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Hana-chan can see the others

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Zusammenfassung

Die Menschen denken, sie wären die einzige intelligente Spezies auf der Erde. Und Hana denkt, sie wäre ein ganz normales Schulmädchen. Doch kann die junge Japanerin fremde Wesen sehen, die sonst niemand sehen kann. Sie leben mitten unter uns. Unsichtbar. Eine ganze Bevölkerung, die nicht entdeckt werden will. Denn, auch wenn sie Erdlinge sind, wie wir, werden die Menschen den Planeten bestimmt nicht mit ihnen teilen wollen.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
7
Rating
4.0 2 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Gedächtnislücken

Japan – März 2023

Auf der anderen Straßenseite fällt mir eine unheimliche Gestalt auf. Es ist ein groß gewachsener Mann mit schneeweißer Haut. Die Unterarme und Unterschenkel sind viel zu lang. Dazu ist er mindestens zwei Meter groß. Seine Augen sind doppelt so groß wie die eines gewöhnlichen Menschen und sie funkeln bedrohlich schwarz. Die Lippen sind orange und die purpurfarbenen Haare sehen wie ineinander verflochtene Tücher aus. Der Fremde trägt einen silbernen Overall.

Ich bleibe stehen und starre ihn an. Er nimmt von mir überhaupt keine Notiz und geht in die andere Richtung weiter. Autos fahren sorglos an ihm vorbei. Als wäre diese Erscheinung völlig normal. Sogar ein Postbote auf einem Fahrrad beachtet ihn gar nicht.

Ich runzle die Stirn und kneife die Augen mehrmals zusammen. Langsam bekomme ich Angst. Das kann keine Verkleidung sein. Genauso auffällig wie sein Erscheinungsbild ist auch sein Gang. Alle Bewegungen des Aliens wirken dynamisch und fließend, wie kein Mensch sich bewegen könnte. Es ist schwer zu beschreiben.

Plötzlich drücke ich meinen Rücken durch. Die Augen fallen krampfhaft zu. Ich höre eine Stimme in meinem Kopf:

> Subroutine 1 aktiviert!

> Gedächtnis wird formatiert!

> Begegnung wird aus dem persistenten Speicher gelöscht!

> Stand-by-Modus wird aufgehoben...



Ich schüttele mich. Mir war kurz schwindelig. Ob mir die Frühlingsgefühle zu Kopf gestiegen sind? Na ja.

Mein Name ist Hana Steinhauer. Geschrieben mit dem Kanji 花 für Blume. Ich bin sechzehn Jahre alt und gehe auf die Fujiwara-Oberschule in einem Vorort von Tokyo. Meine Eltern sind für mehrere Monate auf Dienstreise in Deutschland. Darum lebe ich aktuell allein.

Es ist Kirschblütenzeit und ich liebe das. Die Frühlingssonne strahlt auf mein Gesicht und ich muss mich zurückhalten, nicht wie ein kleines Mädchen fröhlich zur Schule zu hüpfen. Die gute Laune geht manchmal mit mir durch. Hihi.

Ich habe lange schwarze Haare und eine Pony-Frisur. Mit meinen 1,50m und den mandelförmigen, großen Augen wecke ich in vielen Menschen einen Beschützerinstinkt. Hab aber trotzdem nicht viele Freunde. In der Schule bin ich in naturwissenschaftlichen Fächern ganz gut. Ich habe ein fotografisches Gedächtnis und vergesse nie etwas. Am besten bin ich im Kopfrechnen. Meine Mitschüler nennen mich deshalb manchmal 電卓ちゃん1. Richtig schlecht bin ich dagegen in Sozialkunde und Philosophie. Irgendwie finde ich da keinen Zugang zu.



Vor der Schule sehe ich in nur 98,4 Metern Entfernung meine beste Freundin Misaki-chan. Ich winke ihr zu und lächle. Dann beginne ich, zu rennen, um sie noch einzuholen.

Sie wirkt überrascht.

