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Gefangen in seinem Netz

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Zusammenfassung

Sie hat Biss, er hat Muskeln. Gemeinsam bekämpfen sie nicht das Verbrechen. Sie kämpfen für ihre Liebe. Mafia/Dark Love Romance.

Genre:
Romance
Autor:
SmashDoms
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
46
Rating
4.8 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Godfather's Carnations

Glaubst du, weil ich arm, unbekannt, schlicht und klein bin, sei ich seelenlos und herzlos? Da irrst du dich gewaltig!

Charlotte Brontë

2 Stunden und 53 Minuten vor der Beerdigung des Mafiabosses Rosario Tangorello.

Ich bin Single, 24 und Floristin. Ich hasse Hochzeiten, weil ich immer nur die Brautjungfer oder die billige Arbeitskraft bin. Es ist nicht so, als könnte ich mit einer Ehe umgehen, wo in meinem Leben gerade sowieso alles drunter und drüber geht. Ich bin zu rastlos. Zu anders. Zu komisch. Und nein, Mama, ich muss nicht einfach nur mehr nette Typen kennenlernen. Mr. Right wird mich und mein Leben nicht wie durch Zauberhand in Ordnung bringen. Trotzdem ist FOMO ein verdammt mieses Gefühl.

Bei Hochzeiten muss ich über all das nachdenken, während Beerdigungen ... Beerdigungen sind besser. Sie lassen mich froh sein, am Leben zu sein. Also summe ich vor mich hin, während ich eine hübsche Kirche mit weißen Blüten schmücke, bis mein Boss-from-hell, Sheila, die Kirchentür aufreißt.

„Bryn!“, kreischt sie, und ihre Stimme passt perfekt zum Quietschen der Scharniere. „Diese Nelken sind nicht im Lieferwagen!“

„Nicht im ... was?“ Ich kaue auf meiner Lippe und lasse den früheren Morgen in meinem Kopf Revue passieren.

Da stand ich und habe den Lieferwagen von Floribunda beladen.

Okay, bis dahin lief alles glatt.

Ein Stück vorspulen.

Da stand ich wieder in meiner Latzhose und den rutschfesten Schuhen und habe den verdammten Wagen beladen.

Laden, laden, laden – es ist ein riesiger Auftrag, der größte, den wir je hatten. Also habe ich eine winzige Pause gemacht, um auf mein Handy zu schauen. Gerade lange genug, um die Kommentare auf meinem geheimen Instagram-Account zu lesen und –

„Ups.“

„Bryn, ich hab’s dir gesagt!“, jammert Sheila. „Ich habe dich dreimal gefragt! Haben Zombies dein Gehirn gefressen oder was?“

„Mensch, Sheila, du tust ja gerade so, als hätten wir ein Einsatzkommando in Bagdad verloren und nicht fünf Dutzend Knospen.“

„Wir? Nicht wir! Ich habe gar nichts vergessen! Das war ganz allein dein Ding! Ich habe dir gesagt –“

Bevor sie ihre Standpauke Wort für Wort wiederholt, ziehe ich den Bauch ein. Sich über Kleinigkeiten aufzuregen ist so anstrengend. „Die Nelken stehen in der Kühlung. Sie halten sich, und niemand wird sie vermissen. So was passiert halt. Nicht wahr, Chefin?“

Sheila kommt den Mittelgang entlang, mit einem Blick, den ich mir gut bei einer versetzten Braut vorstellen kann.

„Das ist das Problem mit euch Millennials. Ihr wollt es einfach nicht kapieren! Die Trauergesellschaft kommt in zwei Stunden, Bryn. Zwei Stunden!“

Ich werfe einen Blick auf mein Handy. Um genau zu sein: Es sind 2 Stunden und 49 Minuten, aber ich habe nicht das Gefühl, dass es sonderlich hilfreich wäre, sie zu korrigieren.

