Die Ärztin des Dons: Eine Mafia-Romanze

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Zusammenfassung

Als Carina Leoz’ Vater stirbt, nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung. Ein Mann im Anzug taucht im Haus ihrer Mutter auf und überbringt einen Brief ihres verstorbenen Vaters: Sie erfährt, dass ihre Familie seit Jahrzehnten tief in der Schuld der Mafia steht. Als einzige Ärztin in der Familie muss Carina nun dem skrupellosen Mafia-Don Cristiano Villani dienen, um das Leben ihrer Liebsten zu schützen. In eine Welt hineingezogen, die sie zutiefst verachtet, findet sich Carina in Cristianos prunkvoller Villa in Chicago wieder – ihrer Freiheit beraubt. Trotz ihrer Angst und Wut kann sie sich der Anziehungskraft und dem Sog, den er auf sie ausübt, nicht entziehen. Gefangen zwischen Pflicht und Verlangen muss Carina entscheiden, ob sie vor der Dunkelheit flieht oder sich ihr hingibt. Können Carina und Cristiano einen Weg finden, zusammenzusein, oder wird ihre Liebe das ultimative Opfer fordern?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
57
Rating
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Altersfreigabe
18+

Wir sehen uns bald wieder

Carina

Der Wind weht mir die Haare ins Gesicht. Sie kleben an den Tränen fest, die mir ununterbrochen über die Wangen laufen. Seit der Nachricht von Papás Tod Anfang der Woche haben sie keine Sekunde lang aufgehört.

Ich bin quer durch das Land geflogen, um hier zu sein. Ich wollte Mamá und meinem Bruder beistehen, während Familie, Freunde und völlig Fremde mit uns reden und Papá die letzte Ehre erweisen. Ich will nicht hier sein. Ich will den Leuten nicht beim Reden und Lachen zuhören.

Sie sagen alle das Falsche.

Genau das erwarte ich auch, als eine Frau auf mich zukommt, die ich noch nie gesehen habe. Ich wische mir hastig das Gesicht ab. Ich nehme ihre Hand, die sie mir reicht. Sie legt mir die andere Hand auf die Schulter. Dann sagt sie eine Reihe von Sätzen, die mich zweifellos trösten sollen.

Aber ich höre sie nicht. Ich nicke einfach nur.

Ich zwinge mir nicht einmal ein Lächeln ab. Ich nicke nur.

Sie geht weiter zu Mamá, die neben mir steht, und macht dasselbe. Doch Mamá nimmt weder ihre Hand, noch nimmt sie ihre Anwesenheit überhaupt wahr. Die Frau lächelt nur sanft und geht weg, als sie von Mamá keine Reaktion erhält.

„Wer war das?“, schaffe ich es zu flüstern, trotz des Kloßes im Hals.

„No sé.“ (1)

Mehr antwortet Mamá nicht, bevor sie seufzt und sich setzt. Es ist ihr egal, dass andere Schlange stehen, um uns ihr Beileid auszusprechen.

Saúl tritt vor und erklärt allen, dass wir erst einmal allein sein wollen.

„Danke“, murmele ich.

„Ich glaube, für meine Mutter reicht es. Wir sollten sie nach Hause bringen.“

Ich sehe ihn an und nicke. Er sieht Papá so ähnlich. Ihm würden nur ein dicker Schnurrbart und ein paar graue Haare fehlen, um uns alle zu täuschen.

„Ich will nicht nach Hause“, schnaubt Mamá neben mir. Sie holt ihren Fächer heraus und wedelt sich damit Luft zu.

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. Ich verkneife mir einen Witz darüber, wie lächerlich sie mit dem Ding aussieht, während ich mir wegen des starken Windes ständig die Haare aus dem Gesicht streichen muss.

„Mamá, wir können nicht den ganzen Tag hier bleiben“, flüstert Saúl.

„Zuhause ist ohne Javier nicht mehr Zuhause.“

Nein, es fühlt sich nicht mehr wie ein Heim an, aber was sollen wir sonst tun?

Saúl sieht mich an und zuckt mit den Schultern. „Wir haben es versucht.“

Ich schlucke und meine Nasenflügel beben. Ein Teil von mir ist dankbar, dass wir noch nicht nach Hause gehen. Ich glaube, ich könnte das noch nicht ertragen. Papás Büro, sein Lieblingssessel, seine Kaffeetasse und der Geruch seines Parfüms sind ständige Erinnerungen. Sie zeigen mir, dass er da war, aber nun weg ist.