„Ach du bist es, Hana-san.“

Meine Freundin ist 6,4 Zentimeter größer als ich. Ihre Haare sind kürzer und sie trägt eine Brille. Misaki ist, so wie ich, auch nicht sonderlich beliebt. Zwar hat sie gute Noten, doch scheint sie nicht viel Zeit in soziale Beziehungen zu investieren.

Wir betreten die Schule. Links und rechts von uns gehen unsere Klassenkameraden an uns vorbei. Einige der Schüler, die von der sozialen Hierarchie als überdurchschnittlich „cool“ eingestuft werden, behandeln uns dabei demonstrativ wie Luft.

Vor dem Klassenraum treffen wir auf Akira-kun. Als er mich sieht, schreckt er auf.

„Oh … Hana-san!!“

Ich lächle. „Guten Morgen.“

„Dir auch einen guten Morgen.“

Misaki runzelt die Stirn. Sie schaut zwischen mir und Akira hin und her. Dann verschränkt sie die Arme.

„Was läuft zwischen euch?“

Ich reiße die Augen auf.

„Oh mein Gott! Woher weißt du das?“

Ihre Stimme verfinstert sich. „Das sieht ein Blinder!“

Ich analysiere Akiras Mimik. Sein Gesicht scheint in einem peinlichen Grinsen eingefroren zu sein.

„Liegt es an dem Erröten in Akira-kuns Gesicht und seinen stark geweiteten Pupillen?“

Statt zu antworten, greift Misaki in ihre Umhängetasche. Dort holt sie ein Taschentuch heraus. Ich lege den Kopf schief. Misaki reicht das Taschentuch Akira und genau in dem Moment fängt die Nase des Jungen an zu bluten.

Ich starre meine Freundin beeindruckt an. „Woher … wie …“

„Ich kenne Akira-kun seit der Grundschule. Also? Was läuft da zwischen euch?“

„Ah! Wir haben heute Nachmittag ein Date.“

Misaki reißt die Augen auf. Dann packt sie mich an den Schultern und schiebt mich von dem Jungen weg, bis wir auf der anderen Seite des Flures an der Wand stehe. Das Mädchen sieht mich ernst an.

„Willst du mir weismachen, dass der schüchternste Nerd der Klasse es ernsthaft gewagt hat, dich um ein Date zu fragen?“

„Wie? Nein. Ich habe ihn gestern gefragt.“

„Was?“

„Ja … warum denn nicht? Er ist nett und ich glaube wir würden gut zusammenpassen.“

„Ja aber …“ Sie sieht an mir hinunter. „Du bist vielleicht nicht sehr beliebt … aber hast du mal in den Spiegel geguckt?“

„Wieso sollte ich in einen Spiegel gucken?“

„Was? Hä? Egal! Ich mein … du bist doch viel zu hübsch und klug und sportlich für so einen Otaku2.“

Ich lächle. „Du findest, dass ich hübsch bin?“

„Alle halten dich für hübsch. Nur …“

„Gruselig?“

„Und ein wenig …“

„Zu intelligent und zeitgleich sozial inkompetent?“

„Spreche ich dir zu langsam?“

„Ja, aber das macht nichts.“

„Achso … äh … egal. Zurück zum Thema!“

„Mit wem sollte ich denn deiner Meinung nach ausgehen?“

Misaki schaut zur Seite und wirkt nachdenklich. „Gute Frage … die Jungs in unserer Klasse sind echt kein gutes Angebot.“

„Dann mit einem Mädchen?“

„WAS?“

„Aktuell ist die Ehe für eine homosexuelle Partnerschaft in Japan noch illegal, aber die Akzeptanz von homosexueller Liebe ist in unserer Generation deutlich angestiegen. Die Chancen stehen nicht so schlecht, dass diese gesellschaftliche Entwicklung zu einer Legalisierung der Ehe führt, bevor ich das Durchschnittsalter für eine Heirat erreicht habe. Als ich neulich bei dir Zuhause war habe ich auch einige Boys-Love-Mangas im Regal …“

Misaki reißt die Augen auf und hält mir eine Hand vor den Mund. „PSST!“

Ich verstumme.

