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Kirschblütenküsse

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Zusammenfassung

Minami lebt mit ihrer Familie in Tokyo. Doch obwohl Tokyo inzwischen als weltoffen gilt hat Minami eine sehr strenge und konservative Erziehung, vor allem durch ihre Mutter und Großmutter, genossen. Daher ist sie ziemlich erschrocken als sie den, nur wenig älteren, aufstrebenden Musiker Keita durch Zufall beim Frühlingsfest, auf welches sie sich heimlich geschlichen hat, kennenlernt. Nachdem sie jedoch den ersten Schreck überwunden hat beginnt sie Keita für seine Einstellung zum Leben zu bewundern. Eine zarte Freundschaft entsteht zwischen den beiden. Oder ist es doch Liebe? Doch was wird geschehen wenn Minamis Familie von ihren Treffen erfährt? Soll Minami ihnen davon erzählen bevor sie das Geheimnis selbst heraus finden oder schweigen? Eine schwere Entscheidung steht ihr bevor. Wenigstens der Großvater von Keita scheint sie beide zu unterstützen...

Status:
vor 2 Jahren
Kapitel:
26
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Kapitel 1: Das Frühlingsfest

»Ich habe es dir schon einmal gesagt Minami: Du wirst auf keinen Fall auf das Frühlingsfest in der Stadt gehen!« Ihre Mutter sah Minami ein abscheuliches Verbrechen begangen. Jedenfalls kam es Minami so vor. »Außerdem habe ich dir auch schon erklärt warum. Es gibt nichts, wo mehr Sünden begangen werden? Und das willst du doch nicht, richtig? Davon abgesehen gibt es hier im Haushalt noch genug zu tun. Du kannst deiner Großmutter zum Beispiel mit den Kimonos, die draußen noch auf der Leine hängen, helfen. Außerdem muss noch das Abendessen vorbereitet werden. Es gibt also noch genug Aufgaben für dich!«

Gerade noch rechtzeitig konnte Minami sich ein Seufzen verkneifen. Bisher war ihre Mutter wirklich gut gelaunt gewesen. Daher hatte sie sich ihre Chancen wenigstens dieses Jahr das Frühlingsfest zu besuchen, sei es auch nur das einzige Mal in ihrem Leben und danach nie wieder, recht gut ausgesehen. Anscheinend aber hatte sich Minami getäuscht. Also würde sie die Laternen wohl wieder nur von dem Garten ihres kleinen Hauses, in dem sie mit ihrer Familie lebte, aus betrachten können. Ihre Großmutter zu fragen, das wusste Minami sehr gut, würde absolut gar nichts bringen. Denn wenn ihre Mutter es ihr schon verbot auf das Frühlingsfest zu gehen, standen die Chancen es von ihrer Großmutter erlaubt zu bekommen noch tausendmal schlechter. Mindestens. Also würde sie sich wohl wie jeden Tag tatsächlich wieder dem Haushalt und später dem Abendessen zuwenden müssen. Natürlich beschwerte sie sich nicht darüber. Das würde ihr niemals einfallen. Sich zu beschweren oder jegliche Widerworte und seien es auch nur die kleinsten würden ihr nämlich noch viel mehr Ärger und Tadel einbringen als die Bitte das Frühlingsfest, welches ihre Großmutter und Mutter gerne auch als Sündenpfuhl bezeichneten.

»Minami hör endlich auf zu träumen und hilf deiner Großmutter«, riss die Stimme ihrer Mutter Minami mit einem Mal wieder aus ihren Gedanken.

Minami zuckte unmerklich zusammen. »Ja Mutter, natürlich«, sie verneigte sich knapp und machte sich dann auf den Weg in den Garten.


Im Garten angekommen wartete schon ihre Großmutter auf Minami. »Wo bleibst du denn schon wieder? Hat deine Mutter dir nicht gesagt dass du mir helfen sollst?«, wurde Minami auch gleich von ihr getadelt.

»Doch aber...«, setzte Minami an, doch ihre Großmutter unterbrach sie sogleich.