Eine kalte Brise klatscht mir gegen die Wange. Ich presse die Zähne fest zusammen, damit sie nicht klappern. Chicago heißt nicht umsonst die „Windy City“.

Ich beobachte, wie die Leute zum Sarg treten. Ich sehe zu, wie sie Blumen darauf legen. Einige weinen, andere lächeln, manche klopfen nur auf das Holz. Ich nicke entfernten Verwandten zu, wenn sie an uns vorbeigehen. Aber ich weigere mich aufzustehen und mich an den Gesprächen zu beteiligen.

Ich will mit niemandem reden. Schon gar nicht will ich so tun, als wäre alles okay.

Papá ist weg. Nichts auf der Welt kann die Lücke füllen, die er hinterlassen hat.

„Oh nein“, flüstert Mamá neben mir. Sie greift nach meinem Arm und hält sich fest.

Ihre Nägel graben sich schmerzhaft in meine Haut. Ich verberge mein verzogenes Gesicht und sehe zu ihr hinunter. „Was ist los?“

Sie hebt den Kopf und deutet mit dem Kinn nach vorne.

Ich folge ihrem Blick. Ein großer Mann, der fast nur aus Muskeln besteht, kommt auf uns zu.

Saúl flucht leise und stellt sich vor Mamá und mich. „Wir möchten jetzt allein sein.“

Der Mann legt den Kopf schief. Er zieht eine Augenbraue hoch und wirft Mamá einen Blick zu.

„Dejaló“, flüstert sie. (2)

Ich drehe mich zu ihr um. „Kennst du diesen Mann?“

„Leider.“ Sie steht auf, während sie spricht, und verschränkt die Arme vor dem Bauch.

„Estela, ich bin hier, um Abschied zu nehmen. Dein Mann war sehr… wichtig für mich.“

Mamás Lippen beben, als wollte sie ihr finsteres Gesicht verbergen. „Ich glaube nicht, dass er dich hier haben wollte.“

Der Mann lächelt. Er zeigt eine Reihe perfekter weißer Zähne. Ein charmantes Grübchen erscheint auf seiner linken Wange und macht sein hartes Aussehen etwas weicher.

Er spielt mit den Ärmeln seines Sakkos und rückt es an den Schultern zurecht. „Dein Mann und ich waren sehr gute Freunde.“

Mamá schnaubt verächtlich. „Freunde? Du bist nur hier, weil ich meine Familie schützen will. Eres una mierda.“ (3)

„Mamá!“ Ich kann nicht anders als einzugreifen. Ich habe sie in meinem ganzen Leben noch nie ein böses Wort sagen hören. Es ist mir peinlich, sie so reden zu hören.

In diesem Moment sieht der Mann mich an, und Gott, ich wünschte, ich könnte mich verstecken. Ich verkrampfe mich unter seinem Blick. Seine intensiven braunen Augen wirken erfahren und wissend. Er hat dichte, markante Brauen, die er konzentriert zusammenzieht, während er den Kopf neigt. „Du musst Carina sein.“

Mein Herz klopft so laut gegen meine Brust, dass ich mich umsehe, ob andere es auch hören können. Es ist fast so, als müsste ich ihm antworten. Er strahlt so viel Autorität aus, dass man sie förmlich in der Luft spüren kann. „Ja.“

Sein Lächeln wird breiter, was mir einen Schauer über den Rücken jagt. Sein tiefschwarzes Haar ist perfekt nach hinten gestylt. Alles an ihm wirkt so präzise wie sein maßgeschneiderter schwarzer Anzug und seine Krawatte. Es scheint, als könnte der Wind ihm nichts anhaben. Ich schaudere.

Seine Augen wandern über mein Gesicht und bleiben kurz an meiner Brust hängen, bevor er mir wieder in die Augen sieht. Ich ziehe meine Jacke enger um mich und ziehe die Stirn kraus. Es ist beunruhigend, wie er mich ansieht und mustert.

Er antwortet mit einem noch breiteren Grinsen, was mich noch mehr nervös macht. „Wir sehen uns bald wieder.“

Seine Stimme ist ein tiefer Tenor, der schwer in der Luft liegt und manchmal schwer zu verstehen ist. Ich bekomme eine Gänsehaut beim Klang seiner Stimme.

„Was zum Teufel soll das, Mann? Wer bist du überhaupt?“, schimpft Saúl. Er versucht sich zwischen uns zu drängen, aber Mamá hält ihn zurück.