„Also!“, sagt Misaki. „Warum Akira-kun?“

Ich blinzle. „Er ist sehr nett.“

„Er ist klein.“

„Das bin ich auch.“

„Er trägt eine riesige Brille.“

Ich lächle. „Das tust du auch.“

„Was?“

„Was?“

Misaki schüttelt sich kurz. „Ähm … Akira-kun ist total unsportlich!“

„Ja! Genauso wie du!“

„Ja und mich würdest du ja auch nicht daten!“

„Oh, entschuldige. Ich wusste nicht, dass du unsere Beziehung auf diese Weise interpretiert hast.“

„Was? Nein! Habe ich nicht!“

„Doch nicht?“

„Ich versuche nur, dir zu helfen! Akira-kun ist …“

„Die soziale Hierarchie der Schule war kein Maßstab für meine Wahl gewesen.“

Misaki legt den Kopf schief. „Was dann?“

„Meinen Beobachtungen zufolge ist Akira-kun selbstlos und immer nett und freundlich zu anderen Menschen.“

Das Mädchen beißt sich auf die Lippen und wirft einen kurzen Blick über die Schulter zu besagtem Jungen. „Das ist er. Er ist zu nett für diese Welt.“

„Das ist es, was ich an ihm mag.“

„Aber er ist doch viel zu schüchtern für eine Freundin. Er kriegt ja schon Nasenbluten, wenn du ihn nur anlächelst.“

Ich reiße die Augen auf. „Oh … meinst du er könnte am Blutverlust sterben?“

„Na ja … ausschließen kann man das nicht.“

„Was soll ich tun, Misaki-chan?“

Sie verdreht die Augen und stöhnt. „Gott, bist du nervig. Na gut, ich rette dich! Wir gehen vor eurem Date, oder was auch immer das wird, shoppen und besorgen dir was ordentliches zum Anziehen.“

„Inwiefern löst das denn unsere Probleme?“

„Das siehst du dann! Mit der richtigen Kleidung kann man jedes Problem lösen.“



Die Schulglocke läutet. Wir gehen in das Klassenzimmer und setzen uns hin. Ich sitze in der vorletzten Reihe am Fenster, direkt neben Misaki-chan. Als der Lehrer in die Klasse kommt und der Klassensprecher die Schüler zum Aufstehen auffordert, fällt mir jemand auf. Schräg hinter mir, in der letzten Reihe, sitzt ein Mädchen. Sie habe ich noch nie gesehen. Sie trägt dieselbe Schuluniform, wie die anderen, aber sie ist eindeutig kein Mensch. Ich runzele die Stirn. Ihre Haut ist schneeweiß und die Augen pechschwarz. So schwarz, dass man das Weiße um die Iris herum gar nicht sehen kann. Die Kopfform ist absolut unmenschlich. Die Nase ist leicht nach oben gebeugt, die Augen viel zu groß und das Kinn viel zu rund. Dann fallen mir die ungewöhnlich langen Unterarme auf und die extrem dynamischen Bewegungen, mit denen das Mädchen ihre Schulsachen auf den Tisch legt.

Niemand in der Klasse scheint sie sehen zu können. Sonst würde das ein großes Theater geben, dass jemand bei der üblichen Begrüßung einfach sitzen bleibt. Und gerade ein vermeintlicher Alien wie sie müsste doch …

> Subroutine 1 aktiviert!

> Gedächtnis wird formatiert!

> Begegnung wird aus dem persistenten Speicher gelöscht!

> Stand-by-Modus wird aufgehoben…



Misaki und ich sind bis nach Harajuku gefahren, um dort Klamotten zu kaufen. Es ist richtig viel los heute.