„Hast du eine Ahnung, wer unser Kunde ist?“, senkt Sheila ihre Stimme zu einem dramatischen Flüstern. Die Akustik in der St. Luke’s Kirche ist zwar super, aber der Bewohner des golden verzierten, lackierten Sargs würde sie selbst dann nicht hören, wenn er noch leben würde. Sein Sarg ist liebevoll mit seidigem Zeug gepolstert.

„Ja, ich weiß. Sein Name ist Tangorello. Rosario Tangorello. Er war so ein ...“, ich schnippe mit den Fingern und suche nach dem Wort, das mir auf der Zunge liegt. „Aha. Ein Pate. Wie in den alten Mafia-Filmen.“

Ich halte Sheila mein Handy hin, um zu beweisen, dass ich recherchiert habe. Der Tote auf dem Bild hat silberne Haarbüschel, die sich noch tapfer um seine Ohren halten, eine Hakennase, ein schmales Lächeln auf blutleeren Lippen und einen gestärkten Smokingkragen, der seinen faltigen Hals einschnürt.

„Hmm. Er ist eher ein Mafiosi-Großvater, wenn du mich fragst. Der Typ ist so antik, der ist nicht mal mehr im Trend.“

Sheila ist nicht amüsiert. „Bryn! Bryn! Bist du komplett bescheuert? Bei solchen Leuten verliert man kein einziges Blütenblatt. Keines! Uns fehlt ein ganzes Gesteck! Und es war direkt von der Familie.“

„Technisch gesehen ist es ihre eigene Schuld. Bei dieser Lieferung läuft alles schief“, sage ich zu ihr. „Dieses Warten in der Kirche auf die Trauergesellschaft? Und Blumen nach der Messe aufräumen, anstatt dass die Tangorellos sie wie alle normalen Menschen mit nach Hause nehmen –“

„Bryn! Das sind keine normalen Leute.“

„Schon gut, schon gut. Sie sind unsere Kunden. Und der Kunde ist König.“ Ich habe den Samstag so was von satt, dass meine Schultern zusammensacken. „Mein Fehler, Sheila. Tut mir leid, okay?“

Sheila scheißt auf meine Entschuldigungen.

Schniefend, die Brille schief auf ihrem unecht blonden Haar, wählt sie die Nummern von zwei anderen Mitarbeitern von Floribunda.

Der erste geht nicht ran.

Der zweite sagt mit verpeilter, näselnder Stimme: „Ich kann nicht mal zum Aufzug kriechen, geschweige denn zum verdammten Malibu Beach fahren, weil ich krank bin, Sheila. Verdammt krank. Deshalb habe ich mich doch vorhin krankgemeldet. Duh!“

Sheila starrt auf das Handy und atmet, als hätte sie gerade einen Halbmarathon hinter sich. Sie ist einfach ein Kontrollfreak, aber mein Herz klopft, weil ich spüre, wie sich etwas Schlechtes über uns zusammenbraut. Etwas, das bedrohlicher ist als mein Jobverlust, aber ich schiebe die Angst ganz weit weg.

Okay, okay ... tief durchatmen. Ich habe es vermasselt. Mist gebaut. Alles ruiniert. Wieder einmal. Also liegt es wohl an mir, das wieder in Ordnung zu bringen. Wenn ich das schaffe, behalte ich vielleicht den Job, kann die Miete zahlen und diesmal wird alles gut. Das schaffe ich doch, oder?

Mit zitternden Fingern schiebe ich mir ein feurig-scharfes Zimtkaugummi in den Mund und zerkaue es förmlich. Es haut rein wie Kokain. Oder ich stelle mir zumindest vor, dass es so reinhaut. Espresso ist meine Droge der Wahl, danke sehr.

„Ich hole die Nelken im Handumdrehen, Sheila. Der alte Tangorello wird gar nicht merken, dass er warten musste.“

„Ohne Stau ist man mehr als eine Stunde nach L.A. unterwegs!“, wimmert Sheila und presst eine Hand auf ihre Brust. „Das ist unmöglich! Oh Gott, oh Gott, oh Gott!“

Ein guter Einwand, denn wer außer der Vorsehung sollte uns jetzt noch helfen? Aber wir schreiben das Jahr 2017, in einer Welt ohne Wunder. Die weißen Nelken regnen nicht als Antwort auf Sheilas Gebet von der Decke. In dieser ignoranten Welt kann man nicht einfach dabeistehen und zusehen, wie jemand vor Verzweiflung die Hände ringt.

