Freund zu ĂŒberraschen, wird sie selbst zur Überraschten – und ist am Boden zerstört –, als sie ihn mit einer anderen Frau erwischt. Ihre beste Freundin Kate ĂŒberzeugt sie davon, eine gemeinsame Auslandsreise zu machen, um auf andere Gedanken zu kommen ... Doch kaum auf der wunderschönen griechischen Insel Kefalonia angekommen, wird Sienna irgendwie schon wieder im Stich gelassen. Die Dinge bessern sich jedoch, als sie Joe kennenlernt und die beiden beschließen, den Rest ihres Urlaubs gemeinsam zu verbringen. Joe ist hinreißend, intelligent und lustig, und es ist absolut nicht zu leugnen, dass es zwischen ihnen knistert – aber Sienna hĂ€tte nicht damit gerechnet, so schnell wieder 
 *GefĂŒhle* zu entwickeln. Und Joe ... nun ja, es gibt da definitiv etwas, das er ihr einfach nicht verrĂ€t. Gibt es eine Chance fĂŒr sie, *mehr* als nur Holiday Buddies zu sein?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
35
Rating
5.0 42 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Sienna


Es gibt viele Dinge auf dieser Welt, durch die man sich manchmal unertrĂ€glich einsam fĂŒhlen kann.


GlĂŒckliche Paare zu sehen, wenn man sich gerade erst von jemandem getrennt hat – und die Trennung nicht die eigene Wahl war –, fĂ€llt definitiv genau in diese Kategorie.


Im Moment erlebe ich jedoch eine ganz neue, schreckliche Variante genau dieser Art von Folter.


Ich versuche mich so sehr auf mein Buch zu konzentrieren, aber mein wĂŒtender Blick wandert immer wieder zu dem Paar auf der anderen Seite des Pools.


Sie können die Finger nicht voneinander lassen und versuchen, sich eine Sonnenliege zu teilen. Eine haben sie schon geschrottet, wofĂŒr sie von einem Mitarbeiter etwas Anschiss bekommen haben, aber das scheint sie nicht davon abzuhalten, es wieder zu versuchen.


Wie bin ich nur in dieser Situation gelandet? frage ich mich wĂŒtend.


„Dieser Urlaub wird der Hammer!“, hatte Kate vor zwei Tagen darauf bestanden, als wir im Flugzeug nach Kefalonia saßen. „Wir nennen es ‚Siennas große Single-Feier‘.“


„Das mĂŒssen wir wirklich nicht“, murmelte ich und wĂŒnschte, meine beste Freundin wĂ€re etwas leiser. „Es ist nicht gerade etwas, das ich feiern möchte.“


Vor drei Wochen meinen Freund von zwei Jahren in flagranti mit einer Arbeitskollegin zu erwischen, war verstĂ€ndlicherweise immer noch ein wunder Punkt bei mir. Es ist schon schlimm genug herauszufinden, dass dich jemand betrĂŒgt; das visuelle Bild dazu macht es noch viel schlimmer. (Es hat sich quasi in meine Lider eingebrannt, und das Bild taucht so gut wie jedes Mal auf, wenn ich die Augen schließe. Schlafen war nicht einfach.)


Dann zu entdecken, dass er sie tatsĂ€chlich schon seit fast der HĂ€lfte unserer sogenannten Beziehung nebenher gepoppt hatte – eine Beziehung, wohlgemerkt, bei der ich dachte, wir wĂŒrden bald zusammenziehen –, war der Schlag ins Herz, den ich echt nicht gebraucht habe. Vor allem, als er dann mit mir Schluss machte, um mit ihr zusammenzuziehen.


Ich sollte wohl froh sein, dass wir noch nicht zusammenwohnten, als ich die Wahrheit herausfand. Es wĂ€re viel schwieriger gewesen, unsere Leben zu entwirren, wenn das der Fall gewesen wĂ€re. Ich wĂŒnschte jetzt allerdings, Greg hĂ€tte mir keinen SchlĂŒssel zu seiner Wohnung gegeben. Er hatte mir Hoffnung auf eine Zukunft mit ihm gemacht und mir diese Zukunft dann entrissen, als ich seinen Verrat mit ansehen musste.


Ich war direkt nach der ganzen Sache natĂŒrlich völlig am Ende, und Kate entschied, dass die beste Art, mir ĂŒber den Trennungsschmerz hinwegzuhelfen, ein gemeinsamer Urlaub sei.


Mir war eigentlich gar nicht danach zumute.


Ehrlich gesagt war mir nach gar nichts zumute. Ich wollte eigentlich nur in meiner Wohnung versauern, mich von Haribo und Rhabarber-Gin ernĂ€hren und dazu meine eigene Heulerei und Folgen von „Modern Family“ hören. Das war jetzt mein Leben. TagsĂŒber ging ich zur Arbeit, setzte ein tapferes Gesicht auf und tat so, als wĂ€re ich professionell. Danach kam ich nach Hause und suhlte mich im Elend, Alkohol und Weingummi.