„Hast du Geld dabei?“

„Auf meiner Debitkarte hat mein Vater für meine täglichen Bedürfnisse 8.500.000€ aufgeladen. Das sind umgerechnet 1.196.460.000 Yen.“

„Was?? Ist deine Familie so reich?“

„Ich weiß es nicht genau …“

„Wie?“

„Meine Mutter arbeitet in der japanischen Botschaft in Berlin und mein Vater ist ein IT-Spezialist, der high-tech Waffensysteme für die NATO entwickelt.“

„Ist das so …“

Misaki führt mich in ein teures Modegeschäft. Dort geht sie nachdenklich an einigen Oberteilen vorbei.

„Wolltest du etwa in deiner Schuluniform zu dem Date gehen?“

„Ich habe keine andere Kleidung.“

„Oh Gott …“ Misaki verdreht die Augen. „Du kannst echt froh sein, dass du mich hast.“

Ich lächle. „Das bin ich auch.“

Meine Freundin hebt verschiedene Oberteile hoch und hält sie mir nacheinander unter das Kinn.

„Wie lief der Kanji-Test heute für dich?“, fragt sie beiläufig.

„Sehr gut. Ich habe die volle Punktzahl bekommen.“

„Das war klar … du vergisst wohl nie etwas.“

Ich gehe den heutigen Tag im Kopf durch. „Nicht ganz“, widerspreche ich schließlich.

„Hm?“ Misaki legt den Kopf schief, während sie ein pinkes Oberteil mit Rüschen beäugt.

„Ich habe eine Erinnerungslücke von 5 Sekunden vom Fußweg und von 14 Sekunden vom Beginn des Unterrichts.“

„Achso? Meine Erinnerungslücke vom Englisch-Unterricht beträgt ungefähr 90 Minuten.“

Ich lege den Kopf schief.

„Der Englisch-Unterricht ging heute exakt 90 Minuten.“

„Jepp. Und alles ist wieder verflogen.“

„Eine so große Erinnerungslücke könnte ein Anzeichen für eine neurologische Störung sein. Vielleicht solltest du einen Arzt aufsuchen.“

Sie seufzt. „Du verstehst weder Sarkasmus noch Übertreibung, richtig?“

Ich schaue nach links-oben.

„Wo triffst du dich mit Akira-kun eigentlich?“

„Ich habe ihn zu mir nach Hause eingeladen.“

Misaki lässt das Oberteil fallen und schaut mich entsetzt an.

„Du triffst dich mit einem Jungen beim ersten Date direkt bei dir Zuhause? Bist du bescheuert?“

„Warum?“ Ich lege den Kopf schief.

„Es ist euer allererstes Date! Hast du keine Angst, dass er …“

„Was denn?“

Meine Freundin schaut zur Seite.

„Okay. Wir reden hier von Akira-kun. Wir müssen ihn wohl eher vor dir beschützen.“

„Ich habe nicht vor, ihm zu schaden.“

„Und die da?“ Sie zeigt mit dem Finger auf meine Brüste. Ich schaue verwundert nach unten.

„Die sind viel zu weich, um ernsthafte Verletzungen zu verursachen.“

„Akira-kun wird zu einem stammelnden Vollidioten digitieren, sobald er mit dir allein in einem Zimmer ist. Ich such dir etwas raus, das die da vorerst versteckt.“

Ich bin etwas sprachlos. Aber in dieser Angelegenheit vertraue ich Misaki wohl besser. Meine Freundin holt ein pinkes Sommerkleid hervor, das so gut wie keinen Ausschnitt hat.

„Das ist süß. Darin wirkst du nicht zu aufreizend, aber es ist stylisch. Probier das an!“

„Okay!“



Wir warten vor der Umkleidekabine, in der sich offenbar gerade jemand befindet. Wir sehen hin und wieder eine Bewegung im Vorhang.

„Wie lief das eigentlich ab?“, fragt Misaki plötzlich.