„Lass gut sein, Saúl. Lass den Mann gewähren.“

Saúl sieht Mamá mit gerunzelter Stirn an. Er zieht die Schultern hoch, als wäre er von ihrer Bitte beleidigt.

Der Mann lässt mich nicht aus den Augen. Er steckt die Hände in die Taschen. Doch er ist nicht schnell genug, sodass ich die Tattoos an seinen Fingern und Handgelenken bemerken kann.

„Mein Beileid zu deinem Verlust, Carina.“ Er spricht direkt zu mir und ignoriert Saúl völlig.

Die Art, wie er meinen Namen ausspricht, lässt mich die Lippen zusammenpressen. Es klingt, als hätte er meinen Namen schon eine Million Mal gesagt. Als würde er mich schon mein ganzes Leben lang kennen.

Mamá schnaubt und schüttelt den Kopf. „Ist das alles, was du zu sagen hast?“

Er sieht mich noch einen Moment länger an. Er muss seinen Blick fast gewaltsam von mir losreißen. „Das ist es.“

„Dann geh.“

Mein Mund wird trocken. Während des ganzen Gesprächs standen zwei Männer an seiner Seite. Es ist offensichtlich, dass sie Waffen tragen. Und noch offensichtlicher ist, dass sie wissen, wie man sie benutzt. Mamá ist in einem sehr merkwürdigen Moment so unhöflich.

Ich verkneife mir eine Zurechtweisung.

Der Mann neigt den Kopf vor Mamá und schenkt mir ein Lächeln, bevor er sich zum Gehen umdreht. Er ist auf halbem Weg zu seinem Auto, als er seinen Begleitern etwas sagt. Beide drehen sich zu mir um. Ihre Augen weiten sich und sie ziehen neugierig die Brauen hoch.

Ich zittere.

Ich wende mich an Mamá. „Wer ist das?“

Sie sieht mich mit Tränen in den Augen an. „Das wirst du früh genug erfahren.“

„Was soll das bedeuten?“

„Ich habe deinen Vater geliebt, aber das hier konnte ich ihm nicht verzeihen. Es tut mir leid, mija, aber ich kann es dir nicht sagen. Das ist eine Sache zwischen dir und ihm.“ (4)

Saúl schüttelt den Kopf. „Was?“

Genau das denke ich auch. Wovon redet sie da? Ich bin zu aufgewühlt, um weiter nachzufragen. Ich hoffe einfach, dass der Mann nicht existiert, wenn ich ihn ignoriere.

Mamá schnaubt. „Ich will jetzt gehen.“

Ich lasse den Blick noch einmal über den Friedhof und den Sarg schweifen. Auch wenn Papás Körper dort drin liegt, weiß ich, dass er es nicht wirklich ist. Es ist nur seine Hülle.

Sobald ein Mensch stirbt und die Seele geht, wirkt der Körper fremd auf mich. Das Erlöschen des Lichts in den Augen ist unheimlich. Daran habe ich mich weder im Studium noch in der Praxis gewöhnt.

Ich wollte Ärztin werden, um in Papás Fußstapfen zu treten. Aber ich hoffe, dass der Tod für mich nie zu etwas Alltäglichem wird.

Wir entfernen uns von der Trauergemeinde, ohne uns zu verabschieden. Wir schaffen es zu meinem Auto, ohne dass uns jemand aufhält. Tío Fer hat zugestimmt, sich um den Rest der Beerdigung zu kümmern. So können Saúl und ich Mamá nach Hause bringen, ohne uns Sorgen machen zu müssen.

Ich sitze am Steuer, während Mamá und Saúl hinten sitzen. Wir haben seit heute Morgen nichts mehr gegessen, aber ich bekomme keinen Bissen herunter. Trotzdem frage ich: „Soll ich irgendwo anhalten, um Essen zu holen?“

„Ich kann nicht mal ans Essen denken“, flüstert Mamá.

Ich beobachte sie im Rückspiegel. Saúl legt den Arm um sie und sie bettet ihren Kopf auf seine Schulter.

Sie schließt die Augen. Ich umklammer das Lenkrad und habe Angst vor der Zukunft ohne Papá.

Und ich habe Angst vor dem Leben, in dem dieser Mann nun offenbar eine Rolle spielt.


(1) No sé – Ich weiß nicht.

(2) Dejaló – Lass ihn.

(3) Eres una mierda – Du bist ein Stück Scheiße.

(4) Mija – Wörtlich übersetzt „meine Tochter“, aber es ist ein Kosewort wie Liebes, Schätzchen oder mein Kind.

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