»Sag bloß, du hast wieder darum gebeten auf das Fest zu gehen? Du lernst wohl nie aus, was? Müssen wir es dir denn wirklich jedes Jahr immer wieder neu verbieten? Wann wirst du endlich verstehen, dass das nichts für junge Mädchen wie dich ist?«

Nie, hätte Minami am liebsten gesagt doch sie ließ es. Stattdessen sagte sie: »Die Mädchen in meiner Klasse schwärmen alle davon...« Erst als ihre Großmutter einen Schritt auf sie zu machte, erkannte Minami dass auch das nicht gerade klug gewesen war zu sagen.

»Genau aus diesem Grund war ich immer dafür dich privat unterrichten zu lassen und nicht dich eine dieser Mädchenschulen besuchen zu lassen, die absolut keine Traditionen mehr pflegen«, ihre Großmutter seufzte. »Ich werde wohl noch einmal mit deiner Mutter ein paar Worte reden müssen.«



Der letzte Tag, dachte Minami, nachdem sie ihre Aufgaben erledigt hatte und das Abendessen vorbei war, es ist der letzte Tag des Frühlingsfestes und ich sitze wieder nur in meinem Zimmer am Fenster. Minami seufzte. Abgesehen von ihr und ihrer Familie war heute wohl keiner zuhause anstatt auf dem Frühlingsfest. Wie viel Spaß die anderen Menschen auf dem Fest hatten konnte sie sich nur in ihren Träumen vorstellen. Abermals seufzte Minami. Dieses Mal etwas länger. Selbst wenn sie nächstes Jahr wieder fragte ob sie das Fest würde besuchen durfte, würde die Antwort vermutlich wieder dieselbe sein. Darin war sich Minami mehr als sicher. Was also sollte sie tun? Sich heimlich und ganz alleine auf das Fest schleichen? Theoretisch wäre es möglich, überlegte Minami. Ihr Zimmer befand sich zwar in der ersten Etage aber, wenn man es geschickt anstellte, konnte man über die Rosenleiter hinunter klettern in den Garten. Von da aus war es, zu Fuß, eine Stunde bis in die Stadt. Hin- und Rückweg insgesamt also zwei Stunden. Wenn sie also eine Stunde auf dem Fest blieb wäre sie für drei Stunden nicht zuhause. Davon abgesehen lagen die Schlafzimmer ihrer Eltern und ihrer Großmutter auf der anderen Seite zum Innenhof. Was sollte schon passieren? Erwischt werden würde sie ja wohl kaum, oder?

Minami hatte Glück. Sie schaffte es, fast ohne Probleme, die Rosenleiter hinunter aus ihrem Zimmer in den Garten zu klettern. Nur zweimal blieb kurz der Ärmel ihres Kimonos an den Dornen der Rosen, die zum Glück noch nicht blühten, hängen was die Luft vor Aufregung anhalten ließ. Nachdem sie sich jedoch befreien konnte und endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, fühlte sie sich mehr als erleichtert. "Drei Stunden. Drei Stunden und keine Sekunde länger", murmelte Minami leise vor sich hin. Miteinberechnet Hin- und Rückweg. Dann machte sie sich auf den Weg zu dem Fest.


Als Minami nach knapp einer Stunde Fußmarsch ankam wusste sie nicht wohin sie zuerst blicken sollte. Überall waren Stände, an welchen man die verschiedensten Dinge und Leckereien erwerben konnte. Außerdem befanden sich überall Laternen, so dass es schien, als sei die Nacht zum Tag geworden. Mit einem Lächeln schlenderte Minami durch die Gassen. An manchen Plätzen gab es Vorführungen von Künstlern. Ein Feuerschlucker fiel ihr auf und auch mehrere Turner zeigten in glitzernden Kostümen ihr herausragendes Können.

»Wollt ihr mich auf den Arm nehmen? Wir hatten ganz klar ausgemacht dass ich jetzt, um exakt zweiundzwanzig Uhr, hier auftreten kann! Ich habe sogar eine Anzahlung dafür gemacht! Und jetzt wollt ihr mir erzählen, dass ich hier nicht spielen darf? Das kann ja wohl kaum euer Ernst sein!«, erklang auf einmal ganz in der Nähe von Minami eine, mehr als aufgebrachte, junge Männerstimme.

»Es ist eben jemand nach dir gekommen, der uns gleich den gesamten Preis bezahlt hat. Und zwar in bar, Keita«, entgegnete eine weitere Stimme, diese jedoch mehr als unbeeindruckt.