„Was meinst du?“

„WIE hast du Akira-kun nach einem Date gefragt?“

„Ich habe ihn nach der Schule angesprochen und gesagt, dass ich ihn mag und mit ihm ausgehen will.“

„Echt? Und wie hat er reagiert?“

„Ich konnte seine Antwort nicht verstehen, weil er zu viel gestottert hat. Nachdem er sie sechs mal wiederholt hat, konnte ich sie entziffern. Er entschuldigte sich unnötigerweise dafür, dass er viel zu minderwertig wäre und willigte dann ein.“

„Oh Gott! So ein Trottel …“

„Dann bekam er Nasenbluten.“

„War klar.“

„Dann hat er angefangen zu weinen.“

„WAS?“

„Anschließend hat er sehr lange darüber geredet, dass er nicht glauben könnte, dass ein hübsches Mädchen ihn mag und wie glücklich das seine Mutter machen wird.“

Misaki dreht sich mit dem Gesicht zur Wand. Zuerst wirkt es so, als würde sie ihren Kopf dagegen schlagen wollen, aber dann erkenne ich, dass sie das nur andeutet.

„Ich habe ihn dann für ein erstes Date zu mir nach Hause eingeladen.“

„Wenn das was wird, werdet ihr definitiv das schrägste Pärchen der Schule werden.“



Der Vorhang öffnet sich schließlich und eine merkwürdige Frau tritt heraus. Sie trägt ein ähnliches Sommerkleid, wie, das, was ich anziehen möchte. Doch sieht diese Frau absolut nicht wie ein Mensch aus …

> Subroutine 1 aktiviert!

> Gedächtnis wird formatiert!

> Begegnung wird aus dem persistenten Speicher gelöscht!

> Stand-by-Modus wird aufgehoben…



„Was stehst du hier noch rum?“, fragt Misaki plötzlich. „Die Kabine ist doch die ganze Zeit frei.“

„Da war doch eben noch jemand drin.“

Meine Freundin schaut in die Umkleide.

„Wen meinst du? Da ist doch gar keiner.“

„Kam da nicht eben jemand heraus?“

„Hä? Wir standen doch die ganze Zeit davor.“

„Ich …“

„Was ist los, Hana-san?“

Verwirrt gehe ich die Daten in meinem Kopf durch. „Ich glaube, ich hatte gerade wieder eine Gedächtnislücke.“

„Wenn du dich davor drücken willst, das anzuprobieren: Das kannst du vergessen!“

Misaki drückt mir das Kleid in die Hand und schubst mich in die Umkleide. Dann schließt sie den Vorhang hinter mir. Unbeholfen sehe ich mich um. Die Situation wirkt neu für mich.

Schließlich hänge ich das Kleid an einem Haken auf und ziehe meine Schuluniform aus. In Unterwäsche betrachte ich lange das pinke Kleidungsstück.

„Misaki-chan?“, rufe ich aus der Garderobe.

„Was ist denn?“

„Ich weiß nicht, wie ich das Kleid anziehen soll.“

„Ist das dein Ernst?“

„Ich hatte so etwas noch nie an. Kannst du mir helfen?“

Ich höre ein genervtes Stöhnen. Dann kommt Misaki durch den Vorhang und quetscht sich zu mir. Meine Freundin wirkt überrascht. Sie mustert meinen Körper von oben bis unten. Ich lege den Kopf schief.

„Ist etwas?“

„Na ja … Du bist … hübsch.“

Ich lächle. „Vielen Dank. Du bist lieb zu mir.“

„Ich mein … deine Haut und deine Figur sind echt krass perfekt. Du siehst aus, als hätte man dich am Computer entworfen. Wie eine Puppe. Das ist fast schon ein wenig …“

„Hübsch?“

„Gruselig.“

„Hä?“

„Egal! Also? Wo ist das Problem?“

„Die Öffnung dieses Kleidungsstückes ist so klein, dass es unmöglich ist, es mir überzustülpen.“

Misaki verdreht die Augen. „Schon mal daran gedacht, den Reißverschluss aufzumachen?“