Kate ließ jedoch nicht locker. Deshalb saß ich nun im Flugzeug, mit einem Plastikbecher ĂŒberteuertem, lauwarmem Weißwein in der einen und einer winzigen, ebenso ĂŒberteuerten Packung Pringles Sour Cream & Onion in der anderen Hand – das ultimative Klischee beim Fliegen – wĂ€hrend sie mir aufgeregt ihre PlĂ€ne fĂŒr uns erzĂ€hlte.


„Wir gehen jeden Abend schick essen“, sagte sie begeistert. „Ich habe ein paar Restaurants bei TripAdvisor rausgesucht. Es gibt so viele LĂ€den mit gebackenem Feta auf der Karte, du wirst im siebten Himmel sein!“


Ich liebe KĂ€se. Bei dem Gedanken an gebackenen griechischen KĂ€se spĂŒrte ich einen winzigen Funken Hoffnung in mir aufsteigen und merkte, wie sich ein ganz kleines LĂ€cheln auf meine Lippen stahl. Momentan ergriff und klammerte ich mich an jedes bisschen GlĂŒck, das ich finden konnte. Ich schĂ€mte mich nicht dafĂŒr.


„Die Inselhauptstadt liegt auch gleich hinter dem HĂŒgel, wo wir wohnen, also können wir dorthin laufen – vielleicht können wir uns sogar ein Auto mieten“, fuhr sie aufgeregt fort. „Oder einen Bootsausflug machen?“


Sie stieß ihren Becher gegen meinen fĂŒr ein halbherziges „Prost“. Mit Plastik hat das nicht wirklich den gleichen Effekt, aber ich versuchte in Stimmung zu kommen und nahm einen großen Schluck Wein.


„Das wird ein riesiger Spaß“, schloss sie und lĂ€chelte zufrieden. „Wir werden dich komplett ĂŒber diesen Wichser Greg hinwegbringen.“


Ich hatte fast angefangen, ihr zu glauben.


Wir waren an jenem ersten Tag frĂŒh genug in Lassi angekommen, um ein paar Drinks am Pool zu nehmen. Ich fing an, mich etwas entspannter zu fĂŒhlen, so wie man sich eben im sonnigen Urlaub im Ausland fĂŒhlt.


Ich postete sogar ein Foto auf Facebook, diesen alten Klassiker „Hot Dogs oder Beine“, auf dem man den Ausblick von meiner Sonnenliege sieht, wĂ€hrend ich eine Flasche Mythos in der Hand halte. (Jeder weiß, dass man so ein Foto posten muss, wĂ€hrend alle anderen zu Hause noch arbeiten, damit man ihnen unter die Nase reiben kann, dass man im Urlaub ist und sie nicht – das ist ein ungeschriebenes Gesetz der sozialen Medien.)


Nachdem wir uns ein paar Stunden in der spĂ€ten Maisonne gebraten hatten, zogen wir uns hĂŒbsche Sommerkleider an, legten ein bisschen Make-up auf und gingen in eines der nahegelegenen Restaurants. Wir stopften uns mit gebackenem Feta, Moussaka, einer Zehn-Euro-Liter-Karaffe Weißwein und ein bisschen Baklava voll. Es war so viel, wie ich seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen hatte – mein Appetit geht nur dann flöten, wenn mein Herz gebrochen ist.


Als wir zurĂŒck in unserem Apartmentkomplex waren, war die Poolbar beleuchtet und voller Leute, dazu lief lebhafte Musik. Wir tanzten, tranken noch etwas und unterhielten uns mit anderen GĂ€sten, bevor ich mich entschuldigte, um ins Bett zu schlĂŒpfen. Unser Flug war frĂŒh gewesen und ich war hundemĂŒde. „Ich komme mit“, bot Kate an, aber sie war noch voller Tatendrang und hatte Spaß, also sagte ich ihr, sie solle bleiben.


Das war wohl ein Fehler, denke ich jetzt, wĂ€hrend ich dem notgeilen Paar weiterhin heimlich wĂŒtende Blicke zuwerfe.


Denn kurz nachdem ich die Bar verlassen hatte, traf Kate Jack . . . und seit fast anderthalb Tagen kleben sie nun schon so aneinander.


Ein glĂŒckliches Paar ist schon schlimm genug... aber wenn die eine HĂ€lfte des glĂŒcklichen Paares die Freundin ist, mit der du in den Urlaub gefahren bist, um MĂ€nner zu vergessen . . . Dann ist es erst recht ein Albtraum.