Also ja, ich muss jeden Blumenladen in Malibu Beach abklappern, um so viele Nelken wie möglich aufzutreiben. Mein klägliches Konto wird mich hassen, aber Sheilas hysterischer Zustand ist meine Schuld. Ich muss es irgendwie hinkriegen, das Ganze so schnell wie möglich zu korrigieren.

Ich stürme den Gang entlang und ...

Eine Vision lässt mich mitten im Schritt erstarren. Nein, diese Verzückung ist trotz des Ortes keine spirituelle Art, sondern eine überirdische.

Nichtsdestotrotz ist es ziemlich unglaublich.

An der Schwelle von St. Luke’s gibt es eine klare Linie, an der das kalifornische Sonnenlicht auf die Düsternis des Kircheninneren trifft.

Genau auf dieser Grenze zwischen Licht und Dunkelheit hat das Schicksal einen Mann platziert, der mein absolutes Gegenstück ist.

Er kommt in die Kirche, als ich gerade hinaus will. Ich trage eine verwaschene marineblaue Latzhose mit dem Namenszug „Bryn“, damit die Kunden wissen, mit wem sie es zu tun haben. Er trägt Armani, und er trägt ihn verdammt gut – auch wenn sein kantiger Kiefer so gar nicht zu italienischen Designeranzügen passt.

Ich bin arm, erbärmlich und unbekannt, und er ist ... Er ist das genaue Gegenteil.

Da er genauso in die Kirche will, wie ich sie verlassen möchte, überquert weder ich noch der geheimnisvolle Fremde die Linie zwischen Licht und Dunkelheit.

Wir bleiben im Türrahmen wie angewurzelt stehen und mustern uns, als wären wir völlig baff. Na ja, zumindest ich bin es.

Mensch, ich bin zu jung, um Männer bei Beerdigungen kennenzulernen. Okay, vielleicht bin ich gerade an der Schwelle, zu alt für alles zu sein. Ich bin zwar noch keine verhutzte Hexe, habe noch alle meine Zähne und meine Oberschenkel sind cellulitefrei. Ich bin die Durchschnittsfrau aus dem Vorort. Ich weiß nicht, wie andere junge Frauen leben, aber ich persönlich treffe an einem normalen Tag genau null reiche Typen.

Diese Zahl sinkt sogar noch weiter, wenn man nur reiche Typen zählt, die welliges schwarzes Haar haben, das perfekt frisiert ist und Geld schreit. Wenn man dann noch bernsteinfarbene Augen auf die Liste setzt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich so einem Mann begegne, gleich minus unendlich pro Tag.

Nicht meine Schuld, beschwer dich bei seinen Augen. Sie leuchten vor seiner gebräunten Haut so stark, dass das falsche Barockgold am Altar wie billiger Plunder wirkt. Auf keinen Fall nenne ich diese Farbe Hellbraun. Das wäre viel zu plebejisch für ihn.

„Sie haben meine Nelken vergessen“, sagt der Fremde anstelle einer Begrüßung.

Ich glotze ihn an. „Wir hatten so viele Aufträge, Sir, da kann ich aus dem Stegreif nicht sagen, ob Ihrer dabei war.“ Heilige Scheiße! Wie kam das nur so flüssig aus meinem Mund, wenn mein Magen doch vor Knoten nur so strotzt?

„Ich habe fünf Dutzend weiße Nelken bestellt.“ Seine Präzisierung klingt eiskalt und endgültig. Er weiß genau, was ihm gehört. Er würde eher sterben, als zuzugeben, dass die fehlenden Blumen nicht für ihn bestimmt sind.

„Wenn Sie das sagen. Natürlich.“

„Ich habe sie bei Ihnen bestellt.“ Er deutet mit dem Finger auf mich.