„Ach … dafür ist der?“

„Wofür denn sonst, du Dummerchen?“

„Ich helf’ dir mal lieber!“ Misaki hilft mir, in das Kleid hinein zu schlüpfen. „Später sollten wir dir auch mal vernünftige Unterwäsche heraussuchen.“

„Ich dachte, der Plan wäre, Akira-kun mit meinen sexuellen Reizen nicht zu überfordern.“

„Darum geht’s nicht. Deine Unterwäsche sieht er ja eh nicht. Aber das, was du da trägst, brauchen die Omas zurück, denen du die geklaut hast.“

„Ich habe nicht …“

„Das war ein Witz!“

„Ah.“

„Mein Gott … Du bist ein hoffnungsloser Fall.“

Ich betrachte mich im Spiegel.

„Die Farbe ist ungewohnt“, sage ich.

„Es steht dir aber. Dir steht wahrscheinlich alles.“

Ich drehe mich zu ihr und lächle. „Dann danke ich dir, dass du es für mich ausgesucht hast. Es wird Akira-kun bestimmt auch gefallen.“

„Gehen wir noch irgendwo was essen“, schlägt Misaki vor. „Ich muss dir noch einige Regeln erklären, bevor ich dich auf das Date lasse!“



> Subroutine 2 aktiviert!

> Situation mit sozialer Nahrungsmittelaufnahme steht bevor...

> Wähle passende Kompensation...

> Sperre zur Tätigung unwahrer Aussagen temporär aufgehoben...



„Hast du keinen Hunger?“, fragt meine Freundin und beißt in ihr Onigiri. Ich sitze ihr gegenüber und schaue nachdenklich auf mein Essen.

„Ach, ich habe vergessen, dass ich gerade eine Low-Carb-Diät mache.“

„DU hast etwas vergessen?“

„Möchtest du meine Onigiri haben?“

Ohne zu zögern, greift Misaki über den Tisch. „Na gut!“

Ich sehe meine Freundin nur selten lächeln. Sie zeigt nicht viele Emotionen. Wenn sie Nahrungsmittel aufnimmt, scheint das anders zu sein. Sie scheint mit einem ständigen Drang zu kämpfen, die Mundwinkel unten zu halten. Ihr Lächeln erschwert die Kaubewegungen deutlich. Genüsslich schließt sie die Augen.

„Das scheint dir zu schmecken.“

Sie nickt eifrig. Dann schluckt sie. „Ich liebe Essen!“

„Das freut mich.“

„Also! Zu Akira-kun!“

„Ja?“

„Was hattet ihr denn heute geplant?“

„Ich dachte wir könnten unserem gemeinsamen Hobby nachgehen und Videospiele spielen.“

„Das klingt super unromantisch. Aber vielleicht ist das tatsächlich besser so, damit der Junge nicht total überfordert von seinen Hormonen ist.“

„Ist das wirklich eine reale Gefahr?“

Misaki sieht mich mitleidig an.

„Sollte ich ihn heute dann lieber nicht küssen?“, frage ich.

„Willst du ihn umbringen??“

„Könnte ihn das wirklich so stark verletzen?“

„Kein Kuss vor dem dritten Date!“

„Na gut.“

„Und kein Körperkontakt!“

„Verstanden.“

„Na gut, du darfst am Ende kurz seine Hand halten.“

Mein Herz schlägt schneller. Ich werfe einen Blick in das volle Glas Wasser vor mir und grinse über beide Ohren.

„Die Vorstellung allein, kribbelt richtig.“

Misaki sieht mich an. „Erzähl mir unbedingt, wie es gelaufen ist!“

„Gerne.“ Meine Freundin holt ihr Smartphone hervor.

„Ich füg dich mal bei LINE hinzu.“

„LINE?“

„Hast du die App nicht?“

Ich hole mein Smartphone aus meiner Umhängetasche. „Ich installiere sie mir schnell. Einen Moment!“

1Taschenrechner-chan

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