»Das restliche Geld kann ich euch auch bezahlen. Direkt nachdem ich mit meinem Auftritt fertig bin! Also sogar noch heute!«

»Ja. Aber wie du sagst nach deinem Auftritt. Und für unseren Boss ist es eben besser, das gesamte Geld sofort zu erhalten.«

»Seid ihr dumm oder so? Ich habe schon die Anzahlung gemacht!«

»Du bist der, der es nicht versteht Keita: Es spielt keine Rolle. Deine Anzahlung kannst du dir sonst wohin stecken!«

»Ihr wollt also so einem untalentiert und mehr als drittklassigem Typen den Platz geben? Und nicht mir, obwohl ihr wisst, dass ich mindestens zehnmal besser Musik mache?«

»Keita«, ein äußerst genervtes Seufzen war zu hören »du scheinst es immer noch nicht verstanden zu haben: Es ist im Endeffekt egal wer da steht. Hauptsache ist er bezahlt gut und schnell!«

Eine Weile war nichts mehr zu hören. Dann: »Glaubt mir: Das werdet ihr noch bereuen!«

Minami, die sich bisher erfolgreich davon abgehalten hatte dorthin zu gehen, woher die Stimmen kamen, runzelte die Stirn. Sie verstand nicht genau, worum es ging, aber anscheinend war es ein Gespräch, zwischen einem Musiker namens Keita und ein paar anderen, indem es um einen Auftritt ging. »Schade, dass er nicht auftreten darf. Ich hätte ihn gerne gehört ...«, murmelte sie leise. Weiter kam sie nicht, weil jemand sie auf einmal anstieß.


Keita war wütend. Wobei wütend eigentlich noch eine ziemlich große Untertreibung war. Seit Tagen hatte er sich auf den Tag heute vorbereitet und sich darauf gefreut morgen oder vielleicht sogar heute Nacht was richtiges essen zu gehen. Schließlich gaben die meisten Menschen auf Festen, zumindest seiner Erfahrung nach, den Künstlern und Musikern bei ihren Auftritten mehr als an normalen Tagen. Aber nein, jetzt verbot man ihm aufzutreten obwohl er schon vor Wochen eine Anzahlung, die ihn wirklich fast sein gesamtes Geld gekostet hatte, leistete. Und dann bekam er jetzt die Anzahlung noch nicht einmal zurück. Es war wirklich zum Haare raufen! Keita fluchte herzhaft. Die nächste Zeit würde definitiv schwer werden. Vermutlich würde er, auch wenn ihn das alles andere als freute, wieder seinen Großvater nach Geld fragen müssen. Dabei hatte er bei ihm eigentlich schon genug Schulden. Keita ballte die Hände zu Fäusten, fluchte erneut und beschleunigte seine Schritte. Zumindest bis er gegen jemanden lief.

»Sorry ...«, sagte Keita, ohne aufzusehen.

»Ist schon in Ordnung«, entgegnete die Person, gegen die er gelaufen war.

Überrascht sah Keita auf. Das die Stimme der Person einem jungen Mädchen gehörte, erkannte er sofort. Und es war ein äußerst hübsches Mädchen, wie er jetzt feststellte. Äußerst hübsch aber sie schien ein wenig erschrocken zu sein.

»Tut mir leid«, sagte Keita noch einmal. »Ich wollte wirklich nicht unhöflich sein und dich anrempeln. Ich war nur gerade etwas aufgebracht und habe dich deshalb zu spät gesehen.« Das stimmte nicht ganz. Immerhin hatte er sie, genau genommen, in seiner ganzen Wut überhaupt nicht wahrgenommen aber das konnte er ja wohl kaum sagen.

»Schon gut. Ist nicht schlimm«, das Mädchen klopfte sich den Kimono, der wirklich sehr schön war, ab. Dann sah sie ihn lächelnd an. »Das meine ich wirklich ehrlich«

»Nun gut... Dann ähm...«, Keita räusperte sich. »Auf Wiedersehen«, das glaubte er zwar nicht aber sagen tat er es trotzdem.

»Ja...«, sie wusste anscheinend ebenso wenig, was sie sagen sollte.

»Auf Wiedersehen«, wiederholte Keita sich noch einmal, drehte sich um doch gerade als er weitergehen wollte hörte er wie sie ihn noch einmal ansprach.

»Ich hätte deine Musik gerne gehört!«

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