„Vielleicht? Wir haben mehrere Mitarbeiter, die Bestellungen entgegennehmen.“

Derselbe Finger wischt meinen schwachen Einwand einfach beiseite. „Sie werden sie liefern. Vater liebte weiße Nelken.“

Anstatt strammzustehen, verschlucke ich fast mein Kaugummi. Der Kerl vor mir kann keine dreißig sein. Und der Mafiosi im Sarg ist mindestens neunzig. War. Ich habe kurz reingelinst. „Rosario Tangorello ist Ihr Vater? Niemals!“

Sheila macht hinter mir ein würgendes Geräusch.

Autsch! Das klang jetzt herzlos. Und ich bin nicht herzlos, ich schwöre es. Nur ... verpeilt, total verpeilt. „Es ... es tut mir sehr leid für Ihren Verlust, Sir.“

Natürlich verschiebt sich das Kaugummi, das in meiner Wange feststeckt. Am Ende meines Beileids macht es ein schmatzendes Geräusch. Ich brauche keinen Spiegel, um zu wissen, dass ich bis zum Haaransatz knallrot bin. Vielleicht sogar bis zu den Ohrläppchen.

„Mr. Tangorello!“, ich will unbedingt aus dieser Kirche und von ihm weg, wirklich unbedingt. „Wenn Sie mich kurz vorbei lassen würden, Sir, dann gehe ich ... um Ihr Blumengesteck zu liefern.“

Ist es zu viel verlangt, dass diese völlig legitime Bitte nicht schmuddelig klingt? Anscheinend schon.

„Der Name ist Scali, nicht Tangorello“, sagt er und lehnt sich ein Stück aus der Kirchentür heraus, um das Floribunda-Schild an der Seite meines Minivans zu lesen. Das, auf dem auch L.A. steht.

„Häh?“

„Meine Mutter hat diesen alten Bastard nie geheiratet“, erklärt Scali geduldig. „Irgendetwas daran, dass er ein Bastard war, so sagte sie es zumindest.“

Es scheint ein schlechter Zeitpunkt zu sein, um anzumerken, wie sehr er meiner bescheidenen Meinung nach der Sohn seines Vaters ist. Aber selbst ohne dass ich meine Meinung laut ausspreche, vertieft sich die Falte zwischen seinen luxuriösen Brauen.

Er wirft einen Blick auf seine Uhr. Ich tue es auch. Es ist eine wunderschöne Uhr, und die Beerdigung des Mafiabosses Rosario Tangorello soll in 2 Stunden und 47 Minuten beginnen.

Das Armband der Uhr glitzert vor seinem schwarzen Hemd und zwingt meine Augen dazu, daran kleben zu bleiben. Trotz meiner diebischen Begeisterung für schöne Dinge weiß ich genau, was er denkt: Seine Nelken werden es nicht rechtzeitig für die Beerdigung zu St. Luke’s schaffen.

Selbst wenn Mr. Scali-nicht-Tangorello glücklicherweise nicht weiß, dass ein Gesteck bei der Ankunft erst aufgebaut und aufgeplustert werden muss; er muss wissen, wie weit L.A. von der abgelegenen Lage von St. Luke’s in Malibu Beach entfernt ist. Und er weiß genauso wie jeder andere in L.A., dass der Pacific Coast Highway immer mit Touristen überfüllt ist und dass in South-Central L.A. um diese Uhrzeit gar nichts mehr geht.

Unerwartet löst sich Scalis Stirnrunzeln auf, nachdem er all diese Variablen in seine Überlegungen einbezogen hat.

Er packt mich an der Schulter und dreht mein Gesicht in Richtung eines knallorangen Wagens, der vor der Kirche parkt.

Mir klappt der Kiefer runter, das Kaugummi fällt heraus und landet auf dem Steinboden. Die Glocken läuten in meinen Ohren – zwei Stunden zu früh für Rosario Tangorellos Beerdigung.

Dieser Typ namens Scali, er kann doch nicht wirklich meinen, was ich denke, dass er meint.

Er ist doch kein Verrückter, oder?

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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author

I am interested in reading more of this book. 😊

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